Mannheim
Compact Memory

Jüdische Wochenschau · 1964-01-17 · 2047 (17.1.1964) · p. [Seite 2]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
25 (1964)
Issue
2047 (17.1.1964)
Date
1964-01-17
Page
[Seite 2] (sequence 2)
Language
German, Spanish
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/9616703-9614256-9614279--3159-9614281
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

2 — Viernes, 17 de Ewr« de 1964 LA SEMANA ISRAELITA Año XXV. — No. 2047 Eine historische (Schluss von Seite 1) sichinahmen und Erwägungen die Haltung des Papstes beeinflussten, so liegt dennoch in der Tatsache, dass der Papst nach Israel kam und dort von den staatlichen Repräsentanten empfangen wurde, eine versöhnliche Geste, vielleicht sogar ein politisches Bekenntnis zur Existenz des Staates Israel, obwohl die kirchlichen Stellen nicht müde wurden, den xein religiösen Charakter dieses Besuches zu unterstreichen. Man hat die Entschließung des israelischen Oberlabbiners kritisiert, der nicht zur Begrüssung des Fapstes erschien, weil eine Erwiderung dieses Besuches im Oberrabbinat nicht im Programm berücksichtigt wurde. Obwohl zugegeben sein mag, dass man über diese Stellungnahme verschiedener Ansicht sein kann, strahlt diese Entscheidung des Oberrabbiners doch Würde aus; sie zeugt von Selbstrespekt und beweist, dass mit Gesten der Freundschaft oder Leutseligkeit allein nicht der Weg zu einem neuen Verhältnis gefunden ■werden kann. Weil wir in diesen Augenblicken erst am Anfang neuer Beziehungen des Christentums zum Judentum stehen, müssen wir abwarten. bis die Entscheidungen der Katholischen Kirche über ihre künftige Einstellung und Haltung gegenüber dem Judentum, der Judenheit und auch gegenüber Israel festere Formen angenommen haben. r. FREY ABOGADO PUEYRREDON 2J90 l9 izq. VERREIST vom 1. bis 19 Januar REAL PEN Füllhalter REPARATUREN Spezialgeschaeft CORRIENTES 569 T. E. 49-5850 Jaime Liebling S. A. SPERRHOELZER H O E L Z E R DIAZ VELEZ 5224 Tel.: 89-9349, 33-9305 PROPIEDADES FRANKENBERG S. R. L. jerät Sie kostenlos und inverbindlich beim Kauf oder Verkauf von GESCHAEFTEN WOHNUNGEN HAEUSERN VIRREY DEL PINO 2262 T. E. 73-7887 Gewiss hat der Papst bei seinen Reden wiederholt das Wort ,.Sehalom!“ benutzt, jenen Gruss des neuen Israel, mit dem es seiner Absicht zum Frieden und seinem Willen für einen Frieden in einer lebendigen, alltäglichen Form Ausdruck verleiht. Niemand sollte diese Erwiderung des Grusses Israels und der Judenheit überhören und die Bedeutung verkennen, die in dieser Geste liegt. Aber es ist eben nur ein« Geste, ein freundliches Wort, das von einer Stelle ausgeht, die viel mehr als Worte aussprechen kann und müsste, um einer sich über die viele Jahrhunderte hinziehenden Auseinandeisetzung zwischen Judentum und Christentum ein Ende zu setzen, einer Auseinandersetzung, die von unserer Seite niemals, von der anderen allzu häufig nicht mit den Mitteln des Geistes, sondern denen des Schwertes geführt worden ist. — Im Namen und Aufträge des Papstes besuchte der Dekan der Kardinalskongregation, Kardinal Eugene Tisserant, also ein sehr hoher Würdenträger der Kirche, das Mahnmal für die sechs Millionen jüdischer Märtyrer, die dem Hitlerwahnsinn zum Opfer gefallen sind. Kardinal Tisserant entzündete sechs Lichter im ehrenden Andenken an diese Toten. Er sagte, er sei gekommen, „um unserem tiefen Mitgefühl mit Eurem grossen und schmerzlichen Verlust Ausdruck zu verleihen.“ Diese Ehrung der nazistischen Opfer wurde mit Genugtuung aufgenommen. Schliesslich spielte sich der Papstbesuch innerhalb eines einzigen Tages ab und war in erster Linie den der Christenheit heiligen Stätten gewidmet, die räumlich weit auseinanderliegen. Dass dennoch ein so hoher Würdenträger der Kirche die Zeit fand und die Gelegenheit der Ehrung der sechs Millionen Märtyrer wahrnahm, kann nur als ein Zeichen des Mitgefühls und der Solidarität aufgefasst 'werden. Der Besuch an diesem Mahnmal gewinnt durch die Worte an Bedeutung, die der Papst selbst beim Abschied von Israel gesprochen hat, mit denen er das Andenken des Papstes Pius XII. ehrte, dessen Haltung während der Judenverfolgungen im Dritten Reich in den letzten Monaten einer heftigen Kritik unterzogen worden ist. Bekanntlich hat der deutsche Dramatiker Rolf Hochhuth in seinem Schauspiel ,,Der Stellvertreter“ diesen Papst heftig angegriffen und ihm vorgeworfen, dass er schwieg, als alle Welt sein Wort für die Verfolgten erwartete. Zweifellos wollte Hochhuth mehr als ein Theaterstück schreiben. Er fügte dem eigentlichen Drama ..Historische Streiflichter“ hinzu, in denen er dokumentarisches Material auf 45 eng bedruckten Seiten ver- I öffentlichte. um die in seinem Werk erhobene Anklage gegen den Papst zu belegen. Das Theaterstück hat bekanntlich einen grossen Widerhall gefunden, wobei die Meinungen über die Berechtigung der Anklage gegen Pius XII. weit auseinandergehen. Auch die jüdische Kritik ist durchaus nicht ein-! heitlich gewesen, i Es musste überraschend i wirken, dass Paul VI. seinen Abschied von Israel zur Gelegenheit nahm, sich mit diesem Stück auseinanderzusetzen, das er als ungerechten Vorwurf gegen den Papst Pius XII. und die Katholische Kirche bezeichnete. Vielleicht sollte der Besuch! des Kardinals Tisserant am Mahnmal der Märtyrer zu- | gleich auch eine Demonstration des Papstes sein, die wahre Gesinnung der Kirche : in der Frage der nazisti- ' sehen Judenverfolgungen vor den Augen aller Welt zu bekunden. | Nur der Klarheit willen ' sei hier festgestellt, dass der! deutsche Autor Hochhuth kein Jude ist und auch keine Beziehungen zum Juden- , tum hat. Nach seinen eigej nen Auslassungen hat ihn; seiu Gewissen dazu getrie- : ben, dieses Werk zu schreiben, weil er davon überzeugt : ist, dass die Haltung des damaligen Papstes ein Unrecht , darstellte, das als solches gekenzeichnet werden müss- ■ te. Dass I'rchhuth als Proj testant einen Schlag gegen j die Kirche führen wollte, ist ‘ durchaus nicht erwiesen. Hochhuth, der die Hitlerzeit als Kind mitmachte (geboren 1931), hat erst kürzlich j einer jüdischen Journalistin : erklärt, dass er in seiner Kindheit keine Juden ge-; kannt habe. Di« von kirchj licher Seite gegen ihn ein-; geleitete Polemik, unterstellt dem Autor unlautere; Absichten. So sind auch die i Worte des Papstes Paul VI. aufzufassen, der von Verleumdungen sprach, i Papst Paul VI. sagte in diesem Zusammenhang: j „Diejenigen, die diesen bewundernswerten Menschen , (gemeint Papst Pius XII..! die Red.) gut gekannt ha-; ben, wissen, wie tief sein 1 Mitgefühl und sein Mitempfinden für menschliches Leid ging; sie wissen um seinen Mut. die Zartfühligkeit seines Herzens, die Tiefe seiner Barmherzigkeit 1 und sein Verständnis für , menschliche Leiden, seinen Geist und seinen Herzensadel.“ 1 Es ist bemerkenswert, dass von jüdischer Seite kei- ' n«. Angriffe gegen Pius XII. | gerichtet worden sind, obwohl doch die Juden die er-! sten hätten sein können, die | Vorwürfe zu erheben, der! Papst habe nicht von al- ' len seinen Möglichkeiten j Gebrauch gemacht, dem Gegen rassische Diskriminierung London. — Ein Antrag auf Erlassung eines Gesetzes, durch das jegliche Diskriminierung gegen irgendeine Person aus Gründen der Rasse, Farbe oder Religion als ein Verbrechen betrachtet wird, wurde von dem Labour-Deputierten Fenner Brockway dem Parlament präsentiert. Der Antrag wurde jetzt zum ersten Mal behandelt, nachdem er zum neunten Mal zur Vorlage kam. — (ITA) schrecklichen Morden der : Nazis Einhalt zu gebieten. Im übrigen ist Hochhuth! durchaus nicht der einzige, : wenn auch der wirkungsvoll- | ste. gewesen, der den Papst I Pius XII. aus diesem Grunde anklagte. Trotzdem hat Papst Paul VI. seinen Israel-Besuch zum Anlass genommen, um vor aller Welt zu beteuern, dass die Katholische Kirche allen Menschen gegenüber Mitgefühl empfunden habe, vor aiiem aber mit jenen Opfern des Rassenwahns, denen Kardinal Tisserant durch das Entzünden von sechs Lichtern in einer so anerkennend schönen Form eine posthume Ehrung zuteil werden liess. — Bei aller Anerkennung des guten Willens, den wir dem Papstbesuch und der Person des Papstes unterstellen, müssen einige kritische Worte in diesem Zusammenhang gesagt sein. Denn wir sehen in der Haltung der Päpste Pius XII. und Paul VI. einen tieferen und engeren Zusammenhang, ohne die grosse Wandlung zu verkennen, die eich innerhalb der Kirche und vor allem in der Haltung der Päpste inzwischen vollzogen hat und die wir selbst hier darzustellen bemüht waren. Sicherlich ist es ein gewaltiger Unterschied. *n einer so schwierigen Epoche für alle Menschen guten Willens, wie es die Hitlerzeit mit ihrer Vernichtung aller bis dahin bestehenden moralischen Werte gewesen ist, die geschichtliche Verantwortung in einer so gehobenen Position wie der des Papstes zu tragen und der Stelluig, die nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches ven einem gut meinenden Kritiker, z. B. einem Manne wie Hochhuth, eingenommen wird. Immer und besonders in einem solchen Fall ist Kritik einfacher als das Tragen der Verantwortung, auch dann, wenn diese Kritik noch so berechtigt oder gar gefährlich ist. Dies vorausgeschickt muss JUDITH SCHENKOLEWSKI KULTUSSTICKEREIEN Schabbosdecken - Tailisbeutel - Käppchen - Maz zot-Taschen - Hand- und Maschinenstickerei von Bett- und Tiscnwäsche Dr. P. I. RIVERA 2585 (fr. Bebedero) T. E. 73-9155 JACOB LAPIDUS dtp!. Mohel NEUE ADRESSE VIAMONTE 2037, 49 B. 46-1716 und 48-2124 Dr. J. P. Kroll Bieber INNERE MEDIZIN u. RHEUMATISMUS Arzt am IIosp. Pirovano Mo., Mitt., Frei., 15—19 Uhr Samst. 14—16 Uhr. OLÄZAL 2512 — 76-7980 Privat 52 7734 Confitería NIZA Servicios de lunch de categoría SALON DE FIESTAS ECHEVERRIA 3296, esq. CONDE 76 0286 73-1049 MOHEL N. PLAKSIN Superí 2719 T. E. 76-6784 u. 76-2312 B. Schwaru ZAHNARZT ESTOMBA 2283 52-8214 RAYOS X PARADENTOSE TELEF. VORANMELDUNG BERNARDO STERN Ausführung saemtlicher MALERARBEITEN i gesagt werde®, dass auch | Papst Paul VI. olfensieht-! lieh nicht verstehen will,; worin die Anklage des Dichters Hochhuth gegen Pius XII. besteht. Gewiss wird niemand erwarten dürfen, dass ein Papst Kritiken gegen einen seiner Vorgänger äussern oder gestatten wird. Aber es dürfte doch klar sein, dass nicht die Gefühle oder die Gesinnung des Pap stes Pius XII. zur Diskussion stehen. Alles, was Paul VI. hierüber in Israel ver- I lautbarte, geht an der Sa-! che vorbei, um die Dinge einmal deutlich auszuspre-; chen. Nicht um Zartgefühle, nicht um edle Gesinnungen, j nicht um Mitempfinden I wird gestritten. Dass kein anständiger und normaler Mensch mit den Nazi verbrechen einverstannden sein kann, bedarf überhaupt kei-; ner Erwähnung. Denn hier wurden die schrecklichsten Scheusslichkeiten begangen, die in der Geschichte bekannt sind. Di« Frage ist nur, ob Papst Pius XII. sich der Grösse der Stunde und seiner eigenen Möglichkeiten bewusst gewesen ist und entsprechend gehandelt hat. Dass hieran Zweifel geäussert werden können — und keineswegs nur von Hoch- I huth — ist allein sehen be- ' merkenswert, j Es ist nicht der Sinn die- ' ser Darstellung, nun noch einmal dieses Problem in |! allen seinen Aspekten auf-; : zurollen. Der Vatikan hat . darauf hingewiesen, dass die; offiziellen jüdischen Stellen \ dem Papst Pius XII. ihren Dank dafür ausgesprochen haben, was er für die Reti tung von Juden getan hat. j! Sie haben sich aber nicht zu der Frag« geäussert, ob er I I nicht viele weiter« Schritte! hätte unternehmen können, : um den furchtbaren Massaj kern Einhalt zu gebieten oder wenigstens den Versuch hierzu zu wagen. i Geschichtliche Parallelen i LA SEMANA ISRAELITA Semanario — aparece los Viernes. Editado por Estrellas Editorial Leda. Verantwortlich: Dr. Hardi Swarsensky Pueyrredón 2190 l9 izq. T. E. 83-2613 Abono Preise; Argentinien: $ 100.— pro Quartal Ausl. Í 600,— jährl. sind immer gewagt und kennen nur bedingt angewandt werden. Ec ist wahr, dass der jetzige Papst bisher stets grossen Mut gezeigt und neue Wege eingeschlagen hat. um Frieden zwischen den Menschen und ihren Gemeinschaften herzustellen, zwischen den Katholiken, anderen Christen und nichtchristlichen Glaubensbekenntnissen. Aber das entscheidende Wort hat auch er bis heute nicht ausgesprochen, um den Frieden zur Wirklichkeit werden zu lassen. Ob sein« Pilgerfahrt ins Heilige Land, sein Aufenthalt in Israel und Transjordanien, der rechte Anlass hierzu gewesen wäre, sei dahingestellt. Wir bestreiten gewiss nicht die Gefühle und die Gedanken. die den Papst beseelen. In der harten Wirklichkeit der bestehenden Gegensätze genügen aber Gefühle und Gebete nicht. Das ist die Lehre, die alle, auch die Katholische Kirche aus der nazistischen Aera ziehen konnten. Die grosse, historische Chance, eine Aussöhnung zwischen den feindlichen Brüdern im Orient vorzunehmen, ist vom Papst bisher nicht ergriffen worden. Die Welt wartet auf diesen grossen Augenblick. Dr. BERNARDO GOLDSTEIN MEDICO Cardiología — Hospital Fernández Radio X — Durchleuchtung — Electrocardiogramme IM FEBRUAR VERREIST Vertreter: Dr. SANGUINETTI — T. E. 76 2 406 Dr. HERSZKOWICZ 70 4484 y 701-3223 VARICES-ULCERAS DE LA PIERNA — ARTERIOSCLEROSIS Dr. SAUL UMANSKY Sarmiento 3116 T. E. 87-1362 VON DER STUDIENREISE ZURUECK Sprechstunden nach telef. Vereinbarung Dr. BENJAMIN LIPNIZKY ZAHNARZT ROENTGENSTR AHLEN — ZAHNZIEHEN — BE¬ HANDLUNG MIT GASBETAEI BUNG — REGU¬ LIERUNG DER ZAHNSTELLUNG Sprechstunden: Dienstag — Donnerstag — Sonnabend nach vorheriger Vereinbarung. JOSE HERNANDEZ 2518. T.E. 76-8673 u. 73-0500 HELGUERA 1915 T. E. 58-4852 Dr. L. KLEIN - Medico 3Iagenuml Darmkrankheiten Roentgen-Uiitersuchungpn SPRECHSTUNDEN; Montag, Dienstag, Mittwoch u. Freitag von 15—19 Uhr Es wird gebeten, sich vorher telefonisch anzumelden. SANTA FE 1391 T. E. 44-9493 u. 44-1542

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.