Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 25 (1964)
- Issue
- 2047 (17.1.1964)
- Date
- 1964-01-17
- Page
- [Seite 1] (sequence 1)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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JÜDISCHE WOCHE. Lx JkmxiHä y&v&jzüia m . i.i Wï® i.'.i PUETRREDON 2190 - 19 Izq. Año XXV. T. E. 83-2613 JaF :'\mk WmiiÊèMSM BUENOS AIRES, VIERNES 17 DE ENERO DE 1964 No. 2047 Die Konferenz in Kairo ISRAEL WARTET AB Jerusalem. — In seiner Sitzung vom letzten Sonmtag diskutierte das israelische Kabinett über die Ereignisse im Zusammenhang mit Israels Projekt der Ableitung der Jordanwasser aus dem T'iberiassee und der in Kairo zusammenberufenen Konferenz der arabischen Staaten. Aussenminister Golda Meir erstattete Bericht über die von der Regierung ergriffenen Massnahmen gegen den arabischen Propagandafeldzug, der die wahren Motive Israels zu entstellen versucht. Es steht zu befürchten, dass die Situation sich verschlechtern und den Frieden im Mittelosten gefährden könnte. Einzelheiten der vorgeschlageuen Massnahmen wurden nicht enthüllt. Man nimmt jedoch an, dass Israel den Kontakt mit anderen Regierungen aufgenommen hat, um seine Position erneut klarzustellen und zu betonen, dass das Projekt eine interne Angelegenheit darstellt, in die eine Einmischung internationaler Organisationen nicht zulässig ist. WAHRE HINTERGRUENDE Jerusalem. — Israel nahm die Nachricht von der Eröffnung der arabischen Konferenz in Kairo mit Ruhe auf. Es herrscht die Ueberzeugung, das*; die Araber nichts tun können, um die Inbetriebsetzung der Pumpstation für das Wasser aus dem Jordan und dem Tiberiassee zur Bewässerung der Negew-Wüste zu verhindern. „Wir sind voller Vertrauen* 1.“, äusserte ein hoher Beamter des israelischen Aussen - Ministeriums. „Wir sind stark genug, um jedweden arabischen Druck abzuwehren. Die Araber besitzen keinen Grund für ihre Opposition“. Wie des weiteren von behördlicher Seite unterstrichen wurde, bedeutet die Durchführung des Projektes keine Umleitung des Flusses, der trotz des abgepumpten Wassere an der gleichen Stelle wie bisher fliessen wird. Man neigt allgemein in Israel zu der Auffassung, daes Nasser die arabische Gipfelkonferenz weniger zu dem Zweck einberufen hat, Israel zu bedrohen, als um den Arabern die militärische Ueberlegenheit der Aegypter vor Augen zu führen und bei ihnen den Eindruck zu erwecken, dass eine Aktion gegen Israel möglich wäre, wewn sie sich der ägyptischen Führerschaft beugen. VERSCHIEDENE VORSCHLAEGE London. — Nasser kündigte in seiner Eröffnungsrede an, dass er ein arabisches Einheitskomando einzueetzcu gedenke. Dies solle der erste Schritt des arabischen Plans sein, die Durchführung des jüdischen Projekts zur Ableitung der Jordanwasner zu verhindern. Er sprach nur wenige Minuten, und gleich hierauf wurden die Beratungen in einer Geheimsitzung fortgesetzt. Die anwesenden dreizehn Staatschefs sollen nunmehr über die militärische Lage mit Hinblick auf Israel informieren. Ferner steht ein Punkt auf der Tagesord- [ nung, der dats arabische Vor- I haben betrifft, die Wasser des Jordanfluisses vor ihrem i Eintritt auf israelisches Ge- 1 bist abzuleiten. Es herrsch- ■ te anscheinend allgemeine , Uebereir.ötimmung, dass diej se Methode der beste Weg tsei, um der israelischen Drohung zu begegnen. Eine der ersten gesellschaftlichen Zusammenkünfte der Konferenz war die Begegnung zwischen Nasser und König Hussein, die sich seit sieben Jahren; nicht getroffen hatten. Of-! fenisichtlich wünschte Husj sein eine Versöhnung und : die Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen beiden Ländern. Die lokalen Sachverständigen weisen darauf hin, dass Syrien zwar verlangt habe, gegen Israel militärisch einzugreifen, hierbei jedoch in Wirklichkeit den Zweck verfolgte, Nasser ate einen ■ Schwächling blosszustellen, der seine Kriegsdrohungen I nicht ernst meint. Die Syrer , schlugen auch vor, falls die : arabischen Interessen einen Krieg erfordern sollten, Israel zu einem Angriff zu I provozieren. MOSCHE DAJAN ANTWORTET Jerusalem. — „Die arabischen Heere sind «licht stärker als die Armee Israels, und wir werden sie schlagen, wenn sie unser Land angreifen“, erklärte der jetzige Aekerbauminister und ehemalige Oberkomma edierende der israelischen Streitkräfte, Mosche Dajan. auf einer Sitzung der Mapai. EINE ERKLAERUNG I,EVI ESHKOLS Tel Aviv. — Premierminister Levi Eshkol erklärte, dass „Israel jeden Versuch zunichte machen wird, der eine Einmischung in seine Rechte bedeuten würde, Wasser aus dem Jordan zu entnehmen, wie dies in dem von dem verstorbenen Eric Johnston ausgearbeiteten (Schluss auf Seite 8) -'•à* km SÄ Der Buerger meist er von Jerusalem, Mordechai Isch-Sehalom, liest in dem am Eingang zu Israels Hauptstadt errichteten Pavillon seine Begruessungsansprache an den Papst. Ganz rechts sieht man den Kardinal Eugene Tisseront und ganz links den jerusalemer Oberrabbiner Elia hu Pardess. iÜti mm ju lllftjll ui HÉS®® imm mm iîîfc ÉSÜS I - -*i v %¿%z. ■' J f|MS m Syrien droht englischen Firmen London. — Eine neue Drohung der syrischen Boykottbehörden gegen englische Firmen, die mit Israel Handel treiben, wurde von der englischen Presse gemeldet. Wie es heisst, hat das Generalquartier des Boy kottbiiros in Damaskus den Versuch unternommen, englische Unternehmen zu erpressen, die an der im kommenden Juni und Juli in Tel Aviv stattfindei.den Internationalen Handelsmesse teilzunehmen planen. In Schreiben, die das Boykottcomite an die Repräsentanten der englischen Firmen im Mittekid n richtete, droht das arabische Büro mit der ..Yeröff ntlichung einer detaillierten Erklärung über die wahren Beziehungen aller betreifenden Firmen mit Israel“. Maurice Orbach, der Sekretär des Ausschusses für die Förderung des Handels, teilte mit, dass er ein Memorn-.dum für das Handelsministerium vorbereite, in dem er auch über diese jüngste Methode zur Einschüchterung zu berichten gedenke. (ITA) Die Ehrengarde von Trompetern und Trammlern, die ihre Fanfare erklingen Hess, waehrend der Papst von Praesident Shazar zur Rednertribuene in Megiddo geleitet ivird. WIE ¡CH ES SEHE' Eine historische Chance von JEHUDA GOTTHEMER Der Ruf nach Frieden drang :n den letzten Wochen mit einer besonderen Inbrunst an die Herzen aller Menschen. Frieden auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen .. Die - Reise des Papstes Paul VI. ins Heilige Land sollte diese Frieder.isbotschaft für alle Völker und alle Menschen erneuern, gleich welchen Glaubens, welcher Rasse, welcher Farbe sie sind. Frieden ist das höchste und das hehrste, das schönste und das erhabenste Ideal aller Religionen und Philosophien; das Postulat des „Ewigen Friedens“ wurde ebenso von den Propheten Israelis verkündet wie er, von den Welt-Weisen wiederholt worden ist von den griechischen Denkern (Plato) bis zu den Klassikern des Humanismus (Kant). — Kein Mensch zweifelt an den Wohltaten de»s Friedens, der trotz aller Appelle und Mahnungen, trotz aller Erkerntnisse und Fortschritte doch nur eine Hoffnung geblieben ist. Anstatt' einen Ausgleich der divergierenden Interessen zu suchen, bemüh, ii sich gerade jetzt wieder einmal die meisten Nationen und ihre Politiker mit den Mitteln der Gewalt ihre vermeintlichen Ansprüche zu realisieren. Das vielerorts glimmende Feuer des Hasses wird geschürt. Die Konflikte auf allen Kontinenten nehmen zu. Die Gefahr eines Krieges ist nicht zu leugnen. Ein neuer Abgrund tut sich auf, und diets in einem Stadium der Entwicklung, wo nicht nur die Erwartungen auf eine internationale Beruhigung lebendig, sondern auch die tatsächlichen Möglichkeiten einer Verständigung gegeben sein dürften. — Wiederum haben es kleine und grosse Demagogen verstanden, die Leidenschaften gegeneinander aufzupeitschen. Aus vielen Ländern werden heftige Zusammenistöfise gemeldet, die wie ein fernes Beben die Verantwortlichen alarmieren sollten, bevor eine neue Katastrophe die Menschheit aus ihrem Hass- und Machttaumel reissen wird. Die nach Uten Wochen werden für die Hüter des Frieden«, vor allem für die Organisation der Vereinten Nationen, eine Zeit der Bewährung sein. — I Dass in einer so aufgewühlten Welt die Stimme des Papstes zum Frieden erhoben wurde, ist eines der poeitiven Anzeichen für einen immer möglichen und niemals ausgeschlossenen Wandel der Gesinnung und der Haltung der Nationen. Als Johannes XXIII. durch seine Menschlichkeit und seinen Mut zum Frieden und zur Versöhnung ganz neue Wege eingeßchlagen hat, um die menschlichen Beziehungen auf festere Grundlagen zu stellen, als die« durch in ternationale Verträge erreicht werden kann, vollzog sich im Laufe kurzer Jahre eine Entwicklung, die allen Menschen und unter ihnen auch uns eine wunderbare Lehre erteilt hat,, ganz so, wie es von unseren Propheten ausgedrückt und der Menschheit für alle Zeiten zugerufen wurde; Nicht durch Kraft und nicht durch Macht, durch MEINEN Geist... In diesem materialistischen Zeitalter, im Jahrhundert der die Welt in ihren Grundfesten erschütternden Kriege, erkannten alle Volker, dass es in unserem Le ben noch ganz andere Werte und Wertungen gibt als die äusseren Mittel der Gewalt. Plötzlich war eine alte, auch geistige Macht wieder zum Leben erwacht, eine Macht, die in den letzten Jahrzehnten an Einfluss und Geltung verloren hatte und dazu bestimmt erschien, nur noch im Glanze vergang Pracht ein politisches Schattendasein zu führen. Papst Johannes zeigte dank seiner versöhnenden Haltung, welche Rolle auch heute inmitten einer technisierten Welt der Genius des Menschen und die Kraft seines Geistes zu spielen berufen sind. Die Weltmacht des Geistigen wurde aufs neue demonstriert. Der Vatikan wurde wieder zu einem wesentlichen Faktor im internationalen Leben. Diesem von Johannes XXIII. eingeschlagenen Weg folgt der neuen Papst. Er hat das Vatikanische Konzil fortgesetzt und ist bestrebt, auch die von seinem Vorgänger entwickelten Gedanken zu vollenden. Dass sich ein solcher Prozess nicht ohne Reibungen und Rückschläge vollzieht, ist weder überraschend, noch ändern diese Hindernisse etwas i daran, dass die einmal auf- 1 gestellten Ziele mit Tatkraft ] und Energie dennoch durch-! gesetzt werden können. Die | Reaktivierung des Papst- : tums sollte allen geistigen Kräften den Beweis dafür abgeben, dass ihre Aufgabe erneuert und ihre Ideale verjüngt werden können und müssen. Es wäre bedauerlich, wenn diese Renaissance des Geistes und seines Einflusses auf die Menschheit nicht auch auf uns re volutionierend wirken sollte. Es mag sein, dass diese Wiederbelebung des Papsttums, von der man ohne weiteres bereits jetzt sprechen kann, sich nicht allein auf das Gebiet des Geisti gen begrenzen wird, dicht allein darin bestehen soll, Einfluss auf die Seele, den Glauben, die menschliche : oder geistige Haltung zu nehmen, sondern da « die Kirche die Absicht hat, auch ihre weltliche Macht auf i dem Gebiet der reale.n In- , teressen in der internationa-; len Politik wiederherzustellen. Wie dem auch rei.?i-! nes steht fest: diese Wiederi Eroberung einer geistig1«; und weltlichen Position wurj de ausschliesslich mit geisti- | gen und friedlichen Mittein : vollzogen. Kein Sshwert wurde gezückt, kene Revolte begonnen, kein Eingriff in ' dr« Bereich einer anderen Macht vorgenommen, ke n Meter fremden Bodens;S[ j okkupiert worden, kein Sol- | dat wurde eingesetzt oder! hat in dieser geistigen i Schlacht sein Leben aufs! Spiel setzen müssen.; Aber man hat den Mut ge-; habt, in einer neuen Zeit | neue Wege einzuschlagen, neue Parolen zu verkünden! und alte Gewohnheiten preiszugeben, um mit adäquaten Mitteln die Herzen und Gesinnungen der Nationen und ihrer Menschen zu gewinnen. Der Entschluss der Papstreise ins Heilige Land war — jedenfalls für die Kirche — ein revolutionärer Akt. Die bereits jetzt kundgegebene Absicht weiterer „Reisen des Frieden»." stellt ein völliges Novum dar. Ihre Auswirkung*.!! bleiben abzuwarten, aber man sollte bei aller Zurückhaltung doch erkenuen, Nass hier ein Versuch gemacht wird, d^n Gang der Ereignisse iri einer aktiven u d schöpferischen Form zu beeinflussen. In diesem Bestreben naci Erneuerung der Grundlage unseres heutigen politische geistigen und gesellschaitli chen Lebens spielt die Fra ge der Stellung der Kirch: zu den Juden eine erheb!i che Rolle. Wenn auch he dem Bosuch in Israel offen sichtlich politische Rück (Schluss auf Seite 2)