Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 25 (1964)
- Issue
- 2046 (10.1.1964)
- Date
- 1964-01-10
- Page
- [Seite 6] (sequence 6)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
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Das Los der ßene von SCHAUM BE7S CHORUS Erst nach i?i,t einem Mo nat brachen die 25 Familien der Bene Israel aus Dimona. Beer Sehewa und Asehdod ihren Sitzßtreik ab. den sie auf dem Areal der Jeschurun Synagoge in Jerusalem. gegenüber dem Gebäude dev Jewish Agency, durchgeführt hatten. Was veranlasete die Bene Israel zu diesem Verzweiflungsschritt, und weis bewog sie dazu, ihren Streik abzubrechen? Die Richtlinien des Oberrabbinats und seine Praxi« gegenüber den Bene Israel wurden von ihnen als Diskriminierung empfunden und als „Apartheid" bezeichnet. Gemäus diesen Vorschriften. die Oberrabbiner Nissim in seiner Eigenschaft al«; Präsident des Rabbinischen Obergerichtes erlassen hat. ist jeder Rabbiner im Lande gehalten, wenn ein Mitglied der am; Indien stammenden Bene Israel sich mit einem anderen jüdischen Ehepartner verehelichen will. genauestens nachzuprüfen. ob et? in der Familie des oder der Betreffenden aus der Gemeinschaft der Bene Israel Fälle von Konversion gegeben hat oder Ehcßchliessungen, die dem rabbinischen Gesetz zuwiderlaufen. wie z. B. die Ehe eines Cohen mit einer geschiedenen Frau, oder die Wiederverheiratung einer Witwe, die kinderlos war. ohne dass ihr Schwager ihr den Chaliza-Dispens erteilt hat. Derartige Nachforschungen sind bei den Mitgliedern anderer jüdischer Gemeinschaften nicht nötig. Hierin liegt die erste Diskriminierung, denn entweder ist diese Raßsenschniiffelei und das Herumklettern im Stammbaum allgemein notwendig. oder (was wir doch hoffen wollen) überhaupt nicht. Wenn aber diese Nachprüfungen nur bei den Bene Israel angeordnet wurden. so liegt hier eine klare Dlßkrminierung dieser Gruppe vor. > Das Oberrabinat erklärt-, dass von Diskriminierung nicht die Rede sein könne, da man Jeden Angehörigen der Bene Israel, über dessen jüdische Reinrassigkeit Zweifel bestehen, durch Untertauchen in einer Mikwa sofort als Prccelyt (Ger) annimmt. Menschen, die sich aber als Volljuden empfinden, den Schabbat und die Feste heiligen und als Juden von der Sochnut zur Alija gebracht wurden, lehnen die Zumutung ab, erneut zum Judentum .„überzutreten“. Das Oberrabbinat betont fernerhin, dass die Bene Israel jahrhundertelang von den jüdischen Zentren abgeechnitten waren, keine Rabbiner hatten und daher unbewußt gegegen die Halacha verstcnsen haben. Würde man tatsächlich diese Vorschriften als allgemein verbindlich in die Praxis einführen. so wäre ein Grorßteil der Einwanderer an; Mitteleuropa, aus Amerika und aus den Ostblockstaaten noch weit weniger „kascher" als die Bene Israel. Bei den Einwanderern aus Mitteleuropa ist zu berücksichtigen. dres vor 50 Jahren die liberalen Rabbiner Deutschland!; auf ihrer berühmten Tagung in Posen „Richtlinien" erliessen. Paragraph IX 3, c statuierte ausdrücklich: „Die Ehcschliessung erhält ihre Weihe nur durch die religiöse Trauung. Die an den Berstend des Tempels gebundenen Priestergesetze und die für das alte jüdische Staatswesen erlassenen Bestimmungen des Familien und Erbrechte!; bilden kein Hindernis für die religiöse Trauung. Die rituelle Ehescheidung soll auf dem Grundsatz der Gleichberechtigung von Mann und Frau beruhen und nach erfolgter bürgerlicher Scheidung oder Nichtigkeitserklärung der Ehe gegen böswillige Hemmnisse gesichert sein, die von dem einen oder anderen Ehegatten bereitet werden können. Die Form der rituellen Ehescheidung ist zu vereinfachen.“ 80 Prozent der jüdischen Gemeinden in Deutschland schlossen sich der liberalen Richtung an. Infolgedessen müsste der grösiste Teil der heute in Israel lebenden Juden aus Deutschland, deren Eltern entsprechend diesen Richtlinien getraut wurden, wenn sie sich nicht mit der Ziviltrauung allein begnügten, für das Rabbinat in Israel dieselben Rechtsschwierigkeiten darstellen, die sich bei den Bene Israel ergeben. Dreieinhalb Millionen Juden sind in den USA den Reformgemeinden und den konservativen Gemeinden angeschlosisen, deren Eherechts- Praxis keineswegs der orthodoxen Halacha entspricht. Die Reform z. B. kennt überhaupt keine religiöse Scheidung, sondern begnügt eich nach dem Grundsatz „Dina de malkhutha dina“ (Staatsgesetz ißt Religionsgesetzl mit der bürgerlichen Scheidung. Eine Jüdin, die nach amerikanischem Recht geschieden ist, ohne je einen „Get‘? erhalten zu haben, einen rabbinischen Scheidebrief, wird von jedem Reformrabbiner wieder getraut. Die Konservativen bestehen zwar auf Scheidung durch ihre Rabbinatsgerichte, Israels Rabbinat erkennt eie aber nicht an, sodass also derartig wiederverheiratete Frauen, halachisch gesehen, im Ehebruch leben. Ihre Kinder aus zweiter Ehe wären sämtlich Bastarde. Eine weitere Diskriminierung besteht darin, dcßs ei; den Ortsrabbinern freigestellt ist Eheschliessungen zwischen Angehörigen der Bene Israel und anderen Juden abzulshnen. Es treten dann hierfür eigen« ernannte Bezirks - Ensatzrabbiner ein. Die dritte Diskriminierung ergibt sichdaraus, dass die Bene Israel untereinander heiraten kennen, was eben implicit-s heisst, dam Bastarde untereinander keinerlei Ehehindernisse haben. Wie verständnislos Oberrabbiner Nissam den Bene Israel gegenüber eich verhält. zeigte eich sehen vor sechs Jahren, als ihn ein angesehener Vertreter dieser indischen Juden besuchte, Sir Benjamin, Mitglied einer konservativen Gemeinde in Bombäy. Oberrabbiner Nissim fragte ihn: „Verbrennen Sie immer noch Ihre Witwen?“ lieh habe diese „taktvolle“ Frage nicht vom Hörensagen vernommen, sondern direkt aus dem Munde ven Sir Benjamin, der unmittelbar nach seinem Besuch beim Primas von Zion sie empört wiedergab). Mit dem orthodoxen Oberrabbinat kann man nicht diskutieren. Es steht dogmatisch auf dem Standpunkt, dass jedes Tüttelchen im Gesetz göttlich inspirier! sei, und sogar die rabbinischen Auflegungen Moses am Sinai offenbart wurden. Das ist eine völlig ahistorische supranaturale theologische Position, gegen die man weder mit Gründen der Vernunft der historischen Entwicklung, der sozialen Notwendigkeit oder der Staateraison ankämpfen kann. Man soll das auch gar nicht versuchen. Aber Regierung und Knesset sind dafür verantwortlich zu machen, dass sie den ganzen Komplex, um den es hier geht, einem orthodoxen Rabbinat überliessen, densen staatlich besoldete geistliche Richter nicht auf die Gesetze der Knesset vereidigt werden, sondern nach einem spätmittelalterlichen Kodex reehtsprechiu, dem Schuichan Aruch, der ja wiederum auf die viel ältere talmudische Gesetzgebung zurückgeht, die in archaischen Vorschriften da; Alten Testaments wurzelt. Warum haben die Bene Israel schliesslich ihren Streik abgebrochen? Weil Ministerpräsident Levi Esh- „OLAMENU“ TEL AVIV POB 3002 ISRAEL NEUERSCHEINUNGEN DES VERLAGES GOLD: Geschichte der Juden in der Bukowina l.f Grcßsoktavformat — 180 Textseiten — 42 Bildertafeln 239 Illustrationen Ganzleinenband $ 20.00 — Luxusausgabe $ 35.00 GOLD: Geschichte der Juden in der Bukowina II., Grossoktavformat — 232 Textseiten — 51 Bildertafeln 457 Illustrationen Ganzleinenband S 20.00 — Luxusausgabe $ 35.00 SUBSKRIPTIONS- EINLADUNG GOLD: Geschichte der Juden in Wien I., Haupiredaktion: Dr. Y. L. Bato, Dr. N. M. Gelber ERMAESSIGTER SUBSKRIPTIONSPREIS: Vor Erscheinen $ 15.—, nach Erscheinen $ 25.— BILDPROSPEKT KOSTENLOS DURCH: Edition „OLAMENU“ TEL AVIV, P.O.B. 3002, ISRAEL Alle Publikationen erscheinen in deutsener Sprache Die Preise sind in U$A Dollar angegeben. Israel LITERATUR l kohl ihnen endlich zugei;agt hatte, eine Delegation ihrer Leidensgefährten zu empfangen und mit ihnen Mittel und Wege zu erörtern, um die Diskriminierungen durch das Oberrabbinat zu eliminieren. Selbst wenn wir den besten Willen des Ministerpräsidenten nicht in Frage stellen, müssen wir skeptisch bleiben, denn das Oberrabbinat ist der Regierung gegenüber in Fragen des Religionsgesetzes autenom. Die Zustände verlangen eine Abhilfe und niemand ist zuständig. Dass die Bene Israel dabei Zustände kriegen, kann man verstehen. Sie argumentieren schlicht und einfach: die Jewish Agency war unser Reiseagent. Sie brachte uns unter Vorspiegelung falscher Tatsachen ins Land. In Indien waren wir vollberechtigte Bürger. Die Schlichim der Sochnut erklärten uns, dass wir in Israel in unsere wahre Heimat kommen. Dass Israel die Heimat der Bene Israel ist, scheint ja auch durchaus verständlich. Wenn die Bene Israel nun aber in Israel a!,; Bürger zweiter Klaeße behandelt werden, von einem Rabbinat, das staatliche Funktionen hat, so ist nach Auffassung der Bene Israel die Sochnut verantwortlich dafür. dass.ßie, die Ahnungslosen in diesen Konflikt hineingeführt hat. Von der Sochnut kam man mit Goethe sagen: „Ihr lasst den Armen schuldig werden, dann überlasst ihr ihn der Pein Die religionsgesetziicne Diskriminierung der Bene Israel hat auch weitere soziale Folgen, wie die Streikenden seinerzeit erklärten. In der harten Konkurrenz auf dem Arbeitemarkt in den Entwieklungsstädten fühlen sie sich zurückgesetzt und bekommenbft zu hören, dass sie keine echten Juden seien. Auch ihre Kinder in den Schulen haben in solcher Atmosphäre Anfeindungen vci.i Mitschülern zu erleiden. Zum Schluss sei hier darauf hingewiesen, dass es ein verbreiteter Irrtum ist, wenn man annimmt, dass die religiösen Kreise gegen die Bene Israel sind, die freisinnigen aber für die Bene Israel. Das ist kieneswegs der Fall. Die überwiegende Mehrheit nicht nur der Bevölkerung des Staates Israel, sondern des Weltjudentums hat keinerlei Verständnis für die herzlose formalistische Haltung des Oberrabbinats. Selbst aus Kreisen orthodoxer Rabbiner im Lande habe ich selbst gehört, dass sie die Richtlinien des Oberrabbinats als Diskriminierung empfinden. Dass die Bene Israel besonderes empfindlich sind, muss man verstehen, wenn man berücksichtigt, dass eie in Indien das warnende Beispiel der Tragödie der „Unberührbaren“ vor Augen hatten. Erst Mahatma Ghandi ist es gelungen, diese Jahrhunderte alten Vorurteile gegen eine bestimmte Kaste aufzuheben. Er hat diesen guten Kampf mit seinem Leben bezahlen müssen, dem hinduistische orthodoxe .Fanatiker waren ihm feindlicher gesinnt als die Vertreter des britischen Imperialismus, den er sein Leben lang bekämpft hat. Werden die Bene Israel ihren eigenen Ghandi aus ihrer Mitte hervorbringen? Wird auch er als Blutzeuge gegen uralte Vorurteile in Israel und Volk den bitteren Kelch der Leiden leeren müssen? Idylle undP Es ist ein angenehmer und nicht zu heisser Sommertag. Mit einer Gruppe von Knesset-Mitgliedern, die den verschiedenen Fraktionen angehören, mache ich einen Ausflug nach Galiläa mit, eine jener Exkursionen, die Gelegenheit geben, Probleme näher kennenzulernen, die in der Parlamentsarbeit nur als Budgetposten und theoretisch behandelt werden. Wir besuchen recht,; von der Wadi-Ara-Strasse das fast 500 m hoch gelegene Gelände, auf dem in der Nähe des grossen Araberdorfes Um el Fahrn der neue Ort Mei-Ami angelegt wird, sehen noch manche andere Plätze, aber weit interessanter ißt für uns der Besuch d-Efi Hule-Gebietes. Man hat schon 1958 publiziert, dass die Hule-Sümpfe und der grösste Teil des Sees trokkengelegt wurden, aber das war eine gar zu optimistische Behauptung. Erßt in den Jahren 1959—1962 wurde die Drainage beendet, und jetzt wohnt man bereits auf dem Gebiet, da« früher See war. Der Boden wurde dringend gebraucht, denn bei der Ansiedlung der Einwanderer ist es unvermeidlich, dass im Laufe der Jahrzehnte eine Million Dunam landwirtschaftlicher Böden urbanisiert werden muss, und daher ißt die Ersehlieesung weiterer Böden für die Landwirtschaft unbedingt notwendig. Auch sivon MEIR FAEM Schenkt Euren Kindern BUECHER IN SPANISCHER SPRACHE AUS DEM VERLAG EDITORIAL CANDELABRO — Pasteur 341 gekrönten Haupt des Her mon-Gipfeli; überragt. Bereits 1883 wurde am Hule See Yessud Hamaalah und 1890 das südlichere Misehmar Hayarden gegründet. Der erste Konzes- «icnsvertrag zur Trockenlegung und Ausbeutung der Hule-Sümpfe wurde bereits 1913 vom türkischen Finanzminister Gweidi Bey einer jüdisch-türkischen Familie gegeben, aber die verfügbaren Mittel genügten nicht, ihren Hule - Sc Matten 1 wurden « einem di dalherren sich gegei der jüdte< fortschritl Land bra auch den Chai d® Als in d zende jü cherheitstechnische Gründe verlangen, dass Galiläa mit jüdischen Siedlungen ‘durchsetzt werde. Von der Nordgrehze aus kann man jetzt noch durch ganz Galiläa gelangen, ohne von einem Juden gesehen zu werden, da e« in diesem ganzen Landstrich zu wenige jüdische Siedlungen gibt. Auch 30 km der Strecke der Landes- Bewässerungsleitung führen durch arabisches Gebiet. Von dem Hule-See, der nur zwei Meter über dem Mittelmeerspiegel liegt, ist nur ein dreieckiges Becken von 3—5 Meter Tiefe iVbriggeblieben. Wir fahren in einem Motorboot über diesen Rest dee Sees, der heute einen Naturschutzpark bildet. Zahlreiche Wasservögel beleben die Gestade und die vielen kleinen Jnseln in einem Dickicht von Papyrus- Stauden, das eine förmlich undurchdringliche Mauer bildet. Wasserschildkröten in verschiedenen Formen und Farben, die sich am Strande sonnten, lassen sich, vom Lärm des Bootsmotors aus ihrer idyllischen Ruhe aufgeschreckt, ins Wasser gleiten. Auf der anderen Seite sind die Ufer steinig und nicht bewachsen, während sie hier in der üppigen Flora reichlichen Lebensraum für allerlei Getier bieten. Es ist eine Idylle, wie man sie in Israel nur selten noch findet. AUS DER GESCHICHTE Der Hule-See, der eingefährlicher Malariaherd war, wurde eist 1886 genauer untersucht Jetzt ist er Kulturland. Ursprünglich hatte der See 6 km Länge und 4 km Breite und war bis zu 6 m tief. Nördlich des Sees erstreckte sich über 150.000 Dunam daß Sumpfgebiet, vom 2814 m hohen schnee- JOSEF HIRSCH: Der Gitarren Kuenstler ist in Deutschland 199 in Jerusalem und stellte nu Erfolge u. a. in Paris und dann brach der Welt krieg aus. ErSf 1933 gelang es dann dem Direktor der PLDC, Yehosehua Chankki, mit Syrien ein Uebereinkommen zu treffen, aber die Mandatsverwaltung Palästina« verlangte ein Viertel der entsumpften Gebiete kostenfrei für die benachbarten Fellachen. Am 3. 10. 1934 wurde der Vertrag endlich unterfertigt. Die Jewish Agency, der KKL und die PLDC übernehmen zu gleichen Teilen die Finanzierung der Entsumpfungs-Gesellschaft, die mit 100.000 Lp Kapital gegründet wurde. Eine Toch ter - Gesellschaft, der ICA, EMICA, liess von der britischen Ingenieurfirma Randall, Palmer & Tritton da6 Drainage Projekt aißarbeiten, das 1936 überreicht wurde und im Vordergrund des Erschliessungsplanes geblieben ist. Dann kam das „Weissbuch“, daß die jüdische An Siedlung beschränkt, der Zweite Weltkrieg brach aus, und die Mandatsverwaltung zog ihr Versprechen zurück, sich mit 235.000 Lp an der, Entwicklungsarbeiten, die eine Million Lp kosten sollten. zu beteiligen. So blieb das Hule-Gebk-t wie es war. zum' grci-ß«n Teil während der Regenzeit überhaupt unwegsam. Di? Araber vom Stamme El. Hib, ehemalige Beduinen, die sich in Chalssa nieder mit taus standen -Emir': dasn ej Senden 1 men kon seinen n. ö«n und während keitskrii ateässig neristam yal Was Et gab ei Im h seherei giebig d«s Lat sehiedei jm See keonde Ottomi. •Waonch Jungen ö«n Ch i-aut a‘min h y all, öadiirC| er nick “kr®, *11 La fgentli ^gte ehen p; s ii) Htl V. iS* i* "'1 d‘ea Öe