Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 25 (1964)
- Issue
- 2046 (10.1.1964)
- Date
- 1964-01-10
- Page
- [Seite 5] (sequence 5)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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Viernes, 10 de Enere de 1904 LA SEMANA ISRAELITA Año XXV. — No. 204« — 5 Die frankfurter Rechtspflege zählte in ihrer Geschichte bis heute keinen Prozess, der in Frankfurt geführt wurde und nicht in den Sälen der Gerichtsge- | ganjsationen sowie Reprä baude abrollte Zum ersten , *entanben jüdischer tnd Mal findet jetzt ein Straf , christlicher Organisationen, prozess im Stadtverordne- . cn tenSitzungssaal des Römers Es gab also im ganzen 60 statt. Am 1. April 1964 wird; Tageskarten für Zuhörer, dann das Gericht in die bis und viele Hunderte standen dahin fertiggestellten Räuj von frühmorgens trotz der me des Bürger - Gemein- Kalte und warteten im Ge! Prozess - nicht im Gerichtssaal von M. KILAI Bürger schaftshauses im Gallun- Viertel umsiedeln. Die Stadtverwaltung und die Stadtverordneten - Versammlung haben dem frankfurter Gericht ungeheures Entgegen kommen gezeigt und sicherlich nur deshalb, weil dies der grösste Mordprozess der deutschen Nachkriegszeit gegen die Nazis ist. Es handelt sich um den Auschwitz- Prozess, der am 29. Dezember vor dem frankfurter Schwurgericht gegen 21 ehemalige SS-Führer und einen Lagerkapo foegcnnen hat, die bei den im KZ Auschwitz an polnischen und russischen Kriegsgefangenen, sowie an Juden und Zigeunern verübte« Massenmorden mitgewirkt haben sollen. Es herrschte ein ungeheurer, unvorstellbarer Andrang nach Karten zu diesem Prozess. Es hatten sich auch sehr viele Klassen von frankfurter Schulen angemeldet, die den Verhandlun gen beiwohnen wollten, um sich ein Bild über die Greuel von Auschwitz zu machen. Die Schulklassen wurden alle abgewiesen, denn es gibt auf der Tribüne des Sitzungssaales insgesamt nur 100 Plätze füç Zuhörer. Davon sind 40 für Inhaber von Dauerkarten reserviert worden und zwar für Vertreter von Konsulaten, zeitgeschichtlichen Dokumentations-Zentren, Verfolgten-Or- 1 richtsgebäude, wo im Altbau, Zimmer 137, die Karten verteilt wurden. Wäh rend die Zuhörer auf den harten Tribünen platzen sitzen, sitzen die Angeklagten auf den vornehmen Sitzen der Stadtverordneten, wo auch die Verteidiger und die Bewacher der 21, resp. 22 verhafteten Angeklagten sitzen dürfeu. Die Staatsanwaltschaft und das Gericht sitzt auf den Plätzen des Präsidiums des Stadtparlaments und des Magistrats. Grosszügig wurde die Presse behandelt, da 120 Plätze für die in- und ausländische i Presse reserviert wurden, j Dass auch diese 120 Plätze ' den Andrang der Journalij sten nicht befriedigen kön- > nen, ist ein Problem für | sich. In der Paulskirche gegenüber dem Römer, wurde ein kleines Postamt mit 12 Telefcukabinen und 3 Fernschreibern für Journalisten eingerichtet. Man nimmt an, dass die Sitzungen nicht täglich stattfinden werden, sonder« nur an 2—3 Wochentagen; man glaubt, dass am Montag, Donnerstag und Freitag die Sitzungen voraussichtlich um 8 Uhr 30 beginnen und bis 17 Uhr mit einer Mittagspause von zwei Steuden dauern werden. Die Verhandlungen hatten fast noch nicht begonnen, aber eine politische Sensation war schon im Zuge Der Anwalt der DDR aus Cstberl!« Dr. Kaul hat wie der ein Husarenstückcnen vollbracht. Dr. Kaul hat im Namen von einigen jüdischen Auschwitz-Häftlingen, die sich in Ostdeutschland befinden, die Zulassmg als Nebenkläger verlangt. Natürlich wird das Gericht sehr sorgfältig prüten. ob die Mandanten von Dr. Kaut und ihre Angaben glaubwürdig sind, was sicherlich anzuiehmen war, und wenn ja, wird das Gericht keine Hand-habe haben, Dr. Kaul nicht als Nebenanwalt zuzulassen. Das wird sicherlich den Auschwitz-Prozess mit Pressekonferenzen und tur bulenten Auseinandersetzungen zwischen Ost- und Westdeutschland beleben, was eigentlich nur eine Wiederholung der deutschen Bruderliebe zwischen Ost und West vom Eichmsnn-Prozess darstellt. Dr. Kaul hat beim Eichmann-Prozess ein ähnliches Husarenstück vollbracht. Die Deutschen und alle anwesenden Journalisten mit zu zu sein, denn er erhielt den Rang eines SS-Ober Sturmbannführers, und bereits iaifangs 1942 war er Kompanieführer einer Wacheinheit in Auschwitz; im Mai 1942 avancierte er zum 1. Adjutanten des Lagerkom mandanten Hoem, was er bis 1943 war. Davon wusste man 1945, und er wurde auch vc« einer Spruchkammer zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt, aber dann als Entlasteter erklärt und als solcher eingestellt. Der zweite Adjutant — sein Kollege — war schon 1933 in die SS eingetreten und kam im Mai 1944 nach Auschwitz als Adjutant von Baer, nachdem er eine gute Vorarbeit im spricht z. B. über Dr. Mengele. Diese Angelegenheit ist so bekannt, drss man nicht mehr zuhört, weil jeder die Affäre kennt. Doch sehr wenige kenne« den Namen von Dr. Horst Schum»», der an der Uni versität Halle seinen Dr. med. machte. Er hat sich in Auschwitz einer Spezialaufgabe gewidmet. Er sterilisierte Mensche« durch Röntgenstrahlen, wonach er die se „Patienten“ operierte, um das Mass der Verbrennungen der Geschlechtsorgane zu erforschen. Besondere junge Menschen, die jüdische Jugend beiderlei Geschlechtes aue den Balkanländern, waren seine Opfer. Es ist unglaublich aber wahr, dass dieser Unmensch KZ Maidanek geleistet hat-; einige Jahre nach dem Kriete. Er wurde vor kein Ge- ' ge noch :« Westdeutschland rieht gestellt, denn er geriet' lebte, bis er dann, wie alle in britische Gefangenschaft, ■ grossen deutschen. Patrioaus der er 1946 als unbescholten entlassen wurde. Auch die anderen Angeklagten scheinen alle recht anständige Berufe zu haben. So ist der 42jährige Pery Brod jetzt kaufmännischer Angestellter, ein kaufmänniihnen o* sehr viele .„raeiis I Ä *ï£ INDUSTRIAS YUVENA S. A Fábrica de calzado y zapatillas p6SCANser*- ANDONAEGÜI 1270 Buenos Aires T. E.: 51- 4810 JUAN JULIUSBUR6 MALERARBEITEN 73-1148 BLANCO ENCALADA 1646 wunderten sich, auf welche Weise Dr. Kaul des Visum nach Israel während des Eichmann-Prozesses bekommen hat, da doch zwischen der DDR und Israel kein« diplomatischen Beziehungen bestehen. Jetzt kann man es enthüllen, auf welch raffij nierte Art Dr. Kaul das Vi- I sum erreichte: In einer der : Hauptstädte Europas war j zur Zeit des Eichmann-Pro- I zesses ein diplomatischer , Bevollmächtigter Israels, I der vor der Staatsgri'udung 1 Israels auch in Ostberlin für die Jewish Agency tätig war. Damals hatten auch die Deutschen in Ostdeutschland ein etwas schlechtes Gewissen gegenüber den Juden und versuchte«, dies wiedergutzumachen. Zu dieser Zeit war Dr. Kaul mit diesem Zionisten befreundet und vor dem Eichmann Prozess hat er seinem früheren zionistischen Freund einen Besuch abgestattet und sich das Visum geben lassen. Es ist aufschlussreich, die Angeklagtenreihe zu analysieren, da z. B. die zwei Adjutanten des Lagerkommandanten von Auschwitz, des SS - Sturmbannführers Richard Baer (am 17. Juni 1963 in Untersuchungshaft gestorben), zwei sehr ehrenwerte Bürger der Bundesre der 47jährige Wilhelm Boi ger aus Stuttgart, der ein be- | sonderer Freund von Mas- ' senerschiessungen war. U. a. liebte er es besonders,; Geistliche unter Wasser zu j halte«, bis sie tot waren, ' oder den polnischen General | Dlugiszewski zu Tode zu j treten. Ein unangenehmes Gefühl hat man, wenn man auf dieser Anklagebank jüngere Menschen sieht, gleich altrig mit Brod, der besonders viele tschechische Mithäftlinge nach dem Attentat auf den SS-Ohergruppenführer Reinhard Heydrich erschossen hat. So sieht man einen 41jährige« Landwirt, Johann Schobert, oder den 42jährigen Landwirtschaftlichen Assessor Hans Staat, oder den Diplom-Ingenieur Klaus Dylewski, der sich besonders 1941—42 an der EiseMessung von sowjetischen Komm:ssaren hervorgetan haben soll, oder den Arbeiter Stefan Baretzki, Meister eines Spezialschlages, durch de« er mit einem Schlag sei ner Hand Menschen töten konnte. So sieht man auf dieser Anklagebank „Menschen“ aller Jahrgänge, Berufe und Schichte«, Vertreter des ganzen deutschen Volkes. Sehr viel« bedauern, dass nur die Helfer, die Adjutanten, aber ten, einen Wink bekam und zuerst in eines der arabischen Länder floh. Es heisst, dass Dr. Schumann heute der Leibarzt seiner Exzellenz des Staatspräsidenten von Ghana, Dr. Nkruma Vst, wobei jeder weiss. dass dieser Leibarzt mit auf die Anklagebank gehört. Dr. Schu marrn soll Deutschland verlasse« haben, als in einem der Bücher über Auschwitz sein Name erwähnt wurde. So gibt es in einem Buch Zeugnisse und Berichte, erschienen bei der europäischen Verlagsanstalt Frankfurt am Main. 40 Originalerimerungen früherer Häftlinge der verschiedenen Haupt- und Nebenlager von 1 Auschwitz. Wen man sich in die Ein-! zelheiten der Dokumentationen, abgesehen von der An- [ klagesebrift im Arschwitz- | Prozess, vertieft, muss man; mit einigem Entsetzen und | Staunen die Nachricht vernehmen. es werde geplant, j dats die Ludwigsburger Zentralstelle der Landesjistiz- I verwaltunge« zur Verfol- I gung nationalsozialistischer ( Gewaltverbrechen im Jahre 1964 ihre Arbeit beenden soll. Es heisst zwar, dass die Zentralstelle die Informierung der Gerichte und Staatsanwaltschaften nicht eiistellen werde, aber gerade der Auschwitz-Prozess und die fehlenden Angeklagten zeigen, dass die Zentralstelle in Ludwigsburg auch noch weiterhin Aufgaben hat. In einem vor einige« Wochen geführten Gespräch der beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe akkreditierten Journalisten mit dem Oberstaatsanwalt Schüle, das in Bonn stattgefrüden hat, sagte dieser, dass die Zentralstelle in Ludwigsburg keine Rachejustiz ausübe und ihre Aufgabe lediglich darin bestehe, die wirklich Schuldigen des nationalsozialistischen Regimes aufzufinden und dem Richter zuzufiihre«. Der Auschwitz - Prozess und noch mehr die dort fehlenden Angeklagten zeigen am besten, dass die Aufgab« der Zentralstelle Ludwigsburg noch bei weitem nicht erfüllt ist, und dass die Aufgaben, die sie sich gestellt hat, noch nicht vollbracht sind. HOTEL LAGO TO3 Inhaber: Leo Kahn MO GEBALL0S — SIERRAS DE CORDOBA CASILLA CORREO 34 Auskunft in Buenos Aires: 70-2360 v. 8—10 Uhr publik Deutschland sind. (*er Lagerkommandant Der eine Adjutant Baers ist «lc“*rd Baer noch am Leder sehr geschätzte 68jährige Exportkaufmann Robert Mulka aus Hamburg, während der zweite Adjutant sicherlich ein höchst ehrenwerter Mann ist. der 52jährige Karl Hecker, denn er ist in seinem Privatberuf Hauptkassierer. Der Exportkaufmann war 1941 bei der Waffen-SS, nicht zwaugoweise, er meldete sich selbst und schien sehr befähigt da- Ul A LA FORESTA« ^%*1AÍ DE 4» 4» 4» 4» :: 4» 4» t . ¿> ben ist, um auch auf der Anklagebank zu sitzen. Aber auffallend wenig spricht man — und vielleicht aus politischen Grinden — von jenen Auschwitz-Verbrechern, die am Leben sind aber nicht zu fassen waren, weil gastfreundliche Länder ihnen Asyl, Bürgerschaft und Schutz gewährt haben und die demokratischen Mächte ihre Demokratie so grossherzig auslegen, dass eie auch jetzt keine ernsten diplomatischen Anstrengungen machen, damit diese Verbre eher vor Gericht gestellt werde« können. Niemand Alte Synagoge restauriert Wie«. — Beim Wiederaufbau der polnischen Stadt Lesko in den Karpathen haben die polnischen Behörden die aus dem 16. Jahrhundert stammende Synagoge in allen ursprünglichen Einzelheiten restauriere" lassen. Ausserdem wurden auf dem jüdischen Friedhof der Stadt eine Anzahl der ältesten und historisch he deutendsten Grabmäler instandges-etzt. Heute gibt es in Lesko keine Juden mehr. (ITA) ALFREDO STERN MALERARBEITEN ALLER ART Departamentos — Büros — Haeuser — Fabriken Unverbindliche Kosten Voranschläge für jede Arbeit T.E. 76-7281 y 76-9088 Virrey del Pino 2639 DEPOSITO: V. de la Plaza 1779 ► > ♦ -> » ■ v* -♦.» f, J. P. LANDSBERG í VERSICHERUNGEN JEDER ART Bitte. MITRE 430 V. Of. 550 T.E.: 30-1474 SCHWEIZER KONTEH Safes. Guthaben usw. von Personen, die durch Krieg oder Verfolgung ums Leben kamen, deren Kontonummer nicht bekannt und für die Bevollmaechtigte nicht vorhanden sind. Nach neuem schweizerischen Gesetz ist Sonder- Regelung vorgesehen. Erben oder sonstige (vermeintliche) Berechtigte können sich fetzt melden Information erteilt Büro Dr. Hardi Swarsensky (Dienstag, Mittwoch, Freitag von 16 bis 18 Uhr) PUEYRREDON 2190, 1. Stock links Telefonisch werden keine Auskünfte erteilt. Anrufe zwecklos.