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Jüdische Wochenschau · 1963-12-20 · 2043 (20.12.1963) · p. [Seite 7]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
24 (1963)
Issue
2043 (20.12.1963)
Date
1963-12-20
Page
[Seite 7] (sequence 7)
Language
German, Spanish
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WIR nid KUNST MALERISCHES SAFED von GILBERT BAR-JOSSEF Literarische Notizen Neues Stadthaus 'Mund Papsttum '°n Dr, )[E[ER TEICH tutende G,meii M.aatsempfäii» >m°nais;he Fürsw lrenvoUen Platz £ 'fische Historik«, Maxismus erni® e der römisch-n Ju-?n Jahvekuit unter n.ern zu verbreiten lst die berühmte ee™ ..Pro Flacco- Jahre 50 v. n % sse Advokat vertei an römischen Pro- Flaccus wegende* des Goldes tiseher Juden, das angeeignet hatte s bestimmuigsgeach Jerusalem zu . In seinem Fli- 'ieht der sonst rech; walt sehr leise und ■t dies damit, dass in der Volksmenge ie grosfe Zahl von rchte, deren Macht nütigkeit gross ist in allen Versanimi Rom den Ton an- Jäsar und Kaiser wuchs die jüdische; in Rom; vielseil ihre Beziehungen a. Reiche Jünglinudäa studierten in ¡deutende Erfolge as jüdische Prosein Rom; der wahrbeste Vorläufer ittelbar darauffoliristlichen Prosely- Aber noch vor dem im sagte So’eca: toribus legffi dede- „Die Besiegtem en Siegern ihre Geeignisse änderten oldene Zeitalter“ eben Juden von s; dar Untergang ter Titus und Harseitfi und die &■ les Christentums religion andererredrungen sind“. ein anderer m- ■t«r Sean 0 f> ai; er A»thf »ckte. Die Zählungen bebane Probleme muW mit ¿er Form ■llung ein'edargepeake, r. E. Hall*', rordentliefi ■sen Ban,d ien keine AoinaWfJ Verfügung 'agnis e,,f r Pf8®1*#. chaffens Jä 2j als getane „j iw-Wi ,Ueber5lchlr, isdergl Menschhei.. «te® von , darge; „rra«ende la’ vorra» r “ «pn e«iS Sc 3ff Malerei 1 „VlicSin 1 el" i eit l*' verni!t|ei! #r ante fd'er r^dcBi,;oidw«e/ seits. Bei der Neuwahl eines Papstes und vor seinem Einzug in den Lateran mußten die führenden Mitglieder der jüdischen Gemeinde beim Titusbogen, dem verhassten Symbol des nationalen Untergangs, erscheinen und das Denkmal besonders schmücken. An der - gleichen Stelle erwarteten ßie, mit den Thoraroilen auf dem Ärm. den zu Pferde herankommenden Papßt, der eine Thorarolle öffnet 3 und daun die Worte sprach: „Wir bestätigen das Gesetz, aber euren Glauben und eure Auslegung verdammen wir.“ Das eigentliche Ghetto jedoch wurde auf Befehl des Papstes Paul IV. am 26. Juli 1556 errichtet. Ein kleiner Stadtteil (italienisch , borghetto“) wurde ummauert und mit acht, streng bewachten Toren vergehen. Innerhalb dieses Ghetto war die noch heute erhaltene Kirche Sant Angelo verblieben. Dort mussten die Juden allwöchentlich einmal einer „Bekehrungspredigt“ zuhören zu der sie oft von Polizisten des Papstes am Schabbat geschleppt wurden. Am Ende des 17. Jahrhunderts wurde an der Front dieser Kirche die Kreuzigung gemalt und darunter in hebräischer und lateinischer Schrift der zweite Vers des 65. Kapitels des Propheten Jesaias aufgesehrieben: „Ich breite me.'ue Hände iipm-er wieder über ein widerspenstiges Volk §us. das , nach eigenem Willen auf einem bösen Wege wandelt.“ Das Kirchlein mit dieser Inschrift kann man noch heute sehen. Dieses Ghetto hat ca. 300 Jahre angedauert. Im Jahre 1847 hat der reformfreudige Papst Pius IX. die Mauern und Tore schleifen lassen und das Ghetto aufgehoben; die römischen Juden erhielten vollkommene Freizügigkeit. Ihre Leiden schienen für immer beendet. Päpste haben sie e'ugeleitet, Päpste haben sie auch beendigt. Was sich dann ein Jahrhundert später zugetragen hat, schwankt in der Geschichte. Albert Camus, der während der Besetzung von Paris durch die Hitlerbanden die Untergrund-Zeitung „Combat“ redigierte, wo auch seine „Briefe an einen deutschen Freund“ erschienen, hat damals bereits Papst Pius XII. wegen des Konkordats mit Hitler angegriffen. Er verlangte von dem, der sich für den „Vikar (Stellvertreter) Gottes auf Erden“ hält, drss er mit der teuflischen Regierung alle Verbindungen abbreche und sie wegen ihrer Massenmorde öffentlich verdamme — selbst wenn er deshalb drs schwerste Martyrium erleiden müsste. Diesem Ge dankengang ist ja auch das so umstrittene Drama Hochhuths gefolgt. Aber selbst der aus der deutschen Kriegsgefangenschaft entflohene und zu einem der Führer der Widerstandsbewe gung gewordene, grosse linke Schriftsteller Jean Paul Sartre bezeichnete den Standpunkt Camus* als einen „eigensinnigen Humanismus“ unendlich rein, aber allzu enge. Denn es darf nicht übersehen werden, dass in den kritischen Tagen des Oktober 1943 viele tausende Juden auf Auftrag dieses Papstes im Vatikan und in den Klöstern Roms gehejme Unterkunft und •»ebuiz fanden und schliesslich auch gerettet werden konnten. Um die vom SS-Major Kappler der jüdischen Gemeinde Rorr.ß auferlegte Kontribution von 50 Kilogramm Gold aufzubringen, verfügte der Papst eine Sammlung unter den Christen, die auch die Hälfte beisteuerten. Dass der ehrlose nazistische Kriegsverbrecher »sein Wort brach und am 16. Oktober 1943 seine Gestapoleute, begleitet von der faschistischen Geheimpolizei, in die jüdischen Häuser eindringen liess. um die Einwohner in die Todes lager abzuführen, das haben weder die Juden Roms noch auch Pii-is XII. voraussehen können. Es hat sich damals, — wie stets und überall, wo sich die nazistischen Verbrecher frei austoben konnten —. die tragische Erscheinung wiederholt, das.s kein menschliches Hirn die Ungeheuerlichkeiten des modernen Barbarentums auch nur ahnen kennte. Dank der Rettungsaktion dieses Papstes jedoch haben die hitleristisch-faschistischen Menechenjäger nur ca. 2000 Juden einfangen können. Die Mehrheit konnte gerettet werden. Diese Tatsachen werden von niemandem, auch nicht von Hochhuth bestritten. Das moralische, im Drama behandelte Problem betrifft die besondere Mission des „Stellvertreters Gottes“ die diesem kein Kompromiss mit dem Anti-Christ Hitler gestatten sollte. _ * _ Nach der endlichen Befreiung durch die Alliierten hat die Leitung der jüdischen Gemeinde Roms an ihrer Hauptsynagoge eine Inschrift in italienischer Sprache anbringen lassen, die in deutscher Uebersetzung folgendermassen lautet; „Vom Volke Israel fielen in Europa sechs Millionen Unschuldige dem blinden Rassenhass zum Opfer. In ganz Italien zählt maÄ seil dem verhängnisvollen 16. Oktober 1943 über 8.000 an Verschleppten, Gemarterten und Getöteten. Aus Rom wurden ihrer 2.091 verschleppt. Dieses sind keine trockenen Zahlen; vielmehr ist es ein Zeugnis der Versündigung gegen die ganze Menschheit und gegen das heilige Gesetz Gottes, ein Tribut der Tränen und des Blutes. Angesichts dere-en fordert das durch die Jahrhunderte gemarterte Israel die Seelen der Seinen auf zu einem höheren Erkennen des Daseins und einem unerschütterlichen Festhalten am Die Zahl der Touristenautobu;re. die ihre Passagiere in Safed absetzen, ist im Steigen begriffen. Glücklicherweise verlassen sie den Ort bald wieder, denn das Reise - Programm umfasst noch viele rudere Punkte in Galiläa, und auseerdem ist es nur zwei Stunden nach Haifa. Obgleich die Stadt in raren. ihre Aufgabe bewältigen. denn ßie haben eben erst ein wenig Englisch gelernt. Die einzeln herumwandernden Touristen fragen immer nach dem Weg zur Ari - Synagoge, einem ■Zentrum der Kabbala im 16. Jahrhundert; sie ist in allen Reiseführern der Welt erwähnt. An einem Chamidntag. im ä«:-y *• ‘gä&3$v: mmm 'IM ALTEN JAFFA, Geviaelde von Stefan Alexander, der 1910 in Prag geboren, seit Jahren Mitglied der Kuenstler-Kolonie in Safed ist. schem Wachsen begriffen ist, bewahrt ihr Inneres den Charakter eines kleinen jüdischen Ortes des 16. Jahrhunderts, und die Künstlerkolonie ißt ausgesprochen dürftig. Der allein herumwandernde Tourist verirrt sieh unfehlbar in den verschlungenen Gassen und verborgenen Winkeln. Einst epraeh der Tourist englisch. Heutzutage kommen blonde Deutsche, Skandinavier und Holländer her, und ich frage mich, wie die beiden Brüder, die die Reisenden fühwiedererßtandenen Glauben der Väter.“ Aehnliche Rettungs- und Hilfsaktionen hat Papst Pius XII. auch in den osteuropäischen Lagern durchführen lassen; viele katholische Priester haben dabei ein humanee und mutigeß Verhalten — unter Risiko von Freiheit oder Leben — an den Tag gelegt. Der Gegensatz zwischen Weltanschauung und Taktik bei ähnlichen Problemen ist nicht ANLAESSLICH DES 150 JAHRESTAGES SEIT DEM JUDENEDIKT VOM 10. JUNI 1813. dem Beginn der Emanzipation des bayerischen Judentums, erschien ßoeben im Dr. Olzog-Verlag (vorm. Isar Verlag > München und Wien das Werk von: STEFAN SCHWARZ: Juden in Bayern im Wandel der Zeiten mit einem Vorwort des bayerischen Ministerpräsidenten ALFONS GOPPEL. Es ist ein Buch, welches die Geschichte der Juden in Bayern aufgrund bis jetzt unveröffentlichten Ak ter.materials schildert. Namhafte Professoren und Historiker schreiben nach Ueberpriifung des Manuskripts: „Schwarz kann Anspruch darauf erheben, die erste erschöpfende Gestaltung das Judenedikts geschaffen zu haben“. — „Das Buch verdient ein Standardwerk zur Geschichte der luden in Bayern zu werden.“ „Das Werk ist nicht nur lesenswert. sondern auch zum Nachdenken anregend.“ „Das Werk verdient die weiteste Verbreitung." Hochsommer, kann Safed unerträglich heiio sein. Doch während die Einwohner sich in ihre Häuser zurückziehen, wandern die Fremden mit ihren Fotoapparaten und Landkarten umher, wissensdurstig, ohne sich um die Hitze und die harten Pflastersteine in den Gässchen und cteilen Seitenwegen zu kümmern. Die Leute, die diese Stadt erbauten, kannten den Räumpflug noch nicht, und darum missen wir heute die jähen Abhänge mühsam ererst in jüngster Zeit Gegenstand heisser Diskur.ßionen geworden. Hochhuths Drama ist :u Israel der Roman des hebräischen Dichters Jochanan Twerski „Rom we- Tehom“ (Gipfel und Abgrund) vorangegangen. Joeephi’ß Flavius ist der Romanheld. Das ähnliche Motiv ist aus dem Kapitel „Josephus und Jair“ zu ersehen, das in Emanuel bin Goricns „Der Mandelstab“ deutsch erschienen ißt. Wann der aktive, bewaffnete oder der passive, diplomatische Weg vorzuziehen war, ist nachträglich schwer festzustellen. Grundverschieden stellt sich das Problem für den Historiker, der so weit wie möglich die reine Wahrheit festzustellen und wiederzugeben hat, — und den Dichter, besonders den dramatischen. der nicht nur „auf einer höheren Warte als auf den Zinnen der Pariei“ und der Gelehrsamkeit steht und stehen soll, sondern selbst über den gegensätzlichen Anschauungen seiner Helden. deren dramatische Konflikte er so darzustellen hat, daßs die Seelen der Zuschauer erschüttert werden. Was nur vom Stoff lebt, überdauert nicht den Tag. Wer anders über ein Drama denkt, müsste die zwei grössten Tragödiendichter der Weltliteratur. Sophokles und Shakespeare, vom Spielplan aller Bühnen verbannen klimmen. Von jedem Hause hat man einen herrlichen Blick über die Berge :'n den Farben des Sonnenaufgangs oder Untergangs und im Winter in ihren wehenden Mänteln aus Wolken und Nebel. Die Neuzeit hat in Safed Einzug gehalten — es gibt bequeme Hotels, Nachtlokale und Bars. Doch ich glaube, der Tourist ist durch diese Dinge, die er von llauce kennt, nicht allzusehr beeindruckt. Unerlässlich ist ein Besuch in der Künstlerkolonie. Die Zahl der Künstler ißt von etwa 20 auf 40 gestiegen. Nicht wenige von ihnen erlitten Hunger; wem es vielleicht einst am schlechtesten ging, hat sich heute einen Namen in der Kunstwelt gemacht und verkauft seine Arbeiten für hunderte und sogar tausende von Pfunden, besonders wenn se'n Name in den pariser Kritiken erwähnt wird. Aber abgesehen vom Preis eines Bildes oder Talent eineß Malers — Safed wirkt ausserordentlich inspirierend. Da ist zum Beispiel der Holzfäller aus Neuseeland, der ein Skizzenbuch kaufte und hier Hausdächer zu zeichnen begann, oder der Richter aus Tel Aviv, der Sommer für Sommer eintrifft, um hier zu malen, und der fromme Siebzehnjährige mit seinem kleinen Käppchen, der hier gerade ein arabisches Haus zeichnet. Die eigentlichen Künstler leben hier das ganz« Jahr über in den einstigen Ruinen arabischer Häuser. Sie bauten die verwahrlosten Reste wieder auf und schufen sieh reizende, malerische Ateliers. Diese Häußer aus schweren Steinen, mit Gewölben und Patios haben ihren besonderen Charme. Hier wandert der Beßucher von Gemälde zu Gemälde, bewundert Reliefß und Skulpturen, Kupfer- und Holzarbeiten, Tongefässe in allen möglichen Stilarten. In dieser Stadt gibt es eine unendliche Anzahl von künstlerischen Themen. Die alten jüdischen Patriarchen gesichter. die Gestalten in Kaftan und Streme!, die Balkons mit ihren Eisengittern, die blaugetünchten Häuser, Esel und arabische Mädchen mit ihren schweren Lasten, die antiken Synagogen, Brunnen und Handpumpen in den Höfen die Stille eines Sehabbats, Feigen- und Olivenbäume bieten dem Berufskünstler wie dem Amateur die interesear.testen Sujets. in Jerusalem Der jerusalemer Stadtrat hat den Kauf eines Grundstücks gegenüber dem Gecäude des Oberrabbinats durchgeführt, wo ein neues Stadthaus gebaut werden ßoll. Der Bau wird teilweise mit einem Darlehen der Wolf.-on Clore-Gruppe durchgeführt. Ein Gedenkstein Ein Gedenkstein zur Erinnerung an Franco Cesana, den jüdischen Knaben, der im Oktober 1944 als der jüngste Partisan getötet wurde, ist vor dem jüdischen Gemeindezentrum in Modena enthüllt worden. Geschichte der deutschen Juden Der Hamburger Senat hat vor kurzem die Errichtung eines Ir.ßtituts zum Studium der Geschichte der deutschen Juden angekindigt. das der Universität angegliedert wird. Die Stadt hat. reichhaltiges Material zur Verfügung. Hermann Schwarz s. A. In Las Palmas starb kürzlich der in Baltimore wohnende Professor Hermann Schwarz, ursprünglich Berliner, viele Jahre Leiter der Mußikakademie Neukölln, dann Direktor des ..Neuen Luisen - Theaters“ Königsberg und anschliessend Direktor der Opernschule der Komischen Oper Berlin. Er W'urae 77 Jahre alt. In Baltimore war er Organist einer Synagoge und cetzte se r.e Lehrtätigkeit fort. Auch als Komponist hatte er sich einen Namen gemacht. Jüdische Schulen in England In den 48 jüdischen Tagesschulen Englands gibt es jetzt 9000 Kinder. Vor zwei Jahren waren es 8000 und vor zehn Jahren nur 4400. In London gehen 5325 Kinder in jüdischen Tagesschulen. Für jüdische Unterrichte: fä eher, inbegriffen Hebrälßch, sind im allgemeinen 5 bis 12 Stunden ln der Woche reserviert, was als sehr wenig bezeichnet wird. Das Begehren auf vermehrte Berücksichtigung jüdischer Fächer lässt sich nicht gut mit den staatlichen Vorschriften für den den allgemeinen Leh.toff vereinigen. Es wurde deshalb der Vorschlag gemacht, auch am Sonntagvormittag die Schulen für jüdische Fächer zu öffnen. JETZT AUCH Kindler-T aschenbücher IN DEN LETZTEN WOCHEN SIND DIE FOLGENDEN BAENDE ERSCHIENEN: 19 Andre Maurois: CLAIRE ODER LAND DER VERHEISSUNG 20/21 Max Brod: STREITBARES LEBEN Nr. 22: Erskine Caldwell: DIE TABAKSTRASSE. Roman Nr. 23: Jean Cocteau: DIE SCHWIERIGKEIT ZU SEIN. — Essays Nr. 24: Kurt Fastmann: BRECHT (Biographie) Nr. 25/26: Theodore Dreise: SCHWESTER CARR1E Es kosten: Einfachband OM 2.50 Doppelband DM 3 80 Dreifachband DM 4,80. ’ ’ Bestellungen durch alle Behandlungen Kindler Verlag G.m.b.H., München

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