Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 24 (1963)
- Issue
- 2043 (20.12.1963)
- Date
- 1963-12-20
- Page
- [Seite 3] (sequence 3)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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V'irrive*, î# de Diciembre de 1983 LA SEMANA ISRAELITA Año XXIV. — No. 2043 — 3 Der Kampf um Jerusalem In einer Häuserreihe von 240 m Länge in der fcnt mittelalterlich anmuttuden Mea Schearim Strass« in Jerusalem wohnt die etwa 2000 Seelen zählende Sekte der ultr..orthodoxen Neturei Karta („Hüter der Mauer“) oder „Hüter der Stadt“), die in der letzten Zeit viel von sieh reden gemacht hat. Das Problem teilt «ich in eine aktuell« Auseinanaersetzung um den Strassenverkehr am Sabbat vom Mandeltoaumtor, das den einzigen Grenzübergang zwischen Ißrael und einem ara bischen Staat, Transjordanien. bildet und durch das Diplomaten, UN-Beamte und christliche Pilger nach Israel kommen, — und die viel ernstere und bedeutungsvollere Auseinandersetzung um den öffentlichen Charakter der heiligen Stadt Jerusalem, in derei Strassen die Orthodoxen überhaupt keinen Autoverkehr am Sabbat dulden wollen. Das noch weiter reichende Problem betrifft die Sorge der Orthodoxen, ihre Kinder könnten ihrem Lebens« til abspenstig gemacht werden, wenn sie vom „bösen Beispiel“ der freieren Lebensführung der nicht - religiösen Bevölkerungsmehrheit dazu verlockt würden. Ministerpräsident Eshkol tritt dafür ein, di« Erweiterung der Konzentration der Orthodoxen im Norden Jerusalems zu bremsen, was aber auf Schwierigkeiten stossen mus«, denn einerseits nehmen die Orthodoxen ständig an Zahl zu, und andererseits besteht bei ihnen die erklärte Tendenz, jeder Zerstreung entgegenzuwirken und sich in eigenen Stadtvierteln zu konzentrieren, denn sie wollen ihre Kinder vor der Assimilation an die Umwelt bewahren. Es entstehen auch tatsächlich in den verschiedenen Gegenden Jerusalems weiterhin ständig neue Viertel mit orthodoxer Bevölkerung. Im Rahmen dieses grossen Kampfes um die Erhaltung und Vererbung des orthodoxen Lebensstils spielt das Ringen um den Schabbat Verkehr beim Mea Schearim-Viertel nur die Rolle eivon MEAR FAERBER nes Einzelgefechtes. Dieses ist aber momentan aktuell. Jahrelang herrschte relative Ruhe. Wenn Autos am Sabbat durch die Strassen der Orthodoxen fuhren, so riefen Halbwüchsige oder Kinder, seltener Erwachsene, den Chauffeuren manchmal „Schabbes! Schabbu'J“ zu. Es war vor etwa vier Monaten, dass eine Gruppe von 700 baptistischen Pilgern am Schabbat durch drs Mandelbaumtor kam und hier von 21 Autobussen weiterbefördert wurde. An jenem Sabbat sollen insgesamt etwa zweitausend Christen durch das Mandelbaumtor gekommen sein. Der Strom vcn Autos, den diese „Touristen- Invaßion“ zur Folge hatte, löste die Erbitterung der sind. Gewiiß, man fürchtet die Neturei Karta nicht, obwohl es gar nicht so gleich gültig ist, dass sie im orthodoxen Viertel Williamsburg in New York eine sehr starke Rückendeckung haben und «chreierißche Demonstrationen vor der newyorker Israel - Vertretung höchst unerwünscht sind, — aber jede religiöse Partei befürchtet, dass sie Anhänger und Wählerstimmen an eine andere religiöse Partei verlieren könnte, und ßo überbieten die Parteien ein ander in der Betonung ihrer religiösen Forderungen. Die Neturei Karta selbst, die wegen der geringen Zahl ihrer Anhänger ohnedies nicht einmal ein einziges Mandat in der Knesset gewinnen könnten, rufen zum Boykott Orthodoxen aus. und seither i der Parlamentswuf en auf, da sie ja den Staat Israel, in dem sie leben, überhaupt nicht anerkennen. kam Jerusalem an den Sabbaten nicht mehr zur Ruhe. Man begnügte sich nicht mehr mit Zurufen und mündlichen Proteßten, sondern Autos wurden mit Steinen beworfen, Chauffeure wurden geschlagen, und es kam immer wieder zu Ausschreitungen und Ruhestörungen. Polizisten, die herangezogen wurden, Ordnung zu schaffen, wurden tätlich angegriffen, und an einem Sonnabend boten die „Ungarischen Häuser“, ein Wohnkomplex der Orthodoxen in der Nähe von Mea Schearim, den Eindruck eines Schlachtfeldes; die Polizei, die mit Fltischen, Stuhlbeinen, Eisenstangen, Mistkübeln und sonstigen Gegenständen beworfen wurde, setzte Feuerspritzenein; das in der Nähe gelegene Amtsgebäude des Erziehungs¬ und Kulturminißteriums wurde überfallen und seine Ein richtung beschädigt. Da die Neturei Karta und ihre Mitläufer die Gemüter | der Orthodoxen aufgeputßcht hatten, wirkte sich dies auch I auf die Agudisten aus, und wie in einer Kettenreaktion übte die Erhitzung der Gemüter ihren Einfluss auch auf die Poale Agudat Jisrael und die Religiös-Natio- Da gab es »schon kuriose Erscheinungen. Nach der , Staatsgründung kam eines | Tages eine aus drei Herren, : Inhaber alter österreichi- | scher und ungarischer Päs- ■; se mit Kaftan und Schläfe« : locken, mit Lacktschuhen,! weiissen Strümpfen und pelzverbrämten Mützen beste-! hende Delegation zum österreichischen Generalkonsul , Dr. Hartl nach Tel Aviv und schlug ihm vor, dass Otto von Habsburg, der Bach einem seiner angestammten Titel ja auch „König von Jei rusalem“ ist, auß dieser i Theorie die praktische Konsequenz ziehen und die Herrschaft über „seine Stadt Jerusalem“ antreten und ausi üben solle. Dr. Hartl machi te den Leuten klar, dass er i Vertreter des demokrati- ■ »sehen Oesterreich, aliso ei- 1 ner Republik und nicht einer Monarchenfamilie sei. Die Neturei Karta wären auch damit einverstanden, ihren Wohnbezirk an den unter transjordanischer Herrschaft stehenden anderen Teil Jerusalems anzuschlie seen. Alles, nur nicht unter ¡israelischer Regierung . . . , Viele Einwohner des Mea I ser, Betstätten und Jeschij : wot zu bauen gedenken, so j dass die neue Strasse nach einiger Zeit nicht weniger im Kreuzfeuer der Kritik! wäre, als jetzt Mea Schearim und die Schiwtei Jisrael- : Strasse, Ministerpriißident Eshkol ' machte wiederholt den Vorschlag, dass die Neturei : Karta, die unter dem Stra- , seenverkehr am Sabbat lei- . den, ihre Wohnungen an den j Hauptdurehfahrts - Strassen ■ verlassen und in weniger j belebte Gaosen ihres Vier- ' tels übersiedeln sollen, wae l aber undiskutabel iet, da die Leute sich darauf beru- . fen, dass sie seit Generatio- | nen in dießen Häusern wohnen. Die Regierung hat be- »schlossen, dass die Hauptdurchfahrtstrasse zum und vom Mandelbaumtor auch am Sabbat für den Verkehr freigehalten werden müsse. Andererseits eind sich aber die Polizei, der Verkehrsminister und der Ministerpräeident darüber einig, dass die Bevölkerung dieses Viertels nicht iiberflüsßigweise gereizt werden dürfe, und dass die Polizei auch weiterhin, wie dies letztens geschah, jugendliche Motor- LA SEMANA ISRAELITA BIS EM AN ARIO INDEPENDIENTE Sc. Airee — PUETBRRDON 21M, 1» ÍH — T. E. M-2*U 20. Dezember 1963 4. Tewet 5724 Winter, um Einkäufe zu tätigen und in Israel wohnen- ( de Kollegen zu besuchen. Ueber einen Vorschlag j wird noch beraten, den Ho-; . tels für die Beherbergung j von Pilgern von Freitag bis | Sonnabend eine Subvention ] zu geben. Dann könnten die i Pilger Freitag in israelische | Hotels kommen, hier billi- 1 ger und besser als in Traoßjordanien übernachten und 1 nach Nazaret weiterfahren, um zeitgerecht für die Sonn- I tag-Frühmesse dort zu sein. Die Reisegesellschaften, die I mit den christlichen Organisationen Zusammenarbeiten, sind vorher über die zu erwartenden Pilgergruppen informiert und könnten da»3 Nötige veranlassen.! Das bisherige Ergebnis der Aussprache in der Innenkommisision der Knesset weitst darauf hin, dass sich dieser Konflikt mit den Orthodoxen friedlich beilegen 1 lasse, und die Regierung : neigt dazu, einer Kompro- 1 miss-Lösung zuzustimmen, die praktisch nur die Aufrechterhaltung des Status Die Nachtarbeit von Frauen Tel Aviv. — Das Frauen arbeitsgeßetz vom Jahr« 1954 wurde zunächst auf eh ne Zeit von zwei Jahren au) Empfehlung de« „Rats de» Arbeitenden Frau“ und de» Histadrut abgeändert. Frai* en dürfen jetzt bis 23 Uht und mit Sondererlaubnis noch länger beschäftigt werden. In Fabriken mit Schichtarbeit war es bisher für Frauen schwer. Stellen zu finden. Abkommen über Luftverkehr Jerusalem. — Unlängst wurde mit Oesterreich ein neues Luftfahrtabkommen getroffen, das die Intensivierung und Weiterentwicklung des Luftverkehrs zwischen beiden Ländern regeln soll. radfahrer, die ausgerechnet j qUO bedeutet. Wenn die Zahl A rM O olt A W L A h 1 Ü MMA — — J - . .1 . l 1-fc 1 . . _ . . am Schabbat lärmend in da« Viertel einfahren wollen, um zu provozieren, daran zu hindern habe. Im allgemeinen kommen etwa hundert christliche Pilger am Schabbat durch das Mandelbaumtor, um am Sonntag früh zur Messe in Nazareth zu sein. Die Regierung achtet darauf, diesen Grenzverkehr nicht stören zu lassen, besonders seit die libanesischen Behörden den Grenzübergng von Roseh Hanikra im Norden geschlosder Pilger, die am Sabbat einreisen, durch entsprechenden Massnahmen verringert würde, so brauchte man im allgemeinen auch keine Autobusse mehr einzusetzen und könnte sich mit Taxiverxehr begnügen, wa« weniger Lärm und Aufsehen erregt. Die relative Beruhigung der Mandelbaumtor-Stürmer soll aber über die Tatsache nicht hinwegtäuschen, dass »sich der Kampf der Orthosen haben und die “anderen ' doxern 1101 jüd!sche Le arabischen Staaten auf Transjordanien einen Druck ausüben, das Mandelbaumtor überhaupt zu schliessen. Diplomaten auß Transjordanien pflegen im Sommer nach Israel zu kommen, um ane Meer zu fahren, und im bensform in Jerusalem nicht auf die Frage eines Strassenabßchnitts im Sabbat- Verkehr beschränkt und in seinen grösseren Zusammenhängen daher ein schwieriges und echtes Problem bildet, das ernst genommen werden mußs. GUENSTIGE EXKURSIONEN nach mau m JANUAR und FEBRUAR einschliesslich Hotels und Verpf!?gung. Auskünfte: Reisebüro GLOBUS ALSIN.4 1418 — Bs. Aires Tel. 38-5860 — 1447 37-9142 SCHICKS ODER UEBERWEISUNGEN IN D-MARK ODER DOLLAR Bevor Sie wechseln erfragen Sie unsere Preise Man spricht Deutsch CASA PIANO s.A. 347-»SAN MARTIN-128 I i Teppichhaus - M. 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Den Vorschlag, eine Alternativ Strasse für Samstag vnd Feiertage zu eröffnen, lehnte die Regierung ebenfalls ab, gab aber der Stadtverwaltung zu verstehen, da«s diese einen solchen Vorschlag prüfen könnte. Auch dies wäre aber kein Ausweg, denn die andere Strasse würde ja ebenfalls durch einen Stadtteil führen, der von Orthodoxen bewohnt ist. wenn diese auch weniger starrköpfig und militant sind. Früher oder später würde sich jedoch auch dort der Widerstand der Extre misten auswirken. Ferner müssten zwei oder drei Häuser für die Durchfahrt niedergerissen, Plätze enteignet und grosse Geldmittel investiert werden, ohne fass »sich das Problem dadurch lösen Hesse, denn der neue Weg würde m Grundstücke grenzen, die den Chassidim von Zans. den Orthodoxen der Gemeinde von Matters dorf und den extrem orthodoxen „Schomrei Emunim“ gehören, die dort Wohnhäu- ESTUDIO JURIDICO INTERNACIONAL Dr. Hardi Swarsensky ASUNTOS EUROPEOS EXCLUSIVAMENTE ALLE ENTSCHAEDIGUNGSFRAGEN Wiedergutmachung Lastenausgleich Rückerstattung BUEROSTUNDEN: DIENSTAG» MITTWOCH und FREITAG von 16—18 Uhr T. E.: 83 - 2613 ★ Dr. Günter Frey ASUNTOS ARGENTINOS Y SUDAMERICANOS Erbschaftssachen - Vertraege - Verwaltun gen - Miets-, Zivil- und Handelssachen. T. E.: 80 - 6930 ★ PUEYRRED0N 2190 esq. Av. LAS HER AS