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Jüdische Wochenschau · 1963-12-06 · 2041 (6.12.1963) · p. [Seite 6]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
24 (1963)
Issue
2041 (6.12.1963)
Date
1963-12-06
Page
[Seite 6] (sequence 6)
Language
German, Spanish
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„Protest-Rabbiner“ aus Amerika von SCHALOM BEN CHORIN Stbon etwas über fünfzehn Jahre nach Gründung des Staates Israel beschloss die „Union der Rabbiner aus Amerika und Kanada“ erstmalig eine Delegation nach Israel zu entsenden, um hier die religiösen Probleme zu studieren, die sich aus der Gründung des Staates ergeben. Wir sind geneigt zu zitieren: „Spät kommt ihr, doch ihr kommt; der weite Weg .. entschuldigt euer Säumen.“ Die Rabbiner Simcha Elfoerg, Avigdor Zipperstein, David Liphischitz und Salman Iteichman aus New York und Isaac Smol aus Chicago und Rabbi Kamenetzki. der offenbar die kanadische Sektion repräsentiert. gaben zwar selbst mit schöner Offenheit zu, dass der Weg heute eigentlich nicht mehr so lang sei, denn obwohl die Herren der Moderne abgeneigt sind, so bedienen sie sich doch des Düsenflugzeugs, um in,3 Heilige Land zu pilgern. Aber vielleicht ist dieser Ausdruck hier nicht ganz angebracht, denn der Tenor dieser Herren Rabbiner entsprach nicht einem Pilger- Chor. sondern einer Inspektionsreise. Sie wollten einmal „nach dem Rechten sehen“, die Israelis „aufklären“ und .für Ordnung eorgen“. Wir sind ihnen natürlich tief dankbar dafür.-dass sie aus angemessener Distanz die Entwicklung in Israel „mit grennender Sorge“ verfolgen und uns nun auf den rechten Weg bringen wollen. Rabbi Zipperctein, ein wirklich sympathisch wirkender älterer Herr mit langem weissen Bart und langem schwarzen Rock, der ein einwandfreies Hebräisch spricht, während andere ceiner Kollegen mit feinem Takt bei ihrer Begegnung mit israelischen Jou.nalisten, die das Religionsministerium arrangierte, bemerkten: „Wir wollen keine Zeit verlieren, deshalb reden wir Jiddisch“. Es ist die,3 eine Abwandlung des bekannten angloamerikanischen Slogans „Time is money“; hier hier« es „Time is Yiddi,3ch“. Dass einige der israelischen Journalisten allerdings kein Jiddisch verstanden, wurde von den Herren aus Amerika als unverzeihliche Bildungslücke empfunden. Aber Rabbi Zipperstein spricht Iwrit. Er begann damit zu erklären, dass seine Union „Agudat Harabbanim“ die älteste rabbinische Berufsorganisation in Amerika ist, die bereite 60 Jahre besteht. Ich wandte höflich ein dass das doch nicht stimmen könne, da die „Central Conference of American Rabbiß“ 1889 gegründet wurde. Rabbi Zipperstein sah mich erstaunt an. Er war nich-j darauf gefasst, das,3 sich diese Gründung bereits bte nach Jerusalem herumgesprochen hat. Schliesslich räumte er ein. dass seine Organisation die älteste Berufsorganisation orthodoxer Rabbiner in den USA sei, und Rabbi Eiberg bemerkte apodiktisch und mit feinem Takt: „Die anderen sind überhaupt keine Rabbiner. ..“ Ich unterliess es, höflich wie immer, weiter zu fragen, ob er auch die Mitglieder der Hictadrut Harabbanim“ keine Rabbiner seien. Es handelt sich hierbei nämlich auch um orthodoxe Rabbiner aus Amerika und Kanada, die uns ürei Tage vorher in Jerusalem mit einer Pressekonfez'enz beehrt hatten. wobei erklärt wurde, dass dieses „Council of American Rabbis“ die einzige rabbinische Organisation in den USA darstelle. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die beiden orthodoxen Rabbinerverbände in USA und Kanada sich also durch ihre jeweilige „Einzigartigkeit“ auszeichnen. Worin unterscheidet eich nun die Agudat Harabanim von der Histadrut Harabbanim?. möchte man in der Sangesweiße des Seder- Abends fragen. Die „Histadrut Harabbanim“ umfaßst die jüngere Generation der orthodoxen Rabbiner, die bereits in den USA ihre Ausbildung erfuhren, während die „Agudat Harabbanim“ (750 Mitglieder) ältere Herren in ihren Reihen zählt, die noch an den Jeschiwot in Russland, Polen. Litauen ihre Semicha erhielten, ihre Rabibnerautorisation. Das ist e*n Unterschied im Typus und in der Haltung. Die Jungen kamen, um etwas Positives zu echaffen: einen orthodoxen Kibbuz oder Moschaw auf den Höhen des Gilboa, um so von diesem Berge den Fluch Davids zu nehmen: ..Ihr Berge zu Gilboa es müsse weder tauen noch regnen auf euch, noch Aecker sein. .. denn hier wurde den Helden (Saul und Jonathan) ihr Schild abgeschlagen...“ (2. Sam. 1,21). Die jüngeren orthodoxen Rabbiner in der USA und Kanada haben bereits eine grössere Summe aufgebracht, um diesen altbiblischen Fluch nun zu liquidieren. Die jüngeren Rabbiner wollen allerdings nicht selbst auf dem Gilboa siedeln, sondern überlascen diese Mizwa einer dort bereite befindlichen Nachal- Gruppe. Die Herren Rabbiner selbst aber haben für sich ein Erholungsheim bei Aschkalon gegründet, um so auch die persönliche Verwirklichung der Mizwat Jishuw Erez-Israel, des Wohnens im Lande Ißrael (zumindest in den Ferien), zu erfüllen. Die Aufbringung von zunächst 30.000 Dollar für den verfluchten Berg Gilboa war ein Kinderspiel, denn, wie uns Rabbi Zeev Segall namens der Histadrut Harabbanim erklärte amtieren die Mitglieder dieser Organisation in Synagogengemeinden, die insgeßamt zwei Millionen Mitglieder zählen. Bedenkt man. daßs nun auch die 750 Alt-Rabbiner eine gewaltige Anhängerschaft haben müssen und dass die „Nicht-Rabbiner“ der Central Conference of American Rabbis in etwa 850 Reformgemeinden mit ca. eineinhalb Millionen Mitgliedern amtieren und endlich noch die Mitglieder der „Rabbinieal Aseembly of America“ in konservativen Gemeinden wirken, die ihrerseits zwei Millic»en Mitglieder aufweisen, so scheint die bisher amtliche Zahl von 5,5 Millionen Juden in den USA bei weitem untertrieben zumal wenn man bedenkt, dass es auch noch Juden gibt, die keiner „Congregation“ (Kehilla oder Gemeinde) angehören. Auf der Amerikanißch-Jüdischen Israel-Dialog-Konferenz hörten wir. daßs es sehr viele Juden in Amerika gibt, die einfach zu gar keiner Richtung gehören... Wie löst sich dieses Rätsel? Es gibt da zwei Möglichkeiten: entweder die Angaben unserer Gäßte sind nicht so ganz genau oder die amerikanischen Juden haben daß Hobby, mehreren Gemeinden zugleich anzugehören. Da iehs nicht wage, an der Zuverlässigkeit der Informationen zu zweifeln, bleibt also nur die letztere Möglichkeit: einer doppelten oder dreifachen Loyalität innerjüdischer .Prägung, sodass derselbe Jude also zugleich orthodox, konservativ und reformiert organisiert ist eine Art Ueberfaust mit drei (jüdischen) Seelen in seiner Brust. Die Herren der Histadrut Harabbanim besiedeln also indirekt den Gilboa und direkt ihr Ferienheim in Aschkelon und subventionieren noch zwei Jeschiwot im Lande. Die Herren von der Aguda Harabbanim aber kamen primär, um einen Aufklärungsfeldzug vorzunehmen. Sie haben nämlich gehört, dass hier amerikanische Juden erscheinen, die sehen einmal geschieden worden sind, aber nicht von dem Bet-Din. dem rabbinißchen Gericht ihrer eigenen Organisation, sendern von der zuständigen Instanz der Konservativen in Amerika. Und das darf nicht geduldet werden! In Volksversammlungen soll hier den Eingeborenen klargemaeht werden, dass die Konservativen gar nicht konservativ sind, sondern sozusagen verkappte Reformer, und das ist offenbar noch gefährlicher als die Reform die sich offen „Reform“ nennt. Rabbi Zippersteki und die Seinen gingen also zu Oberrabbiner Nisßim und sagten ihm, dass iß garnicht in Frage käme, Gittin, (Scheidungen) der konservativen amerikanischen Rabbiner ki Israel anzuerkennen. Der Primas von Zion, Oberrabbiner Nissim, empfing seine Gäste mit wahrhaft orientalischer Höflichkeit und versicherte ihhen, dass ein Scheidebrief der Konservativen nur ein Wisch sei und natürlich keinerlei Rechtßgültigkeit in Israel habe. Leider hatte es sich aber bereite herumgesprochen, dass der Oberrabbiner drei Tage vorher den Kanzler des Jüdisch - Theologischen Seminars von Amerika, Prof. Louis Finkeistein empfangen hatte, Haupt der konservativen Rabbiner Amerikas (die nicht ganz so konservativ sind/, und ihm mit wahrhaft orientalischer Höflichkeit die Anerkennung der Scheidebriefe (Gittin) der Konservativen zugeßagt hatte. Fleissige Journalisten wandten sich angesichts dieser seltsamen Doppelzusagen au die Kanzlei des Oberrabbiners. Dieser lässt sich aber entschuldigen; er ist zu Luftschiff in die Schweiz abgereist, um dort in kühler Alpenluft wohlverdiente Ferien zu machen, ehe der wildwogende Kampf um die Neuwahl deß Oberrabbinats in Israel entbrennt. Die Haltung des Oberrabbiuers gegenüber den altorthodoxen und den konservativen Rabbinern erinnert an jene Anekdote von dem Raw, der zwei streitende Parteien anhört und zu jeder Seite (gesondert) sagt: „Du hast recht“. Seine Frau, die Rebbezin, hört das von der Küche aus. kommt hereingestürzt und sagt: ,Wie kannst du zu beiden sagen, dass sie recht haben?“ Der Raw streichelt bedächtig seinen Bart und sagt gütig zu seiner Ehehälfte: „Du hast aw'wade (beßtimmt) recht...“ So ähnlich liegen die Dinge hier: Die Rabbiner der Agudat Harabbanim wollen in Israel gegen die Konservativen kämpfen, aber auch gegen eine drohende Vereinigung der Arbeiterparteien, da dieser Traum Ben Gurions das religiöse Judentum in den USA bedrohet?), und endlich verlangen siej daes die Regierung Israels den christlichen Mißsionären endlich das Handwerk lege; denn man müsse hier keine Rücksichten nehmen. Man habe ja auch Jerusalem zur Hauptstadt Israelß deklariert, gegen den Protest der katholischen Welt... Also; man kann, wenn man will... Da es mir wohlbekannt war, dass sich die orthodoxen Rabbiner in den USA — mit Aur.nahme des Rebben von Lubawitch — gegen das (deistische) Gebet in den Staateschulen wandten, weil sie streng auf die Trennung von Religion und Staat bedacht sind, fragte ich, ob die Herren dieses 'demokratische Prinzip auch für Israel gelte» lassen wollen. „Nein!“, sagte Rabbi Zipperstein: Es war, wie man hebräisch sagt, ein „Lo“ (ein Nein) mit „grossem Aleph". In Amerika, belehrte mich der amerikanische Rabbi, gibt es eine Konstitution, die die Trennung von Religion und Staat verbürgt. u»i da können die Rabbiner alß Einwanderer, Wenngleich inzwischen naturalisiert, eich nicht einmischen und schliesslich sei Amerika für sie ein fremdeß Land (Erez sara). Hier in Israel aber «eien sie Bürger wie wir auch. (Also: Israelische Bürger amerikanischer Staateangehörigkeit mit Wohnßitz in den USA...). Sie wohnen zwar noch nicht hier, aber das kann sich ändern. (Gewiss, bei Gott ist kein Ding unmöglich). In Israel komme eine solche Trennung nicht in Frage; denn Medinat Israel (der Staat Ierael) und Dat Israel (die Religion Ißraels) seien identisch. Und deshalb werden die amerikanischen alt-orthodoxen Rabbiner alles unternehmen, um hier die Herrschaft (Schlita) des Religionsgeßetzes im priva-- ten und öffentlichen Leben durchzusetzen. Der Korrespondent von „Kol-Israel“ fragte vorsichtig, ob dies nicht eigentlich eine Einmischung in innere Angelegenheiten des Staates Israel darßtelle. Nein, wurde er belehrt, denn die religiöse Lage in Israel hat ihre Rückwirkungen auf daß amerikanische Judentum. Die Sache ist also ganz klar: Um die amerikani- JETZT AUCH Kindler-T aschenbücher IN DEN LETZTEN WOCHEN SIND DIE FOLGENDEN BAENDE ERSCHIENEN: 19 Andre Maurois: CLAIRE ODER LAND DER VERHEISSUNG 20/21 Max Brod: STREITBARES LEBEN Nr 22’ Erskine Caldwell: DIE TABAKSTRASSE, Roman Nr 23: Jean Cocteau: DIE SCHWIERIGKEIT ZU SEIN. — Essayfi Nt. 24: Kurt Fastmann: BRECHT (Biographie) Nr. 25/26: Theodore Dreise: SCHWESTER CARRIE Es kosten: Einfachband DM 2.50: Doppelband DM 3,80, Dreifachband DM 4,80. Bestellungen durch olle Buchandlungen Kindler Verlag G.m.b.H., München LITERATUR w In der „guten, d Von den Beschwerden und Leiden, von der Sucht nach dem Mehrverdienst und dem Kampf um die Existenzmittel durch seine Tage gehetzt, ßueht der Mer.ßch, sich im Gedanken a» die Idylle vergangener Zeiten zu erbauen. Wo im Mittelalter das jüdische Gemeindeleben ohne Störung seitens einer antisemitischen Umwelt vor sich gehen konnte, da wirkten Synagoge und Familie einträchtig zusammen und gaben dem Juden das sichere Gefühl der Geborgenheit und vollen kulturellen Erlebenß, stärkten ihn für den Existenzkampf und schufen in seiner Seele Genugtuung und Befriedigung. Jene „gute, alte Zeit“ erscheint so ganz anders, als sich unser jetziges Lebe» abwickelt, war aber doch in mancher Hinßicht von unßerer Zeit weniger verschieden, als man allgemein glaubt. Verbringt zum Beispiel heute eine Frau vor einem Feiertag Stunden im Frisier- und Schönheitssalon, so kommt ihr dabei gewiss nicht zum Bewusstsein, dass auch ihre Ururgrossmutter viel für ihre hygienische Körperpflege getan hat. Die moderne Technik hat diesbezüglich eigentlich nur Aeus.ßerLiohkeiten verändert, denn auch damals wurde die Friseuse ins Haus bestellt und half der Frau, sich sehe« zu machen. Es gab in den meißlen Wohnungen keine eigenen Badezimmer, aber die jüdische Frau achtete sorgsam auf ihre Körperpflege, weit mehr als die nichtjüdische, denn es lag auch eine religiöse Vorschrift darin, u. a. vor jedem Feiertage daß Badehaus zu besuche», denn von MEIR man batte in der Synagoge zum Gebet in jeder Hinsicht rein und fleckenlos zu erscheinen. Darüber hinaus besuchte die jüdische Frau das Badehaus im allgemeinen jede Woche, mindestens aber einmal im Monat. Die beßondere Atmosphäre des jüdischen Familienlebenß kam auch darin zum Ausdruck, dass sich die Frau stets bemühte, dem Manne die Erfüllung seiner religiösen Obliegenheiten und „Mizwot“ zu erleichtern. Wenn in der Woche vor Rosch Haschana der Synagogendiener seinen Rundgang -durch die jüdischen Gaßsen machte und vor Tagesanbruch an die Fensterländen klopfte, um die Männer zum „Slichot“-Gebet in die Synagoge zu rufen, da war nicht nur der Mann längst aufgestanden und angekleidet, sondern auch die Frau war schon lange auf, hatten den Ofen in der Küche angeheizt und frische Kuchen gebacken, damit eich der Mann zum Gebet mit einem entsprechenden Imbiss stärken konnte. Auch wenn eich der Mann zum Segensspruch ü‘ber den Neumond, den im ersten Monat des neuen Jahres gewiss kein guter Jude verßäumt hat, vor die Synagoge begab, blieb die Frau nicht faul im Bett, sondern sie sorgte im Haus für feierlich feßtliehe Atmosphäre, und wenn alles in Wohnung und Familie zufriedenstellend in Ordnung war, da setzte sie sich ans Fenster oder vor die Haustür und beobachtete in Gedanken verloren die Sterne und er- Kippur. waren D Männer sonden Frauen ebenso w Haschana ei* ausschliesslich v det, und es ging damals nicht d Nachbarinnen i: ¿d Schmuck zu nie dies vieleror zweiten Natur «worden ist. W eiten auch dam: eu unmittelbar digung d« Ge nach Hause, un (»r die Festmal richten, zu der gauie Familie i Stimmung einfa man voll und g fühl hatte, da: und Gehet mit Familie überein ¡Kimmen ein «es Ganzes bilc Synagoge rnd G eiten der ewige strahlten sie d fühl, dass man gen Volke" an; auf Haus und; die derart nicht ehea des Vergäi kurzen, diesseit standen, sondet Glanz geheilig endrahlten. Weit mehr nc serer entperßör da auch privat haiten durch G: sehen Juden zu erziehen, müssen die Juden in Ißrael nach de» Vorschriften der Agudat Harabbanim aus den USA leben! Die Sache leuchtet vollkommen ein, da diese Aguda ja in Amerika weder die neu-orthodoxen noch die konservativen noch die Reform-Rabbis überzeugen konnte. Israels Religionsmi- »ißterium ist schon überzeugt, und sein amtlicher Sprecher Herr Druck (bitte, den Namen habe ich nicht, erfunden) stellte die Gäste’ vor, und die Einladung zu der gewinnbringenden Aussprache erfolgte auf dem amtlichen Papier des israelischen Misrad Hadathot. Nachdem wir alle angeschnittenen Fragen zu voller Zufriedenheit gelöst hatten, die innerjüdische (Verbot der Konservativen), die interkonfessionelle (Verbot der Mission) und - die internationale (doppelte Staatsangehörigkeit der amerikanischen Rabbiner, ohne hier zu leben und ohne hier Steuern zu zahlen usw.) gingen wir noch auf die Küchenfrage des Kabinetts ein: zwei oder eine Küche auf dem Dampfer „Schalom“? Daß ist die Frage, die uns alle bewegt. Bitte, kein Missverständnis. Hier geht es nicht um eine milchige und eine fleischige Küche, sondern um eine koschere und eine nicht-rituelle. Die Rabbiner waren gegen letztere, was mir einleuchtet. Der ZIM- Direktor freilich meint, dass so ein Luxumdampfer ohne Schinkenbrötchen und Hummermajonaise nicht gedeihen kann. Ich bin kein Fachmann, weder für Schiffahrt noch für Schinkenbrötchen und Hummern. Ich persönlich würde auf der „Schalom“ bestaunt mein. ANLAESSLICH DES 150. JAHRESTAGES SEIT DEM JUDENEDIKT VOM 10. JUNI 1813. dem Beginn der Emanzipation des bayerischen Judentums, erscheint in Kürze im Dr. Olzog-Verlag (vorm. Isar Verlag) München und Wien das Werk von: STEFAN SCHWARZ: Juden in Baytrn im Wandel der Zeiten mit einem Vorwort des bayerischen Ministerpräsidenten ALFONS GOPPEL. Es ist ein Buch, welches die Geschichte der Juden in Bayern aufgrund bis jetzt unveröffentlichten Akter.materials schildert. Namhafte Professoren und Historiker schreiben nach Ueberprüfung des Manuskripts: „Schwarz kann Anspruch darauf erheben, die erste erschöpfende Gestaltung des Judenedikts geschaffen zu haben“. — „Das Buch verdient, ein Standardwerk zur Geschichte der Juden in Bayern zu werden.“ „Das Werk ist nicht nur lesenswert, sondern auch zum Nachdenken anregend.“ „Das Werk verdient die weiteste Verbreitung.“

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