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Jüdische Wochenschau · 1963-12-06 · 2041 (6.12.1963) · p. [Seite 3]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
24 (1963)
Issue
2041 (6.12.1963)
Date
1963-12-06
Page
[Seite 3] (sequence 3)
Language
German, Spanish
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Vierais, 6 de Diciembre de 1963 LA SEMANA ISRAELITA Año XXIV. — No. 2041 — 3 Schatten der Zukunft Am Rande des „grossen“ i Geschehens mögen dis kürzj liehen Zwischenfälle in Ghana, in Gabon und Rhodej sien fast wie unbedeutend; erscheinen. Wenn sieh die Kommentatoren der grossen Zeitungen del- Welt dennoch mit ihnen eingehend beschäftigten, konnte sich der überraschte Durchschnitts- 1 leser fragen, wie weit denn eigentlich derartige innere Erschütterungen in Afrika Einfluss auf eeine Welt ha- ■ ben sollten. I Ais im März 1957 aus der britischen Kolonie Goldküste der unabhängige Staat . Ghana entstand, war es ver- , stündlich, dass der langjährige Verfechter der Selbständigkeit difites Landes, Dr. Kwame Nkruma, an der | Spitze der neuen Nation stehen würde. Nkruma hatte britische Erziehung gencßsen, seine Linksneigungen waren, wie man damals sag- : te, westlicher Natur, und es bestand kaum ein Zwei- . fei darüber, dam, er sein Land in der Tradition weiterführen würde, die ihm von den britischen Kolonialherren und ihrem Regiej rungßsystem her bekannt 1 war. Offenbarte sich nun bald in Ghana die Schwie ligkeit, der man in den nächsten Jahren bei allen j afrikanischen Staaten begegi nen sollte, die Tatsache der , willkürlichen Grenzziehung durch die Europäer, so glaubte man, dass »sich dieses anfängliche Handicap bald in die Vergangenheit verlieren würde; aus der neuen Gemeinschaft musste sich eine Nation entwickeln.! Ihre Führer waren ja vom Westen erzogen worden. Schon damals stimmte es einige Beobachter nachdenklich, aVs man feststellsu musste, dass die Parteienbildung nach Stammmzugehörigkeit vor sich ging. Die drei Hauptstämme Ghanas blieben mehr oder weniger fest in sich geschlossen, Fanti und Ewe im Süden, Aßchanti im Norden. Problematisch war, dass diese Stämme nicht auf Ghanas Staatsgebiet beschränkt waren. Sie reichten darüber hinaus. Wenige Jahre später löste Nkruma die Verbindungen mit der britischen Krone. und es entstand ein Commonwealth-Mitglied teilweise nach asiatischem Muster; eine Republik, in welcher der Staatschef auch Regierungschef war und dessen Bildung an das Commonwealth durch die britische Königin als ,,Ober- Anspruchsvolle Herren sollten ihre Kleidung bei CARLTON kaufen! Dort legt man Wert auf Qualität, innen und au ssen. Bei einem CARL- TON-Anzug eind alle De tails berücksichtigt. * Grossauswahl in Fertig-Kleidung und Stoffen für feinste Masskleidung. * Bei CARLTON ist der Kunde Koenig. haupt der Gemeinschaft“, nicht mehr als Monarchin des betreffenden Landes hergestellt ißt. Nkrumas Macht wuchs. Die Stamrreßautonomie wurde systematisch untergraben und zers.ört, nicht im Sinne des organischen Zusammenwachserß der Nation. sondern ausschlieuslich zum Zweck der Konzentrierung aller Macht in den Händen eines einzigen Mannes des nunmehr auf Lebenszeit gewählten Präsidenten, der den inoffiziellen Titel eine,; „Osfay ego“, des ..Erlösen;“ annahm. Erlöser pflegen ihre Aufgabe niemals für beendet zu halten. E,; war a’ßo selbstverständlich, dass Nkruma für die weitere Erlösung Afrikas kämpfen wollte — Ghana war ja erlöst. Damit war die Zielsetzung gegeben. Und daher konnte man sich aller Mittel bedienen, die in der Welt zur Verfügung standen, auch der Spannung zwischen Ost ur.d West. Ghana hörte auf, ein zum Weuten gehörender Staat zu •sein. Er wurde ein Neutraler, bald ein Neutralist, mit bedenklichen Neigungen zum Osten. Die Opposition versuchte, diese Lage auszunutzen, indem sie, vielleicht nur aus Opportunismus, dem Westen Treue hielt. Aber die Opposition hatte in Ghana nicht,; mehr zu sagen. Ihre Führer gingen ins Exil, oder sie wandelten im Lande selbst in die Gefängnisse. DIE REAKTION: ATTEN'l ATE Es gibt keine politisch aufgeklärten Massen in Ghana.; Die g£nze Auseinandersetzung um die Macht epielt eich im Rahmen einer winzigen Oberschicht ab, jjie teils aus Stammesfürsten, ' teils aus von England gebil- 1 deten Funktionären besteht. Die Massen werden regiert, von ihrer Regierung ebenso wie ven der Opposition — r,o wie eie einst von den Briten regiert worden waren. Die Opposition, die mit Nkrumas Machtvollkommenheit als ..Erlöser“ nicht Globke auf der Zeugenbank Obwohl Staatssekretär Dr. H. Globke auf Wunsch d.ß Verteidigers im Prozess gegen die Kriegsverbrecher Mohr. Grcever, Helfsgott und Pohl in Wuppertal aussagte. hat er doch die Angeklagten „nicht verteidigt oder in Schutz genommen“. Davon „kann keine Rede sein . Dies erklärte ein Beauftragter des Bundesmin'ßter,; für Justiz in einem Brief an Tuwia Fri-edmann, den Leiter des Haifaer Dokumentationszentrums. der gegen die Aussage Dr. Globkes.vor einiger Zeit an höchster Stelle protestierte. Friedmann hatte gegen die immer wieder auftauchende Version des „Befehlsnotstandß“ prote,stiert und Einberufung einer Konferenz der Justizminister und Generalstaatsanwälte gefordert, um festzustellen, dass sich die Tei’nehmer an verbrecherischen Aktionen nicht MOEBELHAUS WATERMANN Das Haus der 3 Gescliät te mit d?r grössten Auswahl. SARMIENTO 1147 T. E. 35 /033 CABILDO 2614 PAMPA 4979 fast Ecke Triunvirato Eigene Werkstätten Zahlungserleichterunsen Zuvorkommende fach männische Bedienung durch die Berufung auf einen Befehl einer Verurteilung entziehen können. In der Antwort des Minißterialbeamten Dr. Dreher (im Auftrag de,3 Ministers) heisst es, dass Staatssekretär Dr. Globke im Prozess | gegen Robert Mohr und drei . andere Angeklagte von der j Verteidigung als Zeuge bej nannt wurde. Er sollte aust;agen. dar,; die Verweigerung der Teilnahme an einer befohlenen Exekution den Angeklagten selber der . Gefahr des Erschossenwerdens ausgesetzt hätte. „Glob-; ke war verpflichtet auszusagen, da er a’ß Zeuge be- 1 nannt wurde“. Er habe jedoch nach Pressemeldungen 1 nur gesagt, dass damals in Berlin erzählt wurde, „Leute, die die Teilnahme ver-! weigerten, müssten mit Repressalien und vielleicht sogar Erschießen rechnen“. E.; „könne also keine Rede davon sein, dass Dr.! Globke die Angeklagten verteidigte oder in Schutz; nahm“. Der von Tuwia Friedmann angeregten Konferenz der Justizminister bedarf es; nicht, heisst es weiter in dem Schreiben. Et; gilt näm- '■ lieh der Paragraph 47 des | Militär - Strafgesetzbücher-,, wonach eine Strafe vorgesehen ist, wenn dem Teilnehmer an einer Aktion bekannt war, dass „der Be-; fehl eine Handlung betraf, welche ein allgemeines oder militärisches Verbrechen bezweckte“. Allen vier Angeklagten in Wuppertal sei der Befehlsno'ßtand verneint worden. Sie wurden wegen Beihilfe zum Mord zu Strafen bis zu acht Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust verurteilt. einverstanden ist, suchte Querverbindungen zu vielen , Interessenßtrömungen, die zur Zeit in Afrika bestehen: zu den Finanzgruppen der grossen Wirtschaftszentren, zum Westen, zu anderen . afrikanischen Führern mit; ähnlichen Prätentionen wie denen Nkrumas. Aber sie wussten, daßc ihnen das al- ■ les nichts helfen würde, solange Nkruma lebt. So ent- ■ schloss man sich, den „Erloser“ zu beseitigen. Die Folge des Ringens in Ghana waren Attentate auf Nkruma und Plakate, die gegen ihn hetzen. Eß ist kaum anzunehmen, dass die Serie dieser Anschläge auf das Leben des Staats- und Regierungschefs bereits zuende gegangen ist. Während sich dieser, möglicherweise morgen bereits blutige, Kampf um die Macht in Ghana abspielt — er hatte sogar zur Folge, daßs Nehru einen Staatsbesuch in Akkra absagte — gärte es auch in anderen Ländern des schwarzen Kontinents. Die weisse Regierung der „Zentralafrikanischen Föderation Rhodesien und Njassaland“ hat die Volkspartei der Farbigen verboten und Tauoende von Afrikanern verhaftet. Sie hofft, dadurch die Herrschaft einer Minderheit von etwa 3 % der Gesamtbevölkerung über die restlichen 97 % zumindest verlängern zu können. Die Zwischenfälle, die zwischen Gabon und Kongo um ein Fussballspiel vor eich .igen und zu ernsthaften; Unruhen geführt hatten, wurden in der Presse alß Streit nationalen Charakters geschildert. Das waren sie keineswegs. Auch hier ging ee letzten Endes um Stammesdifferenzen, die noch im mer stärker sind alß alle nationalen Grenzen, deren Unerbittlichkeit dem Afrikaner ein Begriff ist. Die Abberufung des portugie,fischen Gouverneurs in Angola bewies weitere heftige i LA SEMANA ISRAELITA BLS EM AN ARIO IND KP KN DI JtNTK St. Aire» — PUEYBREDOM 21«, 1* uq. — T. E. 83-2*1 6. Dezember 1963 20. Kislev 5724 Erschütterungen in dieser grossen portugiesischen Kolonie. auch wenn die Zensur kaum Nachrichten über die blutigen Zusammenstösse zwischen Kolonialherren und Landeseinwohnern durch-, lässt. Die 32 Sta .ten Afrikas, deren Zahl ßich ständig weiter erhöht, sind schon deshalb für unse i Zukunft mitbestimmend, weil sie in allen internationalen Gremien ebenso über eine Stimme verfügen wie die Völker, die bisher das Schicksal der Welt gestalteten. Bisher sind ßie noch in den Strömungen verfangen, welche die alte Welt produzierte, die H Staaten des Brazzaville- Blocks ßtehen gegen 13 der Casablanca Gemeinschaft und deren Anhänger, acht Länder sind unabhängig und il.re Position daher bis jetzt ungeklärt. Solange noch der Vertreter eines solchen bestimmten Staates, den die Grenzziehung europäischer Kolonialmächte willkürlich geschaffen hat, seine Hand zur Abstimmung erhebt, mag er seine Meinung den uns bekannten Strömungen nach zum Ausdruck bringen. Die blutigen Vorgänge in Ghana und einigen anderen Gebieten des erwachenden Afrika aber beweisen, dass die gewaltige Masse der Afrikaner entschlossen;,;t, ihr Schicksal auf ihre eigene Art in die Hand zu nehmen und zu meistern. Dabei mögen sich Begriffe ebenso verschieben wie Kopfe rollen, Grenzen ebenso radiert werden wie Stämme wieder zueinander finden, neue Nationen erstehen und sehr bedeutende Machträume zusammenwachsen. üb niese Zukunft zu Schatten oder zu Licht für die Menschheit wird, hängt von der Erkenntnis uno der Fähigkeit unserer Welt ab, dro neue Afrika zu absorbieren. Bisher ist diese Fähigkeit nicht gerade gefördert worden. 'aiSíCHÍCÉÍÍtftfEllísSsMi wmmmmmmmm!>lp-MÄRK|OMR:iK)ltAlLi Bevor Sie wechseln erfragen Sie unsere Preise Man spricht Deutsch Ernst Koppel Maipú 982 Tel. 31-7845 50 Meter Plaza Srn Martin, mit vielen Verbindungen und Parkmöglichkeit. Teppichhaus - M. Hochberg UNEUäüACHTE AUSWAHL AN HANDGEKl’UPFTEN TEPPICHEN IN ERSTKLASSIGEN QUALITÄTEN KTJER JEDES GEMUETLICHE HEIM. Eigene Fabrikation — Unverbindliche Vorfiihruna Auf Wunsch Zahlungserleiehterungen MASCHINENTEPPICHE IN ALLEN FARBEN UND GROESSEN AUSLEGEN VON APPARTEMENTS MIT REIN WOLLENEM VELOUR. 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