Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 24 (1963)
- Issue
- 2039 (22.11.1963)
- Date
- 1963-11-22
- Page
- [Seite 5] (sequence 5)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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Viernes, 22 de Noviembre de 1963 LA SEMANA ISRAELITA Año XXIV. — No. 2039 Gespraech auch mit d Bombenattentat gegen AMIA Die Geschichte des Christi liehen Abendlandes ist weithin beherrscht von einem Doppelkampf, gegen den Islam und das Judentum. Während die Heere der Kreuzfahrer schwer bewaffnet gegen die ungläubigen Türken, Mameluken, Araber zu Felde zogen, erpro-bten sie zunächst ihre Kraft an den wehrlosen jüdischen Gemeinden im christlichen Abendlande. Der Islam seinerseits versuchte tatsächlich, „mit Feuer und Schwert" den Glauben des Propheten auszubreiten, beisetzte Spanien und drang bekanntlich bis an die Tore Wiens vor. Erst im 18. Jahrhundert bahnt sich der Gedanke der Toleranz doch eine Gaßse. In Lessings berühmter Parabel von den Drei Ringen in „Nathan der Weise“ klingt vielleicht zum ersten Mal der Gedanke einer Gleichwertigkeit von Judentum, Christentum und Islam auf. Vom Gesichtspunkt jüdischer Geschichte aus musß aber festgehalten werden, dass sich trotz gewissen Spannungen zwischen Mohammed und jüdischen Gemeinden in Arabien in dar zweiten Phaise seiner Wirksamkeit die Beziehungen zwischen dem Judentum und dem Islam gar... anders gestalteten als zwischen dem Judentum und dem Christentum. Rein dogmatisch gesehen geht der Islam davon aus, dsss Juden und Christen „Völker des Buches“, der Bibel, und daher nicht den ungläubigen Heiden gleichzustellen sind. Der Islam kannte keine Inquisition gegenüber den Juden, ke'ne Verbrennung jüdischer Ketzer. Er war praktisch weit toleranter als die Kirche. Theologisch gesehen »stehen sich Judentum und Isias auch viel näher als Judentum und Christentum. Das muss gerade heute, im Zeitalter des jüdisch christlichen Gespräches, in aller Offenheit zugestanden werden. Judentum und Islam bekennen den reinen Monotheismus, während das Christentum durch das Dogma der Trinität und der Fleischwerdung dea Logos in Jesus Christus hier eine wesensmässig grundverschiedene Position einnimmt. von SCHALOM BEN CHORIN Die theologischen Unterschiede zwischen Judentum u:d Islam sind eigentlich geringfügiger Art. Das Judentum hat noch nicht einmal einen Grund, die Prophetie Mohammeds in Frage zu stellen, da tß immer die Möglichkeit offen liess. dass Gott seine Boten auch anderen Völkern ausserhalb Ißraels sendet. Natürlich gibt es zwischen dem Koran uid unserer hebräischen Bibel Unstimmigkeiten, zumal der Koran zum Teil dieselben Geschichten in anderer Version erzählt, z. B. aus wohlersichtlichen Gründen der Sippe von einer Bindung Ismaels berichtet statt von einer Bindung Iisaakis. Die islamische Theologie war sich dieser Divergenzen wohl bewusst und sprach hier von einer Wiederherstellung der ursprünglichen Offenbarung Allahs. Indes*sen bleiben diene Unterschiede wesenlos, wenn man den elementaren Monotheismus als das zentrale und zugleich einigende Element zwischen Judentum und Islam erkennt und festhält. Da« Gespräch des Judentums mit dem Islam ist gegenwärtig leider übenschattet von der politischen Wirklichkeit, die Juden und Araber, die Bekenner des Judentums und des Islam, im Streit um den Staat Israel, in feindliche Lager verwies. Aber diese Spannungen sind politisch zeitgebunden. Indessen hat in der letzten Zeit uum Erstaunen von über 300 Millionen Mcßlems der oberste Ulema (Geistliche) der syrischen Hauptstadt Damaskus, Scheich Achmed Kestaro, von der Yalga-Mcßchee einen islamisch-christlichen Kongress anregt, der eine me Abwehrfront gegen Kommunismus und Atheismus bilden sollte. Achmed Kestaro bezog sich auf ein Wort des verewigten Pagßteß Johannes XXIII., der den Islam auch aus der Sicht der katholischen Kirche als eine von Gott inspirierte Religion anerkannt habe. Bedenkt man, dass die protestantischen und orthodoxen Kirchen in der ökumenischen Bewegung einander bereit« ßeit vielen Jahren nähergekommen sind, bedenkt man ferner, dass es ein Hauptanliegen des ökumenischen Konzils in Rom war, durch das Sekretariat für die Einheit der Christenheit unter Augustin Kardinal Bea S. J. den Kontakt zur ausserkathol ßchen Christenheit herzustellen, so versteht man sehr wohi, dass der Islam nun seinerseits verbucht, Ai ischluss an diese ökumenische Bewegung zu finden. 1954 war schon einmal in dem libanesischen Kurort Bhamdun ein Treffen mit Vertretern christlicher Kirchen aus 22 Ländern veranstaltet worden. Dort traten Theologin des Islam und des Christentums zum ersten Mal in einen wirklichen Dialog ein, wobei eie betonten, dass sie durch den Kommunismus, den historischen Materialismus und Atheismus in eine Einheitsfront gedrängt worden seien. Die Mohammedaner zitierten eine Sure de« Koran: „Unser Gott und euer Gott ist Einer“. Hans-Armin Reinartz, Korrespondent der Deutschen Presse-Agentur in Damaskus, vermerkt hierzu: „Biß heute bestehen aber weitgehend Unkenntnis und Missverständnisse zwischen Islam und Christentum. Auch das seit dem 19. Jahrhundert in immer grüssarem Umfang im Werten betriebene Studium der islamischen Kultur und Geschichte hat nicht dazu beigetragen, dass die Theologen auf beiden Seilen sich mehr mit der anderen Religion beschäftigen. Zu keiner Zeit gab es einen islamischen Theologen, der ein Werk über das Christentum aus islamischer Sicht geschrieben hätte.“ I Reinartz vergisst, dass es j jüdische Gelehrte waren, die j sich als hervorragende Arabisten hier als Vermittler zwischen der islamischen Kultur des Orients und der christlichen des Abendlandes eingeschaltet haben. Hier ist an erster Stelle Ignaz Goldziher zu nennen, dessen „Mohammedanische Studien“ (1S89/90 und Beine „Vorlesungen über den Islam“ (1910) klassische Werke der Orientalistik wurden. Goldziher war der erste und für viele Jahre einzige Europäer, der in Kairo an der El-Azharmoschee - Universität islamische Theologie an der Quelle studierte. Später wurde Goldziher als Rektor deß Rabbinereeminars in Budapest zu einem Vorkämpfer jüdischer Islamforschung. Generationen jüdischer Gelehrten haben sich in diesen Dienst gestellt, und heute ist es die Hebräi- Gtctern wurde in den frühen Morgenstunden ein schweres Attentat gegen das Gebäude der AMIA, der Kehilla von Buenc.; Aires, verübt, das sich in der Strasse Pasteur 633 befindet. Die Explosion, die erfolgte, war so stark, dass die Scheiben auch der Nachbarhäuser zerbrachen und die Strasse ein Bild völliger Zerstörung bot. Noch in den Mittag:otmden des Donnerstag war die ganze Strasse mit Gla.ijplittern bedeckt, und selbst Scheiben im fünften Stock des Gemeindehauses, in dem sich die Räume der DAIA befinden, waren durch die Kraft der Expkßion zerbrochen. . . Die DAIA hat Telegramme an den Innenminister und den Polizeichef gesandt, in denen »sie Mitteilung von dem verbrecherischen Attentat macht, das als antidemokratisch bezeichnet wird und sich gegen die Sicherheit und das harmonische Zusammenleben des argentinischen Volke« richtet, mit dem Hinweis, dass dieses Attentat das Ansehen Argentiniens in der Welt herabsetzt. Die Polizei hat die entsprechenden Untersuchungen eingeleitet. Bei Redaktionsschluss war kein Ergebnis dieser Fahndung bekannt. Ereignisse der Woche Isaak Isaaksohn s. A. EMPLEADA IMPORTANTE S.A. NECESITA EMPLEADA capaz para puesto de responsabilidad — Indispensable conocimiento Inglés y dominio Idisch. — Por carta manuscrita únicamente, detallando estudios cursados, empleos anteriores, datos personales y pretensiones a: Casilla Correo No. 150 — Sucursal 6 “B” Am 14. ds. Mts. verstarb plötzlich im Alter von 66 Jahren der bekannt« jüdische Journalist, Herr Isaak Isaaksohn, der 25 Jahre als Redaktionsmitglied in der „Jüdischen Zeitung“ in Buenos Aires tätig war und auch gemeinsaj an spanischen und engli- TJ" sehen jüdischen Wochenschriften mitarbeitete. Herr Isaaksohn kam vor 46 Jahren aus Russland als hebräischer und jiddischer Lehrer an die Schulen der-TCA in Entie Rios und betätigte sich später als Uebersetzer und Lehrer auch in der Hauptßtadt. Mit der Jüdischen Wochenschau stand Herr Isaaksohn. der auch gut deutsch sprach, in freundschaftlichen Beziehungen. Er war einer der wenigen jüdischen Berufsjournalisten, der über den Rahmen der jüdischen Publikationen weit herausging und eich als Uebersetzer jiddischer Dichter ins Spanische einen guten Namen gemacht hat. Sein Tod, der allgemein zutiefst bdeauert wird, kam gänzlich unerwartet, da er noch einige Stunden vor seinem Hinscheiden in der Re daktien arbeitete. Gedenkausgabe zum „Bialystoker Ghettoaufstand“ JUAN JULIUSBURG MALERARBEITEN 73-1148 BLANCO ENCALADA 1646 AUTO - REPARATUR . WERKSTATT „BEÑO” BEÑO HUTSCHNECKER Avda. CONSTITUYENTES 4902 (Ecke Monroe) T. E. 51'- 2205 «e im Kampf gegen die deutschen Mörderbanden, damit die Menschen und ihre Heldentaten nicht der Vergessenheit anheimfallen, sondern den Ueberlebenden eine Warnung seli sollen. Die Publikation wurde vom Redaktionsmitglied der Jüdischen Zeitung, Herrn Benzion Bruker, der selber zu den wenigen Ueberlebenden der faschistischen Greuel gehört, redigiert. Nueva Comunidad Israeiita de Cordoba Durch die unermüdliche Arbeit von Vorstand und Mitgliedern, hat die aus nicht ganz 50 Familien bestehende Gemeinde es ermöglicht, am 11. September in einer feierlichen Andacht ihren eigenen Tempel und Heim einweihen zu können. Nach dem Anschlägen der Meeusoh und dem Entzünden deß Ewigen Lichtes, wurden die Thorarollen eingebracht. Daraufhin hielt der Präsident, Herr Haus Lewin, eine Begrüssungsansprache. Herr Manfred Rehfeld sprach die verschiedenen Segenssprüche und hielt die Predigt, und die ganze Zeremonie wurde vom Chor, unter der Leitung von Herrn Klaus Kahan, mit altbekannten Melodien begleitet. _ Nach den Ar.eprachen der Präsidenten der geladenen cordobtßer Gemeinden wurde ein Imbiss gereicht. Zu den Feiertagen wurden auch Gottesdienste in traditioneller Form abgehalten, die von alt und jung sehr gut besucht waren. sehe Universität in Jerusalem, wo hervorragende Arabisten wie Prof. Plessner und vor ihm Prof. Rivlin einer hebräischen Studentenschaft die Welt des Islam vermitteln. Niemals hat es in der jüdischen Geschichte eine eo innige Verbindung mit dem christlichen Denken gegeben, wie es eine Epoche der echten Begegnungen mit dem Islam in der spanisch-jüdischen Epoche der hebräischen Scholastik gab. Nach den ersten Versuchen von Bhamdun wurde es wieder still um islamisch-christliche Kontakte. Nur im Kloster Tumlilin in der Nähe von Meknes (Marokko), wurden solche Gespräche fortgeführt. In diesem Benediktinerkloster finden regelmässige Sommerseminare christlicher und islamischer Theologen etatt. Auch Professoren und Studenten der El Azhar-L'niversität, Kairo, nehmen teil, wobei man sich um die Erarbeitung theologischer Differenzpunkte sachlich bemüht. Auf christlicher und islamischer Seite wird die Notwendigkeit einer neuen Begegnung heute klar erkannt. In früheren Jahrhunderten standen sich Kirche und Islam entweder feindlich oder deßinteressiert gegenüber. Der Christ dankte Gott, dass er kein Moslem war. Der Moslem dankte Allah, dass er sich vom Christen unterschied. Heute müssen beide danken, das« sie durch ihren Glauben vom modernen Atheismus unterschieden sind; so faset Reinartz das Ergebnis dieser Gespräche zusammen und endet: „Es gibt genug konkrete Themen für künftige Kcntakte zwischen beiden Religionen. ,Die kommunistischen Theorien aus christlicher und islamischer Sicht“ sind eines der wichtigsten Themen.“ Soli hier wirklich die Parabel von den Drei Ringen auf zwei Ringe reduziert werden? Ist es nicht unsere religiöse, geschichtliche und zugleich politische Pflicht, hier mit „einzusteigen“? Auf dem Boden von Kairo ist es unmöglich, ebenso in Damaskus. In Marokko müsste eß schon eher möglich sein, zumal wenn als Sprecher des Judentums zunächst nicht Vertreter Israels. sondern berufene Theologen und Arabisten des Diaspora-Judentums aus Amerika und Europa teilnehmen würden. In unserem Bestreben einer Kontaktnahme mit christlichen Kreisen, die uns heute mehr entgegenkommen, dürfen wir di-a Frage der Kontaktnahme zu unserer engeren Bruderreligion, dem Islam, nicht vernachlässigen. Das scheint mir ein wirkliche»; Gebot der Stunde zu seiln. Masschneiderei SAKS im neuen Lokal Av. Corrientes 51 i p. 2 - Asc. izq. T. E. 46-8026 Der Verband der Bialystoker Juden in Argentinien gab zum 20. Jahrestag des Aufstandes im bialystoker Ghetto eine reich illustrierte Gedenkaußgabe heraus, die ur»s in kurzen ergreifenden Berichten den heldenmütigen Aufstand der in diej ParkpiaetZO sem Ghetto eingeschlcssenen r Juden ßchildert, die eich ge- | Tel Aviv. — Die telaviver gen die schwer bewaffneten , Stadtverwaltung hot den Nazis erhoben, um sich nicht j Besitzern freier Grundstükkampflos abschlachten zu; ke die Erlaubnis erteilt, dielassen. Bialystok, einst ein j se als Parkplatz zu vermieblühendes jüdisches Zenj len. Die Fest.setzur.oder trum mif einer viertel Mil-; Parkgebühren erfolgi.°durch lion Juden, ißt heute nur , die städtischen Behörden, noch ein kümmerlicher Abglanz verßehwundener Grösse und wird nur von weni- ALFREDO STERN MALERARBEITEN ALLER ART Deport amentos — Büros — Haeuser — Fabriken Unverbindliche Kostenvoranscliliige für jede Arbeit T.E. 76-7281 y 76-9088 Virrey del Pino 2639 DEPOSITO: V. de la Plaza 1779 gen Juden bewohnt, über deren Leben wir auch in dieser Zeitschrift einiges erfahren. An der Ausgabe haben bekannte jüdische Schriftstelier. die dieses Inferno überlebt haben, mitgearbeitet. Sie schildern ihre Erlebnis- Neue Wohnungen Jerusalem. — Die Regierung bestätigte ein Zusatzbudget für da.s Jahr 1963/64 zum Bau von weiteren 5.000 Wohneinheiten für Neueinwanderer, von denen 70 Prozent in den Entwieklungsgebieten vorgesehen sind. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 70 Millionen IL. SCHWEIZER KONTEN Safes, Guthaben usw. von Personen, die durch Krieg oder Verfolgung ums Leben kamen, deren Kontonummer nicht bekannt und für die Bsvollmaechtigte nicht vorhanden sind. Nach neuem schweizerischen Gesetz ist Sonder- Regelung vorgesehen. Erben oder sonstige (vermeintliche) Berechtigte können sich Jetzt melden Information erteilt Büro Dr. Hardi Swarsensky (L.enstag, Mittwoch, Freitag von 16 bis 18 Uhr) PUEYRREDON 2190, 1. Stock links Telefonisch werden keine Auskünfte erteilt. Anrufe zwecklos.