Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 24 (1963)
- Issue
- 2039 (22.11.1963)
- Date
- 1963-11-22
- Page
- [Seite 2] (sequence 2)
- Language
- German, Spanish
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2 — Vierets, 22 ée Nwrirmhrf de 1963 LA SEMANA ISRAELITA ASo XXÎV. — îf». 2939 Zwischen Ueberfluss und Not (Schluss von Seite 1) FAO Politik, deren Mittelpunkt nicht mehr allein die materielle Hilfeleistung ist, wird jedoch von vielen auf das heftigste bekämpft. Vor allem von den „Nur-geben- ■Wollenden“, die eich nicht einmal um die gerechte Verteilung der Hilfsgüter kümmern wollen. Dabei lehnen auch die Verfechter des Geistes-Pessimismus diese neue Politik ab, so auch der bekannte Geschichtsphilosoph Tovnbee, der das chaotische Phantom des ,.Nahrungsjägers“ vorzeichnet. Er sieht einen einzigen Ausweg: die radikale Geburtenkontrolle. Die verschiedenen Ansichten der FAO-Fachleute prallen dort aufeinander. Neben vielversprechenden, grossen Phrasen wurden aber auch reale Vonschläge auf den Verhandlungstisch gelegt. So wollen einige Biochemiker versuchen, aus Fißch- Protein-Konzentrat neu- und hochwertige Eiweissquantitäten zu gewinnen. Dies erscheint desto leichter zu sein, als bisher kaum 15 Prozent der möglichen Fischernte aus dem Meer geholt wird, während 85 Prozent dieser wichtigen Eiweissquelle verlorengeht. Andere wiederum sprechen bereits seit Jahrzehnten von den ungeheuren Möglichkeiten, die sich durch Nährstoffe aus Algen ergeben würden. Denn Algen sind bisher wenig industriell Füllhalter REPARATUREN Spezialgeschaeft CORRIENTES 569 T. E. 49-5850 REAL PEN SPERRHOELZER DIAZ VELEZ 5224 Tel.: 89-9349, 33-9305 PUEYRREDON 2190 80-6930 nachm. 16—19 Ehr und dazu noch für Nahrungszwecke 'benutzt worden. III. Feststellungen Prof. Baade kommt deswegen zu den folgenden Schlüssen: 1. Das Nahrungsdefizit in den Ländern, in denen eine ..Bevölkerungsexplosion“ vor eich geht, ist heute schon um Millionen vcu Tonnen grösser, als man vor einigen Jahren erwartet hat. 2. Dieees Nahrungs-Defizit wird sich in den nächsten fünf bis zehn Jahren mindestens verdoppeln, vielleicht sogar verdreifachen. 3. Es wird damit eine Grössenordnung von 25 bis 30 Millionen t Getreide erreichen, eine Menge, die aus den Ueberschüsssen der USA allein nicht aufgebracht worden kann. 1 4. Die Ueberwindung dieses Defizits wird viel länger dauern, als man bisher annahm: nicht drei oder fünf Jahre, nicht zehn Jahre, sondern mindestens fünfzehn bis zwanzig Jahre, vielleicht sogar zwanzig bis dreissig Jahre. 5. Europäische Getreide- Überschüsse von mehreren Millionen Tonnen sind daher nicht zu fürchten, sondern zu wünschen. Nur mit Hilfe solcher Ueberschüsse kann Europa zusammen mit den USA entscheidend dazu beitragen, dass der Weltkampf gegen den Hunger gewonnen wird.“ Unsere Welt ist. vom ernährungs - wirtschaftlichen Standpunkt aus betrachtet, dadurch charakterisiert, dass sie in eine Welt des Hungers und des Ueberflvsses gespalten ist. Dabei ist interessant, dass der Ueberfluss an Nahrung in den am höchsten industrialisierten Ländern produziert wird, während der Hunger dagegen in Ländern wütet, deren Bevölkerung zu 80 und mehr Prozent Agrarbevölkerung ist. Von diesen Tatsachen muss die internationale Politik ausgehen. In früheren Zeiten sind Völker, die Hunger litten, in die reicheren Zonen eingedrungen. Die geschichtlichen, grossen Völkerwanderungen sind die Folgen dieser .Hunger-Phänomene“. Nationen, Rassen oder Stämme, die auf ihrem bisherigen Boden keine ausreichende Nahrung finden konnten, brachen auf, um Gebiete zu suchen, die ihnen hinreichende Ernährung bieten konnten. Sicherlich war die Erde damals noch nicht so .besetzt“, wie sie es heute ist. Noch niemals hatte die Erdbevölkerung diese Ziffern erreicht, die man heute zählt, und die ' man vor allem bei einem j Ablauf der Ereignisse ohne grössere Störungen erwartcu muss. IV. Politik Welche Wege können oder müssen beschritten werden, um diese Entwicklung zum Hunger und damit notwendigerweise zum Chaos aufzuhalten? Das ist die grosse Frage der Politik, die nicht mit einer Lesung bis zu dem Zeitpunkt warten kann, zu dem die sich heute anbahnende und bereits eingetretene Entwicklung zur Katastrophe führen wird. Sicherlich könnte heute durch eine bessere Vertei lung zwischen Produktion und Bedarf, zwischen Ueberfluss und Hunger weit mehr erreicht werden, wenn die internationale Kooperation eich nach den faktischen Notwendigkeiten und nicht nach den politischen Einzelinteressen richten würde. Ob im Wege der sogenannten Entwicklungshilfe sehr viel erreicht werden kann, muss dahingestellt bleiben. Solange diese Hilfeleistung der reichen Nationen an die armen, unterentwickelten N-tionen mit politischen Sonderinteressen verbunden ist, wird man immer Gefahr laufen, dass die Regierungen der bedürftigen Völker in Wahrung ihrer berechtigten oder falsch verstandenen nationalen Interessen die Hilfe ablehnen, wenn sie mit dem Zugeständnis politischer Einflüsse erkauft werden muss. Denn nirgends sind es die regierenden Schichten, die den Hunger leiden. Sie können Verzicht auf die Hilfe leisten und „Opfer“ bringen, die im physischen Untergang weiter Bevölkerungskreise bestehen, aber nur die Armen treffen. Die Haltung der .reichen“ Völker, die Ueberfluss an Lebensmitteln und Industrie-Erzeugnissen haben, bestimmt in funktioneller Hinsicht im positiven wie im negativen Sinn die Reaktion der anderen. Wir stehen nicht zum ersten Mal in einer Situation, dass die wohlhabenden. Ueberschüsse produzierenden Völker Absatzprobleme haben, während die anderen Nationen nicht über die Lebensmittel verfügen, um eich satt essen zu können. Bereits zu wiederholten Malen hat man Produkte in einem Land verbrannt oder ins Meer geworfen, die anderwärts gefehlt haben. Sicherlich handelt es sich nicht nur — wenn auch — um ein Problem der Verteilung der Güter der Erde. Auch hinter solchen Verzweiflungsmassnahmen, wie die Vernichtung der Ueberschuss-Produktion eine ist, stehen politische Erwägungen. Es gehört gewiss eine gro- I sse politische Reife dazu, I Leistungen zu bringen, ohne diese Hilfe von Bedingungen I abhängig zu machen. Es ist l das Zeichen einer allgemeinen menschlichen Schwäche, Einfluss einhandeln zu wollen. Wir begegnen diesem Gesetz der Hilfeleistung gegen politische Konzessionen sowohl in der privaten Sphäre des Menschen zu seinem Nebenmenschen wie in der giessen und internationalen Politik. Diesem Grundsatz haftet aber nicht allein das Odium des Imperialismus und Kolonialismus an, das Prinzip als solches beruht — wenigstens in der modernen Zeit—auf einem schweren Irrtum. Im staatlichen Bereich hat man den Gedanken des ,.Wohlfahrtsstaates“, im privaten Bereich die Idee der Wohltätigkeit überwunden. Ohne hier werten zu wollen, ob Wohltätigkeit und und Wohlfahrtsstaat moralisch vollwertige Erscheinungen deis gesellschaftlichen Lebens sind, müssen wir uns mit der Tatsache begnügen, dass sie dem heutigen sozialen, moralischen und rechtlichen Empfinden widersprechen. Armut ist kein Vorwurf oder moralischer Fehler, Armut ist ein Zustand. Dem Armen zu helfen, ist kein Akt der Wohltätigkeit, sondern eine Pflicht, die aus dem Rechtsgedanken entspringt. Die Gesellschaft ist dazu berufen, denjenigen in ausreichender Weise beizuste; hen, die bedürftig sind, sei es aus welchem Grunde auch immer. Dies ist unbestritten, soweit es sich um Alte, Arme, Schwache, um Kinder oder Gebrechliche, um Unglücksritter oder sonstige Arme handelt. Aber nicht allein die Gesellschaft — oder der Staat a^ die heute übliche Form des gesellschaftlichen Lebens — haben die Pflicht, den Armen beizustehen, die Armen haben einen Rechtsanspruch gegen diese Gesellschaft oder den Staat auf diesen Beistand. Im Rahmen eines Staatsverbandes gibt es verschiedene Wege, um der Pflicht zur Hilfeleistung oder dem Recht auf Beistand eine gesetzliche Form zu geben. In diesem Zusammenhang sind die verschiedenen sozialen Versicherungen und Gesetze zr. erwähnen. Jedenfalls hat die moderne Gesellschaft die gesetzlichen Vorkehrungen getroffen, um dieser einmal erkannten Pflicht nachzukommen, und auf der anderen Seite dem Recht der Armen auf diese Hilfe zu genügen. Hierbei spielen neben den allgemeinen Erkenntnissen einer vorgeschrittenen Zeit auch reale politische Erwägungen eine Rolle. Der Kampf gegen Armut bedeutet immer die Ausschaltung natürlicher Unruheherde. Die Gesellschaft kann eine ihr adäquate Existenz nicht führen, wenn Krankheitsherde ihr gesellschaftliches Leben anzugreifen oder zu erschüttern drohen. Auf das internationale Leben übertragen, erhebt sich die Frage, ob nicht der Weltstaat, sagen wir die UN, ähnliche Wege und Methoden einschlagen müssten, um den Unruheherd Hunger zu beseitigen und damit das internationale Leben zu gesunden und zu befrieden. Ob dabei die sogenannte Entwicklungshilfe, die der Reiche dem Armen — meist durchaus nicht uninteressiert — leistet, der richtige Weg ist, muss stark bezweifelt werden. Sicherlich wird man den Lebensmittelmangel auf der Erde nur durch eine planmässige und schnelle, nach den neuesten Methoden arbeitende Landwirtschaft bekämpfen können, wobei hier nicht auf die Lebensmittelgewinnung aus dem Meer — entweder der Tiere oder der Pflanzen der Ozeane — eingegangen werden kann. Aber die Entwicklung der Landwirtschaft in den Ländern, in denen man heute noch mit primitiven Arbeitsmethoden den Boden erschliesst, kann auch nur vor sich gehen, wenn die erforderlichen Maschinen und Methoden, die Düngemittel und die Fachleute zur Verfügung gestellt werden. In groben Umrissen hat diese Hilfeleistung durch drei Kanäle zu erfolgen: durch Geldmittel, durch Hebung der Landwirtschaft, durch die Abgabe des Ueberflußses an die bedürftigen, hungernden Länder. Dies muss als ein Ausdruck einer weltweiten sozialen LA SEMANA ISRAELITA Semanario — aparee« los Viernes. Editado por Estrellas Editorial Ltda. Verantwortlich: Dr. Hardi Swarsensky Pueyrredón 2190 T? izq. T. E. 83-2613 Abono Preise: Argentinien: $ 100.— pro Quartal Ausl. $ 600.— jährl. Verpflichtung betrachtet werden, wobei über Möglichkeiten der Produktivierung der bisher brachliegenden Arbeitskräfte nachgedacht werden muss. Demi es sind doch keineswegs nur die Böden, die nicht hinreichend ausgenutzt sind, vor allem ist di« men«3chliche Arbeitskraft nicht entsprechend eingesetzt. Die westlichen Mächte aber sollten erkennen, dass die Bekämpfung dee Hungers auf der Erde eine eminent politische Sofortaufgabe ist. die nicht mit politischen IntereSisen eingehandelt werden darf, sondern vom Standpunkt echter sozialer Fürsorge einer Lösung entgegengeführt werden sollte. Mehr Lebensmittel den Hungernden zu geben, bedeutet auch den Ueberschucs an Kapital besser zu investieren als in Kanonen und Atombomben. Wie man den Kommunismus nur durch Beseitigung der unglückseligen Voraussetzungen beseitigen kann, die zum Kommunismus führen, so wird derjenige den wahren Frieden bringen,, der den Hungernden sein Brot bricht, was unsere Propheten bereite gefordert haben. Dr. BERNARDO GOLDSTEIN MEDICO Cardiología — Hospital Fernández Radio X — Durchleuchtung — Electrocardiogramme CUBA 2141 — T. E. 73-8782 u. 73-6817 Consultas: Montags bis Freitag: 15—18 Ubr Sonnabend: 14—16 Uhr PR0PIEDADES FRANKENBERG S. R. L. jerät Sie kostenlos und .inverbindlich beim Kauf oder Verkauf von GESCIIAEFTEN WOHNUNGEN HAEUSERN VIRREY DEL PINO 2262 T. E. 73-7887 JUDITH SCHENKOLEWSKI KULTUSSTICKEREIEN Schabbosdecken - Tailksbeutel - Käppchen - Maz zot-Taschen - Hand- und Maschinenstickerei von Bett- und Tiscnwäsche Dr. P. I. RIVERA 2585 (fr. Bebedero) T. E. 73-9155 JACOB LAPIDUS dipl. Mohel NEUE ADRESSE VIAMONTE 2037, 4’ B. 46-1716 und 48-2124 Confitería NIZA Servicios de lunch de categoría SALON DE FIESTAS ECHEVERRIA 3296, esq. CONDE 76 0286 73-1049 MOHEL N. PLAKSIN Superí 27IT T. E. 76-6784 u. 76-2312 Dr. J. P. Kroll Bieber INNERE MEDIZIN u. RHEUMATISMUS Arzt am Hosp. Pirovano Mo.,Mitt.,Frei„ 15-20 Uhr 3 de Febrero 2030 76-0266 Privat 52-7734 VARICES -ULCERAS DE LA PIERNA — ARTERIOSCLEROSIS Dr. SAUL UMANSKY Sarmiento 3116 T. E. 87-1362 VON DER STUDIENREISE ZURUECK Sprechstunden nach telei. 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