Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 24 (1963)
- Issue
- 2038 (15.11.1963)
- Date
- 1963-11-15
- Page
- [Seite 2] (sequence 2)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/9616703-9613667-9614179--3059-9614181- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Mohel 1× ep/1006163
OCR text
LA SEMANA ISRAELITA Añe XXIV. — No. 2038 2 — Viernes, 15 de Noviembre die 1963 Nackte Gewalt der Feigheit (Schluss von Seite 1) Uhr morgens meldete man; Goebbels den ersten Mord in München und schlug vor, , mit einem Befehl gegen derj artige Exzesse einzußchrei- ■ len. Nach den später eingeleiteten Untensuchungen des | Obersten Parteigerichts der j NSDAP hat Goebbels erklärt, der Melder soll sich ■wegen eines toten Juden : doch nicht so aufregen. In den nächsten Tagen würden , noch Tausende daran glau-! ben müssen. Das Gericht stellte fest: „Zu diesem; Zeitpunkt hätten sich die meisten Tötungen durch eine ergänzende Anordnung i noch verhindern lassen.“ I An der Richtigkeit dieser! Feststellung besteht kein | Zweifel. Denn alles geschah auf „Anordnung“. Dass eol- ' che .Betriebsunfälle“, wie i Goebbels sie nannte, miteinkalkuliert waren, steht fest. ‘ Goebbels hat dies selbst zu-; gegeben. Der Gauleiter und j Innenminister Adolf Wagner hielt am 11. November vor i Tausenden im Zirkuis Krone! eine Rede, in der er laut : .Völkisctrw« Beobachter*; folgendes sagte: ' „Wir sind bei dieser Gele- , genheit die letzte Synagoge 1 und den letzten Betsaal der j Juden in München losgewor- : den. Schliesslich sind die! Judengeschäfte geschlcesen und ganz ordnungsgemäss; die Juden verhaftet worden, i die schon lange hierfür in Aussicht genommen waren. \ Wenn bei diesen Ereignissen ein polnischer Jude sein Leben lassen musste so nur Dr. FREY ABOGADO PUEYRREDON 21*0 1* izq. nachm. 16—19 Uhr Neue Teltf. Nr.: 80-6930 REAL PEN Füllhalter REPARATUREN Spezialgeschaeft CORRIENTES 569 T. E. 49-5850 Jaime Liebling S. A. SPERRHOELZER H O E L Z E R DIAZ VELEZ 5224 Tel.: 89-9349, 33-9305 deshalb, weil er sich anmasste, sich in deutsche Angelegenheiten mischen zu können.“ Wagner meldete an Bormann, dass sich bei der Aktion gegen die Juden in München „alles in tadelloser Disziplin“ abgespielt habe. Plünderungen seien nicht vorgekommen. Aber das von demselben Wagner geleitete Innenministerium hatte dem bayerischen Ministerpräsidenten bereits am 10. November vereinzelte Plünderungen gemeldet. So haben die Nazis gelogen .. Sie scheuten vor nichts zurück. Während sie von spontanen Volkskundgebungen gegen die Juden sprachen, gaben sie zu. dass alles in Disziplin vollzogen worden sei, was vorher in Aussicht genommen war... Die heute vorliegenden Berichte sind zahlreich. Nur einer eei hier noch zitiert. Die bekannte deutsche Publizistin Ursula von Kardorff schrieb: „Ein bößes Rot breitet sich von der brennenden Synagoge Uber die Häuser: ein Menetekel!... Das Ganze ging auf eine besonders abstoseende. Weise diszipliniert vor sich, ganz und gar nicht tollwütig und spontan — es wirkte wie ein beklemmendes Bühnenstück... Ich sah, wie an der Ecke vor einem grossen Kaufhaus meh- | rere Burschen ein Mädchen I zusammenßchlugen. Die lag! schluchzend am Boden. Ich sah es nur sekundenlang. Menschen drängten sieh heran, darunter viele Männer. Keiner entrü,stete sich keiner kam ihr zu Hilfe. Etwas schnürte mir die Kehle zusammen, dass ich dachte, ich müsste ersticken oder laut echreien. Ich war der nackten Gewalt der Feigheit begegnet...“ III Nazi-Zynismus Es wurde sehr schnell klar, dass die Nazis noch weitere Schläge gegen die deutschen Juden planten. Goebbelß erklärte am 10. November, die „berechtigte und verständliche Empörung des deutschen Volkes über den feigen jüdischen Meuchelmord an einem deutschen Diplomaten in Paris“ habe sich in der vergangenen Nacht in umfangreichem Masse Luft gemacht... „Es ergeht nunmehr an die gesamte Bevölkerung die etrenge Aufforderung, von allen weiteren Demonstrationen und Aktionen gegen das Judentum, gleichgültig welcher Art, sofort abzuser hen. Die endgültige Antwort auf das jüdische Attentat in Paris wird auf dem Wege der Gesetzgebung beziehungsweise der Verordnung dem Judentum erteilt werden“... Tatsächlich wurden die meisten Aktionen daraufhin abgebkßen. Vereinzelt fanden aber noch meh- PR0PIEDADES FRANKENBERG S. R. L. oerät Sie kostenlos und anverbindlich beim Kauf oder Verkauf von GESCIIAEFTEN WOHNUNGEN HAEUSERN VIRREY DEL PINO 2262 T. E. 73-7887 JUDITH SCHENKOLEWSKI KULTUSSTICKEREIEN Schabbosdecken - TaiJißbeutel - Käppchen - Maz zot-Taschen - Hand- und Maschinenstickerei von Bett- und Tiscnwäsche Dr. P. I. RIVERA 2585 (fr. Bebedero) T. E. 73-9155 rere Tage hindurch Unruhen statt, abgesehen von den Verhaftungen, die mit der Verschickung in die verschiedenen KZ endeten, vor allen Dingen nach Sachsenhausen, Buchenwald und Dachau. Nach einigen Tagen konnten die KZ keine Häftlinge mehr aufnehmen; so viele Juden waren dorthin verbracht worden. Die letzten Verhafteten wurden in die Zuchthäuser geschickt, wo sie verhältnismässig gut von den alten Beamten der Gefängnißverwaltung behandelt worden sind. Jedenfalls i-t ist es dort zu keinem Todesfall gekommen. Auch Misshandlungen sind nicht bekannt geworden, die in den KZ rn der Tagesordnung waren. Die durchaus nicht vereinzelten Mordfälle — ausserhalb der KZ — sollen hier nicht aufgeführt werden. Es leben noch Zeugen, die dabei waren, wie man Juden erschoss, wie man Frauen erstach und Männer erbarmungslos niedermachte, die man aus ihren Betten geholt hatte. Das war für viele SA- Leute die lang ersehnte „Nacht der langen Messer“. Einige wurden nach dem Krieg vor Gericht gestellt. Sie. stammelten irgendwelche Entschuldigungen, beriefen siel, auf die ihnen erteilten Befehle oder darauf, dass sie zu viel getrunken hatten .. Die Urteile in der Bundesrepublik, die in einigen solchen Fällen gesprochen wurden, waren erschreckend geringfügig. Man nahm Totschlag an, wo es sich um Mord handelte, und liese die Täter wieder laufen... Dann wäre ee wohl besser gewesen, diese Fälle überhaupt nicht mehr auL zurollen. Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass die Partei alle Verbrechen vertuschen und die Schuldigen ihrer Strafe entziehen wollte. Kaum hatten sich die Polizei und die Staatsanwälte einiger Fälle von schweren Verbrechen angenommen und ihre Ermittlungen eingeleitet, schaltete ßich die Partei ein. Der .Stellvertreter des Führers“ überwies sämtliche Fälle an das Oberste Parteigericht. Man wollte vermeiden, dass durch offizielle Strafverfahren zu viel über die Hintergründe und Organisation der ganzen Aktion bekannt werde. Das Parteigericht sprach aber alle Mörder frei. Die häufigste Begründung war einfach die, -dass durch den Befehl einj Verlagerung der Verantwortung „vom Handelnden auf den Befehlsgeber“ vorliegt. Die Befehlsgeber waren aber auch die Richter selbst... Obwohl von der ersten Stunde an feststand und erkennbar war, wer die Befehlsgeber gewesen sind, Hakenkreuze in Jerusalem Jerusalem. — Polizisten entdeckten Hakenkreuze, die in Bet Schearim, dem Viertel der Orthodoxen, und in der an die Satmarer Jeschiwa grenzenden Strasse an die Wände gemalt worden waren. Die Polizei liess die Hakenkreuze entfernen und leitete eine Untersuchung ein. Wie man glaubt, handelt es eich um eine „Vergeltung“ für die Hakenkreuze, die kürzlich in New York von Orthodoxen an das Haus geschmiert wurden, in dem die Israel-Botschaft ihren Sitz hat. (ITA) und von wem der Pogrom veranstaltet worden ist, arbeitete Goebbels“ Ltigenmaßchine \veiter. Die Behauptungen oder besser gesagt, die Feststellungen der ausländischen Presse, dass die Partei, die SA und andere Parteigliederungen die Ausschreitungen inszeniert haben, wies der Reichslügenmeister mit dreisten Redensarten zurück: „Man erklärt, die spontanen Reaktionen des deutschen Volkes seien durch organisierte Mannschaften durchgeführt worden. Wie wenig Ahnung doch diese Zeilenschinder von Deutschland haben! Wie erst hätte diese Reakticn „usgesehen, wäre sie organisiert gewesen!“ Iv. Die Ausplünderung Die Massnahmen für die künftige Judenpolitik wurden bereits am Abend des 10. November beraten. Den Vorsitz führte Göring, der gegen dieses, hauptsächlich von Goebbels inszenierte Pogrom war, weil hierdurch sinnlos Werte zerstört worden sind. Die erste Sitzung führte nur zu einem Teiler-! gebnis. Beim zweiten Mal | wurde Göring schärfer. Die! Einzelhandelsgeschäfte solli ten sämtlich arisiert wer-! den. Der Staat sollte alles! abnehmen, Geschäfte, aber : auch Fabriken und Aktien. | Alles sollte dann durch den | Staat weiter verkauft werden. Er, Göring, behielt sich die Enteignung grösserer Betriebe und grösseren Aktienbesitzes vor. Der interne Kampf zwischen den Aasgeiern tobte um das geraubte Gut. Göring sagte nach vorliegenden Dokumenten bei dieser Gelegenheit: „...Ich weiss natürlich: je grosser, je umfangreicher und gewinnbringender das Unternehmen ist, desto stärker wird sich der Drang JACOB LAPI0US dipl. Mohel NEUE ADRESSE VIAMONTE 2037, 4? B. 46-1716 und 48-212-1 MOHEL N. PLAKSIN Superi 27IP T. E. 76-6784, u. 76-2312 Dr. J. P. Kroll Bisher INNERE MEDIZIN u. RHEUMATISMUS Arzt am Hosp. Pirovano Mo.,Mitt.,Frei„ 15-20 Uhr 3 de Febrero 2030 76-0266 Privat 52 7734 Confitería NIZA Servicios de lunch de categorí' SALON DE FIESTAS ECHEVERRIA 3296, escj. CONDE 76 0286 73-1049 Dr. B. Schwanz ZAHNARZT ESTOMBA 2283 - 52-8214 RAYOS X PARADENTOSE TELEF. VORANMELDUNG BERNARDO STERN - Ausführung saemtlicher MALERARBEITEN HELGUERA 1915 T. E. 58*4052 auch all der Herren Gauleiter und Statthalter von den verschiedenen Seiten bemerkbar machen, in den Besitz dieser Anteile zu kommen. Damit werden grosse Versprechungen auf Verschönerung der Hauptstädte usw. gemacht werden. Das kenn ich alles. Das geht nicht. Wir müssen hier zu einer ganz klaren, für daß Reich gewinnbringenden Aktion kommen“. — Deutlicher kann man nicht die Raubgier und den organisierten Diebstahl sowie die private Bereicherung einzelner 'brandmarken. Nur über einen Punkt hat- | te man sich bereits am 10. | November geeinigt: den Ju- 1 -den eine Busse von einer | Milliarde Reichsmark aufzui erlegen. Daß war der Höhej punkt des Zynismus. Zum j Schlusß mussten die Juden j auch noch die Fensterscheiben wiedereinsetzen lassen , und bezahlen, die man ,sponi tan“ im ganzen Reich zerstört hatte. | Der Gedanke der Juden-; busse stammte von Goebbels. Er wollte damit die Fij nanzen der Partei sanieren, j Aiß Gauleiter von Berlin wäre Goebbels hierbei gut j gefahren. Dies aber wollte J Göring nicht. Er wollte die I Partei, aber vor allen Din-! gen Goebbels ausschalten. So wurde die Judenbusse zu einer Reicbssache erklärt, ihre Einziehung den staatlichen Steuerbehörden übertragen. Auf die Einzelheiten der Auseinandersetzungen zwischen den verßehiedenen Nazigrössen sei hier verzichtet. Auch hierüber gibt! es heute umfangreiches Ur- | kundenmaterial. Für die! ausgeplünderten Juden aber j war es im letzten Effekt gleichgültig, wer den gro-! sßen Raubzug organisiere.! Wahrscheinlich wäre es zu; weiteren Komplikationen ge-! kommen, wenn die Partei ßtatt der Reichsbehörden die Kontrolle gehabt hätte. Aber auch die offiziellen IA SEMANA ISRAELITA Semanario — aparece los Viernes. - Editado por Estrellas Editorial Lida. Verantwortlich: Dr. Hardi Swtrsensky Pueyrredón 2190 1» izq. T. E. 83-2613 Abono Preise; Argentinien: $ 100.— pro Quartal Ausl. Í 600.— jährl. Aemter führten die Verordnungen und Bestimmungen bis zum Letzten durch. Ob diese Milliarden-Buss« — das Wort .Busse“ zeugt auch allein schon für den nazistischen Zynismus — einen besonderen Sinn gehabt hat, kann dahingestellt bleiben. Die Nazis haben ohnehin keine Kapitalien herausgelassen und die Juden auch sehen vorher systematieeh ausgeraubt. Sie haben dann später alles ah sich gerissen, was den Juden in Deutschland, und was den Juden in anderen, von ihnen besetzten und unterdrückten Ländern gehört hat. — Die November-Ereignißse haben nicht nur den Juden eine bittere Lehre erteilt, sondern allen Menschen und Völkern. Der Brand der Synagogen, die am 9. und 10. November 1938 angesteckt worden waren, konnte nicht mehr gelöscht werden. Die Flammen verzehrten Europa. Noch eine andere Lehre sollte die Menschheit beherzigen: wer heute bereit ist, die jüdischen Tempel anzuzünden, derwird morgen seine Han., an alle anderen Gotteshäuser legen. Das sollte man niemate und nirgends vergessen auch hier nicht. Sarmiento 3116 T. E. 87-13 VON DER STUDIENREISE ZURUECK Sprechstunden nach teleL Vereinbarung VARICES-ULCERAS DE LA PIERNA — ARTERIOSCLEROSIS SAUL UMANSKY Cardiología — Hospital Fernández Radio X — Durchleuchtung1 — Electrocardiogramme CUBA 2141 — T. E. 73-8782 u. 73-6817 Consultas: Montags bis Freitag: 15—18 Uhr Sonnabend: 14—16 Uhr Dr. BENJAMIN LIPNIZKY ZAHNARZT ROENTGENSTRAIILEN — ZAHNZIEHEN — BE¬ HANDLUNG MIT GASBETAEUBUNG — REGU¬ LIERUNG DER ZAHNSTELLUNG Sprechstunden: Dienstag — Donnerstag — Sonnabend nach vorheriger Vereinbarung. JOSE HERNANDEZ 2518. T.E. 76 8673 u. 73-0500 Dr. L. KLEIN - Médico Magen- und Darinkranklieiien Roentgen-Untersuchungen SPRECHSTUNDEN: Montag, Dienstag, Mittwoch u. Freitag vo« 15—19 Uhr Es wird gebeten, sich vorher telefonisch anzumelden. SANTA FE 1391 T. E. 44-9493 u. 44-1542