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Jüdische Wochenschau · 1963-11-08 · 2037 (8.11.1963) · p. [Seite 6]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
24 (1963)
Issue
2037 (8.11.1963)
Date
1963-11-08
Page
[Seite 6] (sequence 6)
Language
German, Spanish
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üf: ¡É»-. v>:. -.■wS® /*'•." ■ J , /« einer Nacht wurden alle Sy naß Aufstand der Goetzendiener 25 Jahre sind seit jeneu Tagen und Nächten vergan gen, in denen der entscheidende Schlag gegen die Juden in Deutschland, in den auf den 9. November folgenden Wochen, geführt wurde. Hunderte von Synago gen gingen in Flammen auf. Zehntausende kamen in Gefängnisse und Konzentrationslager. Geschäfte und Wohnung n wurden ein Opfer bestialischer Zerstörungs- «ueht. Die Demütigung und Entrechtung Hunderttausender wurde endgültiges Staatsgesetz. Als wir durch die Strafen zum Bahnhof marschieren mussten, sahen von Rabbiner EGON LOEWENSTEIN wir in das höhnr'sche Antlitz derer, die einstmals unsere Mitbürger gewesen waren. Dann lebten wir wochenlang wie Parias, in Buchenwald, in Dachau, Sacbsenhausen und anderen Lagern. Wir sehen sie noch immer vor uns. jene, die die Nerven verloren, und auch jene die zu Tode gequält wurden. Wer konnte jene Wochen vergessen? Viele träumen noch heute angstvoll von den Schrecken dieser Tage Aber dies war erst der Beginn jenes Aufstandes 1er Götzendiener von ,.Blut und Bodsn“. Auch damals ahnte noch niemand, wie tief ein Volk sinken kann. Hin Meer von Blut und eine Flut von Tränen ergossen eich über die Welt. Sinnloses Leid kam über die Menschheit. Wir leiden noch immer, obwohl mehr als' 18 Jahre vergangen sind. Mit welchem Recht gedenken wir der Ereignisse des 9. und 10. November, angesichts dessen, was folgte? Sie waren doch nur ein kleiner Ausschnitt einer unpa í?í.- pH! mm ~.n-5:-r'. ...- - ."= DIR SYNAGOGE IN BIELEFELD (zerstoert) An die deutschsprechenden Juden! Erinnert Euch: Vor 25 Jahren brannten die Nazis die jüdischen Gotteshäuser in Deutschland nieder, zerstörten jüdische Geschäfte und warfen Tausende in Konzentrationslager. Die Ereignisse der Nacht vom 9. zum 10. November bildeten aber nur den Auftakt zur grössten Judenverfolgung der Geschichte, die ihren Abschluss mit der Ermordung von 6 Millionen europäischer Juden und dem Weltkrieg fand. Damals aber öffnete sich keine Grenze für die verfolgten Juden! Die Welt sah tatenlos zu und schwieg! 25 Jahre später gibt es ein Land, das seine Tore weit offen hält für jeden Juden: ISRAEL!! Und die Juden kommen in ihr Land! Verfolgte und Freie, die in Israel ein neues Leben beginnen werden. Die Einwanderung und Einordnung dieser Menschen verschlingt ungeheure Summen, die von der Einheitskampagne aufgebracht werden. Denkt daran! Beweist, dass Ihr Euer eigenes Schicksal nicht vergessen habt! Erkennt Eure heilige Verpflichtung und erweist Euch der Vorsehung dankbar, die Euch gerettet hat. Zeichnet würdig und sofort Eure Beisteuerung zur Aktion 1963! DAS PRAESIDIUM DES ZENTRAL EUROPAEISCHEN COMITES DER VEREINIGTEN ISRAEL-KAMPAGNE Beisteuerungen bitten wir zu senden an COMITE CENTROEUROPEO DE LA CAMPANA UNIDA PRO ISRAEL Sarmiento 2376, 3er, piso — T. E. 47-3820 endlich grösseren Tragödie. Aber eben darum, weil diese Tragödie so unfassbar wurde, halten wir diese Tage fest. Sie sind Tage und Nächte unsere« eigenen Le bens. Und sie sind noch mehr. Vor 25 Jahren wurde ein Schlusstrich gezogen. In den Flammen der Gotteshäuser gingen Jahrhunderte jüdischer Geschichte unter. Mit den Trümmern der Ge meindehäuser, Lehrhäuser und Institutionen, wurde ein Teil des Judentums vernichtet. der einen wesentlichen Teil unserer Geschichte darstellt. Dort versuchten Juden zum ersten Mal in der Neuzeit, Juden und Bürger des Wohnlandes zugleich zu sein. Dort wurde um Gleichberechtigung gerungen. Dort suchten 'ie am Wissen der Welt teilzunehmen, nachdem ihnen Jahrhunderte lang die Quellen der europäischen Kultur verschlossen gewesen waren. Man sucht« einen Weg zum nichtjüdischen Nachbarn zu finden. Nach Jahrhunderten des Wanderrs wollte man einmal zu dem Land des Wohnsitzes ,,Heimat“ sagen dürfen. In diesem Land war man neue, unbekannt« Wege geschritten. Rückwirkend müssen wir Doch wer lernt, macht immer Fehler. Gerade darum sollten wir* dafür sorgen, dass die Geschichte dieses Judentums in Deutschland nicht in Vergessenheit gerät. Dort traten jene Probleme zum ersten Mal in der Neuzeit an uns heran, deren Lösung uns noch heute obliegt. Assimilation, Staatsbürgerrecht, Gleichberechtigung. Bürgertum in zwei Zivilisationen, Leben in Freiheit, das waren unsere Probleme. Sie sind es geblieben. Ueberall, wo Juden in der demokratiseneu Welt leben, sollten sie aus den Fehlern jenes Judentums lernen, das am 9. und 10. November 1938 zerstört worden ist. Aber es soll auch all das festgehalten werden, was an positiven Leistungen von diesem Stamm Israels geschaffen wurde. Die Schüler der Freiheit haben nicht nur Fehler begangen. Die Weltgeschichte des jüdischen » Volkes wird auch die Werte anerkennen, die in diesen 150 Jahren geschaffen wurden. Sie sind ein unverlierbarer Bestandteil unserer Zukunft. Die Wissenschaft des Judentums hat uns gelehrt, dieses Erbe besser zu verstehen. Die religiöse Entwicklung aller Richtungen hat neue und entscheidende Impulse erhalten. Der ideelle Beitrag von Juden aus deutschsprachigen Ländern ist aus der zionistischen Bewegung nicht wegzudenken. Und schliesslich ist es trotz aller Fehler, die die Schüler einer neuen Zeit begangen haben, gelungen, das Streben nach persönlicher Freiheit mit dem Leben als Jude in Einklang zu bringen. Wir gedenken in diese.i Tagen des 9. und 10. November eines abgeschlossenen Kapitels jüdischer Geschichte. Es war ein wichtiger Teil unseres eigenen Lebens. Aber auch die jüdische Welt darf dieses Tages gedenken. Sie sollen nicht nur Stunden der Erinnerung bringen, sondern auch des Lerner.s. Aus den Fehlern und auch aus den Leistungen können wir lernen, unsere eigenen Probleme zu lösen. Wir sind keine Schüler der Freiheit mehr. Wir sollen sie mejstern. ALTE SYNAGOGE IN DRESDEN Das Staatsorchester gedenkt der Kristallnacht Am Montag, dtn 11. November, findet um 22 "Uhr irn Teatro Coliseo das zweite Konzert im Rahmen des Frühlings-Zyklus statt. Das argentinische Staatsorehester wird im Gedenken an die traurigen Vorfälle des 9. und 10. November 1938 ein Werk des jüdisch-chilenischen Komponisten Leon Sehitlowsky zur Aufführung bringen, das den Titel ..Noc-he de Cristal“ hat. Im liturgischen Teil der Vorstellung wird der bekannte Bass, Herr Baruch Grabovsky, singen. Da anzunehmen ist, dass viele sich für dieses Konzert interessieren und zugleich damit auch ihren Dank dem argentinischen Staatsorehester für seine Programmgestaltung zum Ausdruck bringen wollen, Sei darauf hingewiesen, dass der Kartenverkauf am Freitag Sonnabend. Sonntag und Montag ab 10 Uhr an der Kasse des Teatro Coliseo stattfindet. rbekennen, dass Fehler begangen worden sind. Wir irrten, wenn wir die Werte der jüdischen Vergangenheit vergassen. Wir fehlten wenn wir ms mehr dem nichtjüdischen Nachbarn verbunden fühlten als dem jüdischen Volk. Unser schwerster Fehler war. dass wir zu optimistisch waren und an Aufklärung und Forv schritt glaubten. Wir vermuteten unsere eigene ehrliche Absicht auch bei dem nichtjüdischen Nachbarn. Aber wir waren noch Schüler der Freiheit. Wir hattefi noch nicht gelernt, in der Freiheit zu leben. Wir hatten ja keine Lehrmeister, bei denen wir hätten lernen können. Wir sind dafür schwer bestraft worden. Synagoge Berlin, Fasanenstrasse, vor der Bmdstiftuns BERLIN FASANENSTRASSE VOLLKOMMEN AUSGEBR GESTERN UND HEUTE Vor 25 Jahren wurden die Synagogen in Deutschland angesteckt, die Geschäfte zerschlagen und geplündert, die Juden in Konzentrationslager geworfen und mit allen Machtmitteln des Staates verfolgt. Das war der Anfang vom Ende und der Zerstörung aller Judenheiten, die in Ländern lebten, welche unter die Nazimacht fielen. Ungeheure kulturelle Schätze und alles, was Juden in diesen Ländern aufgebaut hatten, wurde zerstört md geraubt. Das war gestern... Nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches wurde versprochen, so weit wie möglich die materiellen Schäden zu ersetzen und ein neues demokratisches Deutschland zu errichten. Trotz der Bemühungen, die anerkannt werden, sind in unzähligen Fällen in der mm Synagoge in Chemnitz * *115« St; Betriff. *»tl V? ms Da das r, -es den nt 8e”&ati 1 J a»2e! "Ä*

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