Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 24 (1963)
- Issue
- 2036 (1.11.1963)
- Date
- 1963-11-01
- Page
- [Seite 8] (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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8 — Vlerne#, 1* de Nwrwmbn de 1962 LA SEMANA ISRAELITA Año XJ«ri. — No. 2036 Tarn-Firmen arbeiten für Aegypten (Fortsetzung unseres Berichtes über die Tätigkeit deutscher Experten in Aegypten). Der rührige Hassan Sayed Kamil hatte zu der Zeit, als die „Meco“ von Basel nach Zürich umzog (Mai 1960), , eine neue Firma gegründet; i die ..Motoren-, Turbinen- : und Pumpen-AG“ (MTP), : Zürich, Badener - Strasse 281/283. Gründungskapital; 510.000 Schweizer Franken. : Präßident der MTP ist Hassan Sayed Kamil, Geschäftsführer der 59 Jahre alte österreichische Flugzeugkonstrukteur F. Brandner. Kamil besitzt 70 Prozent. Brandner 30 Prozent der Anteile. Unter der Rubrik ,,Zweck“ ist im Handelsregister des Kantons Zürich; für diese Firma eingetra-1 gen: ,,Die Gesellschaft be-j zweckt in erster Linie den Vertrieb von industrielleil Erzeugnissen vor allem Motoren. Turbinen und Pumpen, sowie die Förderung von einschlägigen Entvvick- 1 langen durch Erwerb von Patenten und Lizenzen und die Planung und Mithilfe bei der Finanzierung von Industrieanlagen und anderen Bauvorhaben und jede Art; technischer und kaufmännischer Beratung etc.“ In Wirklichkeit Ist die MTP — genau wie die ,,Meco“ — nichts anderes ale ein Einkaufsbüro des ägyptischen Kriegsministeriumß. t Der Unterschied zwischen ' diesen beiden Firmen besteht lediglich darin, dEßs ' die MTP für die Beschaf-; fung von Motoren, die „Me-! co“ für den Einkauf des Materials zum Zellenbau der; Düsenjäger zu sorgen hat. Die enge Zusammenarbeit i zwischen der MTP in Zürich und dem Kriegsministerium der VAR in Kairo geht aus ' der Aktennotiz über die Ge heimsitzung bei Luftmarechall Sidky am 16. 1. 1981 in Heluan klar hervor. Der Text dieses Protokolls beweist. dass MTP- Direktor : Brandner dem Marschall Sidky Rede und Antwort i stehen muss — wie ein Untergebener seinem Vorgesetzten. Der Briefkopf de» Sitzungsprotokolls — ,,MTP : Factory 135, Technical 1 Staff (M.T.P. Fabrik 135, ' Technischer Stab) — läuSf, i nur zwei Möglichkeiten of-; fen: Entweder die MTP in Zürich ist eins Filiale der militärischen MTP in Helu- : an oder die ägyptische MTP ' ist eine Zweigstelle der schweizer Geneilschaft. Da- : für, dass die beiden Institu-; tionen .gleichen Namens in! Wirklichkeit eine Firma sind,! sprächt auch die Tatsache, I dass Flugzeugmotorenkonj strukteur Brandner als Di- : rektor der MTP. Zürich. | gleichzeitig technischer und 1 organisatorischer Leiter deu | Flugzeugwerkes Heluan ist: und seinen Sitz in Kairo hat j Ferdinand Brandn?r ge-! hört zur alten Junkers- Mannschaft. Er hat massj geblich an der Entwicklung j de« Flugzeugmotors ,,Jumo i i 222“ mitgearbeitet. Das Ende den Krieges erlebte er bei den Junkers-Flugzeugwerken in Dessau. Die Sow- I jets verfrachteten ihn an die 1 Wolga. Dort, In Kuibyschew, arbeitete er — mit anderen : deportierten deutschen Inge-; nieuren — an der Entwick-! lung ines Turbinenpropeller-Motors. der 12.000 PS haben sollte und später in das sowjetische Turboprop- Flugzeug ,,TU 114" eingebaut wurde. Nicht ohne Stolz auf die eigene Lei stung und mit einer gewissen Anerkennung für das sowjetische Arbeitssystem spricht Brandner auch heute noch von seinem Wirken in Kuibyschew: ,,Die Russen gaben uns genau drei Monate Zeit“, sagte er in einem Interview mit der Deutschen National- und Soldatenzei- | tung, „und in diesen drei Monaten wurde vom Ent- . wurf bis zur letzten Detailkonstruktien unter Einsatz von hundert Mann auch tatsächlich dieser Typ herausgebracht. In Westeuropa hält man solche Termine einfach nicht für möglich.“ , Die Tatsache, dass ..solche Termine möglich“ wa-; ren. führen manche Kuibyschwe-Kollegen nicht nur auf; die Russen, sondern auch auf den ,,alten Freikorps-Kamp- | fer“ (Deutsche Soldatenzei-; tung) Brandner zurück: Sie; bezeichnen ihn als Kamera-; denschinder. Dieser Ruf machte es Brandner nach I seiner Rückkehr aus der ' Sowjetunion (1954) schwer, j in Deutschknd oder Oesterreich Fuss zu fassen. Er bekam mehrfach leitende Stellungen, aber nir; gends konnte er sich lange halten. Da — Anfang 1960 — : fand ihn Hassan Sayed Kaj mil. Der Aegypter störte! sich nicht an dem, was | Branc'ner nachgesagt wurde. Er vermittelte ihn nach; Kairo. Dort erhielt der Oesterreicher einen Fünf-Jah re-Vertrag, der ihm ein Mo-! natsgehalt von 10.000 echw. Franken, Spesen und den Posten eines technischen Leiters der ägyptischen Düsenjäger-Produktion. die es zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht gab, einbrachte Dann reiste Kamil mit Brandner nach Deutschland j und Oesterreich, um Inge-; nieure und Techniker für j den Flugzeugbau in Aegyp; ten anzuwerben. Später machte er ihn zum Direktor! und Teilhaber der MTP. i Da die MTP die Motoren,! die sie beschaffen musste, j nicht in Deutschland einkauft?, brauchte sie — im Gegensatz zur „Meco“ — auch keine deutschen Kauf- | leute nach Zürich zu engaj gieren. Dadurch ersparte sie i sich Unannehmlichkeiten, i Aufregungen und einen Zwi- : sehenfall, wie er im Herst , 1961 bei der „Meco“ pas- : sierte. I BUERO IN DEUTSCHLAND Seit knapp eineinhalb Jahren arbeiteten dort deutsche Angestellte. Eines Tages im Israels arabische Bevoelkerang Jerusalem. — Die Führer der Oppositionsparteien begrÜESten die Ankündigung des Ministerpräsidenten Levi Eshkol. dass die Passierscheine für die Araber in den meisten unter Müitärregime stehenden Zonen abgeschafft werden würden, wobei sie jedoch die Forderung nach völliger Aufhebung dieses Regim-as stellten . Dies Verlangen erhob Menachem Begin von der Cherut, den die Parteichefs der Liberalen und der Mapam, ebenso wie Mosche Unna im Namen der Religiös-Nationalen unterstützten. Begin legte ferner der Regierung nahe, „mit den Entschuldigungen Schluss zu machen“, die sie für die Weigerung der Deutschen Bundesregierung anführe, gegen die putschen Wissenschaftler vorzugehen, welche an militärischen Projekten für Aegypten arbeiten. Er kritisierte auch, dass sich die Regierung „unnötiger und ungerechterweise“ der UN-Resolution gegen Südafrika angcschlessen habe, um ihren Abscheu vor der rassi sehen Diskrimination unter Beweis zu stellen. (ITA) Oktober 1961, wurden sie zusammengerufen. Die schweizer Geschäftsleituug erklärte ihnen, dass eie nicht mehr länger in der Schweiz bleiben dürften. Grund: Man habe keine Aufenthaltsbewilligung für sie bekommen. Die deutschen Angestellter, wurden nach Konstanz versetzt. Dort richteten sie sich ein Büro ein. aber es gab kaum etwas für sie zu tun. Zweimal wöchentlich fuhr ein Kurier nach Zürich, um die Pcet zu holen. Das Provisorium Konstanz dauerte fast vier Monate. Dann geschah, was der Vorstand der Meeserechmitt- AG heute nicht gern wahrhaben möchte: Auf Betreiben des Professor» Messerschmitt wurden bei der Firma Messerschmitt in Augsburg hinter dem Rücken des Generaldirektors Dr. Leo S. Rothe für die deutsche ,.Meco“-Gruppe einige Büroräume frei gemacht. Mitte Februar 1962 zogen die „Meeo“-Leute — bis auf Helga Sattelmacher, Sekretärin des eehweizer Geschäftsführers Werner Hofmann, die nach Zürich zurückging, und den Ingenieur Carl H. Knierim. der das Hin und Her bei der „Meco“ satt hatte und kündigte — in das Werk 2, Gebäude 210 der Messer schmitt AG um. Von Augsburg aus arbeiteten sie genauso wie früher in Zürich: Sie holten Angebote ein, erteüten Aufträge über Lieferungen von Material für den Bau von Düsenjägern und wiesen die Firmen an, das Kriegsmaterial direkt nach Aegypten zu schicken. Es war klar, dass den Aufsichtsratsmitgliedern die Anwesenheit der „Mec©“- Angeetellten auf dem Werkgelände von Messerschmitt auf die Dauer nicht verbergen bleiben konnte. Dies um so weniger, als man kühn genug war. sich unter der Adresse der Messerschmitt - AG (Haunstetter Str. 148) alß „Meco“-Verbin dungsstelle in das Augsburger Telefonbuch eintragen zu laroen. Im Mai 1962 teilte einer der Vertreter Bayerns einem Vertreter des Bundes mit, dass auf dem Werksgelände der Mecßerschmitt-AG ein „Meco“ - Verbindungsstab arbeite. Diese Mitteilung mußste besonders das Bundes - Verteidigungsministerium interessieren, an dessen Spitze damals noch Franz Josef Strauss stand Bei der Firma Meseerschmitt wird nämlich nach amerikanischen Lizenzen der Düsenjäger „Starfighter F 104 B“ für die Bundeswehr gebaut. Es gibt wieder einmal nur zwei Möglichkeiten: Entweder der Minister wurde nicht unterrichtet — dann bleibt die Frage offen: Warum nicht? — oder er wurde unterrichtet. Für diesen Fall wäre es einigermassen überraschend. dass Franz Josef Strauss, der eich oft und gern einen Freund Israels nennt, sich nicht daran stiess, dass bei der Meeserschmitt-AG für Aegyptenß Aufrüstung gebaut wurde; dass Strauss nichts dabei fand, dres auf dem gleichen Gelände, auf dem der Star fighter gebaut wird, die Materialbeschaffung für die ägyptischen Düsenjäger erledigt wurde. Erst Ende 1962 — Strauiss war gerade dabei, sein Gefecht mit dem „Spiegel“ zu verlieren — wurde der ,.Meco”-Verbindungsstab aufgelöst. Die deutschen „Meeo“- Angestellten kehrten, mit Ausnahme den leitenden Ingenieurs Schellhom. in die Schweiz zurück. Schellhorn, der nach Aussagen eines Schweizer Beamten Einreiseverbot in die Schweiz hat. ging nach Konstanz, wo er das „Ingenieur. - Büro W Schellhorn“ eröffnete, das heute noch als dsutsche „Meco‘'-Stelle fungiert. I Die „Meco“ hat. seit eie | als Einkaufsbüro des ägyp- , tischen Kriegsminkteriums i tätig ist, etwa 68 Millionen! schweizer Franken umge | setzt. Sechs Prozent davon; bekommt Hassan Sayed Ka- | mil. Der Umsatz der MTP! ist mindestens zwei- oder . dreimal so hoch. Auch daran verdient der Aegypter. Er geht in Rumänien auf die Jagd und in Kanada fiechen, erwarb zu seinem : Hau» in Zürich die Nach- | barvilla, wurde Multimillionär. Im März dieses Jahres gründete er mit einer Kapi-; taleinlage von einer Million schweizer Franken eine neue! Firma, die „Famka-Holding AG“, deren Zweck der; „Erwerb und die Verwal- : tung von Beteiligungen vor! allem der technischen Bran- : che usw.“ ist. 1 AUCH MESSERSCHMITT j VERDIENT i Auch Prof. Messerschmitt verdiente durch die „Meeo“; Millionen. Nebenbei kassieri te er biß zur Fertigstellung i des Senkrechtstarters ,,VJ; 101 C“ aus einem Beratungs- 1 vertrag, den er über die j Messerschmitt-AG mit dem! „Entwickluagsring Süd“; (Zusammenschluss der Fir-; men Heinkel, Dornier, Meß : serschmitt und Bölkow) hat, j noch 7.500 DM monatlich i Der Beratungsvertrag be : »teht heute noch; seit die 1 VJ 101 C, an deren Entj wicklung Professor Messer-! schmitt nur geringen Anteil : hat, am 15. Mai dicues Jahi res ihren ersten Probleflug absolvierte, ißt das Bera- . tungshonorar des Professors allerdings niedriger. Millionär ist inzwischen ebenfalls der TMP-Teilhaber Brandner geworden. Ausser den drei Gross Verdienern Kamil, Meuseri schmitt und Brandner profitieren am Geßehäft mit Herrn Nasser die in Heluan arbeitenden deutschen und österreichischen Flugzeugingenieure und viele namhaf te deutsche Firmen, wie zum Beispiel: Messerschmitt AG Augsburg: Sigri GmbH. Meitingen. eine Tochtergeßellschaft der Siemens-Plania AG, Meitingen, an der zur Hälfte die Farbwerke Höchst, Frankfurt-Höchst, beteiligt sind; VDM (Vereinigte Deutsche Met all werke AG (Frankfurt), VDO. Tachometer - Werke (Adolf j Schindling GmbH), Frankfurt; Deutsche Edelstahlwer- ' ke AG, Krefeld, die zum I August - Thyssen - Konzern . Häuptsitz Düsßeldorf, gehöj ren; Kugelfischer Kugellai gerfabrik Sehwelnfurt; Vik- : k?n3 GmbH, Bad Homburg;! Höttinger Messtechnik G.m. ■ bH., Darmsladt; Max Egor.! Becker GmbH, Flugfunk werk. Baden-Baden, i Fragt man verantwortliche Herren dieser Firmen, : ob sie denn mit jeder für; sie unbekannten Firma, wie beispielsweise der „Meco“ ' und der „MTP“. Geßchäfte j machten — Geschäfte, die ■ offensichtlich „um drei Ekk-en“ gehen, so antworten I die meisten: „Hören Sie mal, für uns ist nur eins i wichtig: Kriegen wir unser i Geld? Wenn wir das bejai hen können — und das | konnten wir in diesem Falle, j denn es wurde ja immer so- | fort in der vollen Höbe des 1 Kaufbetrages ein Akkreditiv eröffnet —, dann verkaufen wir eben. An jedermann, wenn Sie so wollen. Wir brauchen heute jede Mark im Export...“ Die Frage: „Werden Sie in Zukunft auch noch Ge uchäfte mit den Einkaufsbüros des ägyptischen Kriegs - Ministeriums machen?“ beantwortete die Firma Vickers mit einem ■ klaren „Nein“. Andere Firmen sagten: „Wir glauben | kaum. Zumindest würden I Tag der Sinai-Kampagne Tel Aviv. — In einem an die israelischen Streitkräfte gerichteten Sonderbefehl am 7. Jahrestag der Sinai-Kampagne erklärte Generalstafschef Zwi Tsur, Inrael müsse heute wissen, dass es in jedem künftigen Konflikt nur sich selbst vertrauen dürfe. Er er innerte an die Tapferkeit der israelischen Soldaten in diesem Feldzug und warnte jene, die Israel heute drohen. Der Tag der Sinai-Kampagne wurde feßtlich begangen. Es wurde eine Parade veranstaltet, an der Panzerwagen teilnahmen, wodurch die Panzereinhelten geehrt werden sollten, die sich im Sinai-Feldzug außzeichneten und entscheidend zum Sieg über das Heer der Aegypter beitrugen. (ITA) . wir uns daß jetzt wohl reichi lieh überlegen.“ Nur einer , der Gefragten erklärte:; „Selbstverständlich. Jeder- , zeit.“ Er ist Vorstandsmit- | glied der Weltfirma Siemens. EIN GESETZ MIT LUECKEN Auf das deutsche Kriegswaffenkontrollgesetz angesprochen. weisen alle Firmen darauf hin, dass sie es nicht verletzt haben. Das stimmt. Sie brauchten es gar nicht zu verletzen, denn das Gesetz hat greßse Lücken. Paragraph 2: „Wer Kriegswaffen herstellen will, bedarf der Genehmigung ... “ Paragraph 3: „Wer Kriegswaffen im Bundesgebiet ausserhalb eineu geschlossenen Geländes befördern lassen will, bedarf der Genehmigung .. Kriegs- Waffen dürfen nur ein ge führt, ausgeführt, durch das Bundesgebiet durchgeführt oder sonst in das Bundesgebiet oder aus dem Bundesgebiet verbracht werden, wenn die hierzu erforderliche Beförderung... genehmigt ist.“ Dac ist ziemlich klar. Die Frage ist jetzt nur: Was sind Kriegs waffen? Das steht im Anhang des Gesetzes. Danach sind Kriegs waffen unter anderem: „Bombenflugzeuge für strategische Zwecke, sonstige vollständige Militärflugzeuge, Flugzeugzellen, Strahl-, Propellerturbinen- und Rake ten-Triebwerke ‘ ‘ für diese Flugzeuge. Daraus ergibt sich: Wer ein fix und fertiges militärisches Flugzeug, eine komplette Flugzeugzelle oder einen kompletten Flugzeugmotor herstellt oder befördert. braucht eine Genehmigung. Wer die Einzelteile für diese Kriegswaffen herctell^ oder verschickt, braucht keine Genehmigung. Einfacher kann man es Herrn Kamil und seinen Lieferanten kaum machen. Die Lücken dieses Gesetzes sind den zuständigen Beamten im Verteidigungß- und Wirtschaftsminißteriums und den Bundestagsabgeordneten aller drei Parteien schon längst bekannt. Schon im November vorigen Jahres verfasste der CDU-Abgeordnete Prof. Franz Böhm eine Denkschrift, in der er darauf hinwies, de»s , der Uir.ßtand deutscher Beteiligung (an der ägyptischen Aufrüstung) in Israel geradezu Bestürzung und Entsetzen hervorgerufen hat“. Bundeskanzler Konrad Adenauer antwortete ihm mit einem Sechszeilen-Brief. Der Kernsatz dieses Schreiben« lautet: „Leider bietet uns unsere Geßetzgebung nicht die Möglichkeit, etwas zu tun.“ Adenauers Parteifreund Böhm hat nun zusammen mit den Abgeordneten Dr. Giide (CDU), Dr. Dehler (FDP) und Gerhard Jahn (SPD) einen Entwurf zur Erweiterung des Kriegswaffen-Kontrollgesetzes aiKgearbeitet, mit dem sich das Parlament, wenn es aus de« *Ferien zurückkehrt, befassen wird. Danach soll in Zukunft die „Beteiligung Deutscher an der Herstellung von Waffen ausserhalb des Bundesgebietes“ genehmigungspflichtig sein. GESCHAEFT BLEIBT GESCHAEFT Selbst wenn aus dieeen» Entwurf einmal ein Gesetz werden sollte — die Kriegsmateriallieferungen von der Bundesrepublik nach Aegypten werden dadurch nicht verhindert werden. Dabei brauchte mau, um daß zu erreichen, in dem jetzigen „Gesetz über die Kontrolle von Kriegswaffen“ nur ein Wort zu ändern: Statt Kriegswaffen müsste es Kriegßmaterial heissen. Davor aber scheut man sieb im Bundeswirtschaftßministerium. denn: „was ist nicht alles Kriegsmaterial? Um das zu erfassen, müßst-cn wir einen riesigen Kontrollapparat aufbauen.“ Eß gäbe natürlich noch eine andere Möglichkeit zu verhindern, Waffen für den ägyptischen Diktator zu produzieren: „Unsere Industrie, unsere „königlichen Kaufleute“ müssten einsehen, daM sich dieses Geschäft für uro Deutsche, die wir schuld am Tod von sechs Millionen Juden sind, vo* selbst verbietet“. — sagen diese westdeutschen Parlamentarier. Daß freilich ist ein Appell an die Moral. Er wird keinen Erfolg haben, denn er ist an eine Kategorie von Kaufleuten gerichtet, dere* Handlungßweise von drei Worten bestimmt wird: Geschäft ist Geschäft. Kabinett and Fanatiker Jerusalem. — D.» Kabinett beriet über die schweren Tumulte, die von den Ultraorthdoxen aus Bet Shearim verursacht wurden, als eine Menschenmenge in das Unterrichtsministerium eindrang und dort Türen. Fenster und Möbel zerschlug. Unterrichtsmimster Zalman Aranne bemerkte hierzu in seinem Bericht, dass 20 Räume beschädigt wurden und die Demonstranten versuchten, ein Polizeiauto, das vor dem Gebäude stand, in Brand zu stecken. Dem Ueberfall auf das Ministerium waren schon mehrere Zu»ammemrtösse mit der Polizei vorausgegangen, bei denen einige Polizisten von Steinen getroffen wurden. Wohlfahrtsminister Joseph Burg wurde beinahe von einem Steinwurf verletzt, als er Religionsminister Wahrhaftig besuchte. Ein orthodoxer Jude, der die Aufrührer beruhigen und von Gewalt abhaiten wollte, brach unter dem Anprall eines aus der Nähe geschleuderten Gegenstandes verwundet zusam men. , , . .. .. Ministerpräsident Eshkol gab dem Kabinett die Versicherung ab. dass die Regierung strenge Massnahmen ergreifen werde, um die Schuldigen zu bestrafen und den freien Verkehr zu ßichern. Die unabhängige Zeitung „Haaretz“ erklärte in einem Leitartikel, die Polizei habe im Sinne der Erkläxiaigea oes Ministerpräsidenten vor der Knesset gehandelt n*o ihre Pflicht erfüllt. (ITA»