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Jüdische Wochenschau · 1963-10-25 · 2035 (25.10.1963) · p. [Seite 2]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
24 (1963)
Issue
2035 (25.10.1963)
Date
1963-10-25
Page
[Seite 2] (sequence 2)
Language
German, Spanish
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2 — Viernes, 25 de Octubre tie 1063 LA SEMANA ISRAELITA Año XXIV. — No. 2035 Der Marsch ins Unglück / (Schluss von Seite 1) Massen-Außrottung gerechnet hatte. Man war nicht dagegen, jüdische Positionen, die durch nazistische Unrechtsmassnahmen freigeworden waren, schleunigst zu besetzen. Man war auch nicht dagegen, da?ß die Juden zur Auswanderung gezwungen wurden. An die physische Liquidierung der Juden dachte man nicht. Hierzu war. wie die Nazis sich außdrückten, das deutsche Volk noch nicht reif. Es musste erst „reif“ gemacht werden. Zu diesem Zweck dienten die zahlreichen „Aktionen“ wie die Gesetze zur „Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ ebenso wie die hämmernde Propaganda, die mit allen Mitteln einte mächtigen Staatsapparates betrieben worden ist. Dass dieseß Gesetz mit der Herstellung des Berufsbeamtentums überhaupt nichts zu tun hatte, sondern nur die jüdischen und andere missliebige Beamte ausßchalten sollte, war unzweifelhaft. Denn das ergab sich allein schon aus dem Wortlaut des Gesetzes. Aber die Begleitmusik wurde von der Goeb-1 bels'schen Propaganda ge-! macht. ..Die Juden sind unser Unglück!“, war eine diej ser schändlichen. immer ■ wieder und wieder dem Volk eingehämmerten Paro-; len. Als sich gegen die antijüi dischen Gesetze und vor al- \ lern gegen die Partei-Demonstration am Boykott-Tag \ Dr. FREY A B 0 G A D 0 PUEYRREDON 2190 1? izq. nachm. 16—19 Uhr Neue Telef. Nr.: 80 -6930 REAL PEN Füllhalter REPARATUREN Spezialgeschaeft CORRIENTES 569 T. E. 49-5850 Jaime Liebling S. A. SPERRHOELZER H O E L Z E R DIAZ VELEZ 5224 Tel.: 89-9349, 33-9305 (1. April 19331 ausländische Stimmen meldeten, die zum Boykott deutscher Waren aufforderten — und dies waren zum geringsten Teile jü- I dißche Stimmen gewesen, — : da sagte Goebbels: „Sie sol- 1 len nicht glauben, dass wir mit verschränkten Armen Zusehen, wie man dem deutschen Volk in der Welt seinen guten Namen, seine Ari beit und sein Brot stiehlt“, : Bemerkungen, die den wirk- ■ liehen Sachverhalt umdreh- I ten und völlig entstellten. Denn niemand brauchte den j deuiechsn Namen anzugrei-! fen. Wenn der deutsche Na-; me in der Welt besudelt; wurde, so geschah dies nur ' durch die nazistischen Bru- | talitäten. I Das „Schwarze Korps“ aber schrieb: „Für uns war, ist und bleibt der Jude unser Feind, dessen Wesensart ihm auf Grund seiner rassischen Zusammensetzung gebietet, Feind zu sein, und der nicht etwa aus eigenem Gutdünken unser Freund werden kann. Für uns gab ts keinen ,anständigen* Juden, der ein so schlechter Jude ist, dass er beinahe als Arier gelten keimte. Denn ein Mensch vermag seine Rasse nicht zu verleugnen, selfcßt wenn er'ß wollte“... Mit diesen und tausenden ähnlichen Phrasen wurde der Mythos der Rasse geschaffen, durch den die spätere physische Vernichtung vorbereitet wurde. Dennoch wird man den grosßen Unterschied! im nazistischen Vorgehen unschwer erkennen. der die Aktionen am 1. April 1933 am Boykott-Tag und am 9. November 1938, der Kristallnacht, kennzeichnet. Der Boykott-Tag wurde von der Partei organisiert, um der Regierung immer noch die Möglichkeit offen zu lassen, sich zu distanzieren. wenn unerwartete Reaktionen aus dem Inland oder Komplikationen mit dem Ausland auftreten eollten. Dagegen lag wenig mehr als fünf Jahre später die Durchführung der Krlßtallnachtsaktionen nur noch in der Hand der Regierung. Man hatte nichts mehr von aussen oder von innen zu befürchten. Alle Proteste zerschellten an der wieder erstandenen deutschen Militär maßchine, obwohl die hohen Offiziere dieses schändliche Vorgehen gewiss nicht gutgeheissen, aber doch eben hingenommen haben. Auch sie hatten bereits ihre Karten durch ihr Zaudern und Warten, durch ihre Gleichgültigkeit und Verblendung verspielt. — Zwischen diesen beiden Eruptionen des nazistischen Radau-Antisemitismue und zahllosen grösseren und kleineren Gesetzen, Bedrohungen. Schikanen, Erniedrigungen und Verfolgungen liegen die Nürnberger Gesetze, die in sich eine unge- PROPIEDADES FRANKENBERG S. R. L. yerät Sie kostenlos und jnverbindlich beim Kauf oder Verkauf von GESCHAEFTEN WOHNUNGEN HAEUSERN VIRREY DEL PINO 2262 T. E. 73-7887 JUDITH « SCHENKOLEWSKI KULTUSSTICKEREIEN Schabbosdecken - Taiiißbeutel - Käppchen - Mazzot-Taschen - Hand- und Maschinenstickerei von Bett- und Tischwäsche Dr. P. I. RIVERA 2585 (fr. Bebedero) T. E. 73-9155 Confitería NIZA Servicios de lunch de categoría SALON DE FIESTAS ECHEVERRIA 3296, esq. CONDE 76-0286 73-1049 heuerliche Herausforderung nicht nur an die Juden, sondern an die ganze zivilisierte Welt daretellen. Das deutßche Volk. Männer wie Frauen, werden indirekt durch diese Gesetz» zum Zuchtvieh für eine vermeintlich bessere, imaginäre, in Wahrheit garnicht existente Rasse degradiert. „Während... das Reichsbürgergesetz den Trennungsstrich zum Judentum auf politischem Gebiet gezogen hat, erfolgt durch daß Blutschutzgesetz die Scheidung auf biologischem Gebiet“... Auch diese Verirrungen des menschlichen Ungeistes haben die anderen Völker, haben die Christen, haben Juden, haben sie alle stillschweigend hingenommen. Selbst heute wagt man nicht, von wenigen Ausnahmen abgesehen, gegen die intellektuellen Mittäter wie einen Globke Front zu machen, der die „rechte Hand“ des alten Bundeskanzlers war, die graue Eminenz, der Unentbehrliche. Für ihn erlaubt man sich „Entschuldigungen“ und Verteidigungen zu finden, er habe mit seinem Kommentar grösseres Unrecht verhindert, er habe sich schützend vor die Mißchehen (wievielten Grades?) gestellt und ähnliche leere Redensarten, die in Wirklichkeit niemals geeignet sein können, den wahren Sachverhalt zu verschleiern. Aber diese Methode des „Nur nieht zu ernst Nehmens“ gewisser dekadenter gesellßchaftlicher Erscheinungen trägt mehr zum Fäulnisprozess einer kranken Gesellschaft bei, als die stupiden Hirngespinste ultraradikaler Hetzer. Das greeße und tragische Versagen der gebildeten Oberschicht ist der tiefere Anlaßs für den Sturz in den moralischen Sumpf des Dritten Reiches, in die Verwilderung und in den Machtrausch, der von den Ausschreitungen des Boykott-Tages, den Nürnberger Gesetzen, der Kristall-Nacht, den Konzentrationslagern. den Schändungen der Menschheit durch die Verbrennungsöfen und die Massenmorde gekennzeichnet ist. Das Jahr 1938 wurde zur Wende des jüdischen Lebene in Deutschland: es war das Jahr, in welchem das deutsche Judentum als eine historische Einheit zerschlagen wurde. Mit diesem Datum hört jüdisches Leben in Deutschland praktisch auf. Was danach folgte, war ein Dahinschleichen, außgestossen, gekennzeichnet, schattenhaft. Die Gemeinden, Jahrtausende Mittelpunkt des jüdischen Lebene, bestanden nur noch in ihren Trümmern. Aber gerade in diesen tragischen Augenblicken bewies das deutsche Judentum seine seelische Grösse, wie ßie nur Gemein- JAC0B LAPIDUS dipl. Mohel NEUE ADRESSE VIAMONTE 2037, 4? B. 46-1716 und 48-2124 Verraefer aufgespürt Amsterdam. — Ein 54jähriger Chauffeur, dessen Namen nicht mitgeteilt wurde, ißt zu sechs Jahren Gefängnis und lebenslänglichem Verlust seiner Bürgerrechte verurteilt worden, weil er vor 21 Jahren den jüdischen Bürger Willem van Dam aus Rotterdam an den NS- Sicherheitsdienst verraten hatte. Van Dam kam in Auschwitz um. Sein Bruder hat Jahre hindurch den Einzelheiten dieses Falles nachgespürt, und eß gelang jhm, den Chauffeur in Deutschland zu finden, wohin dieser aus einem holländischen Gefängnis entkommen war. Er konnte ihn unter einem Vor wand über die deutsche Grenze locken, wo er von der holländischen Polizei verhaftet wurde. (ITA) schäften besitzen können, die langsam „historisch geworden“ ßind, die traditionsgebunden und -verwurzelt sind, die ein bemerkenswert hohes kulturelles Niveau erreicht haben. Im Kampf gegen die übermächtige Geetapo wurden alle Kräfte mobilisiert, um noch zu retten, was nur möglich war. Tausende Jugendliche wur den über die Grenzen gebracht, viele sind ans Ziel gekommen, viele nicht. Die Möglichkeiten den Häschern zu entkommen, waren gering. Aber sie waren vorhanden. Sie sind außgenutzt worden. — Bis Anfang 1938 war die wirtschaftliche Position der Juden jedenfalls nicht direkt angegriffen worden. Die Nachwirkungen deß Boykotts hatten di« Nazis zur Vorsicht gewarnt. Piraterie, so verstanden die anständigen Menschen aller Völker, ißt ein Verbrechen, gleichgültig wer ihr Opfer ist. Die jüdischen Akademiker eliminierte man, man zog den Kreis der Tätigkeiten, die Juden ausüben konnten, immer enger, man verdrängte jüdische Angestellte und Arbeiter, nachdem die Beamten entlassen worden waren. Man gab die Parole aus „Kauft nicht bei Juden“, man hetzte, man drohte, man schikanierte. Erstaunlich treu blieb das Kaufpublikum — vor allem in Berlin, in Hamburg und anderen Grosetädten — den jüdischen Geschäften. Die jüdischen Positionen in der Wirtschaft waren trotz all der aufgezählten Schwierigkeiten, Massnahmen und Probleme im wesentlichen nicht angerührt worden. Auch noch 1938 befürchteten die Verantwortlichen, dies ohne erhebliches Risiko nicht tun zu können. Es gab einflußsreiche Wirtschaftskreise, die sich auß Dr. J. P. Kroll Bieber INNERE MEDIZIN u. ■ RHEUMATISMUS Arzt am Hosp. Pirovano Mo.,Mitt.,Frei„ 15-20 Uhr 3 de Febrero 2030 76-0266 Privat 52 7734 MOHEL N. PLAKSIN Superi 2719 T. E, 76-6784 u. 76-2312 Dr. B. Schwarcz ZAHNARZT ESTOMBA 2283 52-8214 RAYOS X PARADENTOSE TELEF. -tV VORANMELDUNG w BERNARDO STERN Ausführung saemtlicher MALERARBEITEN HELGUERA 1915 T. E. 58-4052 diesen Gründen scharf gegen die Einführung des Arierparagraphen in der Wirt Schaft wehrten. Sogar der W'üterich Göring, Beauftragter für den Vierjahresplan der 'Wirtschaft, zauderte. Die „Dynamik der Revolution der Rasee“ fand an der Wirtschaft zunächßt ihre Grenze und stiess auf zunächst schwer von ihr zu überwindende Widerstände. Die NSDAP wurde wieder einmal Tummelfeld heftiger Differenzen zwischen den Wirtschaftlern und den Extremen in der Partei, die sich bisher immer durchgeßetzt hatten und auch die Oberhand behalten sollten, bis zum bitteren Ende, Die radikalen Elemente der Nazi-Partei, vor allem Goebbels und Ley, bedrängten den damaligen Wirtschaftsminister Walter Funk, der im Februar 1938 dieses Ministerium übernommen hatte, die Juden nunmehr auch aus dem Wirtschaftsleben auszußchalten. Funk war nicht dagegen, wollte aber diesen Prozess planmässig in Verbindung mit einer grösseren jüdischen Auswanderung durchführen. Schon wenige Wochen später werden die ernten Gesetze erlassen, die diesem Prozess der Eliminierung der Juden aus der Wirtschaft dienen sollten. Der Anfang war insofern „zahm“, wie manche Beobachter glaubten, weil durch das Gesetz über die „Herstellung der W’affen“ nur sehr wenige Juden betroffen wurden. Dann wurden die Juden aus dem Versteigerungsgewerbe ausgeschlossen, in dem sie ebenfalls kaum vertreten gewesen sind. Durch ein weiteres Gesetz zur Aenderung der Gewerbeordnung wurde schon eine schwerere Bresche in die wirtschaftliche Stellung der Juden ge schlagen, Juden durften nicht mehr im Grundstückshandel, bei der Vermittlung von Immobiliar - Verträgen LA SEMANA ISRAELITA Semanario — aparece los Viernes. Editado por Estrellas Editorial Ltda. Verantwortlich: Dr. Hardl Swarsensky Puerredón 2190, 1» izq. T. E. 83-2613 Abono-Preise: Argentinien: $ 100.— pro Quartal Ausl. $ 600.— jährl. und Darlehen als Agenten, sowie als Haus- und Grundstückeverwalter tätig eein. Aber alle diese Massnahmen befriedigten die Radikalen nicht. Sie wollten ein | Gesetz oder eine Aktion, um die Juden völlig und mit ei- ■ nem Schlage aus der Wirtj schaft zu verdrängen. Die Legalität interessierte sie nicht. Die Methoden Funks würden lange Zeit in Anspruch nehmen. Die bisher : unternommenen Schritte wa- | ren im weßentlichen wir- | kungs- und bedeutungslos, j Dass die Verdrängung der | Juden aus der Wirtschaft ungünstige Folgen haben könnte, war für diese, sehr einflußsreichen Parteikreiße nicht erheblich. Sie wiesen darauf hin, dass die Juden erst dann aus dem deutschen Volksleben ausgeschaltet sein werden, wenn sie ihre sämtlichen wirtschaftlichen Positionen einbüsst haben werden. Viel später äusserte Goebbels, er habe das unlösbar erscheinende Problem des jüdischen Einflusßes auf die deutsche Wirtschaft „innerhalb 24 Stunden durch die Mobilisierung der Strasse beseitigt“. Er und seine Kumpanen lauerten auf eine sieh ihnen bietende Gelegenheit, auf einen zweiten Reichstagsbrand... (Wird fortgesetzt! If Dr. BERNARDO GOLDSTEIN *' MEDICO Cardiología — Hospital Fernández Radio X — Durchleuchtung — Electrocardiogramme CUBA 2141 — T. E. 13-8782 u. 73-6817 Consultas: Montags bis Freitag: 15—18 Ubr , Sonnabend: 14—16 Uhr VARICES-ULCERAS DE LA PIERNA — ARTERIOSCLEROSIS Dr. SAUL UMANSKY Sarmiento 3116 T« E« 87-1362 VON DER STUDIENREISE ZURUECK Sprechstunden nach telef. Vereinbarung Dr. BENJAMIN LIPNIZKY ZAHNARZT ROENTGENSTRAHLEN — ZAHNZIEHEN — BE¬ HANDLUNG MIT GASBETAEUBUXG — REGU¬ LIERUNG DER ZAHNSTELLUNG Sprechstunden: Dienstag — Donnerstag — Sonnabend nach vorheriger Vereinbarung. JOSE HERN ANDEZ 2518. T.E. 76-8673 u. 73-0500 Dr. L. KLEIN - Medico Magenlind Darnikrankheiteu. c? Roentgen-Untersuchungen SPRECHSTUNDEN: Montag, Dienstag, Mittwoch u- Freitag von l3—^ ,^r Es wird gebeten, sich vorher telefonisch anzumelden. SANTA FE 1391 T. E. 44-9493 u. 44-1542

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