Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 24 (1963)
- Issue
- 2034 (18.8.1963)
- Date
- 1963-08-18
- Page
- [Seite 2] (sequence 2)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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2 — Viernes, 18 de Octubre de 1963 LA SEMANA ISRAELITA >• -í Afio XXIV. — No. 2034 Das diskutierte Drama (Schluss von Seite 1) huth nur aus Sensationslust geschrieben haben würde, er hat den Finger auf eine wunde Stelle gelegt. Er hat eine Frage angeschnitten, die er nicht als erster gestellt hat, auf eine Frage, die bisher unbeantwortet blieb. Man könnte umgekehrt behaupten, dass unter denjenigen, die sich an der Dißkussicn beteiligt haben, manche sein dürften, für die persönliche Sentiments massgebend waren. Ihnen liegt weniger an der Erforschung der Wahrheit als daran, eigene Anschauungen nicht zu überprüfen, keine Einmengung in ihre Glaubens- oder Gefühlswelt zu dulden, durch welche Folgen heraufbeschworen werden könnten, j die im Augenblick nicht zu j übersehen sind. Aus politi-; sehen Gründen wurde die j Debatte ins Persönliche j übertragen. Dass ein solcher! Versuch zum Scheitern ver-; urteilt sein muss, ist klar, i Denn selbst dann, wenn j Hochhuth aus persönlichen j Motiven behandelt haben ] sollte, ändert das nichts dar-! an, dass seine Fragestellunj gen berechtigt sind. I Hoehhuthe Drama gipfelt j in der These, dass der veri storbene Papst Pius ' XII. | nicht das Notwendige getan i hat, um das Vernichtungswerk Hitlers gegen die Juj den aufzuhalten oder einzu- I schränken. Niemand hat bisher behauptet, dass die historischen Streiflichter und Dokumentationen, die Hoch Füllhaller REPARATUREN Spezialgeschaeii T. E. 49-5850 Jaime Liebling SPERRHOELZER DIAZ VELEZ 5224 Tel.: 89-9349. 33-9305 PUEYRREDON 2190 1’ izq. naehm. 16—19 Ifhr PROPIEDADES FRANKENBERG S. R. L. aerät Sie kostenlos und inverbindlich beim Kauf oder Verkauf von GESCHAEFTEN WOHNUNGEN HAEUSERN VIRREY DEL PINO 2262 T. E. 73-7887 f huth vorträgt, falsch sind. Wenn man gegen Hochhuth polemisiert, so müsste man zunächst, nachweisen, dass er sein Drama auf falßchen Voraussetzungen — aber nicht literarischer, sondern tatsächlicher, historischer Art — aufbaut. Natürlich gibt es bei der Beurteilung eines gegebenen Tatbestandes immer verschiedene Möglichkeiten, dan Handeln der Beteiligten zu beurteilen oder einzuschätzen. Das würde aber, wenn dem Papst wirklich ein Vorwurf gemacht werden könnte, nur die Frage seiner eigener. Schuld, seines eigenen Verschuldens oder Versagens betreffen. Bevor man zu einem Werturteil über die Haltung eines Menschen, in diesem Fall den Stellvertreters, gelangt, muss erst der Grundtatbestand geklärt sein, sozusagen der objektive Sachverhalt, bis man zu einer Analyce des subjektiven Verhaltens vorschreiten kann. Der objektive Sachverhalt ist aber nur selten und in einem reichlich begrenzten Umfang Gegenstand der bisherigen Diskussionen gewesen. Man hat vielfach den Ein wand gehört, der Papst habe nicht anders handeln können, er habe nicht in offener Form der nationalsozialistischen Regierung gegenüber treten und von ihr die Einstellung ihrer Grausamkeiten verlangen können, ohne damit die katholische Welt in Gefahr zu bringen. Der Gesamtkomplex dieser oder ähnlicher Einwendungen, die sich auf der gleichen Ebene bewegen, setzt aber logischerweise dis Richtigkeit des von Hochhuth geschilderten objektiven Sachverhaltes voraus. Nur die von dem jungen Dichter gezogenen Konce quenzen können dann unrichtig sein, die Folgerungen, zu denen er für die Bewertung des päpstlichen Verhaltens kommt. Auch der Hinweis, der Papst .kennte nichts machen“. er hat sogar Priester nicht schützen können, setzt keine Zweifel in den objektiven Sachverhalt, dass er nichfß gemacht hat. Er erklärt jediglich, aus welchen Gründen der Papst nichi eingeschritten ist. Dass er aber nichts getan hat, wird incidenter zugegeben und nicht bestritten. So konzentriert sich alles auf die eine Frage: Hat der Papst nichts unternommen, obwohl er verpflichtet gewesen wäre, rudere zu handeln, als er gehandelt hat. obwohl er die Macht hierzu gehabt hätte, wenn er nur gewollt haben würde. Jeder muss zugeben, dass die Beantwortung dieser Frage von vielen Faktoren abhängig ist. Obwohl wir eine bestimmte und klare Meinung zu vertreten haben, übersehen wir nicht die Schwierigkeiten, die sich der Formung eines gerechten und fundierten Urteils entgegenstellen, nachdem wir jetzt davon ausgehen, dass der objektive Tatbestand auch von entschiedenen Gegr.ern der Hoehhuthschen Auffassung kaum ernsthaft bestritten wird. Man hat zur Verteidigung der vom Papst Pias XII. eingenommenen Position darauf hingewiesen, dass er wiederholte Mala sich gegen den Nationalsozialismus gewandt hat, nachdem er als damaliger Nuntius in Nazideutschland das Konkordat : zu einem Zeitpunkt befüri wortete, da irgendwelche | Zweifel an den Absichten Hitlers und seiner Mitarbeiter nicht gehegt werden konnten. Dass der Abschluss dieses Konkordates ein sehr schwerer Fehler der Katholischen Kirche war, der entgegen dem klaren Wolle« der politischen Katholiken in Deutschland, repräsentiert durch die Zentrums partei und einige hohe Würdenträger, trotz vielfacher Warnungen von kirchlicher Seite begangen worden ist, kam heute nicht mehr ernsthaft bestritten werden. Die einzige Weltmacht, die Hitler in dieren Tagen stützte, war die Katholische Kirche, und dies zu einem Zeitpunkt, als noch die Möglichkeit bestand, dieses Regime ohne Blutvergiessen entweder zu beseitigen oder aber zur Legalität zu zwingen. Das ist sicher ein Faktor, der nur auf das Schuldkonto der Nuntius Pacelii. des späteren Papstes Pius XII. zu schreiben ist. Man hat auch eingewandt, dass die Nazis die Absicht gehabt hätten, den Paprt gefangen zu nehmen. Auch dieses nazistische Vorhaben habe zur Vorsicht gemahnt. Ohne Zweifel stehen wir hier einem der bedenklich sten Argumente gegenüber, die man vortragen kann. Es wäre nicht das erste Mal in der Kirchengeschichte gewesen, das,: der Papst gefangen genommen worden ist Selbst wenn die Nazis diese Absicht ernsthaft gehabt haben sollten, sie hätten sich diesen Schritt tausendmal überlegt. Denn eie waren nicht so einfältig zu übersehen, welche Wirkung eine Verhaftung d?s Papstes auf die ganze Welt, auch auf die deutschen Katholiken gehabt hätte. Weil sie das genau vorher abgeschätzt haben, taten sie es nicht. Weil sie vor der Macht der Kirche eine groc-se Angst, richtige Angst hatten, rührten sie den Papst, den Vatikan und den Kirchenstaat nicht an, vor dem sie bis zuletzt durch einen Botschafter diplomatisch vertreten gewesen sind. Im übrigen würden wir das Verhalten des Papstes für verwerflich halten, wenn er wirklich auis diesem Grunde, aus der Furcht vor seiner Verhaftung, nicht gegen die ungeheuerlichen Verbrechen opponiert hat. die in den Augen der ganzen zivilisierten Welt abscheulich waren, und di« mit dem hohen kirchlichen Grundsatz des „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ in einem nicht zu vereinbarenden Widerspruch standen. Obwohl wir der Auffassung eind, dass Papst Pius XII. schwieg, wo er hätte laut da.s Wort nehmen müssen, können wir nicht annehmen, dass in diesem Punkte ceine Verteidiger Recht haben. Natürlich darf man auch ein anderes Argument nicht übersehen, das von denen vorgetragen wurde, die den päpstlichen Standpunkt in dieser Frage angreifen. Es wurde u. a. gesagt, dass ein Eingreifen des Papstes zugunsten der Juden negative Folgen gehabt haben würde. Die Lage der Juden wäre noch schlechter geworden. Was eigentlich noch furchtbarer geworden wäre, hat man nicht hinzugefügt. Was hätten die Nazis noch Schlimmeres tun können? Die Gasöfen arbeiteten auf vollen Touren. Die Vernichtungsmaschine kennte nicht mehr leisten. Sonst wären überhaupt keine Juden übrig geblieben. Hitlers Häscher haben die Juden auu alle« unterjochten Ländern in die Vernichtungslager geschickt, auch aus Italien. Wenn sie nicht alle ermordet haben, so lag das nur daran, dass ihnen hierzu keine Zeit mehr blieb, weil die Russen nach dem Westen vorstierßen, und die alliierten Armeen in Europa vorrückten. Schlechter als es war, konnte es niemals werden, auch nicht als Reaktion auf ein' päpstliches W'ort zugunsten der Juden. Auch dieser Einwand zur Verteidigung der vom Papst eingenommenen Haltung ißt unrichtig. Aus einer Leserzuschrift, die ii.i der Frankfurtre Allgemeinen Zeitung im Rahmen einer langen und bis heute geführten Debatte veröffentlicht wurde, ist auf einen historischen Vorgang aufmerksam gemacht worden, der bislang wenig beachtet wurde. Im Jahre 1939 liess sich ein katholischer Prießter, Prälat Joseph Ti so, von Hitlers Gnaden zum Ministerpräsidenten der „auto-! liomen“ Slowakei machen und trug durch diecen v-erräj terischen Akt nicht unwej sentlich zum Untergang der j schwer bedrängten Tschechoslowakei bei. Tiso errichtete ein fasehistisch-naz'ßtisches Regime, formierte di? I Hliuka-Garden und ergriff Terror-Massnahmen. Zwar setzte die Prager Zentralregierung unter dam schwachen Dr. Hacha den Prälaten fest, der jedoch am nächsten Tage bereits wie- JUDITH SCHENKOLEWSKI KULTUSSTICKEREIEN Schabbosdecken - TaUißbeutel - Käppchen - Mazzot-Tascben - Hand- und Masehkienstickerei von Bett- und Tischwäsche Dr. P. I. RIVERA 2585 (fr. Bebedero) T. E. 73-9155 JACOB LAPIDUS dipt. 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Wie aus der „Hißtory of modern Slovakia“ von Lettrich hervorgeht, war der Vatikan nicht darüber erfreut, dass der Prälat Tiso als Staatsoberhaupt auftrat. Man liess ihn allerdings gewähren. Hier hätte, wie richtig gefolgert wird, der Vatikan die Möglichkeit gehabt, direkt einzugreifen, was aber nicht geschah. Auch diese Frage bedarf noch einer klaren Beantwor tung, aus welchen Gründen der Papet das nazistische Wüten eines katholischen Priestern — der als solcher gewiss eine Ausnahmeerscheinung war — geduldet batte. Man sieht, das Problem ist schwer und keinesfalls mit einer Handbewegung oder einem Hinweis, das Drama eei literarisch nicht wertvoll, abzutun. Auf einem ganz anderen Blatt steht, ob es zweckmässig ist, dass wir Juden diese Frage aufwerfen oder ur.fi in diese Diskussion einmißchen. Wir haben diese Frage nicht aufgeworfen, obwohl es nur allzu berechtigt wäre, sie auch von uns aus zu stellen. Denn wir sind dies, wie es uns ficheint. unseren Toten schuldig. Wir wissen, dass die Erforschung unserer eigenen Vergangenheit eine unabwendbare Pflicht ist. Niemals aber könnte durch diese Erörterungen, Debatten oder Vorwürfe gegen die Haltung der Kirche eine Sehuldverlagerung geduldet werden. Denn die Blutschuld der Nazis ist zu grotß. um andere zu belasten, weil sie LA SEMANA ISRAELITA Semanario — aparece los Viernes. Editado por Estrellas Editorial Ltda. Verantwortlich: Dr. Hardi Swarsensky Puerredón 2190, 1? izq, T. E. 83-2613 Abono-Preise: Argentinien: í 100.— pro Quartal Ausl. $ 600.— jährl. In New York New York. — Im Jahre 1962 wurden 1.750 neu eingewanderte jüdische Familien, insgesamt 5.775 Personen, im Gebiet von New York angesiedelt. Die meisten der Neueinwanderer kommen aus Kuba. Aegypten und einigen europäischen Gemeinden. geschwiegen haben. Deren Schweigen und Versagen kann nicht auf der gleichen Ebene gerichtet werden. Wir wollen auch nicht übersehen, dass durch die Nachfolger Pius des Zwölften, durch den Papst Jo* hanneu XXIII. und durch den jetzigen Papet Paul VI, eine Wandlung vor geht, die auch das Verhältnis der Kirche zu den Juden neuen Ge^ setzen unterwerfen soll. Aus diesen Gründen haben wir Veranlassung, dieses Neuwerden und den neuen versöhnlichen Geist der höchsten kirchlchen Stellen mit Zuvensicht zu betrachten, durch den viele Fehler der Kirche in der Behandlung der Juden geändert, überwunden und in Zukunft vermieden werden sollen, die deswegen weder ungeschehen gemacht werden können noch in Vergessenheit zu geraten brauchen. Dr. BERNARDO GOLDSTEIN MEDICO Cardiología — Hospital Fernández Radio X — Durchleuchtung — Electrocardiogramme CUBA 2141 — T. E. 73-8782 u. 73-6817 Consultas: Montags bis Freitag: 15—18 Uhr Sonnabend: 14—16 Uhr VARICES -ULCERAS DE LA PIERNA — ARTERIOSCLEROSIS Dr. SAUL UMANSKY Sarmiento 3116 T. E. 87-1362 VON DER STUDIENREISE ZURUECK Sprechstunden nach telef. Vereinbarung Dr. BENJAMIN LIPNIZKY ZAHNARZT ROENTGENSTRAHLEN — ZAHNZIEHEN — BE¬ HANDLUNG MIT GASBETAEUBUNG — REGU¬ LIERUNG DER ZAHNSTELLUNG Sprechstunden: Dienstag — Donnerstag — Sonnabend nach vorheriger Vereinbarung. JOSE HERNANDEZ 2518. TJE. 76-8673 u. 73-0500 Dr. L KLEIN - Médico Magen- und Darmkrankheiten Roentgen-Untersuchungen SPRECHSTUNDEN: Montag, Dienstag, Mittwoch u. Freitag ven 15—19 Uhr Es wird gebeten, sich vorher telefonisch anzumelden. SANTA FE 1391 T. E. 44-9493 u. 44-1542