Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 24 (1963)
- Issue
- 2033 (11.8.1963)
- Date
- 1963-08-11
- Page
- [Seite 3] (sequence 3)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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Viernes, 11 de Octubre de JiMîlï LA SEMANA ISRAELITA Año XXIV. — No. 2033 — 3 ziver Hiilsl Seidel, der Vertreder Lib:raien im Zentralcomite der Histadrut, war überrascht, als er einen Brief aus der Hauptstadt der estonischen Republik, in Sowjetrussland. Tallin, erhielt. Die Adreßs? des Absenders erweckte in ihm Erinnerungen an die schwersten Tage : seines Lebens. Als der zweit2 Weltkrieg ausbrach, stand Seidel in J Wilna an der Spitze der zionistischen Bewegung ,,Aki-; ba“. Als die Nazis ein Ghet! to in dieser Stadt errichteten. flüchtete er in die Wälder und war Untergrund tätig, um Juden ar« dem Ghetto zu schmuggeln. Bei einer dieser Missionen wurde er von SS-Leuten, Ukrainern und Litauern, umzingelt und gefasst. In den Kellern der Gestapo fand er einen Freund, der mit ihm im Kibbuz Akiba gewesen war — Oswald Rufeisen, den heutigen Pater Daniel des Haifaer Carmelitenklosters, der vorige« Jahr mit seiner Forderung, ihm aufgrund des Rückkehrergesetzes die israelische Staatsbürgerschaft zu verleihen, ins Rampenlicht der israelischen Oeffentlichkeit getreten war. Nebenbei waren Hillel Seidel und Rufeisen die einzigen aus dem ,,Akiba“-Kibbuz in Wilna, denen es gelungen ist, die Gestapokeller lebend zu verlassen. Die Ghettoinsassen wurden später nach Estland und zu ihrem Grcesteil ins Todeslager Kloga überführt. Der Absender jenes Brie fes nun war Erwin Martinson. der jetzt Direktor der Radiostation Tallin ist. Seit der Beendigung des zweiten Weltkrieges beschäftigt er sich besonders mit der Aufspürung von Spuren der Naziverbrecher und estonischen Kollaborateuren aus Kloga und in den anderen Lagern Handelsvertrag Jerusalem. — Zwischen Israel und der Türkei wur, de ein neuer Handelsvertrag abgeschlossen, der ein Volumen von 16 Millionen Dollar vorsieht. Im Rahmen der Durchführung des Vertrages wird Lsrael Industriegüter und Rohmaterialien in die Türkei exportieren und von dort hauptsächlich Mineralien und landwirtschaftliche Produkte — Tabak u. a. — einführen. in Estland und mit der Sammlung von Zeugenaussagen gegen sie. Diese La ger wurden im Jahre 1943 errichtet, und in ihnen fanden die Juden Estlands und ein Teil von den Juden Polens, Litauens und Lettlands ihren Tod. Martir.«on, selber ein geschworener Antinazi, musste eine Zeitlaug als Sträfling in diesen Lagern verbringen. widmete sich später der Erforschung jener Jahre, ver'’os.ii.3 Bücher darüber und fährt hartnäckig fort, die Behörden in einer ganzen Reihe von Ländern Aussagen von Naziopfern, korrespondierte hin und her. Unter anderem fand er, dass drei estonische Kollaborateure — Jurista, Viskov und Vlinenssov — für die Ermordung von L 19 Menschen, darunter sämtlichen Juden der Stadt Treto, verantwortlich waren. Der Arm des Gesetzes erreichte nur einen von ihnen, Juriuta. der im Januar 1962 in Treto aufgrund eines Urteils des Obersten Gerichts von Estland hingerichtei wurde. Viskov. der seinerzeit ..Eiehmann vcu Estland“ genannt wurde, befin- 20 Jahre daenisches Rettungswerk Tel Aviv. — Tausende von Israeli«, darunter alle aus Dänemark stammenden Juden, besuchten die Galavorstellung des Kopenhagener Mannerchor«, die im Mann-Auditorium stattfand. Das Konzert wurde zu Ehren einer dänischen Delegation veranstaltet, die zur Feier des 20. Jahrestages der heroischen Errettung der dänischen Juden während der Nazibesetzung zu Besuch nach Iorael gekommen war. Die Delegation setzt sich aus ehemaligen Mitgliedern des dänischen Widerstandes zusammen, aus Fischern, die an dem heimlichen Transport von rund 6.000 b;e 8.000 dänischen Juden nach Schweden geholfen hatten, sowie Mitgliedern der dänischisraelischen Freundschaftsliga. An der Spitze der Delegation steht Prof. Richard Ege, der die Rettungsaktion im Jahre 1943 geleitet hatte. Die dänischen Besucher folgten einer Einladung, die von der Jewish Agency, dem Jüdischen Weltkongress und der Dänischen Gesellschaft in Israel ergangen war. (ITA) zu „belästigen“, um sie zu I veranlassen, die während des Krieges in seinem I Land tätig gewesenen Ver! brecher vor Gericht zu stel 1 len. Bei der Untersuchung der Vorgänge im Todeslager von Kloga, mit der er sich z.Zt. befasst, entdeckte Herr Martinson vor kurzem drei kleine Kisten mit der Kartho tek der Lagerir.ßassen. Unter anderem stiess er auf die Karte von Hillel Seidel. S Er sandte ihm eine Fotoko- | pie der Karte und bat ihn, : ihm bei seiner Suche nach den für die Ermordung der Juden in diesem Lager Verantwortlichen behilflich zu sein. Jahrelang sammelte Martinson Aktenstücke, durchstöberte Archive verfolgte Ein Attribut gepflegter Maennlichkeit das ist Carlton-Kleidung Feinste Masskleidung Fertigkleidung in Stabiloform M. R. Anfertigung aus mitgebrachten Stoffen. Staendige Passformkontrolle. Auch lunioren kaufen gerne bei CARLTON. Ernst Koppel Maipu 982 TeL 31-0357 50 Meter Plaza San Martin, mit vielen Verbindungen ’ i und Parkmöglichkeit. M0EBELHAUS WATERMANN Das Haus der 3 Geseliät te mit d?r grössten Auswahl. Z' SARMIENTO 1147 T. E. 35 - 1033 CABILDO 2614 PAMPA 4979 fast Ecke Triunvirato Eigene Werkstätten. Zahlungserleichterungen Zuvorkommende fachmännische Bedienung. det sich heute in Australien. Er wurde in abßentia zum Tode verurteilt. Die Spuren des dritten Verbrecher«, Vlinenssov (der gleichfalls in Abwesenheit zum Tode ver urteilt wurde), sind in New York entdeckt worden. Martinson verfasste ein Buch, .,12.000“, über diese Affäre. Darin wies er die Verantwortung Viskos, der eine Zeitlang in der Gestapo in Tallin amtierte, für die Aktion „Cotbus“ nach und zitierte Dutzends von ihm persönlich unterzeichne ter Verhaftungsbefehle gegen Juden von Tallin. Der „estonische Jäger“ enthüllte auch den Anteil von anderen dortigen „Quislingen“ an den Massenmorden, so des Leiters der selbständigen e«tonischen Lan desleitung Mia, des Beauftragten für interne Angelegenheiten Angelus und des Kommandeurs der Sicherheitspolizei Mara. Einen Teil seines Buches „Seid auf der Hut“, das in Tallin in englischer Sprache erschienen ißt, widmete er dem Prozess von Mara, der heute in der englischen Stadt Leicester wohnt. Martinson fand, dass ein anderer dieser Verbrecher. „Quisling“ Ewald Maksin, sich unter einem falschen Namen in Island verborgen hält. Zu Ende des Weltkrieges flüchtete er nach Schweden, wurde dort gefasst, im Jahre 1946 in Stockholm abgeurteilt und des Landes verwiesen. Nach den Beweisen, die sich in Händen Martinsons befinden, war Maksin für die Ermorstland l düng von Ruth und Alexan- I der Rubin verantwortlich, deren Tante (Frau Sima Ar-; losoroff) in I«rael lebt. Martinson, der auch ein i Buch in estonischer und l russischer Sprache verfasst hat. beschäftigt sich ferner j mit dem Fall des Staatssej kretärs im Bonner Ministe i rium für wirtschaftliche I Kooperaticn, Friedrich Kar) Viaion, der unlängst als Zeuge im Koblenzer Prozess I gegen Naziverbrecher auftrat, die seinerzeit in den , Lagern in Bielorussland akj j tiv waren, und behauptet hat, da?« er nur „wirtschaftliche Funktionen“ ausgeübt habe. Die mit der Unterschrift Viaions versehenen Akten zeigen vielmehr, dass diesre genaue Anweisungen an Hitlers Wirtschaftskommißsare im „Ostland“, in Lettland, Litauen, Estland und Bielorussland, erteilt und sie unterwiesen hat, wie sie den Raub des jüdischen Vermögen ß organisieren und durchführen sollen, bevor die Juden in die Todeslager ver schickt wurden. In dieser Aktion kooperierte er mit dem SA-Obergruppenführer Karl Sigismund Litzman in Hallin und dem SS-Gruppenfiihrer Frank von der zweiten Finanzabteiluug des Reichs - Kommissariats im „Ostland“. In einem Dokument, das von Dr. Viaion unterzeichnet ist und das Datum Rigg, 31. Juli 1943 trägt, heisst es in einem Erlass an den Generalkommissar in Reval: „Der Reichsführer SS hat unter dem 21. Juni 1943 an- | geordnet, dass alle im Gej biet Ostland noch in Ghett.; vorhandenen Juden in Kon-! zentration.slagern zußam- | menzufassen sind. In wie- I derholten Besprechungen : mit den höheren SS- und Poj lizeiführern für das Ostland wurde festgelegt, dass Ar-! beiten, deren Fertigung nicht j in grosse Konzentrationßla I ger verlegbar Ist. in kleinen Konzentrationslagern zusam-! mengefasst werden. So wird LA SEMANA ISRAELITA BIS EM AN ARIO INDEPENDIENTE y- 8s. Aires — PUEYRREPON 2198, 1» isg. — T. E. 83-2613 11. Oktober 1963 23. Tischri 5724 z.B. ein kleiner Teil des bisi hörigen Rigaer Ghetto vor-! aussichtlich zu einem Kon- ' z-entrationslager umgr«tal- . tet, in dem Werkstättenbej triebe wehrwichtige Aufträj ge erledigen“. Im beigelsge-; nen Erlass von Himmler heisst es, dass ab 1. 8. 1943 j jedes Herausbringen ven Ju- \ den aus den Konzentrationßla gern zu Arbeiten verboten ist. Die nicht für „wehrwichtige“ Aufgaben benötigten j Angehörigen der jüdischen j Ghetti seien „nach dem i Osten“, also ins Nichts zu evakuieren. j Erwin Martinson behaup-; tet, dass der jetzige Staat« i Sekretär Viaion auch für die; Errichtung des Todeslagers; von Kloga verantwortlich gewesen sei. Seit er den Namen Seidels in der Karthotek der Insassen dieses Lagers entdeckt hat. entwickelte sich zwischen den beiden ein ständiger Briefwechsel Seidel bot Martinson seine Hilfe bei der Suche nach Naziverbrechern an. Diese Zusammenarbeit zeitigte bereite gewisse Früchte. Verbrecher erhalten f Pensionen München. — Bei einer Totenehrung im ehemaligen KZ Dachau, zu der die Lagergemeinschaft Dachau vor j kurzem eingeladen hatte, ' sagte Propst Grüber vor 1500 Zuhörern: „Verbrecher und Schreibtischmörder erhalten heute hohe Pensio- , nen. Man verschanzt sich* dabei hinter einen formalen Rechtsanspruch und erweckt den Eindruck, als sei dies alles nur korrekt. Wen kümmert es bei uns, dasß auch die Witwen der Mörder heute besser leben, als die Witwen der Ermordeten, von denen immer noch viele einen zermürbenden Kampf um eine kärgliche Rente führen. Ist es nicht längst an der Zeit“, rief Propst Grüber aus, „endlich Disziplinarverfahren gegen all diejenigen einzuleiten, die die Mörder und Mitwisser von damals wieder in Amt und Würden gebracht hat ben?“ SCHECKS ODER ■- MSäSÄ . ■?-£ UEBERWEISUNGEN IN D-MARK ODER DOLLAR Bevor Sie wechseln erfragen Sie unsere Preise Man spricht Deutsch ESTUDIO JURIDICO INTERNACIONAL ♦♦♦ Teppichhaus - M. 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