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Jüdische Wochenschau · 1963-08-11 · 2033 (11.8.1963) · p. [Seite 2]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
24 (1963)
Issue
2033 (11.8.1963)
Date
1963-08-11
Page
[Seite 2] (sequence 2)
Language
German, Spanish
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\ 2 — Viernes, 11 de Octubre de 1963 LA SEMANA ISRAELITA Año XXIV. — No. 2033 Die schrecklichen Jahre (Schluss von Seite 1) tion erinnert, in deren Verlauf in unzähligen Demonstrationen und grossartigen Reden die Gleichheit aller Menschen proklamiert wurde, die dann jedoch den Juden noch Jahre lang vorenthalten worden ist, und nicht nur ihnen. Vielleicht linden wir auch — mutatis mutandis — in der Behandlung der Negerfrage in den Vereinigten Staaten eine Parallele, allerdings mit dem gewaltigen Unterschied, dass die Regierung die Verwirklichung der Forderungen nach Gleichheit aller Bürger ernst nimmt, während es im Dritten Reich gerade die Regierung war. die jedes eigene Denken ihrer nur allzu willigen Untertanen unterdrückte. — Die ersten antijüdischen Aktionen, bei denen sich die NS-Regierung noch anderer als nur staatlicher Organe bediente, in erster Linie der Partei, liegen heute 30 Jahre hinter uns, vor allem der Boykott-Tag, jene grossangelegte antisemitische Demonstration, die als eine erste Probe der Reaktion des Auslandes gedacht und durchgeführt worden war. Die ersten Deportationen liegen nun 25 Jahre hinter uns. wie das Jahr 1938 überhaupt die entscheidende Vorstufe für die kommenden antijüdischen Ereignisse bildete. Zunächst wurden alle ,.vorbestraften“ Juden in einer .Aktion* — dieses Wort bekam eine ganz neue Be- Dr. FREY ABOGADO PUEYRREDON 2190 1“ izq. nachm. 16—19 Uhr Neue Telef. Nr.; 80-6930 REAL PEN Füllhalter REPARATUREN Spezialgeschaeft CORRIENTES 569 T. E. 49-5850 Jaime Liebling S. A. SPERRHOELZER H O E L Z E R DIAZ VELEZ 5224 Tel.: 89-9349, 33-9305 PR0PIEDADES FRANKENBERG S. R. L. aerät Sie kostenlos und anverbindlich beim Kauf oder Verkauf von GESCHAEFTEN WOHNUNGEN HAEUSERN VIRREY DEL PINO 2262 T. E. 73-7887 deutung — eingesperrt und in Konzentrationslager gebracht, wobei jede geringe Polizeistrafe, die wegen einer Verkehrsübertretung verhängt worden war, genügte, um als vorbestraft zu gelten. Dann wurden im Oktober 1938 in den frühen Morgenstunden alle polnischen Juden von der Gestapo abgeholt oder auf die Polizeire viere beßtellt, zu Sammeltransporten zusammengefasst und über die Grenze geschoben. Sie durften nur Handgepäck mitnehmen, mussten ihr Hab und Gut zurücklassen und konnten noch nicht einmal ihre Freunde oder Bekannten über ihr Schicksal unterrichten. Allzu lange hatten die polnischen Regierungsstellen zugeßshen, wie diesen ihren Bürgern Unrecht geschah, sodass sich die deutsche Regierung stark genug fühlte, um dieses unerhörte Unrecht, das gegen alle Bestimmungen der deutschen wie der völkerrechtlichen Gesetze veretiess, ganz offen zu begehen. Die tragischen Einzelheiten dieser Aktion sind wenig bekannt. Kurz darauf brachen neue, viel schlimmere Ereignisse über die Juden herein, die alles, was vordem geschehen war. in ., den Schatten stellen sollten. Dennoch kann die sogenannte Polen- Aktion nur a!ß eine Vorstufe betrachtet werden, ohne die alle späteren Massnahmen garnicht möglich gewesen und kaum verstanden werden können. Man hätte auch aus dieser Polen-Aktion wichtige Lehren ziehen können. In den Kreisen der Führung des damaligen deutschen Judentums bestand nicht der geringste Zweifel, dass die .nächsten wir selbst sein werden*. Nach einigen Transporten reagierte damals zwar die polnische Regierung nicht ohne Erfolg. Viele Trarasportzüge wurden an der Grenze angehalten und mussten von den deutschen Behörden zurückgeführt werden. Es war ein Vorgeschmack für kommende Ereignisse, wenn auch diese Transporte noch mit normalen Personenwagen durchgeführt worden waren. Wenn aber die polnische Regierung imstande war, die Rücktransporte zu erreichen, so könnte man daraus leicht die Konsequenz ziehen, dass bei einer Intervention mächtigerer Länder zu diesem Zeitpunkt noch grösseres Unrecht hätte verhütet werden können. Aber die .mächtigeren Länder* griffen nicht ein; sie schwiegen. Wenige Wochen nach der Polen-Aktion, die eine Art Generalprobe war, folgte vor 25 Jahren die Kristallnacht, in der das deutsche Judentum praktisch zertrümmert worden ist. in. Die blutige Bahn In der Kristallnacht, wie diese dunkelste Nacht in der sich über beinahe zweitausend Jahre hinstreckenden Geschichte der Juden in Deutschland heute allgemein genannt wird, wurde nicht allein das deutsche Judentum vernichtet. Hier beginnt das Ende des europäischen Judentums. Von hier aus führt die blutige Bahn durch alle Länder Europas, in welche die Nazis eingedrungen waren: Die Judenfrage war nicht nur ein Programmpunkt für die Neuformung des Dritten Reiches, sondern für die nazistische Welteroberung. Wer die Unrechtsgesetze, die Gewaltmaßsnahmen und die Gesamtpolitik der nationalsozialistischen Gewalthaber aufmerksam verfolgt, kann feststellen, dass die schrittweise durchgeführten antisemitischen Aktionen immer mit internationalen Maosnahmen des NS-Regimes parallel liefen. Auf den Boykott-Tag folgte alsbald der Austritt Nazideutschlands aus dem Völkerbund. Auf di« Nürnberger Gesetze folgte der offene Bruch der internationalen Abkommen über die deutschen Aufrüstungsbeschränkungen. Auf die Kristallnacht folgte der Ueberfall auf die CSR, um hier nur einige Beispiele heraußzugreifen. Das nazistische Regierungsprogramm war eine Einheit, getragen von einem Machtkoloss, von einem bis an die Zähne bewaffneten Land. Der deutsche Widerstand gegen diese allumfassende Vernichtungs- und Eroberungßpolitik, getrieben vom Wahn rassistischer Ueberlegenhsit — nicht nur über die Juden, in gleicher Weise gegenüber den Slawen, Franzosen, Italienern, trotzdem diese Bundesgenossen oder besser geisagt Handlanger des NS-Regimes waren, sowie vieler anderer Volksgruppen, — war immer gering. Es hätte eine Macht in Deutschland gegeben, die erfolgreichen Widerstand hätte leisten können: das Heer. Es blieb untätig. Es hätte auch mindestens eine Macht ausserhalb Deutschlands gegeben, die das Unglück hätte verhüten können: die Kirche. Sie aber festigte in entscheidenden ^Augenblikken die Stellung der Hitler- Regierung durch das Konkordat. Alle aber unternahmen nichts, auch dann nichts, als die jüdischen Gotteshäuser in Deutschland brannten. So nahm die blutige Geschichte ihren Lauf. Sechs Millionen Juden ausser vielen Millionen Söhnen anderer Völker wurden dahingeschlachtet. IV. Professoren gegen die Wahrheit In diesem Jahr wurden verschiedene neue Bemühungen unternommen, um den geschichtlichen Ablauf umzudeuten, die Verantwortungen zu verlagern und die | Tatsachen zu entstellen. Dass von interessierter Seite, ir.ßbesondere von der» ehemaligen Akteuren und Kriegsverbrechern, seit langem versucht wurde, zur eigenen Entlastung andere Verantwortlichkeiten zu be- EIN PROFESSIONELLER „ZEUGE" Dortmund. — Ein deutscher Kriegsveteran, der sich sozusagen beruflich damit beschäftigt, in Kriegsverbrecherprozeßsen als Entlastungszeuge für des Judenmordes angeklagte Nazis aufzutreten, wurde wegen Meineids zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Der Mann, ein gewisser August Herder aus Bayern, hatte in mehreren Verfahren in den Jahren 1960 und 1961 ausgesagt, er habe „mit eigenen Augen gesehen, wie ein SS-Mann hingerichtet wurde, weil er sich weigerte, an Judenerschießsungen teilzunehmen“. Dies führte jedes Mal unweigerlich dazu, dass dem Angeklagten seine Entschuldigung geglaubt wurde, er hätte unter Zwang gehandelt, da er fürchten musste, dass seine Weigerung, sich an den Judenmorden zu beteiligen, dazu führen musete, dass er selbst erschossen würde. Jetzt hat das Gericht festgestellt, dass Herder in allen Fällen gelogen hat, denn die Beweise haben ergeben, dass er nicht einmal an den Orten gewesen war, die er in seinen Auslagen erwähnt hatte. (ITA) LA SEMANA ISRAELITA Semanario — aparece los Viernes, Editado por Estrellas Editorial Ltda. Verantwortlich: Dr. Hardt Swarsensky Puerredón 2190. 1? tzq. T. E. 83-2613 Abono Preise: Argentinien: $ 100.— pro Quartal Ausl. S 600.— jährl. | gründen und die Schuld von sich abzuwälzen, mag noch als verständlich hingenommen werden, wenn man sich auch hiergegen zu wehren hat. Die Feststellungen der Wahrheit gegenüber solchem Unterfangen ist keineßwegs eine Sache der Juden allein. Aus früheren Zeiten sind uns auf anderen Gebieten solche Bestrebungen bekannt; die berüchtigte Dolchstoss - Legende, die nach dem Weltkrieg Nr. 1 aufgebracht wurde, gehört in diesen Zusammenhang. Vor einiger Zeit musste man aufhorchen, als eine jüdische Professorin für Soziologie. Frau Har.nah Arendt, plötzlich mit ganz neuen Theorien auftauchte, die sich beinahe auf den einfachen Satz zurückführen Hessen, dasß nicht der Mörder, sondern der Ermordete schuldig sei. Ausgerechnet der Eichmann-Prozess in Jerusalem bildete für sie den Ausgangspunkt ihrer verschrobenen Gedankengänge. Gegen die Ausführungen Hannah Arendts ißt schon viel geschrieben worden, sodass wir uns hier mit der Feststellung begnügen können. dass derartige Exkursionen in den Selbsthasß nur als eine bedauerliche Fehlleistung betrachtet werden müssen. Dass Hannah Arendt eine Fülle von schweren Irrtümern ihren Betrachtungen zugrunde gelegt hat, ist bereits von viei len berufenen Autoren unter- 1 strichen worden. — | Nun hat eich auch ein j deutscher Professor namens Hofstätter zu Wort gemeldet, der gegen den Begriff der ..unbewältigten Vergan genheit“ polemisiert, der im übrigen von jungen deutsehen Schriftstellern geprägt worden ist. Hofstätter, Ordinarius für Psychologie an der Hamburger Universität, wendet eich zunächst dagegen, dass die Wissenschaft sich mit dieser Vergangenheit beschäftigt. Er plädiert für eine Generalamnestie und meint, es wäre garnichts damit getan, selbst Hitler, wenn er heute auftauchen würde, zu prozesßieren. Die Wiederherstellung des Rechtes, vor allem aber die Erneuerung des Rechtsbe- | wusstseins sind für diesen! Professor keine erstrebensj werten Ziele, sonst könnte er nicht auf diese billige , Weise einen Sehlusstrich ziej hen wollen, der selbst dann! nicht gesetzt werden könn- | te. wenn alle es wollten. Denn das Gewisßen ist stärj ker als solche Vorhaben, die nur der Verdunkelung und , damit neuem Unrecht zu dienen geeignet sind . Gegen Hofstätter wurde von verschiedenen einflussreichen Persönlichkeit und Zeitungen in der Bundesrepublik Deutschland scharf polemisiert. Wir wollen uns hier nur mit einer seiner Behauptungen kurz auseinandersetzen. Versteigt sich doch der Herr Professor zu der Behauptung, die gegen die Juden ergriffenen Massnahmen seien eine Art Kriegshandlung gewesen. — Gegen diese These mit aller Schärfe zu protestieren, wäre eigentlich in erster Linie Pflicht der Deutschen. Denn bisher hat noch keine Armee ihre Aufgabe darin gesehen. Männer, Frauen und Kinder zu vergasen oder auf andere bestialische Weise zu ermorden. Im übrigen gibt es auch im Krieg gewisse Gesetze, die von den feindlichen Par- | teien befolgt werden müs- I sen. Diese Kriegsgesetze i nicht zu beachten, ist allein 1 schon ein Verbrechen. I Gegen solche Geschichtsklitterung und gegen die Entstellung der Tatsachen Front zu machen, ist eine Verpflichtung aller, die für eine bessere Zukunft arbeiten, damit sich die von den Nazis begangenen Brutalitäten niemals und nirgends wiederholen dürfen, gegen wen sie auch gerichtet sein mögen. — Dr. J. P. Kroll Bieber INNERE MEDIZIN u. RHEUMATISMUS Arzt am Hosp. 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