Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 24 (1963)
- Issue
- 2033 (11.8.1963)
- Date
- 1963-08-11
- Page
- [Seite 1] (sequence 1)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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PUEYRREDON 2190 — 1? izq. IaJè*nxataJsAjCielita T. E. 83-2613 AÑO XXIV BUENOS AIRES, VIERNES 11 DE OCTOBRE DE 1963 No. 2033 Schwierigkeiten der anderen Die arabische Welt stellt keineswegs einen einheitlichen Machtfaktor dar. Dies ist keine neue Erkenntnis, muss aber immer wieder in Anbetracht der einheitlich vorgetragenen Angriffe gegen den Staat Israel unterstrichen werden, die besonders häufig und heftig in den Zeiten lanziert werden, in denen die UN zu ihren Generalversammlungen zusammentreten. Die grossen Rivalitäten zwischen verschiedenen arabischen Staaten sind meist auf Gegensätze zurückzufiihrer, die seit Jahrhunderten, wenn nicht seit Jahrtausenden bestehen. Der ständige Machtkampf um die Hegemonie im arabischen Lager — oder genauer gesagt, im vorderorientalischen Raum — der in den letzten Jahren insbe»sondere zwischen Aegypten und dem Irak ausgetragen wurde, hat trotz verschiedener äusserlicher Verbrüderungs - Handlungen nicht an seiner alten Schärfe verloren. Nasser, der sich heute für den starken Mann im arabischen Lager hält, wobei es dahingestellt bleiben kann, ob die Aegypter wirklich Araber sind, wird von vielen zwar aner kannt, von ebenso vielen arabischen Führern aber von B. B. SAMUEL abgelehnt. Seine Stellung in | der internationalen Politik. | in der er sich durch eine i doppelzüngige Haltung so- | wohl bei den Amerikanern j wie bei den Russen Sympa thien zu sichern verstand vermochte jedoch nicht, die Einheitlichkeit der arabi-; sehen Aktion herzustellen. Der jüngste Nasser-Bundesgenösse, der algerische Dikj tator Ben Bella, hat mit , erheblichen Schwierigkeiten im eigenen Lande zu kämp-! fen, sodass seine Möglich- : keiten sich im Augenblick auf Sympathiebezeugungen für Nasser und die ..allgemeine arabische Sache1 beschränken, jedoch nicht in e'nem konkreten Beitrag bestehen. Die Ryfkabylen haben sich gegen Ben Bella erhoben. Wenn auch die Aus sichten nicht überragend sind, dass hierdurch die Position Ben Bellas ernstlich gefährdet wird, kann man doch nicht Voraussagen, welche Folgen dieoer Aufstand haben wird, selbst wenn er im Augenblick niedergeschlagen werden sollte. j Bedeutend ernster dürfte 1 der Konflikt zwischen Algier und Frankreich sein, der von Ben Bella durch seine : Sozialisierungsgesetze er neut heraufbetschworen wurde. Die Reaktion der französischen Regierung bleibt abzuwarten. Da die Stellung Frankreichs heute viel stärker und fester ist als in den Tagen, da der Kampf um die „Befreiung Algeriens“ tobte, wird Ben Bella wohl vorsichtiger als bisher Vorgehen miisoen. Frankreich darf bei diesen Auseinandersetzungen mit der offenen Sympathie des marokkanischen Königs rechnen, dem das Programm der Sozialisierung Ben Bellas wenig zusagt. Auf die Spannungen zwischen dieeen beiden nordafrikanischen Nachbarländern deuten auch verschiedene Erklärungen Ben Bellas hin, der den Marokkanern Sympathien und Hilfeleistung zugunsten der algerischen Rebellen vorwarf. In diesem Jahr war der libysche Premier- und Aussenmininter der erste, der einen Angriff in den UN gegen Israel richtete. Er hat damit nur seinem gefährlichen Nachbarn Aegypten einen Gefallen erweisen wollen. Grössere Bedeutung dürfte diesen Attacken jedoch nicht beizumessen sein. WIE ICH ES SEHEZ Die schrecklichen Jahre von JEHUDA GGTTHE1MER Die lange Kette Generationen werden vergehen, aber man wird immer noch über jene schrecklichen Jahre sprechen, in denen ein Volk im Herzen Europas in die Barbarei zurückfiel und Millionen Menschen in grausamer Weise ermordete, nur weil sie Juden waren. Wie könnten wir jemals diese Zeit vergessen, wie könnten wir sie innerlich überw'nden, die wir Kinder, Eltern, Brüder und Schwestern dieser Unglücklichen gewesen sind die zur Heiligung des göttlichen Lebens den Märtyrertod starben. Aber nicht nur wir können diese Schrecken nicht aus unserem Bewusstsein auslöschen, dies vermögen auch diejenigen nicht, die dabei. waren, deren Eltern oder Kinder ihre Hand zu diesem j grausigen Geschehen leiste- I ten oder die gar selbst an den Verbrechen beteilig* ge- I wesen sind. Die .nicht über- : wuidene Vergangenheit* laj stet auf einer neuen Ge- | neration, die eine tragii sphe geschichtliche Erbschaft übernommen hat. In-; mitten einer aufgewühlten Welt, die im wesentlichen \ die Wunden noch nicht zu 1 sehliessen vermochte, die damals geschlagen wurden. | verstummt die Stimme dr.s : Gewissens nicht, die nach . Klarheit, nach Wahrheit, nach Sühne und nach Läute ' rung verlangt. Eiten kleinen Widerspiej gel dieser politischen, aber auch seelischen Situatior. in j welcher sich alle beteiligten NEU! GEFAEHR DROHT VON IRAK Tel Aviv. — Hier wurde auf die Möglichkeit hingewiesen. dass irakische Truppen an der israelischen Grenze konzentriert werden könnten, nachdem Syrer und Iraker den Beschluss gefasst haben ihre Heere luter einem Einheitskommando zu vereinigen. Gutinformierte israelische Kreise betonen, dass dies den Status an der Grenze ändern würden, da Irak nach Beendigung der Kämpfe im Jahre 1948 kei nen Vt affenstillstand mit i Israel abgeschlossen hat Damals beteiligten sich irakische Einheiten am Krieg und erlitten erhebliche Verluste, aber Irak weigerte sich, ein Abkommen zu unterzeichnen mit dem Einwand, es besitze keine gemeinsame Grenze mit Israel. und zeigte sich nur bereit, seine Truppen zurück zuziehen. Die Aufstellung irakischer Einheiten an der syrisch-israelischen Grenze wäre eine Veränderung des Status quo der durch den Waffenstillstand mit Syrien geschaffen wurde, denn dieser Vertrag V;t für Irak nicht bindend. Tn diesem Zusammenhang wird unterstrichen, dass Iraks Präsident Abdel Aref bei der Ankündigung der Vereinigung beider Armeen erklärte, dies geschehe mit dem Ziel, den israelischen Plan der Abteilung der Jordanwri'ser zu verhindern. (ITA) Völker, auch diejenigen, die vielleicht als allzu unbeteiligte Zuschauer diesem Geschehen gegenüberstanden heute befinden, bildet die kaum noch übersehbare Literatur über diese Zeit, die mit dem Ende des Ersten Weltkrieges begann, mit dem Zusammenbruch des Dritten Reiches nach der Zweiten Weltkatantrophe einen Abschluss fand, aber heute noch nicht als .überwunden1 betrachtet werden darf. Wenn man die historischen Zusammenhänge — unter welchem Aspekt auch immer — begreifen will, müsste mm weit zurückgreifen. Es genügt keineswegs. mit der Frühzeit dec Nationalsozialismus zu beginnen, mit jenen obskuren Versammlungen in Münchner Bierstuben oder den Machenschaften der Landsknechte und Reaktionäre, die nach einer Niederlage im Felde den Lauf der Geschichte zurückschrauben wellten und gegen die Gedanken der Freiheit und Gleichheit Sturm liefen, bis dann in der Nacht vom 30. Januar 1933 das Unheilnregime zur Macht kam, das unsägliches Leid über alle Nationen der Erde brachte. Wenn man nur denjenigen Auschnitt dieser trostlosen Geschichte untersuchen will, der sich auf jüdisches Schicksal bezieht, auch dann kann man sich nicht damit zufrieden geben, nur diese Jahrzehnte des nationalsozialistischen Aufstiegs und der hitleristischen Maclbent faltung zu studieren, sondern murr, auf die fernere Vergang. nh?it zurückgreifen, auf die Geschichte der antijüdischen Strömungen seit der Zeit der Juden- Emunzipation in Europa. Wie weit diese Stimmungsmache gegen fcra-el Einfluss auf die Generalversammlung haben wird, muss abgewartet werden. Eine Ueberraschung stellt dieser verbale Ausfall keineswegs dar. Inzwischen gab die Arabische Liga, die wieder einmal zu einem wahrscheinlich nur kurzen Scheindasein erwacht ißt, eine Bekanntmachung heraus, sie werde eine Delegation des „Arabischen Palästina“ in die Generalversammlung der UN unter Leitung des früheren sauditischen UN-Delegierten Ahmed Sukairy entsenden. Ahmed Sukairy ist als einer der übelsten .Hetzer gegen Israel bekannt. Seine Reden und Anträge in den UN haben zu massiven Protesten anderer Mächte geführt, so dass er schliesslich als Sprecher Saudi Arabiens zurückgezogen werden musste. Gegen ihn wandte eich jetzt auch der Exmufti, einer der engeren Mitarbeiter Hitlers und Himmlers, der ein „Hohes Arabisches Comité“ präsidiert, das zur Zeit seinen Sitz in Beirut hat. Der Mufti wandte sich gegen die Konkurrenz, die ihm von Seiten der Arabischen Liga und durch Ahmed Sukairy gemacht wird. — Irgendwelche Bedeutung dürfte weder das eine noch das andere Comité haben.— Zu einer stärkeren Beunruhigung durch den bisherigen Verlauf der Generalver l Sammlung dürfte keine Veranlassung vorliegen. Wie man erfuhr, soll der UN- Generalsekretär U Thant die Absicht haben, die in Israel stationierten UN-Truppen zu reduzieren. Hierüber zeigte man sich in Israel wenig besorgt, erklärten die Kreise, die dem israelischen Aussenministerium nahestehen.! Dies dürfte als ein gutes; Zeichen dafür aufgefasst | werden, dass eich Israels j Position weiterhin verstärkt hat. —! Man wird unschwer feststelj len, dass beinahe alle von! den nazistischen Machthabern propagierten „Ideen“ I des Hasses, der Verleumj düng und der Vernichtung Glied einer langen Kette anj tisemitischer Bewegungen, Schriften und Aktionen sind, , die sich durch das 19. Jahr-! hundert hinziehen, bis sie nach einem verlorenen Krieg | bisher unbekannte und nie : mäls geahnte Ausmaöse an- I nahmen. I Wenn man wirklich ver- I stehen will, was in unseren | Tagen geschah, muss man! sich in diese Vergangenheit vertiefen. II. Die ersten Aktionen Gewiss sind die antijüdiischen Aktionen in Deutschland bereits vor dem Beginn des nationalsozia istisehen Regimes mitunter von I der Regierung oder ihr nai hestehenden Kreisen gelenkt; worden. Dies war z B. in gewissen Zeitabschnitten der! Bi.smarckschen Aera der Fall. Niemals zuvor hatte l aber eine Regierung die Judenfrage zum Programm ihrer eigenen Politik gemacht. : Die Nazis haben jedoch I schon in ihren Anfängen keinen Zweifel darüber gelassen, dass für sie die Judenfrage ein wichtiger, vielleicht sogar entscheidender Zur Frage der Beziehungen von JAKOB KATZ-ROGASEN Viele haben wohl damit gerechnet, dass der deutsche Bundeskanzler, Dr. Konrad Adanauer, seine Amtszeit mit der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen der Bundesrepublik und Israel abcchliessen oder gar „krönen“ würde. In wenigen Tagen läuft die Frist ab, die sich Adenauer selbst für die Weiterführung seines hohen Amtes gestellt hatte. Mitte Oktober wird re zurücktreten und die Bahn der „Jugend“, verkörpert durch den bisherigen Wirtschafteführer Prof. Ehrhard freimachen. Von der Aufnahme der Beziehungen wurde nicht mehr gesprochen. In den letzten Monaten haben verschiedene deutsche Politiker, vor allem der Präsident des deutschen Parlaments, Dr. Eugen Gerstenmaier, aber auch der viel umstrittene ehemalige Verteidigungsminicter Strauss als Land und die Regierung Israels besucht. Beide haben sich übrigens für die Aufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen den beiden Ländern ausgesprochen. Beide sind von der Bevölkerung Israels mit grösster Zurückhaltung, von manchen Teilen mit offener Ablehnung, empfangen worden. Als Gerstenmaier in Ludd landete, traf er Demonstranten, die Schilder trugen wie „Die V-2- Männer bauen heute Vernichtungswaffen für unsere Feinde... Sage Deiner Regierung, sie soll die deutschen Raketenforscher aus Aegypten zurückhol :n“. Gerstenmaier hat hierüber ebenso wie die deutsche Presse berichtet. Die Raketenforscher arbeiten noch immer in Aegypten... Bekanntlich läuft der deutsche Israelvartrag bald ab. Dann wird auch die Israelische Handelsmission in Köln, die bisher eine Art diplomatischer Vertretung darstellte — Dr. Shinnar als Leiter dieser Mission steht im Range eines Botschafters —. ihre Pforten sehliessen. Damit ist die einzige Brücke zwischen den beiden Ländern abgebrochen. Der wesentliche Grind, der die deutsche Regierung bisher von der Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit Israel zurückhält, ißt die arabische Drohung der Anerkennung Ostdeutschlands (Pankows, wie es in der westdeutschen Sprache heisst) durch die arabischen Staaten. Dam müsste die Bundesrepublik ihre Beziehungen zu diesen arabischen Ländern abbrechen, wie es die sogen. Hallstein-Doktrin verlangt. Deutsche Kritiker meinten, es gehöre zu den besonderen Kunststücken bundesdeutscher Diplomatie, wie sie es verstanden habe, durch die Hallstein-Doktrin anderen Leuten Bedingungen vorzuschreiben, durch welche sie sich selbst die Hände bindet. Jedenfalls hat sich die Bundesrepublik durch diese Doktrin Fesseln für ihre eigenen Aktionen auferlegt, woran nichc zu zweifeln ist. Diese Betrachtungen sollen mit einer Stellungnahme abgeschlossen werden, die kürzlich in einer deutschen Zeitschrift zu lesen waren: „Merken wir (die Deutschen) überhaupt, dasn der Kredit, den uns die Wiedergutmachungszahlungen schufen, auf solche Weise verspielt werden könnte? Oder glauben wir, die fragliche Schuld (gegenüber dem jüdischen Volke) lasse sich allein durch Geld begleichen?“— | Regierungsmmsnahmen bil- 1 den werde. Man hat es ihi nen nicht geglaubt. Der Ge- ¡ danke an einen Rückfall in das .finstere1 Mittelalter, das übrigens niemals so finster wie unsere Gegenwart gewesen ist, wurde nur von wenigen als eine drohende Realität hingenommen. Die überwiegende Mehrheit — keineswegs nur bei den Juden — neigte zu der Auffassung, dass es sich vorwiegend um Propaganda-Parolen und Schlagwörter handeln würde, die mit der Regierungsübernahme durch die NSDAP abgedämpft oder ganz aufgegeben werden würden. Sicherlich spielte der Rechtstaatsgedanke hierbei eine entscheidende Rolle. Es lag ausserhalb jeden staatsbürgerlichen Denkens, dass die Garantien der Verfassung und die in zahlreichen Gesetzen verankerten Rechte mit einem Federstrich aufgehoben werden könnten. Man fühlte sich sicher, zu- I mal das kulturelle Erbe und j die durch Jahrtausende ge- | wordene Zivilisation gewisse Friedhoefe geschaendet Atlantic City. — Drei jüdische Friedhöfe wurden während der jüdischen Hohen Feiertage von Vandalen heimgesucht, die 47 Grafcnteine umstürzten oder beschädigten. Die offizielle polizeiliche Bekanntmachung dieser Vorfälle geschah erst jetzt, da bisher keiner der Attentäter gefunden werden konnte. (ITA) Grundgesetze des menschlichen Zusammenlebens unantastbar gemacht hatten. Man konnte nicht anr.ehmen, dass die breiten Massen, die selbst Jahrzehnte hindurch um ihre Gleichstellung und bürgerliche Freiheit gekämpft haben, in kurzer Zeit ihre eigene Vergangenheit vergessen und ein willenloses Konglomerat bilden würden. Unwillkürlich wird man an die Französische Revolu- (Schluss auf Seite 2) Punkt bei ihren praktischen Ben Gurion wurde 77 Jahre alt Sde Böker. — David Ben Gurion feierte seinen 77. Geburtstag. Er empfing an diesem Tage die Glückwünsche zahlreicher Besucher und nahm an der Feier der Grundsteinlegung für eine Bibliothek teil, die das erste Gebäude für eine grosse israelische Universität darstellt, welche im Laufe von fünf Jahren für rund tausend Studenten im Negew errichtet werden soll. Für diese Bibliothek wurden schon verschiedene Spenden geleistet, einschliesslich von der Bne Brit und der Histadrut der USA. Die Besucher, die in Autos eintrafen, wurden hi gewisser Entfernung von Ben Gurions Haus durch eine Tafel aufgehalten, auf der zu lesen stand: „Wenn dei Alte zu Fuss läuft, so können Sie auch laufen. Lassen Sie Ihr Auto hier und gehen Sie zu Fuss weiter“. Im Speteesaa! wurden Fruchtsäfte gereicht und die Gratulanten tranken auf das Wohl des Jubilars. Die Histadrut veranstaltete einen Festakt, bei dem Generalsekretär Aharon Becker die Herausgabe eines Bandes von Schriften Ben Gurions über die israelische Arbeiterbewegung ankündigte. Auch im Mapaiburo fand eine Festveranstaltung statt, die Ministerpräsident Levi Eshkol präsidierte und bei der ein Filmstreifen ..Ben Gurion — der Mann und seine Zeit“ vorgefuhrt wurde. (ITA)