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Jüdische Wochenschau · 1963-10-04 · 2032 (4.10.1963) · p. [Seite 8]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
24 (1963)
Issue
2032 (4.10.1963)
Date
1963-10-04
Page
[Seite 8] (sequence 8)
Language
German, Spanish
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8 — Viernes, 4 de Octubre de 1963 LA SEMANA ISRAELITA Año XXIV. No. 2032 Aufschwung und Stahilitaet I Südafrika und Israel In dem soeben zu Ende gegangenen Jahr 5723 setzte sich der wirtschaftliche Aufstieg Israels weiter fort, und es sprechen alle Anzeichen dafür, dass er auch in die sem Jahr seinen Fortgang nehmen wird. Als wichtigstes Moment darf angesehen werden, dass es heute in Israel praktisch keine Arbeitslosigkeit mehr gibt, ja dass in einer Reihe von Berufen, besonders in solchen, in denen eine spezielle Ausbildung verlangt wird, Mangel an geeigneten Arbeitskräften herrscht. Diese günstige Lage am Arbeitsmarkt erleichtert natürlich die Einordnung der unvermindert starken Alija. Dies gilt auch im besonderen für die sich jetzt stärker auswirkende Einwandederung aus den lateinamerikanischen Ländern ebenso wie aus den USA und England. STABILE PREISE UND STEIGENDE PRODUKTION Mit besonderer Genugtuung kann festgretellt werden dass den Bemühungen der Regierung, zu einem stabilen Preiaiiveau zu gelangen, ein voller Erfolg beschieden war. Im abgelaufenen Jahr musste infolgedessen auch nur einmal — im Januar 1963 — eine Teuerungszulage in Höhe von 6,3 Prozent auf Löhne und Gehälter bewilligt werden, während im Juli eine solche entsprechend dem nur wenig erhöhten Lebert,: ha ltungsindex unterbleiben konnte. von Dr. KURT 0TTENS00SER (Israsl) Die industrielle Produktion konnte weiter in schnellem Tempo erhöht werden, und sie gehört zu den höchsten in der westlichen Welt. Leider allerdings ging ein sehr grosser Teil der zusätzlichen Produktion angesichts der starken Nachfrage nach Waren aller Art in den lokalen; Markt und nicht in den Ex-1 port, wie man gehofft hatte. Die starke Kaufkraft der Bevölkerung, die sich in einem ununterbrochenen Ansteigen des Geldumlaufs (Bargeld zuzüglich kurzfristige Bankdepositen) bemerkbar macht, beunruhigt die zuständigen Stellen, die fürchten, dass dieser Druck ßich inflationeil auswirkeci könnte. Das schnelle Ansteigen des Zahlungsmittelumlaufs ist zu einem sehr grossen Teil auf das EinfHessen von Geldern aue dem Ausland zurückzuführen, sei es in Form weiterer Investi-1 tionen, sei es durch Ueber- Weisung von Entschädigungsgeldern aus Deutschland. Allerdings haben dadurch die Devisenreserven des Lan des eine Höhe (rund 600 Millionen Dollar) erreicht, wie noch nie seit Bestehen des | Staates. Dies führte zu einer! beträchtlichen Liberalisie; rung des Aussenhandete und einer Erhöhung der Freigrenze von Devissn für Auslandsreisen, -die im letzten Jahr einen besonders starken Umfang angenommen hatten. Glücklicherweise steht dem aber auch eine HOTEL ARMON ISRAELS SCHQENES TOURISTENHOTEL Die beste Küche Angenehmer Aufenthalt \ Tel Aviv, Jarkonstr. 90 Tel. 23711 \ (Vorherige Zimmerbestellung ist unbedingt erforderlich) HOTEL DAPHNE IHR HOTEL IN HAIFA - Israel VORHERIGE BESTELLUNGEN RATSAM HAIFA. Hadar Hakarmel, Nordausfr. wachsende Touristik gegenüber, und die Zahl der Gäste aus dem Ausland hat sich um 25—30 Prozent erhöht. Beträchtlich stiegen auch die Einnahmen aus der Touristenindustrie. EINE GUTE ERNTE Abgesehen von der vorzüglichen Zitrussaiscu. die Rekordeinnahmen mit eich brachte, konnte die Landj Wirtschaft sehr befriedigen- : de Ernten einbringen und damit einen wesentlichen Beitrag zur Preisstabilität leisten. Dank der guten Ernten und den Subsidien, die die Landwirtschaft vom Staat erhält, stiegen die Preise für Gemüse und Obst nur um 2,5 Probent, während die Produktionskosten der Landwirte selbst sich um 7,7 Prozent erhöhten. Doch die befriedigenden Ernten lieferten einen Ersatz dafür. Aber auch in Israel sieht sich die Landwirtschaft einer Revolution in Produktion und Absatzmöglichkeiten gegn-eüber und ist im Umbau begriffen. FINANZ- UND INDUSTRIE GESELLSCHAFTEN ¡ j Banken, Finanzinstitutio- \ neu und auch die Industrie wussten von der Kapitalfü! I Je Gebrauch zu machen und benützten die Börse von Tel ' Aviv zur Erhöhung des Aktienkapitals durch die Emission neuer Aktien. i In aUen diesen Fällen wur-1 den die aufgelegten Emissio- ¡ nen sehr stark überzeich-! neü, oft um mehr als das : zehnfache, obwohl nach den jetzt an der Börse einge-! führten Beetimmungen die Hälfte des Gegenwerts der Zeichnung sofort bar hinterlegt werden muss. Es ist be-; zeichnend für die Höhe des j dafür zur Verfügung stehen- ¡ den Kapitals, dass di« star- | ke Ueber Zeichnung der Neuemissionen durch eine schwächere Haltung an der Börse — ein natürlicher Rückschlag nach der starken vorausgegangenen Hausse — nicht gestört wurde. Auch der Staat konnte die Kapitalfülle ausnützen und grosse Millionen - Beträge kurzfristiger Anleihen am Markt placieren. UNABHAENGIGKEITS BONDS Im Mai 1963 wurde die erste Serie der Israel-Unabhängigkeits-Bonds fällig, die prompt zur Rückzahlung kam, wenn auch viele der Inhaber solcher Papiere sich hierfür neue Bonds erwarben. Der Verkauf der Bonds begann im Mai 1951 und erreichie im Laufe der Zeit einen Betrag von über 509 Millionen Dollar. Dies ist ein Erfolg, wie er in der Finanzgeschichte bisher einmalig deoteht. Noch nie vorher hatte ein so kleiner und junger Staat wie Israel einen solchen Betrag Anleihsbonds im Ausland absetzsn können. Dieser Erfolg ist dem Vertrauen zu verdanken, das sich Israel im amerikani scheu Publikum und besondere innerhalb der amerikanischen Judcnheit zu erwerben gewusst hatte. Die Bondsaktion, die seinerzeit von dem damaligen Ministerpräsidenten David Ben Gurion initiiert wurde, ergriff nicht nur weite jüdische, sciederneouch nichtjüdisehe Kreise und konnte jetzt auch auf viele andere Länder, wenn dort auch in kleinerem Umfange ausgedehnt werden. Den ursprünglichen Un abhängigkeitstoends folgten dann die Entwicklungsbonds, die ihren Inhabern eine Verzinsung von 4 Prozent sichern. Sie können aber auch vorzeitig in Israel-Pfunden zurückgezahlt werden, wenn ihr Besitzer den Gegenwert zur Bestreitung einer Israel- Reise oder zu Investitionen im Lande benützen will. Der Kur,3 bewegt sich heute in der Nähe des Pariwertes, und ein Drittel der Bonds kamen zur vorzeitigen Einlösung. davon 67 MilHonen Dollar-Bonds, die die Jewish Agency und andere nationale Institutionen als Spenden erhalten hatten. AUSSENHANDELSBILANZ Im ersten Halbjahr 1963 konnte das Defizit in der Handelsbilanz Israels um 44 MilHonen Dollar auf 120 Milj lionen Dollar reduziert werden. Die Einfuhren Israels; waren in dieser Periode mit , 63 Prozent durch die eigei neu Exporte gedeckt, gegen-! über nur 48 Prozent in der j | gleichen Periode des Vorjahj; res. | Die Exporte waren im er- ' sten Halbjahr 1963 um 53 I MiUionen Dollar gestiegen, i Davon entfielen 39 Prozent auf den landwirtschaftUchen i und 61 Prozent auf den in- ' dustriellen Export. Israel hat nun seines Exportes wegen grosses Interesse an den Verhandlungen mit der EWG (Europäische Wirtschafts - Gemeinschaft), die Mitte September in Brüssel fortgesetzt werden sollten. Aber auch an der ,,Ker.nedy Runde“ zur Herabsetzung der Zölle im Rahmen der GATT ist Israel sehr interessiert. Mit berechtigter Zuversicht konnte Israel in das Jahr 5724 eintreten und auf eine weitere günstige Wirtschaftsentwicklung hoffen. (Schluss von Seite 1) bischen Flüchtlinge nicht zulassen. Wenn die israelische Regierung in Schwierigkeiten geraten sollte, weil oie ihre Freunde falsch gewählt hat. so wird Südafrika ihr schwerlich nochmals helfen, denn nach ihrem jetzigen Verhalten kann sie wohl nicht hoffen, dass ihr aus Südafrika nochmals Hilfe kommen werde“ DIE REAKTION IN ISRAEL Tel Aviv. — Fast alle israelischen Zeitungen beschäftigen sich in ihren Leitartikeln mit der Verschlechterung der Beziehungen zwischen Israel und Südafrika Die Mehrzahl der Leitartikler billigt die von der israelischen Regierung ergriffenen Massnahmen, einschliesslich den Beschluss, keinen Nachfolger für den abgerufenen Israel-Botschafter in Südafrika zu entsenden. Inzwischen wurde hier bekannt, dass Simcha Pratt, der auß Pretoria in die UN versetzt wurde, zum Botschafter in Mexiko ernannt werden soll. Die Liberale Partei kündigte die Anberaumung einer dringenden Sitzung ihrer Abgeordneten an, um über die geplante Einstellung der El Al-Flüge nach Südafrika zu beraten. Der Generalsekretär der Partei. Jizchak Arthi, vertrat den Standpunkt, dass nach Ansicht der Liberalen die ven der Regierung gegen Süd afrika verfügten Massnahmen äusserst gewagt wären und selbst gewisse afrikanische Staaten nicht derart [ extrem wie Israel vorgegan- | gen seien. Er erklärte, mit Rücksicht auf die über I 100.000 in Südafrika leben- , den Juden dürfe Israel sich ' nicht an die Spitze der Länder stellen, die für ein Wirtschaftsembargo gegen Südafrika eintreten. i ERNST UND TRAGISCH New York. — Israels Aussenminister Golda M-eir entgegneie auf e.'ne ihr in einem Televisionsprogramm ’ gestellten Frage, Israel befürworte nicht den Ausschluss Südafrikas aus den Vereinten Nationen wegen seiner Politik der Apartheid. Das Interview wurde ira Rahmen einer Sendung über Erziehungsträger! veranstaltet, die hauptsächUch Themen der Zusammenarbeit Israels mit den neuen afrikanischen Staaten auf dem Gebiet der ökonomischen und sozialen Entwicklung behandelte. Eine der Frau Meir gestellten Fragen bezog sich auf die Kritik, die der süd- ' afrikanische Ministerpräsi- | dent in seiner letzten Rede . an Israel geübt hat. Sie ant | wortete. dass dieser Fall eine ..errste und tragische Situation“ geschaffen habe, und fügte hinzu: „Ich bedauere, dass der Ministerpräsident unsere Position j nicht versteht Das jüdische i Volk ist über jede Art von . rassischer oder religiöser | Diskrimination besorgt, wo! auch immer diese Frage auftaucht. Wir können nicht i einfach ruhig zusehen und ' die Apartheid akzeptieren.“ Unser Mitarbeiter Kurt Kaiser-Blüth INDUSTRIAL & COMMERCIAL BANK (ISRAEL . LATIN AMERICA) LTD. INCOBA INVESTMENT & TRUST. Co. Ltd. asociado con BANK IIAPOALIM TEL AVIV — ISRAEL INCOBA INVESTMENT & TRUST Cia. (GALERIA DEL OBELISCO) Äv. CORRIENTES 1146 T. Ei 35-8586 Unser langjähriger Mitarbeiter Kurt Kaiser-Blüth beging in der vergangenen Woche seinen 60. Geburtstag. Die Jüdische Wochenschau nimmt dieses Datum zum Anises. um einen Mann zu würdigen, der Zeit seines Lebens unermüdlich gegen j Faschismus und Nazismus i gewirkt hat. Schon in den j frühen zwanziger Jahren j entfaltete Kaiser-Blüth eine rege publizistische Tätigkeit. Er war der Herausgeber zweier Zeitschriften in Kassel und verantwortlicher politischer Redakteur und Leitartikler der berliner Tageszeitung ,,DLe Republik“, die unter der Leitung von Karl Vetter stand und zu deren Mitarbeitern Carl von Os sietzky, Emil Barth und Erich Weinert zählten. Er war Korrespondent für zahlreiche Zeitungen in Deutschland wie im Ausland. Als Hitler im Jahre 1933 an die Macht kam. gelang es Kaiser-Blüth, sich zweieinhalb Monate vor der Polizei in Deutschland zu verstecken, bis er nach Prag /Trp» »Urf*C*1* entkommen konnte. 1937 tjEafli ULi C/7 I Li l ■ wurde er ven den Nazis aus- Einer der Mitangeklagten in dem für Herbst vorgesehenen Prozess gegen den Euthanasie-Arzt Dr. Werner Heyde alias Fritz Sawade, der ehemalige Rechtsanwalt Dr Gerhard Bohne aus Düsseldorf, hat sich dem Zugriff der Jiwtiz durch Flucht entzogen. Der hessische Generalsiaatsanwalt Fritz Bauer gab in Frankfurt bekannt, dass Bohne „mit unbekanntem Ziel“ aus Düsseldorf abgereist und vermutlich „mit Hilfg von Gesinnungsgenorsen“ ins Ausland geflüchtet sei. Einzelheiten über die eingeleitete Fahndung gab Bauer nicht bekannt. Der geflüchtete Bohne und der ebenfalls mitangeklagte Dr. Hans Hofelmann werden auch der Mittäterschaft an den Massenvernichtungen von Geisteskranken beschuldigt. Im März war Bohne auf einen Beschluss des Limburger Gerichte nach dreieinhalbjähriger Untersuchungshaft vorerst auf freien Fuss gesetzt worden, weil ihn die Aerzte als haftunfähig bezeichneten. Er musste allerdings seine Ausweise abgeben und hatte ßich täglich auf der Polizei zu melden. Seit wann diese Meldungen unterblieb.!! waren, teilte der Generalstaatsanwalt nicht mit. gebürgert. Im Jahre 1938 kam er nach Paris, wo er schon im darauffolgenden Jahre bis Januar 1940 in verschiedenen Lagern interniert und schlieseHch nach der Nazi-Invasion Frankreichs von den Nazis verhaftet wurde. Er ging durch drei Gefängnisse, acht Konzentrationslagern und brach neun Mal aus, um sich in den kurzen Zeiträumen seiner Freiheit illegal im Widerstand zu betätigen. 1943 j wollten ihn die Nazis nach S Deutßchland deportieren, aber Kaiser-Blüth sprang iu I Limoges aus dem fahrenden Zug, wobei er durch Schüsse verletzt wurde. Die Fraiv- ■ zosen brachten ihn in ein | Hospital und schützten ihn | vor dem Zugriff der Gestát po. Nach seiner Genesung; schlcßs er sich den Maquis i an und stand i»i ihren Rei- | ben bis zur Befreiung Frank- I reichs. i Dies ist der Lebenslauf ei-! nes Kämpfers gegen Unj menschlichkeit und Unter- ' drückung, der auch beute i noch seine Feder führt, um i Misstände aufzuzeigen, die Unverbesserliche*! anzuprangern und zur endgültigen Ueberwältigung der braunen Vergangenheit beizutragen. | Mit dem Wunsch, dass i Kurt Kaiser-Blüth noch lani ge den Feldzug gegen die Gegner der Freiheit und Gerechtigkeit in jugendlicher j Frische führen möge, spricht die Jüdische Wochenschau,! auch im Namen ihrer Leser, dem Jubilar ihre herz-! Uchep Glückwünsche aus. Dr. MAX FLESCH Berater für Investitionen und Finanigeschaefte in tsrae \ — Lang- und kurzfristige Anlagen — Auskünfte jeder Art TEL AVIV, Israel — 18, Sasr*« Elliot Str. •¥'v.C Mi-,

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