Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 24 (1963)
- Issue
- 2032 (4.10.1963)
- Date
- 1963-10-04
- Page
- [Seite 9] (sequence 9)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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Viernes, 4 de Octubre de 1963 I, A SEMANA ISRAELITA Ai.c XXIV. — No. 2032 — 9 Rechte der russischen Tk W « mck in die Welt ' Die Lateinamerikanische Konferenz über die Lage der Juden in Russland, die vor kurzem in Rio de Janeiro stattfand, nahm eine Resolution an. in der folgendes zum Ausdruck gebracht wird: „Ermutigt von dem Abkommen über das Verbot von Atomexperimenten glau- ben die Teilnehmer an dieser Konferenz — Schriftsteller. Akademiker und Politiker —■, daGS es in dieser Atmosphäre internationaler Entspannung möglich und sogar leicht sein müsse, die Beschränkungen aufzuheben, unter denen unerklärlicherweise heute noch die Juden in Sowjetrussland leiden, deren im Jahre 1948 beschnittene Rechte trotz der Bestimmungen der sowjetischen Verfassung seit dem Tode Stalins bis heute noch nicht wiederhergestellt worden sind. Die Schliessung von Schulen und Theatern und das Verbot jiddischer Bücher und Zeitungen, das in der letzten Zeit der Stalinära absolut war, besorgt uns zutiefet, denn es wurde praktisch bis heutj aufrecht erhalten und bildet einen schweren Verstoss gegen das geistige menschliche Erbe. Dis Schwierigkeiten, denen dis Juden auf religiösem Gebiet begegnen, stehen nicht nur in Widerspruch zum Geist der Bibel sondern auch zu der Tatsache, dacs dis Sowjetunion die Herausgabe von Bibeln in den verschiedenen Sprachen der einzelnen Volksgruppen gestattete, aus denen Russland sich zusammensetzt. Hieraus ergibt sich der Widersinn, dass die Juden die Bibel nicht in der hebräischen Ursprache kaufen können. Es ist wohlbekannt, dass in der Sowjetunion Alphabete für Völker geschaffen wurden, die keine besassen, um ihnen den Ausdruck ihrer kulturellen Werte zu ermöglichen. So mit ist ee völlig unerklärlich, dass eine jahrtausendealte Kultur, die zu einem guten Teil in Russland selbst bereichert wurde, in ihrer normalen Entwicklung gehindert wird. Wir fordern keine bevorzugte Behandlung für die russischen Juden. Immer wieder haben sich Volk und Regierung Sowjetrusolands der sog. „Politik der Nationalitäten“ gerühmt, der es zu verdanken ist, den Zusammenhalt hunderter verschiedener Gemeinschaften zu wahren. Nur die Juden stellen die einzige Ausnahme dar. Obwohl die sowjetischen Gesetze die jüdische Nationalität anerkennen, ißt es den Juden versagt, als Juden zu leben. Wir berufen uns auf diese „Politik der Nationalitäten“ und auf den Artikel 123 der sowjetischen Verfassung, um ihre Anwendung auch auf die jüdische Minorität zu fordern. Der vierte Teil des ganzen jüdischen Volkes lebt beute im Gebiet der Sowjetunion. Dieße Menschen konnten die nazistischen Massaker überleben, der ein Drit- ] tel der Juden in der Welt zum Opfer fiel, und es ist tragisch, dass sie heute ihre! geistige Welt bedroht sehen, j Als Lateinamerikaner, in deren Ländern die Juden! Freiheit genieesen, ihr kul-! turelles und religiöses Ie- 1 ben zu entwickeln, richten wir einen freundschaftlichen; Appell an die Sowjetunion, | ihren jüdischen Bürgern im Sinne einer wahren Dsmo- 1 kratia die Möglichkeit zur i Wahrung ihrer Kultur und zur Ausübung ihrer Religion zu bieten. Wir ersuchen konkret darum, dass die jüdischen Schulen und Theater : wieder geöffnet werden, dass Zeitungen und Bücher wieder auf Hebräisch und Jiddicch herausgegeben werden dürfen, dass die Beschränkungen aufgehoben werden, damit die frommen Juden dem Glauben ihrer! Väter treu bleiben können, und dass denjenigen Juden, die durch den letzten Krieg | von ihren Angehörigen ge- ■ trennt wurden, die Erlaubj nis zur Auswanderung und; Wiederverinigung mit ihren I Familien erteilt wird.“ | Diese Resolution trägt die folgenden Unterschriften: j Oscar S:cco Ellauri, Cermán Arciniegas, L. Jiménez ¡ de Asüa, Außtrogesilo de i Athayde, Manuel Bandeira. Julio Barrenechea. Pedro Bloch, José María Chaves, Alfredo Pareja Diezcanseco, León Dujovne, Florencio Escardó, Bernardo Canaí Feijóo, Roberto Meza Fuentes. Eva Gilberti, Isaac Goldenberg, Moisés Goldman, I Ferm'n Estrella Gutiércz,! Martín Luis Guzmán, Jorge i Castro Hárrison, Jorge Ica- \ za. Roberto Ibañez. Sara de! Ibannez, Alceu de Amorceo Lima, Ilenrique Mindlin, Gerardo Molina, Arthur Ma-! ses, José Tomás Nabuco,! Pedro Benjamín Núñez José Peco, Carlos Pellicer,' Ma-! rio Planet, José Luis Romero, Apolinio Salles. José Nu- ¡ coto Sardi, Luis Emilio Soto, Aarao Steinbruseh, Anisio Teixeira, Erico Veresij mo, Carlos Sánchez Viamonte, Jorge Zalamea! MEMORANDUM Dr. GOLDMANNS j Paris. — Der in Paris un- ' ter dem Vorsitz ven Daniel Mayer tagenden Konfe- ' renz über die Lage der rus- ' sischen Judenheit lag ein | Bericht vor, den Dr. Nachum Goldmann ausgearbei- | tet hatte. Darin heisst es, das« offiziellen sowjetischen Quellen zufolge in den letz- | ten sieben Jahren 354 Synagogen in Russland geschlos- ( sen wurden. Wie aus den damaligen Angaben der So- ' wjetunien an dis UN-Sub-; kommission für die Verhütung der Diskrimination er-! sichtlich, ist die Genarntzahl 1 der Synagogen in Russland seit 1956 von 450 auf nur 96 . gefallen. Dies geht auch aus neuen sowjetischen Ziffern; hervor, die in offiziellen Verlautbarungen enthalten i sind, welche im laufenden Jahr zugänglich gemacht 1 wurden. Der ausführliche Bericht hebt hervor, dass „cg un- ■ möglich ist, einen ständigen Jom Kippur in den USA Newr York. — Der Synagogenrat von Nordamerika, in dem die grössten orthodoxen, konservativen und Rsformgemeinden zuGammengeschlosson sind, hatte den Jom Kippur als Nationaltag der Sorge um das Schicksal der russischen Juden erklärt. Rabbi Theodore Adams, der Präsident der Kommission für auswärtige Angelegenheiten des Rates, kündigte an, dacs ein dringliches Schreiben an rund 300 Rabbiner in den USA gesandt wurde, um diese zu ersuchen, ihre Gläubigen bei der Jom Kippur-Andacht über die ,.schwere Lage“ der Juden in Russland zu informieren. Rabbi Uri Miller, der Präsident des Synagogenrates, forderte alle jüdischen Organisationen zu einer gemeinsamen Aktion auf, „um zu verhindern, dafß unser Jahrhundert in die jüdische Geschichte als die Zeit eingehe, in der unsere Brüder in Russland vernichtet wurden“. (ITA) ' und langsamen Niedergang der Position der sowjet’- schen Judenheit zu verkennen, nicht nur in kollektiver-, nationaler und religiö- 1 ser, sondern auch in individueller Beziehung“. - „Die grosse Zahl rusßi- 1 scher Juden, die in den Prozessen wegen sog. Wirtschaftsverbrechen zum Tode verurteilt wurden,“ erfüllt die Juden mit einer tiefen Furcht“, heisst es. An anderer Stelle wird der Hoffnung Raum gegeben, da g „mit dem Fortschzeiten der Entstabilisierung auch das jüdische Problem einer Lösung zugeführt werden möge“. Trotzdem werden die Teilnehmer an der Konferenz aufgefordert, ihr Werk „denn die Umstände drängen und die sich vor den Juden in Russland auftürmenunermüdlich fortzusetzen, den Schwierigkeiten gestatten keine weiteren Verzögerungen“. Zu der pariser Konferenz kamen weltbekante Persönlichkeiten wie Prof. Martin Buber. Giorgio La Pira, Lord Bertrand Rüssel. Dr. Albert Schweitzer und Fran¬ çois Mauriac. Der Bericht führt Ziffern an, die in der sowjetischen Presse veröffentlicht wurden. So zeigt er, das.3 zwischen dem 1. Juli 1960 und dem 1. Juli 1963 nicht weniger als 140 Personen in Riresland wegen Wirtschaftsverbrechen zum Tode verurteilt wurden, von denen 60 Prozent, also 80 Personen Juden waren. Dieser Prozentsatz wird als besonders alarmierend bezeichnet, wenn man bedenkt, daßS die Juden nur annähhernd 1,5 Prozent der Gesamtbevölkerung ausma- I chen. Dem wird hinzugefügt, I dass in der Ukraine, wo die : Juden 2 Prozent der gesamten Einwohnerschaft betra- 1 gen, die in solchen Prozessen zur Todesstrafe Verur- : teilten 80 bis 90 Prozent er- ' reichen. 1 Es wird auch darauf hin- | gewieoen, dass es sich die sowjetische Presse gern angelegen sein lässt, über die Prozesse zu berichten, in denen Juden vor Gericht siehen, wobei indirekt aber m- 1 missverständlich auf den .peinlichen Zusammenhang* | aufmerksam gemacht wird, der anscheinend zwischen den verübten Delikten und dem religiösen Bekenntnis der Angeklagten besteht, I Diese Artikel dienen dazu, 1 die gegenwärtige antireligiö; se Kampagne und im beson- ' deren den Antisemitismus anzufachen. Wie aus dem Bericht her- : vorgeht, betrug die literari- 1 ßche Produktion auf Jidi disch in den letzten drei Jahren insgesamt fünf Bücher von verstorbenen Autoren, : eine Anthologie, die Zeitung „Birobidschan Stern“ und die zweimal im Monat er-! scheinende Zeitschrift „So- : wj?tisches Heimland“'. Diese Tatsachen kennen nach Dr. Goldmanns Aussage nur ein Beweis sein, dass „ange- I sichts der grossen Zahl von Juden, die sich heute noch ihrem nationalen Erbe ver-; bunden fühlen, diese Zustän- 1 de nur damit zu erklären ßind, dass die sowjetischen Behörden sich dem Wiederaufleben einer jüdischen Kultur in Russland energisch in den Weg s.eilen“. | Weiter heisst es in dem Bericht, „dass nicht nur keine Besserung im jüdischen religiösen Leben in den letzten zwei Jahren festzustellen war, sondern dass ein neuerlicher Abstieg verzeichnet werden muss. Immer mehr Gotteshäuser werden geßchlessen, so im Jahre 1962 die Synagogen in Swerdlowsk, Zitomor, Kazan, Grozny. Tzmerika, Czernorwitz, Belaya, Tserkow, Kaunas, Lwow und Piatigorsk. Di« meisten dieser Städte besitzen heute keine einzige Synagoge mehr. Dr. Goldmann nennt Fälle von Juden, d;e mit Gefängnis. Einzelhaft oder Zwangsarbeit bestraft wurden, weil . sie in ihren Häusern Mazzot gebacken und später verkauft hatten, da di« Staats- , bäckerei seit zwei Jahren ' keine Mazzot mehr lierstellen. Er unterstreicht auch, i dass Artikel in den Zeitun gen erschienen sind, in de- , nen die Synagogen als „Zen- ' tren des Schwarzhandels“ , dargestellt werden, wodurch 1 der Antisemitismen unter ( den Massen geschürt und zu Ausschreitungen ermuntert wird. BOTSCHAFT DER HOFFNUNG New York. — Ein besonderes Festprogramm für die Juden in der Sowjetunion wurde am Erew Rosch Haschana von Radio ..Liberty“ übertragen, einer nicht offiziellen Rundfunkstation, die sich für ihre Sendungen ßtarker Transmissoren in Weßtdeutschland, Spanien und Formosa bedient. Diese Sendungen waren regelmässig bis zum Ende der Hohen Feiertage vorgesehen. Jedes Pz'ogramm wird mit Scho fartönen eingeleitet und ist darauf abgeßtimmt, den drei Millionen in Russland lebenden Juden Hoffnung auf eine baldige Besserung ihrer Lage einzuflössen. Die Sender dieser Radiosta tion sind so stark, dass eß den Russen schwer fallen dürfte, die Uebertragungen zu stören. ven HAROLD SCHWÄRCZ Des Moskauer Abkommen über die Atomvcivuche wurde bisher von 100 Staaten ratifiziert. Der uordamerkanisehe Senat stimmte mit 80 g:gen 19 Stimmen für die Unterzeichnung des Vertrages. Die Gegner wollten mit ihrer Ablehnung ihr Misstrauen gegen die Sowjet-Union kundtun. — Zu eV.em reuen Umsturz kam es in San Domingo, wo der erst vor kurzem gewählte Präsident Bcßch verjagt wurde. — _ .. In der vergangenen Woche begann der zweite Ted des Oekumenischen Ksnzils, für das Papst Paul VI. ein erweitertes Programm auigestcllt hat, das s^ch durch eine Reihe überraschender Reform-Vorschläge aixzeichnet. — Die Präsidenten Chiles und Jugoslawiens. Jorge Alessandri und Tito, gaben eine gemeinsame Erklärung her aus, in welcher die Koexistenz bejaht und für einen Frieden in der Welt plädiert wind. — Gegen die provozierenden Reden der vietnamesischen Politikerin, Frau Ngo Dinh Nhu, protestierte der nordamerikrnische Botschafter Cabot Lcdge in Saigon, der die Aeusserungen der Frau Ngo Dinh Nhu als ,grausam* bezeichnete. — Der Herausgeber der „Iswestija“. Alexis Adschubei, der Schwiegersohn Krutschews, erklärte bei einem Interview, das er einer italienischen Zeitung gab: „Wir haben Vertrauen zu Kennedy. — Die Scwjet-Unioii soll alle Anstrengungen unternehmen, um das Kote China aus der kommunistißchen Front auszuschalten. — Der deutsche Bundeskanzler, Dr. KonraJ Adenauer, der den Besuch bei de Gaulle als eine seiner letzten Amtshandlung bezeichnete, trat für eine Verstärkung des deutsch-französischen Bündnisses ein. — Eine Reihe sogenannter Terror-Akte waren in Spanien zu verzeichnen, die aber nur einen kleinen Ausdruck für den Unwillen des Volkes über das frankistische Gewaltregime bilden. — Die britische Regierung protestierte erneut bei der Regierung Indonesiens wegen feindlicher Handlungen gegen Engländer und gegen britische ß Eigentum, vor allem aber gegen die schlechte Behandlung des britischen Botschaftern in Djakarta. — Die spanische Regierung brachte ihren Wunsch zum Ausdruck, an der Europäischen Länderunion beteiligt zu sein. Die Widerstände vercchiedener europäisch:r Länder gegen die Aufnahme Spaniens beruhen auf d.r Gegnerschaft gegen den spanischen Faschismus. — EIN ENGLAENDER BERICHTET London. — Der Labour- Abgeordncte Richard Crossman berichtete über seinen kürzlichen Besuch in Rugsland. Er betonte, dass „die Lenden der Juden von Kiew während der Besetzung durch die Nazis aus der rus sischen Geschichte ausgemerzt wurden, weil sie unbequem sind und zuviel unterdrückte Erregung hervorrufen“. Crcßsman sprach in einem Programm der BBC, das in hebräischer Sprache ' gesendet wird. Er berichtete, er habe Baba Jar besuchen wollen, den Ort in der Nähe Kiews, wo die Nazis über 75.000 jüdische Männer, Frauen und Kinder ermordet haben. Er habe seinen russischen Begleitern die Frage gestellt, ob die Juden von Kiew nicht ganz besondere von den Massakern der Nazis betroffen worden seien, worauf man ihm geantwortet habe, dass die Juden in Russland nicht anders als alle anderen Bürger behandelt werden. Als Crossman hierauf wissen wollte, warum dann die Ju- ' den die einzige Volksgruppe seien, in deren Papiere die i Religion verzeichnet wird, 1 entgegneten die Russen, j dass dies nichts zu bedeu- : ten habe, denn die Juden bej sässen „ihre eigene Repu- ' blik in Weßtsibirien und ihj re Repräsentanten im sowje i tischen Ministerrat, so dass sie sich in nichts von ande- : ren Nationen, wie z. B. den 1 Georgiern, unterscheiden“, j NEUER APPELL I AUS USA I Washington. — In einem! an den Sowjet-Botschafter Anatol Dobrynin gerichteter. | Schreiben fordern 19 ameri- : kanißche Parlamentarier eine Erleichterung der Beschränkungen gegen die jüdische Religion in Russland. \ Sie begründen ihren Appell mit den „heutigen Bemü-! hungen zur Verbesserung der Beziehungen zwischen Regierungen und Völkern“. Der Brief wurde von dem demokratischen Deputierten für New York Leonard Farbstein aufgesetzt und von 18 republikanischen und demo- , kratischen, nicht jüdischen! Abgeordneten unterzeichnet.! die ßämtlich Mitglieder der Parlamentskommission für auswärtige Angelegenheiten! sind. Unter Hinweis auf die 1 jüdischen Hohen Feiertage , wird der Botschafter erj sucht, darauf zu dringen, dass seine Regierung der verschlechterten Lage der j rresischen Judenheit ihre Aufmerksamkeit zuwende. In diesem Zusammenhang verweist das Schreiben auf die Schliessung von Synagogen, die Verhaftung ven Juden wegen des Verkaufs von Mazzot, die Verbreitung von; Verleumdungen gegen die . Synagogen, um den Antisej mitismus wachzuhalten, das Wiederaufleben der Ritualmord-Beßchuldigungen und andere antisemitische Vorfälle. IMMER NEUE PROTESTE Washington. — Die Sowjet- Botschaft erhält immer neue Preteste von protestantischen und katholischen Geistlichen, Rabbinern, Erziehern und Politikern, die Kritik an der Diskrimination gegen die russischen Jude« üben und eine Erleichterung der Bcßchränkungen fordern, unter denen das jüdische Kultur- und Geistesleben in der Sowjetunion leidet. Der letzte Protest kam vor einigen Tagen aus Philadelphia und ist von 42 kirchlichen Führern aller 1 Religionen, u. a. von dem Rabbinerrat der Stadt und i dem American Jewish Committee unterzeichnet. Es trägt u. a. die Unterschriften von Erzbischof J. Krol von Philadelphia, Bischof Fred Pierce Corson, Präßident der Methodistischen Weltkriche, und Bürgermei-! ster James Tato. Die Unterfertigten ersuchen darum, 1 dass der Botschafter den Inhalt des Schreibens an Pre- ■ mierminister Krutßchew weiterleite. ISRAEL PROTESTIERT VOR DEN UN UN. — Israel protestierte energisch gegen die Verfol- 1 gungen der russischen Juden in einer Red« vor der UN-Kommission, in der c.V.e Debatte über d:e Menschenrechte stattiindet. Der israelicche Repräsentant in der Kommission für soziale, humanitäre und kulturelle Rechte. Dr. Eli-ezcr Japou, ergriff in der Debate über die vorgeschlagenen Massnahmen zur Eliminierung jeglicher rassischer Diskriminierung das Wort. Er wandte sich gegen die vergenommens Unterscheidung von rassischer Diskrimination und religiösem Vorurteil, die als getrennte Punkte auf die Tagesordnung gesetzte wurden und verlangte, dass die Menschenrechte als Ganzes zur Diskussion gelangen mürcten. „Unsere Generation“, so führte Dr. Japou aus, „erlebt rassische und religiöse Diffamierung als ein einziges Phänomen in einem grossen Land. Der jüdischm Minderheit wird verengt, ihren angestammten Glauben in Freiheit zu bekennen und ihre kulturellen Traditionen, ihre Sprache und ihre Literatur zu entfalten. Sie sieht sich der anderen Religionen gebotenen Vorteil« beraubt und darf keine Arth kel veröffentlichen, noch Gebetbücher herausgeben, keine Geistlichen ausbilden und weder mit den Gemeinden im Lande, noch mit ihren Brüdern im Ausland Kontakte aufrecht erhalten. Die von mir beschriebene Lage überschreitet offensichtlich die nicht klar zu ziehende Trernungrlini« zwischen religiösen und ßozialen Problemen.“ Dementi Rom. — Die in der vergangenen Woche in London veröffentlichte Nachricht. dass Kardinal Augustin Bea von seinem Posten als Leiter des Sekretariats für die eh i t liehe Einheit zurückzutreten plane, wurde offiziell vom Vatikan dementiert. Wie man weiss ist der heute 82jährige Kar dinal ein groß er Freund der Juden und einer der eifrigsten Förderer engerer christlich - jüdischer Beziehungen. (ITA)