Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 24 (1963)
- Issue
- 2032 (4.10.1963)
- Date
- 1963-10-04
- Page
- [Seite 3] (sequence 3)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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Tlentt, 4 de Octubre de 1963 LA SEMANA ISRAELITA Año XXIV. — N». 2932 — 3 Für und gegen „Stellvertreter u URAUFFUEHRUNG IN LONDON London. — Am Vorabend der Erstaufführung des heute me'istumstrittenen Dramas „Der Stellvertreter“, in dem der verstorbene Papst Pius XII. als zu passiv gegenüber den Judenmassakern dargestellt wird, gab der Nobelpreisträger Dr. Al bert Schweitzer eine Erklärung ab. in der er behauptet, nicht nur die katholische sondern auch die protfßtantische Kirche hätten sich „durch ihre stillschweigende Hinnahme der Judenverfolgungen schuldig gemacht“. Dr. Schweitzer nennt das Theaterstück „ein Urteil über eine geschichtliche Persönlichkeit, die eine ungeheure Verantwortung auf sich geladen hat“, doch es handele sich hier „nicht nur um ein Urteil sondern auch um «ine Mahnung zur Wachsamkeit an unsere Zeit, die in Unmenschlichkeit und Gleichgültigkeit versinkt“. „Wir sind heute alle schuldig aus dem Grunde, dass alle damals die Schuld trugen“, argumentiert Dr. Albert Schweitzer. Tn seiner Erklärung, die von der Royal Shakespeare Society, deren Ensemble dan Drama im Alwych-Theater zur Aufführung bringt, veröffentlicht worden ist, betont er, dass „die katholische Kir che die grösste Schuld auf sich lud. weil sie als grosse Protest gegen Antisemitismus Paris. — Die Internationale Liga gegen den Antisemitismus protestierte öffentlich gegen die Gründung eineo Klubs, der das Andenken eines bekennten Antisemiten aus der Affäre Dreyfus verewdgen will. Die Förderer dieses Plans sind zumeist Elemente d?r äussersten Rechten, die scharf an twemitisch eingestellt sind und sich als Verehrer von René Drummond bekennen, der als „Vater des französischen Antisemitismus“ an Zusehen ist. Drummond veröffentlichte seinerzeit eine Zeitung, in der er den Antisemit'nmus predigte. Er ist auch der Verfasser des Buches ,,Das jüdische Frankreich“, das man heute als die „Bibel des französischen Antisemitismus“ betrachtet. (ITA) Ein Attribut gepflegter Maennlichkeit das ist Carlton-Kleidung Feinste Masskleidung Fertigkleidung in Stabiloform M. R. Anfertigung aus mitgebrachten Stoffen. Staendige Passformkonirolle. Auch Junioren kaufen gerne bei CARLTON. . internationale Organisation imstande gewesen wäre, ei- I ne Aktion durchzuführen. Aber die Schuld trifft auch 1 die protestantische Kirche, weil sie ganz einfach die Unmenschlichkeit der Ju-! denverfolgungen hingenommen hat“. ' ANGRIFF AUF HOCHHUTH ' In einer Broschüre, die der Exsekretär der englischen Legation vor dem Vatikan verfasst und eine katholische Organisation her-! ausgegsben hat. wird die Haltung Piif3 XII. zu den Nazis entschieden verteidigt. : Der Autor Sir Alex Randall beschuldigt den deutschen Dramatiker Rolf Hochhuth der „Voreingenommenheit“, da er von einer „Aversion - gegen Pius XII. besessen“ sei. Randall behauptet, Hitler hätte den Juden noch viel Schlimmeres antun können. denn damals habe er die Macht über Millionen I von Juden besessen, und er hätte seine Wut auch an den Christen auslassen können. Er vertritt die Ansicht, Pius XII. habe sich an das Beispiel Hollands gut erinnert, de een Regierung durch „die scharfen Proteste ge- I gen die Deportationen der holländischen Juden den Na- . zigouverneur provozierte^ : der dann auch die katho-"~ i lisch getauften Juden deportierte“. Der englische Diplomat schreibe es könne „nicht Pflicht des Papstes sein, die Infiltrant erschossen Tel Aviv. — Ein transjordanischer Infiltrant wurde erschossen und ein zweiter konnte entfliehen, als israelische Patrouillen ihnen im Morgengrauen in der Nähe von Ashdot Jaakow im Jordrntal den Weg versperrten. Inzwischen wurde be kannt, dass das transjordanische Heer auf einem Hügel über den neuen Kolonien im Kleinen Dreieck eine neue befestigte Stellung ausgebaut hat. (ITA) WATERMANN Das Haus der 3 Gescliiit te mit d-r grössten Auswahl. SARMIENTO IUI T. E 35 /033 CABILDO 2614 PAMPA 4979 fast Ecke Triunvirato Eigene Werkstätten Zahlungserleiehterunaen Zuvorkommende facb männische Bedienung Führung der Kirche zu vernachlässigen und Millionen seiner geistigen Schutzbefohlenen zu zwingen, zwischen Vaterlandsliebe und Martyrium zu wählen“. Er fügte hinzu, dass dem Papst nach dem Kriege ven vielen jüdischen Führern Dank für sein Verhalten ausgesprochen wurde. PREMIERE IN DER SCHWEIZ Basel. — Die schweizer Uraufführung des Dramas „Der Stellvertreter“ von | Rolf Hochhuth fand im Stadttheater von Basel unter dem Schutz eines Aufgebots von 100 Polizisten statt. Die Polizei wurde gerufen, nachdem die Theaterverwaltung brieflich und telefo- : nisch gewarnt worden war, dass sowohl im Theaterge- , bäude als auch in einer Syn-! agoge ur.d einer Freimaurerloge Bomben gelegt werden würden, wenn „Der Stellvertreter“ ‘ aufgeführt! werden sollte. Feusrwehrleute wurden für den Fall postiert, dass es sieh nicht nur um leere Drohungen handeln sollte Die Feuerwehr musste aber nicht in Aktion treten, wäh- 1 rend die Polizisten sich gezwungen sahen, von ihren : Stöcken Gebrauch zu machen, um die Demonstranten - zu vertreiben. Die Katholiken organisierten einen I Schweigemarsch. Die Zu- I schauer, die das Theater bis auf den letzten Platz füll- , ten. zollten der Aufführung enthusiastischen Beifall. — (ITA) STELLUNGNAHME B.B.S.: — Die Diskussion über das Drama des deutschen Dichters Rolf Hochhuth „Der Stellvertreter“, über das hier bereits mehrfach geschrieben wurde, wird sicherlich noch längere Jahre dauern. Dies ist auch nicht zu verwundern, da die Anklage Hochhuths, die sich gegen den Papst Pius XII. richtet, im Grunde genommen gegen alle diejenigen geschleudert wurde, die in i jener Schreckenszeit passiv j verharrten oder nicht dieje-; nige Haltung elnnahmen, die man von ihnen hätte erwarten müssen. Dies sind auch I in erster Linie die Kreise, : die heute ihre Stimme zur j Verteidigung erheben, wo es | wahrscheinlich besser und | klüger wäre, sich schweigend zu verhalten. Es wäre interessant zu erfahren, was britische Katholiken unternommen haben,! um sich schützend vor die europäischen Juden zu stellen. Es wäre schon wichtig, einmal Einzelheiten darüber zu publizieren, was britische Katholiken taten, um wenigstens diejenigen Juden in England aufzunehmen, die sie hätten aus der Nazihölle retten können. Als England in Anbetracht der grausamen Verfolgungen einige E'nreise-Erlaubnisse für jüdische Mädchen und Frauen unter der Bedingung gab, dass sie als Hauspersonal in englischen Familien arbeiteten, glaubten sie ein gewaltiges Hilfswerk verrichtet zu haben. Akademisch vorbereitete Dienstmädchen hatte man wahrlich bis dahin sogar nicht in England gekannt! Die Wahrheit ist: auch die englischen Katholiken schwiegen, wo tatkräftiges Einschreiten und die so oft als christlich gepriesene Nächstenliebe am Platze gewesen wären. Gewiss, es waren nicht nur die Katholiken Englands, aber die anj deren mischen ßich jetzt nicht mit fadenscheinigen Ar- I gumenten in die Diskussion! gegen die Vorwürfe des Dra i matikers Hochhuth, deren I Berechtigung im Prinzip — vielleicht nicht in allen ihren Details, — nicht bezweifelt werden kann. Sir Alex Randall, der dem Dramatiker Voreingenommenheit vorwirft, meint, Hitler hätte den Juden noch viel Schlimmeres antun können (!). Was eigentlich? Reicht die Phantasie Sir Alexens noch über die Grausamkeiten Hitlers und seiner Kumpane hinaus? Wo sind wir eigentlich, um uns solche Banalitäten anhören zu müssen. Wenn Sir Alex gegen Hochhuth polemisiert, wenn er die von ihm vertretenen Auffassungen für falsch, abwegig, gehässig, gefährlich oder für eonst etwas hält, hat er nicht ausreichende Argumente, um seine Meinungen zu belegen? Muss er behaupten, Hitler hätte noch Schlimmeres gegen die Juden veranlassen können? Was gegen Randall gilt, ist auch zu den Demonstrationen in der Schweiz zu sagen. Da haben eich also auch wieder einmal die Nazis und ihre Spiessgesellen gemeldet. Sie drohten mif Bomben, weil sie keine Argumente haben. Das ist ihre Sprache. Interessant, wenn auch nicht überrasch md ist die Beobachtung, gegen wen sich die Drohungen richteten: gegen die Aufführung eine,? Theaterstückes, das von einem deutschen Christen, wenn auch nicht Katholiken, geschrie- LA SEMANA ISRAELITA BIS EM AN A RIO INDEPENDIENTE S«. Aire» — PUETRREDON 21M, I* iaq. — T. E. *3.2«ls 4. Oktober 1963 16. Tischri 5724 : ben wurde, gegen eine Synagoge und geg.n die Freimaurer. Da haben wir das! echte nazistische Kulturgut in seiner reinsten Form: Juden und Freimaurer! Da« Theaterspiel ist nur ein willkommener Vorwand zur Hetze. | Dass der Papst gegen das Theaterstück Hochhuths ist, l wird ihm niemand verübeln. In einer echten Demokratie : hat jeder das Recht, seine Meinung zu sagen, auch der Papst. Nur sind wir nicht j davon überzeugt, dass eine Ansicht schon deswegen richtig ist, nur weil sie vom j Papst geäussert wurde, und dazu noch in eigener Sache. Mit Drohungen und mit Unterdrückung einer Theateraufführung wird das Problem, dessen Existenz nicht geleugnet werden kann und das schon vor Hochhuth dis-; kutiert wurde, nicht gelöst werden. Efs ist ein Kapitel mehr jener nicht überwundenen Vergangenheit, an deren Folgen die Menschheit »loch lange kranken wird. Oesterreichische Kriegverbrecher Wien. — Justizminister Dr. Christian Broda teilte kürzlich in der Länderkammer des österreichischen Parlaments mit, dass in Oesterreich zur Zeit in acht Fällen gerichtliche Voruntersuchungen wegen Kriegsverbrechen im Gange seien. Bei allen diesen Verfahren handele es sich um „besonders schwerwiegende Beschuldigungen“. Einer der Prozesse, der noch in diesem Jahr stattfiiden ,-oll,'wird in Wien gegen den ehemaligen Transportbeauftragten Adolf Eichmanns bei der Juden Vernichtung, den früheren SS- Hauptsturmfiihrer Franz Novak, vorbereitet. Novak hatte sich bis zum Herbst 1957 unter falschem Namen verborgen. Später lebte er unbehelligt mehrere Jahre in Wien, ehe er im Januar 1981 festgenommen wurde. — (AWZ) . SCHICKS ODER t (ÜBERWEISUNGEN ' IN D-MARK ODER DOLLAR Bevor Sie wechseln erfragen Sie unsere Preise Man spricht Deutsch CASA PIANO S.A. 347- SAN MARTIN -128 Ernst Koppel Maipu 982 TeL 31-0357 50 Meter Plaza Sm Martin, mit vielen Verbindungen und Parkmöglichkeit. Teppichhaus - M. Hochberg UNERREICHTE AUSWAHL AN HANDGEKNUPFTEN TEPPICHEN IN ERSTKLASSIGEN QUALITÄTEN s'UER JEDES GEMUETLICHE HEIM. Eigen« Fabrikation — Unverbindliche Vorführuna Auf Wunsch Zahlungserleichternngen MASCHINENTEPPICHE IN ALLEN FARBEN UND GROESSEN. AUSLEGEN VON APPARTEMENTS MIT REIN WOLLENEM VELOUR. 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