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Jüdische Wochenschau · 1963-09-17 · 2030 (17.9.1963) · p. [Seite 20]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
24 (1963)
Issue
2030 (17.9.1963)
Date
1963-09-17
Page
[Seite 20] (sequence 20)
Language
German, Spanish
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A3« XXIV. — If». MM tê — Märtet, 17 de Septiembre de 1963 LA SEMANA ISRAELITA RER SEELE JVBA ER Wie ich datu kam, weiss ich bis heute nicht. Aber ich hatte von Anfang an eine j . . . , gewisse Scheu vor ihm, die; i. ,vo5,. ^4es*n J^ll®en von MEIR FAERBER später zu ausgesprochener Furcht anwuchs. Nicht deshalb, weil er mir nicht zulächelte und mich so böse ansah; das hätte ich gar nicht bemerkt. Denn wer war jemals freundlich zu mir, dem dritten Sohue des Fuhrmannes Schmule Ben Arje Wonger? Der Vater ist die ganze Woche fast nie zu Hause, die Mutter ist Wäscherin immer unterwegs, entweder auf Arbeitssuche oder beschäftigt, meine Brüder treiben sich mit ihren Freunden herum und wollen mich nicht in ihrer Gesellschaft — und ich, was blieb mir anderes übrig als mir meine Wege seihst zu sucheu? In der Frühe genen wir in den Cheder. Das heisst, gewöhnlich gehen wir hinter den Cheder, um die Schultasche abzulegen. Dann findet jeder schon seine Beschäftigung. So kam ich auch einmal zu dem Wirtshaus in Denkow. Dort traf ich ihn zum ersten Male. Mit der Pfeife im Munde sass er allein am Tisch. Die Wirtsstube war noch leer. Nur er sass ruhig da, den Kopf mit der schiefsitzenden Mütze in die eine Hand gestützt, mit der anderen das Glas Bier streichelnd, das vor ihm stand, in gleichmässigen Zeitabständen Rauch vcn sich stossend, sonst unbeweglich, als säroe er schon seit undenk liehen Zeiten hier. Er schien von seiner Umgebung nichts zu bemerken. Vielleicht wusste er nicht einmal, dass ich bei der Tür stand und ihn beobachtete. Plötzlich drehte er sich mit einem Ruck um, als wollte er mich überraschen, und erfasste mich mit einem Blick, wie ich noch nie einen gesehen hatte, einem eindringlichen, bohrenden Blick aus feurigen, scharfen Augoi, die __ _ mich in schreckliche Furcht j erging er, dem Schimon. Als gefürchtet, ohne zu wissen warum. Ich stand wie angewurzelt an der Schwelle, bis der Wirt kam und mich anschrie. Da lief ich weg, lief mindestens zwanzig Minuten, bis ich in unser Städtchen kam. Dann habe ich ihn öfters getroffen, und immer habe ich mich vor ihm gefürchtet. Damals, als wir dem Loiso einen zerrissenen, alten Sack um die Füsee gebunden hatten, sah ich ihn zum ersten Male wieder. Er ist nur vorübergegangen; aber der Blick, den er uns zugeworfen hat! Im hellsten Tageslicht ist es mir kalt über den Rücken gelaufen. Immer, wenn ich ihn sehe, fürchte ich überdies, dass die rote Narbe, die sich quer über seine Stirn zieht, sich öffnen und einen roten Blutstrom über sein Gesicht und über seine Kleidung ergiessen könnte. Wie oft wollte ich den Jankew oder den Schimon nach ihm fragen! Aber ich habe es nie gewagt, als müsste ich mich davor hüten, ihn zu schildern, denn seinen Namen wusste ich ja nicht. Eine,j Tages hatten wir den blatternarbigen Loiso, als er gerade auf den Hof kam, um Wasser aus dem Brunnen zu holen, wütend gemacht, indem wir ihn durch gleichzeitiges Boxen von allen Seiten angriffen. da ereignete sich etwas Seltsames: Der schwächliche, aiwgedörrte Schusterjunge, der sich bie dahin stets alles von uns hatte gefallet! lassen müssen, übermannte seine Furchtsamkeit und Hilflosigkeit und hieb mit einer Kraft, die wir ihm vorher nie zugetraut hätten, auf Jaukew ein, dass dieser, ohne sich wehren zu können, heulend davonlief. Ebenso versetzten. Ihr werdet verstehen, was! das bedeutet, wenn ich euch erkläre, dass ich mich vor- [ her vor nichts gefürchtet! zu, der mich so lebhaft an hatte. Ich konnte mitten in j de« des Unbekannten erinder Nacht ohne Aufregung durch den ganzen Katzen- Loiso sich nach mir umwandte und sah, dass ich ihn wie versteinert anstarrte, warf er mir einen BJick graben gehen, wo doch viele meiner Kameraden eine heillose Angst davor haben, ihm nachts auch nur in die Nähe zu kommen. Ich konnte Fleischers grossen Nero durch Steinwürfe in seinem Mittagsschläfchen stören ohne fortzulaufeu, und noch nerte, dass ich lief, so weit mich meine Füsse tragen konnten. Hinter mir hörte ich nur noch das altbekannte blöde Gelächter des idiotischen Schusterjungen verhallen. Damals, während des Laufens, glaubte ich, dass irgendetwas Schreckliches geschehen müsse, denn der Geist des Unbekannten war , " v —— — — I v ** M vi 4*** \ V ft* - M *. viele andere Beweise meiner in den Loiso gefahren und Tapferkeit könnte ich euch liefern. Aber plötzlich, so unglaublich es klingt, habe ihm zu Hilfe gekommen. Nach einer Woche hat jeder Junge selbst etwas JETZT AUCH Kindler-T aschenbücher IN DEN LETZTEN WOCHEN SIND DIE FOLGENDEN BAENDE ERSCHIENEN: 15 Charles Morgan: DER REIHER 16 Kasimir Edsehmid: DIE GESPENSTIGEN ABENTEUER DES HOFRAT BRUESTLEIN 17 John Steinbeck: LOGBUCH DES LEBENS 18 M. Y. Ben-gavriel; DAS HAUS IN DER KARPFENGASSE 19 André Maurois; CLAIRE ODER LAND DER VERHEISSUNG 20/21 Max Brod: STREITBARES LEBEN Es kosten: Einfachband DM 2.50: Doppelband DM 3,80, Dreifachband DM 4,80. Bestellungen durch, edle Buchandhingen Kindler Verlag G.m.b.H., München Sshrecklicbes vergessen, und so habe ich bald nicht mehr an die Sache gedacht. Dann kam Rosch Hascha na. Dieser Feiertag ist eine der wenigen Zeiten im Jahre, wo der Vater zwei Tage hintereinander zu Haioe bleibt und nicht arbeitet. Ausnahmsweise ist er diesmal mit mir allein zum Flusse hinunter gegangen, und die anderen waren uns schon voraus. Wir kamen au der Schusterei vorüber, md Loiso stand davor und starrte vor eich hin. Da konnte ich mich nicht enthalten, ihm ein Gesicht zu schneiden. Als der Vater das bemerkte, ging er rascher und zog mich mit sich fort. Und dann erzählte er mir die Geschichte vom blöden Loiso: Loiso ist der Sohn des Schusters, aber er war im Cheder und iu der allgemeinen Volksschule in Denkow ein mustergültiger Junge. Er war lustig wie die anderen und zu übermütigem Unfug brauchbar wie wenige. Dabei war er ein ausgezeichneter-Schüler und sein Vater wollte ihn, weil er so leicht lernte, sogar an eine Jeschiwa schicken und zum Rabbiner ausbilden lassen. Aber die Sache kam anders Loiso sah im Wirthaus in Denkow eines Tages einen fremden Mann, der ihn etwas fragte und sich bald mit ihm über die Verhältnisse im Orte unterhielt. Anscheinend gewann er Gefallen an dem aufgewecktea Knaben, und seither traf man sie oft zusammen im Gespräch. Worüber sie sprachen, hat man nie erfahren. Wenn man Loiso über deu Fremden ausfragen wollte, so antwortete er nicht. Seit die bei den aber miteinander Bekanntschaft geschlossen hatten, ging Loiso nicht mehr in die Schule und nicht mehr in den Cheder, uud nach kaum einem Jahr war er der blödeste von allen Kindern im Orte. Er ist solch ein Idiot geworden, dass er nicht einmal einen Schuh sohlen kann. Nur zu ganz untergeordneten Arbeiten ist er brauchbar. Aber räteel hafterweise erinnert er sich manchmal für kurze Zeit wieder an alles, was er früher gewusst und gekonnt hat, verfällt jedoch nach wenigen Augenblicken wie der in seine Idiotie. Also nimm dich in acht und reize ihn nicht, sonst wird er sich in dem Augenblick rächen, da er vom Alten seinen Geist zurückbekommt. Und da schwieg der Vater still, als hätte er schon zu viel gesagt, und all mein weiteres Fragen nach Loiso und dem geheimnisvollen Alten hatte keine;i anderer. Erfolg als eine nochmalige Warnung. Dass der Alte derselbe sei wie der Fremde, den ich seinerzeit im Denkower Wirts- [ haus getroffen habe, das war mir so ziemlich klar.! Jetzt misste ich nur noch den ursächlichen Zusam-; menhang zwischen den beiden ergründen, i Bis heute aber habe ich nichts Weiteres mehr davon erfahren können, und ich hoffe, dass Ihr mir, wie Ihr versprochen habt, jetzt näheres über ihn erzählen werdet. — * — Dies sagte David, der Sohn des Fuhrmanns Schmuei Wonger, zum alten Daniel. Daniel war ej.i eigenartiger Mensch. Vor langer Zeit ist er ausgehungert und arm in den Ort gekommen und hier geblieben, Etwas Genaueres über sein« Herkunft hat man nie erfahren. Aber er war ein guter Vorbeter und aufmerksamer Synagogendiener, bewies bei Hochzeiten sein Talent zum Marschalik, der die Aufga be hat, die Feier zu organisieren und die Gemeinde zu unterhalten, und so konnte er sich hier immerhin ein ganz annehmbares Aus kommen verschaffen. Daniel wusste auch fesselnde Geschichte zu erzählen, und trotzdem sie mitunter schaurig waren, liebten ihn die Kinder darum sehr. Auch Jakob Ben Schmuei Wonger hatte Freundschaft mit ihm geschlossen. Als sie da nun so allein zusammen waren, ergriff er die Gelegenheit, ihn, der bisher noch jede Frage beantwortet hatte, um Aufklärung über den plötzlich verschwundenen Mann mit den sinnenden, feurigen, fürchterlichen, durchdringenden Augen zu bitten. Und wie immer, so wusste Daniel auch heute Bescheid,obzwar er diesmal seine Geschichte nicht mit einem Lächeln erzählte, sondern seine kleine, verrunzelte Stirne in noch mehr Falten legte als sie ohnehin schon hatte. Während die beiden eng nebeneinander den schmalen Fussweg entlang des Baches gingen, erzählte Daniel, was er mit dem Fremden erlebt hatte. Der junge David hätte fast nichts geglaubt von all dem, wenn er nicht selbst zu wunderliche Erlebii&se mit dem „Alten“ gehabt hätte... — * — Wie es in der Welt der Körper Verwandtschaften, Gleichheiten und Aehnlichkeiten, anziehende und abstossetide Kräfte gibt, ko kön nen auch Seelen miteinander verwandt sein. Manche Seele steht in ihrer Art allein da auf der ganzen Weit und hat ihresgleichen nur in alter Zeit in einem anderen Lande einmal gehabt, oder es wird sich irgendwo in der Welt und irgendwann in den Zeiten eine mit ihr gleichklingende Seele bilden. Aber es gibt auch Seelen, die weit verzweigte Verwandtschaften haben, ebenco wie es! grösser« und kleinere Fa- | miliea von Menschen und 1 Tieren gibt. Der Fremde, von dem du! gesprochen hast, heisst von \ Haus aus Fremowski, Alej xander Fremowski, und ist von weither gekommen, weil er fühlte, dass hier eine Seele sei, die von gleicher Art ist wie die seine, nur schwächer. Es zog ihn unwiderstehlich zu dieser Seele. Als er den jungen Leiser fand, I so hiess Loiso bevor er ver-! blödete, und ihn näher keni nenlernte, da fasste er den ' Gedanken, mit ihm zu kämpj ■ fen und ihm seine Seele zu 1 entringen. Er hat in langen, i! scheinbar freundlichen Ge- \ | sprächen Geist und Seele; aus ihm gesogen und sich j | damit bereichert. j j Meine Seele aber ist ein Abkommen der Seele des; grossen Rabbi Meir Baal i Haness, der heilige Mann j ruhe in Frieden. So habe ich eine grosse Kraft in mir, und seit lahger Zeit habe ich Fremowski bekämpft, bis ich ihn niedergerungen habe. Als er die Seele des Lonso freilassen musste, litt es I ihn hier nicht länger, und so ' plötzlich, wie er aufgetaucht j war, verschwand er auch : wieder. | Für Loiso ist alles innere . Leben mit seiner Seele verloren. Die kann ich ihm aber nicht wiedergeben, denn ich bin in der Wissenschaft des Regierens der Seelen anderer nicht heimisch, ich bin kein Beherrscher der Kabbala. Den Alten, den Fremowski, konnte ich nur besiegen — durch den höheren Adel meiner Seele. _ * _ Von damals an hatte der kleine David ehrfürchtige TEATRO COLO« Viernes. 20 a las 21.30 hs.: conc. extraord. Orq. Filarm. Bs. As. Dir. Aaron Copian Sábado 21 a las 21 horas: lia. fuac. ab. sábad. noct.: Don Juan de Mozart coa Gruemmer, Lipp, Scovotti, Waechter, Evans, Alva, Catena, Crass. Dir. orq.: Hans Schmidt - Isserstedt. Regie: Hans Hartleb. Dir. coro: Tulio Boni, dec. y vest.: Ita Maximowna. Lunes 23 a las 21.30 hs.: lOmo. conc. Orq. Sinf. Nacional Martes 24 a las 21 horas: 13a. func. Gran Ab. Idomeneo de Mozart con Gruemmer, Lipp, Lewis, Kmentt, De Narké, Gallardo. Direct, orq.: Hans Schmidt-Isserstedt. Regie: Hans Hartleb, dec. y vest. Ita Maximowna, dir. coro: Tulio Boni, coreografía T. Grigorieva. — Nota: para esta func. es obligatorio traje de etiqueta p. damas y caball. en plat y palcos. Jueves 26 a las 21 horas: 2da. func. ab. alem.: Idomeneo de Mozart, coa el mismo elenco del día 24. Scheu vor dem haR» verwachsenen Daniel, der über so grosse seelische Kräfte verfügte. Oefter noch sprachen Daniel und David darüber, dass man einen grossen Kabbalisten finden müsste, der Loiso seine Seele zurückbringen könnte, um ans ihm wiederum den klugen Leiser zu machen, denn sie bedauerten zutiefst das unverschuldete traurige Schicksal des Burschen und seiner Eltern. Die Brücke zu den Kulturwerten unserer Zeit DEUTSCHE BUCH - GEMEINSCHAFT BERLIN — DARMSTADT — WIEN mit ihren beiden Bücherstuben * IM ZENTRUM: SUIPACHA 472, 1. St., Tel. 35-3205 IN BELGRANO: MENDOZA 2304 Tel. 76-5988 Fordern Sie die kostenlose Uebersendang der illustrierten Zeitschrift „DIE LESESTUNDE“ E 171 ANLAESSLICH DES 150. JAHRESTAGES SEIT DEM JUDENEDIKT VOM 10. JUNI 1813. dem Beginn der Emanzipation des bayerischen Judentums. erscheint in Kürze im Dr. Olzog-Verlag (vorm. Isar Verlag) München und Wien das Werk von: STEFAN SCHWARZ: Juden in Bayern im Wandel der Zeiten mit einem Vorwort des bayerischen Ministerpräsidenten ALFONS GOPPEL. Es ist ein Buch, welches die Geschichte d?r Juden in Bayern aufgrund bis jetzt unveröffentlichten Ak tenmaterials schildert. Namhafte Professoren und Historiker schreiben nach Ueberprüfung des Manuskripts: „Schwarz kann Anspruch darauf erheben, die erste erschöpfende Gestaltung des Judenedikts geschaffen zu haben“. — „Das Buch verdient ein Standardwerk zur Geschichte der Juden in Bayern zu werden.“ „Das Werk ist nicht nur lesenswert, sondern auch zum Nachdenken anregend.“ „Das Werk verdient die weiteste Verbreitung.“ LUACH — (KALENDER) Dienstag, den 17. September 28. Elul 3. Tag Slichot Mittwoch, den 18. September 29. Elul 4. Tag Slichot “Sachor Brit“ Donnerstag, den 19. September 1. Tischri 5724 1. Tag Rosch Haschana Freitag, den 20. September 2. Tischri 2. Tag Rosch Haschana Sonnabend den 21. September 3. Tischri Schabbat SCHUVA Parschat HAASINU 5. B M. XXXII, 1—52 YO’EL II 15 — 27 Haftara Hoschea XIV 2—10 Sonntag, den 22. September 4. Tischri Fasten Gedalia Montag, den 23. September 5. Tischri Dienstag, den 24. September 6 . Tisrnri Mittwoch, den 25. September 7. Tischri Donnerstag, den 26. September 8. Tischri Freitag, den 27. September 9. Tischri Sonnabend den 23. September 10. Tischri YOM HAKIPURIM Sonntag, den 29. September 11. Tiscnri Montag, den 30. September 12. Tischri Dienstag, den 1. Oktober 13. Tischri Mittwoch, den 2. Oktober 14. Tischri Donnerstag, den 3. Oktober 15. Tischri 1. Tag Sukkot Freitag, den 4. Oktober 16. Tischri 2. Tag Sukkot Sonnabend, den 5. Oktober 17. Tischri Schabbat Sukkot Sonntag, den 6. Oktober 18. Tischri 2. Tag Chol Hamced Sukkot Montag, de« 7. Oktober 19- Tischri 3. Tag Chol Hamoed Sukkot

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