Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 24 (1963)
- Issue
- 2028 (6.9.1963)
- Date
- 1963-09-06
- Page
- [Seite 2] (sequence 2)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
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2 — Viernes, 6 de Srptiembre de 18S3 LA SEMANA ISRAELITA (Schluss von Seite 1) Neger über die ganze Weit schafft heute wesentliche Voraussetzungen für ihren Kampf um ihre Gleichheit und Freiheit. Denn sie sprechen dieselben Sprachen oder verstehen sie die über die Erde hin gesprochen werden, die Sprachen ihrer Eroberer und Unterdrücker. Jede gegen Neger gerichtete Tat, wo sie auch immer in der Welt eich ereignet, findet den einmütigen Wider hall überall dort, wo Neger heute leben. Schon diese wenigen Hinweise genügen, um erschüttert zu erkennen, dass das Schicksal der Neger ähnliche — um nicht zu sagen gleiche — Züge wie das jüdische Schicksal aufweist. Die Sprachen seiner Unterdrücker haben auch beim jüdischen Volk den Prozess der Wiedervereinigung, der nationalen Renaissance, erleichtert oder gar erst ermöglichst. Die Errungen schäften des Westens, die positiven wie die negativen, haben die Grundlagen für die Befreiung Israels gegeben. Die Gedankenwelt der Verfolger und Unterdrücker wurde übernommen und auf das Gebiet des eigenen, jü dischen Lebens transponiert Das ist das entscheidende Charakteristikum des ..modernen“ Zionismus, dass er die Ideen und die Methoden derer übernommen hat, die eich zu Herren über jüdisches Schicksal aufgeschwungen hatten. Die Hoffnung zur Rück- ASe XXIV. — No. 2028 ückschritt Dr. FREY ABOGADO PUEYRREDON 2190 1^ KQ. nachm. 16—19 Uhr Neue Telef. Nr.: 80-6930 REAL PEN Füllhalter REPARATUREN Spezialgeschaeit CORRIENTES 569 T. E. 49-5850 Jaime Liebling S. A. SPERRHOELZEK H O E L Z E R DÍAZ VELEZ 5224 Tel.: 89-9349, 33-9305 kehr nach Zion ist so alt wie die jüdische Zerstreuung. Sie gab Jahrhundert um Jahrhundert den Verzweifelten Mut und Kraft, die schrecklichen Verfolgungen und die furchtbare Not zu überwinden. Nachdem die Emanzipation der Juden zur Konzeption d;r westlichen Gedankenwelt geführt hatte, war das jüdisch? Volk reif geworden, aus nationalen Hoffnungen und peligiöcen Träumen die politische Wirklichkeit des westlichen Alltags mitzugestalten. — Der schwarze Dichter sagt: ,,Die Weissen haben zwar unsere Länder geteilt, aber, ohne es zu wollen, unsere Seelen geeint. Sie haben geglaubt, uns in den von ihnen errichteten Ordnungen, im Ghetto der von ihnen gezogenen Grenzen cinschliecsen und festhalten zu können.“ III. Der Widerspruch Schliesslich wird darauf hingewiesen, dass die Kraft der Sprach? weisser Völker sowie die Gewalt ihrer eige nen Ideen die von ihnen eingeführte Ordnvng unterhöhlt haben und die Mauern, die sie errichtet haben, zum Einsturz brachten. Auch der Gedanke, dass die Einheit der Neger durch die Sprache der Eroberer hergestellt wird, die doch eigentlich das Symbol ihrer Ueberfremdung ist, findet in der jüdi sehen Geschichte eine Parallele. Als die Juden begannen, die Sprachen der anderen zu sprechen, begann ihre Befreiung, dieselben Spra chen, die gleichzeitig daran erinnern, dass das jüdische Volk sich noch immer auf dem Wege seiner Regeneration, seiner Wiedergeburt befindet. — Immer deutlicher wird die hietorische Parallele, wenn der Dichter aus Madagaskar auf ein Problem zu sprechen kommt, das wir als die .doppelte Loyalität“ zu bezeichnen gewöhnt sind. Er spricht von einer „dunklen und seltsamen“ Wirklichkeit, von einer mystischen Verbindung, die Menschen ganz verschiedener Sprache, anderen Herkommens, differenzierter Bildung überall in der Welt, wo ßie sich auch befinden mögen, miteinander verknüpft: die gemeinsame Herkunft und die Tatsache, der schwarzen Rasse anzugehören. All diese Menschen, mögen sie in England oder Amerika, in Kuba, Haiti oder auf den Antillen, in Senegal oder Madagaskar leben, können : in ihrer geistigen Sehnsucht und in ihrem gemeinsamen Leiden diesen inneren Zwie spalt wie ein „mystisches Brot“ miteinander teilen, i das „ihrer Brüderlichkeit Sinn und Kraft eines erlösenden Sakramentes gibt“. I Das Gewissen der Sehwar- | z?n wurde ständig nach zwei Seiten gerissen. „Kulturell französisch, der Herkunft nach madagcesisch, laufe auch ich Gefahr, mich in diesem unaufhörlichen inne ren Kampfe zu verbrauchen, unter der Last des dauernden Widerspruchs zu zerbrechen und an meiner eigenen Doppelgesichtigkeit zugrundezugehen“. Wer kennte bestreiten, dass sich grosse jüdische Gemeinßchaften wie z.B. in Deutschland — aber nicht nur dort — in gleicher Situation befunden haben, und dass sich; auch heute manche Judenheiten in derselben oder ei- 1 ner ähnlichen Lage wähnen j Wenn wir von Zielen er! fahren, die als die Herstel- | lung des Erbes bezeichnet , werden, so hören wir damit! Forderungen, die auch von! jüdischer Seite immer wie- I; der aufgestelit worden sind. | | Der Kampf der Neger ist; j kein Kampf gegen <den We-; i sten, weil er der Weßten ist, j | sagt Rabsmananjara. „Wir , | sind von allen vier Enden i! der Welt zusammengekomi men, um zu zeigen, dass wir j j entschlossen sind, einen ge j | wissen westlichen Geist zu ' | bekämpfen, der für dre ein-; | seifige Sklaventum verant- \ wörtlich ist, der sich auch j I heute noch dadurch schuldig macht, dass er die Bedrüki kung aufrecht erhalten und I hinauszögern will“. . i IV- Die Stunde ist gekommen! Unterdrückung und Impe- | rialismus belasten auch heu- : te noch die Beziehungen der ' Menschen. Der Fall des Mr. j Baker der in ein weissec Wohnviertel ziehen will, ist nur ein alltägliches Symp- | tom, wie es die Hakenkreu-! ze oder Grabschändungen sind, die uns Juden gelegent- | lieh alarmieren. Der Kampf j um die Gleichberechtigung : der Menschen ißt noch längst j | nicht ausgetragen. Es ist nicht allein ein Kampf, der : , ven den Negern (oder von Gefaengimurteile in Marokko Paris. — Im Prozess gegen 26 Angeklagte, die der Bestechung zur Ausgabe von Pässen angeklagt waren, hat das Gericht kürzlich drei Juden und vier Moslems zu Gefängnisstrafen verurteilt. Georges Harrar, der zug:gegeben hatte, dass ihm 110 Pass? fiir Studenten nach Frankreich übergeben wurden, erhielt 18 Monate. Zwei Beamte des Passamtes erhielten drei Jahre Gefängnis. Di? anderen Angeklag ten, darunter zehn Juden aus Casablanca, wurden freigesproehen, weil keine genügenden Beweise Vorlagen. den Juden) au»3getragen wird, sondern von vielen Menschen und Völkern, die heute noch degradiert oder als nicht vollwertig gelten. Mitunter pflegt man auch von weissen Völker zu sprechen. dass ihre Länder unterentwickelt“ seien, weil sie noch nicht das wirtschaftliche Niveau, die progressive Lebenßform oder die Stabilität ihrer gesellschaftlichen Bedingungen erreicht haben würden. Sicherlich steht heute der Kampf der Neger um ihr Recht, der in den Vereinigten Staaten von Amerika, in Südafrika oder in anderen Teilen des Schwarzen Kontinents vor sich geht, im Vor dergrund der politischen Diskussion und des Tagesinteresseo. Aber das Beispiel einer Gruppe, eines Volkes, einer Rasse oder selbst eines Kontinents steht für das Prinzip an sich, fiir die Idee und für das Ideal, dre vom Westen geschaffen und ge dacht worden ist, allerdings nur für sich, wie die Praxis bis jetzt gelehrt hat. Die westliche Kultur wird von diesem Denken getragen. Das Lied von der Frei heit hat seinen Niederschlag in allen großen geistigen Schöpfungen des Westens gefunden, wenn auch durchaus nicht nur in diesen. Aber es waren und sind die selben Kulturträger, die den — wie wir meinen, aus sichtßlosen — Versuch unternehmen, sich g?gen die Entwicklung zu stellen und den Gang der Geschichte aufzuhalten. Nicht nur Neger leben in einem vermeintlichen Widerspruch, weil sie i mehr als einem KuUurkreis | angchören. Dieser Wider- , Spruch oder dieser geistige Zustand, der als Wider-' o-pTuch auch von den Intel j lektuellen wie Jacques Rabemananjara empfunden j wird, ist in Wirklichkeit > kein Negativum, sondern ein Fortschritt auf dem Wege j der Verständigung der Menschen verschiedener VölKer, Rassen und Gesellschaftsschiehten. Der Gedanke der .nationalen“ Kultur dürfte, zuende gedacht, eine echt? contradictio in se .sein. Kultur hat die Tendenz zum Universalismus. Humanismus ist kosmopolitisch. Wenn die Neger jetzt von einem afrikanischen Humanismus sprechen, eo beweist dies, dass sie sich von den Schlacken eines von ihnen übernom menen fremden Erbes nicht befreit haben. Schon der Begriff „westliche Kultur“ stellt an sich eine Ueberwindung nationaler Kulturen dar, aus denen eine grössere Einheit. eben die des Westens, geschaffen worden ißt. Ohne die spezifisenen Eigenschaften und Merkmale nationaler Kulturen auch nur in Zweifel ziehen zu wollen, bleibt für die Entwicklung der Menschheit das Streben einer echten Menschheitskultur Ziel und Aufgabe. — Man soll unter Kultur auch nicht das weltverlorene Schaffen einer kleinen Schicht von Träumern oder intellektuellen Schwärmern verstehen. Auch dm alltägli che Leben ist ein Ausdruck und eine Folge dir Kultur. Hierzu gehört auch das soziale und politisene Denken eines Volkes. Wer bestimmten Volks-, Rassen oder Glauhensgruppen die bürgerliche Gleichheit vercagt, setzt sich mit der westli chen Kultur oder mit der Kultur überhaupt in Widerspruch. Das muss zu harter Kritik führen. Wer sich das 1A SEMANA ISRAELITA Semanario — aparece los Viernes. Editado por Estrellas Editorial Ltda. Verantwortlich: Dr. Hardi Swarsensky Puerredón 2190, I? izq. T. E. 83-2613 Abono-Preise: Argentinien: $ 100.— pro Quartal Ausl. î 600.— jährl. ¡; 1 Recht nimmt, von einer „Allianz für den Fortschritt“ zu sprechen — und eine solche Zielsetzung ist unbedingt erstrebenswert —, der muss auch in seinen Handlungen und politischen Schritten den kulturellen Postulaten Rechnung tragen. Das ist nur dann nicht erforcer- Jich, wenn der „Fortschritt“ in Dollar-Subventionen. Waffenlieferi ngen oder Hilfe- Sendungen von Lebensmitteln besteht. Wer ein? „Allianz für den Fortschritt“ schafft, der anderen zugute kommen soll, der muss im eigenen Hause diejenige gesellschaftliche Ordnung durchführen, di? seiien kulturellen Parolen und Erkenntnissen entspricht. Solange geistige oder räumliche Ghetti geschaffen werden, solang? die Schranken zwischen Menschen nicht beseitigt sind, solange es zweierlei Recht gibt, solange befindet sich die Kultur im Rückschritt. Es ist das alt» Lied: Nur durch die Ueberwindung der iieit Jahrtausenden unveränderten menschlichen Leidenschaften kann aus schönen Idealen Wirklichkeit werden. Dass sich die Menschneit auf dem Marsche zu diesem Ziel befindet, ist ein Trost, wenn auch der Weg zur Realisierung noch weit sein mag. — PR0PIEDADES FRANKENBERG S. R. L. oerät Sie kostenlos und anverbindlich beim Kauf oder Verkauf von GESCHAEFTEN WOHNUNGEN HAEUSERN VIRREY DEL PINO 2262 T. E. 73-7887 UEBERSETZUNGEN Alle Sprachen — Beschaffung v. U, künden LAURA THIEBERGER DE STEINHÄUSER Traductora Publica Belgrano: Obligado 1996 6* B — Tel. 76 2797 Stadt: Suipacha ¿"2 4* of. 413 (vormittags) JUDITH SCHENKCLEWSKI KULTUSSTICKEREIEN Schabbosdecken - TaiJißbeutel - Käppchen - Maz zot-Taschen - Hand und Masch'nenstickerei von Bett- und Tischwäsche Dr. P. I. RIVERA 2585 (fr. Bebei ero) T. E 73-9155 JACOB LAPIDUS dipl. Mohel NEUE ADRESSE VIAMONTE 2037, 4? B. 46-1716 und 48-2124 MOHEL N. PLAKSIN Superi 2719 T. 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