Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 24 (1963)
- Issue
- 2027 (30.8.1963)
- Date
- 1963-08-30
- Page
- [Seite 3] (sequence 3)
- Language
- German, Spanish
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Viernes, 30 de Ageste de 1063 LA SEMANA ISRAELITA Año XXIV. — No. 2027 — 3 Anklage gegen Rajakowitsch Dipl-Ing. Simon Wiesenthal, der Leiter des Jüdischen Dok.umentation-'zeutrums in Wien, hat exklusi ves, bisher noch nicht veröffentlichtes Material über den in Wien in Untersuchungshaft befindlichen ehemaligen Assistenten Adolf Eichmanns. Dr. Erich Rajakowitisch, gesammelt. In einem Memorandum, das er „Was ich Rajakowitsch vor werfe“ überschreibt, stellt Wiesenthal Rajakowitschs eindeutige Mitwirkung an der Planung der Judenvernichtung in Oesterreich, Polen, der Tschechoslowakei und Holland unter Beweis. Wiesenthal gelang es, in den Personalakt Rajakowitschs, der einem SS-Archiv entstammt, Einblick zu nehmen. In diesem Dokument aus dem Jahre 1939 heisst es wie folgt: „SS- Bewerber Raiakowitsch wird derzeit zur Bearbeitung juristischer Fragen bei den Zentralstellen für jüdische Auswanderung Wien, Prag und Berlin verwendet. Er wird den sich hieraus ergebenden Anforderungen völlig gerecht und erledigt alle ihm übertragenen Aufgaben zielbewusst, rasch und einwandfrei. Auch bei einem vierwöchigen Einsatz in Polen (Galizien) hat er gezeigt, dass er sich in allen Lebenslagen zurechtfindet. Persönlich ist er ein Mensch, der eine klar« Lebensauffassung, eine einwandfreie nationalsozialistische Haltung und ein bestimmtes. sicheres Auftreten besitzt. Seine Gesamthaltung lässt die Beförderung zum SS-Fiihrer angebracht erscheinen. < gezeichnet) Eichmann, Hptsiuf.“ EHRENAMTLICH Im gleichen Akt steht auch verzeichnet, dass Dr. Rajakowitsch seine Tätigkeit im Rahmen der SS ehrenamtlich ausübt. Der vierwöchige „Einsatz“ in Polen, von dem Eichmann in seiner Befürwortung spricht, betraf die Vorbereitungen zur Grün düng des ersten KZ auf polnischem Boden, in Nisko, wohin später tausende Juden aus Oesterreich, dem Reich und dem Protektorat Böhmen-Mähren verschickt wurden. Von diesen sind nur vereinzelte am Leben geblieben. Unmittelbar nach dem Anschluss Oesterreichs melde- Ein Attribut gepflegter Maennlichkeit das ist Carfton-Kteiduiig Feinste Massldetdung Fertigkleidung in Stabiloform M. R. Anfertigung brachten te sich Rajakowitsch in ] den Niederlanden SS-Grup- Wien und übernahm, ebenj penf¡ihrer Rauter an den falls ehrenamtlich, den Poj Reichskommissar Seyss-Insten eines Rechtskonsulen- : quart: ten für die Enteignung jüdi- „... ebenso wie in Prag sehen Vermögens. Ueber soll neb:n der Zentralstelle diese Tätigkeit gibt es bis . ein öffentlich - rechtlicher zum heutigen Tage Hundei'- : Fonds errichtet werden,< dem te von handschriftlichen die Sicherung der für die Fi- Vermerken mit seiner Unj nanzierung der Auswandeterschrift in den Akten der | rung und die kommende einstmaligen Vermögensi Endlösung der Judenfrage in stelle in Wien. Rajako-- Europa benötigten Mittel aus mitge - Stoffen. watsch nahm auch an den Arbeiten der „Zentralstelle für Jüdische Auswanderung“ in Prag und Berlin teil. Während der Besetzung Hollrnds und seiner dortigen Tätigkeit beschäftigte er sich mit dem Gedanken, Darlehen von Banken durch die Beleihung des jüdischen beschlagnahmten Eigentums zum Zwecke der Kriegsfinanzierung aufzunehmen. Am 22. und 23. Januar 1940 fand in Berlin eine Unterredung zwischen Eichmann, Günther, Rajakowitsch und Seidl statt, deren Protokoll nachweist, dass Rajakowitsch auch bei der Aussiedlung von Polen und Juden aus dem sogenannten Warthegau (Posen) mitwirkte. Bekanntlich sollte dieses Gebiet dem Dritten Reich einverleibt und mit Vulks deutschen besiedelt weiden. Rajakowitschs Tätigkeit in Holland geht auf den Frühling 1941 zurück. Kurz vorher, am 22. und 23. Februar, waren 400 amsterdamer Juden nach Buchenwald verschleppt worden, von wo man sie nach Mauthausen überführte, wo sie am Tag der Ankunft umgebracht wurden. Die amsterdamer i Bevölkerung reagierte dar-; auf mit einem Generalstreik. Unter diesem Druck | stellten die Deutschen die 1 Deportationen einstweilen ein. Heydrich veranlasste Eichmanu, eine „Zentralstelle für jüdische Auswan derung“ in den Niederlanden zu gründen und einen fähigen Mann an ihre Spitze zu stellen. Der fähige Manu Eichmanns war Rajakowitsch, der im April 1941 in Amsterdam einzog. Am 18. April 1941 schrieb der Höhere SS und Polizeiführer und Generalkommissar für das Sicherheitswesen in obliegt.“ Simon Wiesenthals trockener Kommentar dazu: „Die Juden mussten sich also praktisch mit ihrem Vermögen ihren eigenen Tod finanzieren. .. “ HOI.LAENDISCHE UNTERLAGEN Im Staatsarchiv für Kriegsdokumentation in Amsterdam befinden sich, wie Ing. Wiesenthal feststellen konnte, Protokolle von Sitzungen beim Reichskommissar, vom 19. Mai und 8. Oktober 1941, aus denen hervorgeht, dass Rajakowitsch bei allen gegen die J jden Hollands ausgegebenen Verordnungen eine führende ’ Zuflucht gefunden hatten, nicht betroffen wurden. Alle Bemühungen des in Triest ■ gebürtigen wiener Rechtsanwalts hatten es auf das Endziel der Aussiedlung, oder, wie er sie manchmal nannte. Evakuierung, abgesehen. Aus Akten und Telegrammen, die sich im Besitz Wiesenthals und anderer Behörden befinden, ergibt sich eindeutig, dass sich Rajakowitsch gegen jede , Unterscheidung zwischen Juden verschiedener Staatsangehörigkeit wandte. In wenigstens einem Fall vereitelte Rajakowitsch persönlich die Auswanderung — im Gegensatz zur Aussiedlung — einer prominenten jüdischen Familie. Prof. Dr. E. Laquer und seine Angehörigen waren bereits im Besitz einer Auswanderungsgenehmigung. Rajakowitsch widersetzte sich der Ausnahme, und obwohl letzhin der Professor von der Deportation verschont blieb, mussten sich seine Tochter und deren Mann in den Tod verschleppen lassen. Dass Rajakowitsch genau LA SEMANA ISRAELITA BIS EM AN ARIO INDEPENDIENTE 0«. Air«« — PUEYRREDON 2198. 1* >*q. — T. E. 83-261 > 30, August 1963 10. E!nl 5723 Rolle gespielt hat. Zwischen zwischen Auswanderung und MOEBELHAUS WATERMANN Das Haus der 3 Gesehäf te mit der grössten Auswahl. SARMIENT0 II47 T, E. 35 - 7033 CABILD0 2614 PAMPA 4979 fast Ecke Triunvirato Eigene Werkstätten. Zahlungserleichterungen Zuvorkommende fachmännische Bedienung. April und September 1941 befasste er sich hauptsächlich mit der Frage der Ausplünderung der Juden, worüber zahlreiche Dokumente, die sich heute in Holland befinden, Aufschluss geben. Ab September 1941 war seine Tätigkeit mit der „Endlösung“ selbst verbunden. Seine Funktion war deutlich Umrissen. Sein Amt, das auch auf dem Briefkopf zahlreicher Akten verzeichnet ist, hiess jetzt „Befehlshaber der Sicherheitspolizei — Sonderreferat J“. „J“ hiess natürlich „Juden“. Während am Anfang noch die Rede von „Auswanderung“ war, tauchte später der Begriff „Aussiedlung“ auf. Rajakowitsch war sehr besorgt, dass einzelne Juden dieser „Aussiedlung“ entgehen könnten. Das Endziel war meist Auschwitz. Sein Hauptaugenmerk war, zu kontrollieren, ob auch alle Personen, die nach den Richtlinien seines Chefs Eichmann als Juden angesehen wurden, richtig „erfasst“ worden waren. | Die Deutschen gründeten nun ein „Sippenamt“ zur Feststellung der jüdischen Abstammung, Hessen es aber von Holländern verwalten. Rajakowitsch hatte kein genügendes Vertrauen in diese Beamten und unterbreitete seinen Vorgesetzten den Vorschlag, die Entscheidung darüber, wer Jude sei, deutschen Beamten zu überlassen oder sie wenigstens zu bevollmächtigen, in Zwei felsfällen zu entscheiden. Die Folge dieses Briefes kostete einer weiteren Anzahl von Opfern das Leben. Rajakowitsch war untröstlich, dass die in Holland lebenden ausländischen Juden seinem Zugriff entzogen wa ren. Es betrübte ihn ebenso, dass holländische Juden, die in Frankreich und Belgien von seinen Verordnungen Staendige Passformkonirolle. Auch Junioren kaufen gerne bei CARLTON. 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Reichskommissar Seyss Inquart neigte dazu, ihnen die Auswanderung zu gestatten, doch das Reichssicherheitshauptamt war für „Aussiedlung“. Anfangs 1942 wurde das Sonderreferat J„ das Rjjakowitsch unterstand, in das Referat Eichmanns IV B 4 eingegliedert. Rajakowitsch wurde zwar in das Referat II B überführt, doch sein Interesse an der Judenhquidierung war so gross, dass er im August 1942 an den Mass-en aus Siedlungen der Juden Hollands teilnahm. In Flughafen Lud Tel Aviv. — Die neue Passagierhalle des Flugplatzes in Lud wurde vor kurzem dem Betrieb übergeben. Eine Einw-eihiingszfcremonie fand nicht statt. einem vom 12. August 1942 datierten Dokument, das von ihm unterschrieben ¿3t, erklärt Rajakowitsch, die Sicherheitspolizei in Brüssel brauche gegen die Evakuierung niederländischer Juden keine Bedenken zu hab?n und solle daher ihre Ausbürgerung nicht abwarten. Dass Rajakowitsch genau wusste, welche Endstation die Evakuierten erwartete, geht aus einem Fernschreiben hervor, das er am 11. August 1942 nach Rücksprache mit dem Gesandten Bene abschickte. Dort hiess es: .ebenso wie in Prag soll neben der Zentralstelle ein öffentlich - rechtlicher Fonds errichtet werden, dem die Sicherung der für die Finanzierung der Auswanderung und die kommende ' Endlösung der Judenfrage ' in Europa benötigten Mittel obliegt." Im September 1943 wurde Rajakowitsch zur Waffen- SS im Range eines Hauptsturmführers versetzt. Bis dahin waren schon 110.090 holländiche Juden deportiert, von d:nen über 90 Prozent umkamen. Kriegsverbrecher Rajakowitsch, den die öffentliche Meinung nach Aufdeckung seiner Vergangenheit durch Wiesenthal zwang, seinen Wohnort Mailand zu verlassen, wo er sich als wohlhabender Kaufmann betätigt hatte, hat sich bekariAlich kürzlich, nach seiner Flucht durch die Schweiz und Westdeutschland, den österreichischen Behörden gestellt. Er lat dies schlauerwese unter dem Vorwand, seinen Anklägern Rede stehen und „seinen beschmutzten Narr» ~ »" verteidigen zu wolle.: )b er das, selbst bei der Tr ior.ell milden Einsteilui der österreichischen ju-nzbehorden zu deutschen Kriegsverbrechern, im Hinblick auf diese reichhaltigen Beweise zustande bringen v.erd, ist mehr als fraglich. Kiy SCHICKS ODirSÜi# UEBER WEISUNGENfSS IND-MARK ODER DOLLAR Bevor Sie wechseln erfragen Sie unsere Preise Man spricht Deutsch ESTUDIO JURIDICO INTERNACIONAL Dr. Hardi Swarsensky ASUNTOS EUROPEOS EXCLUSIVAMENTE ALLE ENTSCHAEDIGUNGSFRAGEN Wiedergutmachung Lastenausgleich Rückerstattung BUEROSTUNDENi DIENSTAG, MITTWOCH und FREITAG von 16—18 Uhr T. E.: 83-2(13 ★ Dr. Günter Frey ASUNTOS ARGENTINOS Y SUDAMERICANOS Erbschaftssachen - Vertraege - Verwaltun gen - Miets-, Zivil- und Handelssachen. T. E.: 80 - 6930 ★ PUEYRRED0N 2190 esq. Av. LAS HERAS