Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 24 (1963)
- Issue
- 2026 (23.8.1963)
- Date
- 1963-08-23
- Page
- [Seite 3] (sequence 3)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
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Viernes, 23 de Agosto de 1SÍ3 LA SEMANA ISRAELITA Año XXIV. — No. 20258 Vor dem Auschwitz-Prozess Die unlängst vom Frankfurter Landgerichtspräsidenten Greif bekannt gegebe nen Einzelheiten über die Vorbereitungen zum Auschwitz - Verfahren erwecken den Anschein, als habe man in Frankfurt vor, den Jerusalemer Eichmann Prozess zu kopieren. Dieses grösste deutsche Strafverfahren der Nachkriegtszeit, ln dem 24 Angeklagte abgeurteilt werden sollen, findet in keinem Frankfurter Gerichtsgebäude genügend Raum, um die 70 Prozessbeteiligten — die Angeklagten, ihre Verteidiger, drei Staatsanwälte ind das Gericht — und 80 Bände Hintergrundmaterial aufnehmen zu können. Aus diesem Grunde hat di« Hessische Landesjustizbehörde 90.000 DM zur Verfügung gestellt. damit eine,? der im Bau befindlichen Bürgerhäuser für diesen Prozess umgebaut werden kann. Es ist nun geplant, in diesem Haus ttinen Saal zu schaffen, in dem auf einer Bühne die Prozessbeteiligten Platz finden und ausserdem 240 Zu hörer und 150 Preßsevertreter untergebracht werden kennen. Im Souterrain werden Zellen für die Angeklagten eingerichtet, die dort während der Pause verpflegt werden sollen. Die Past wird in dem Haus eine Vermitt lung schaffen, die 20 Telefonleitungen bedienen kann; 10 Fernschreiber werden zusätzlich zur Verfügung der Presse sein. Die Polizei der Stadt Frankfurt hat sich bereit erklärt, für die Dauer dee Prozesses besondere Sicherheitsvorkehrungen für Zeugen und Angeklagte zu treffeu. Dass die Ermittlungen zu diesem Monstreprozeas schon seit 1959 laufen, hat zwei Gründe. Ein deutscher Journalist übergab im Frühjahr 1959 dem Hessischen Generalstaateanwalt F. Bauer ein« Vielzahl von Dokumenten, die ein Freund in seiner Bibliothek als Souvenirs aus dem Kriege aufgehoben hatte. Nach einem Bombenangriff auf Breslau waren diese Dokumente durch die Luft geflattert, und er hatte sie als Soldat auf dem Rückzug aufgehoben. Es waren Berichte von der Lagerverwaltung Auschwitz an die Breslauer Gestapo, die genaue Angaben über Juden-erschieesungen ,,auf der Flucht“ enthielten. Die zweite Quelle war die Anzeige eines ehemaligen Häftlings, der den SS-Ober- Ein Attribut gepflegter Maennlichkeit das ist Cartton-Kleidung Feinste Masskleidung Fertigkleidung in Stabüoform M. R. Anfertigung aus mitgebrachtsn Stötten. Staeadige PaistormkontroQe. Auch Junioren kaufen gerne bei CARLTON. : Scharführer Wilhelm Boger, ein führendes Mitglied der politischen Abteilung in Auschwitz, des mehrfachen Mordes beschuldigte. Boger wurde daraufhin verhaftet und ist seit dieser Zeit in Untersuchungshaft. Das Gericht in Stuttgart, das den Fall Boger zunächst bearbeitete, sah sehr bald, dass diese Angelegenheit nur in ' einem grösseren Rahmen verhandelt werden könne — | nämlich auf dem Hintergrund der gesamten Geschichte des Lagers Auschwitz. Die Bundesanwalt Schaft beschloss daraufhin, den Fall Auschwitz an die : Hessische Justiz zur Verfol-; gung zu übergeben. I Di« Polen, die Amerikaner und wohl auch die Rus-! oen haben sofort nach Kriegsende einige Verantwortliche von Auschwitz vor j Gericht gestellt und abgeur- : teilt. So sind die beiden ersten Lagerkommandanten — Hoess und Liebehenschel — von den Polen zum Tocfe verurteilt und exekutiert worden. Auch die Amerikaner haben in Nürnberg Auschwitz-Verbrecher kurz, nach Kriegsende vor Gericht gestellt. Verschiedene Auschwitz-Aerzte sind bereite in anderen KZ-Prozessen abgeurteilt worden, da sie vor ihrer Tätigkeit in Auschwitz ' in Dachau oder Sachsenhau sen „gewirkt“ hatten. Nach zwei Aerzten aus dem Lager Auschwitz fahndet die Frankfurter Staatsanwaltschaft allerdings immer noch: nach Dr. Josef Mengele, der für die Selektionen in Auschwitz verantwortlich war und auf dessen Kopf 300.000 Belohnung ausgesetzt sind und nach Dr. Horst Schumann, der ebenfalls an Selektionen und medizinischen „Versuchen“ in Auschwitz beteiligt war. So kam es, dass die Frankfurter Staatsanwaltschaft! die gerichtliche Voruntersuchung gegen 29 Bcschuldig-! t«, die eines Verbrechens | wegen angeklagt werden können, aufgenommen hat. Einer von ihnen starb in der Zwischenzeit, vier weitere wurden aus der Untersu chungshaft entlassen, weil das Belastungsmaterial gegen sie nicht ausreichte. Der ProzeßS wird daher auf 24 Angeklagte beschränkt sein, die alle des hunderttausendfach«! Mordes angeklagt sind. Der Hauptangeklagte ist Richard Bär, der letzte Kommandant des Lagers, der bis zu seiner Verhaftung im Dezember I960 unter falschem Namen in Norddeutschland als Holzfäller lebte. Zwei ehemalige Adju- Appell an das Kirchenkonzil \ (Camden (New Jersey). — j Das Oekumenische Konzil, 1 das im September seine Beratungen in Rom wiederaufnehmen wird, ist von dem Herausgeber der offiziellen katholischen Zeitschrift der Diözese Camden, „Star He rald“, ersucht worden, auf dieser Sitzung den Antisemitismus zu verdammen. Monßignor Salvatore Adamo schreibt in seinem Leitartikel: „Ich hoffe, dass das Oekumenische Konzil auf seiner zweiten Sitzung in diesem Herbst eine Resolution annehmen wird, in der das Uebel des Antisemitismuis rundheraus verdammt wird. Ich hege diese Hoffnung, weil wir dies unseren jüdischen Brüdern seit langem schulden.“ MOEBELHAÜS WATERMANN Das Haus der 3 Geschäf te mit der grössten Auswahl. SARMiEKTO 1147 T. E. 35 - 7033 &ABILD0 2614 PAMPA 4979 fast Ecke Triunvirato Eigene Werkstätten. Zahlungserleichterungen Zuvorkommende fachmännische Bedienung.! Monsignor Adamo tritt weiter dafür ein, dass der Gedanke, die Juden hätten Christus getötet, den Katholiken genommen werden müsse. Er führt aus: „In unserer katholischen Erziehung gibt es eine unglückliche Lehre, die die Juden als Gottesmörder hinstellt. Dies — so betont er — führt die römischen Ka^holiktn zu der Meinung, dass der Juden hass keine Sünde sondern im Gegenteil ein gutes Werk sei. Ein klarer Auo-spruch vonseiten des Kirchenkonzils könnte da2u helfen, dieser religiöse« Lüg« ein für allemal den Boden zu entziehen.“ , Der Prälat, eine der ge- I achtetsten Persönlichkeiten in seiner Diözese, bezeichnet 1 auch die Behauptung ate lächerlich, die arabischen Mitglieder der Kirche könnten eine solche Erklärung in dem Sinne auslegen, dass sie Israel zum Schaden der arabischen Länder begünstigen würde. „Wenn die Leute etwas sagen oder schreiben. was nicht gegen die Juden sondern nur gegen Israel und den Zionismus gerichtet ist, so ist dies nichts als ein Trug“, schreibt er, „denn es gibt keinen Grund dafür, dass Israel und die Araberetaaten ihren Streit nicht beilegen könnten.“ Monsignor Adamo vertritt den Standpunkt, dass eine i Verdammung des Antisemii tismus durch das Oekumenische Konzil der Sache des Friedens und des Wohlstandes im Mittekwten von erheblichem Nutzen sein wiir- 1 de. Ernst Koppel Mcdpu 982 Tel. 31-0357 50 Meter Plaza San Martin mit vielen Verbindungen und Park möglich keit. Teppkhhaus - M. Hochberg UNERREICHTE AUSWAHL AN HANDGEKI'UPFTEN TEPPICHEN IN ERSTKLASSIGEN QUALITÄTEN FUHR JEDES GEMUETLICHE HEIM. Eifea« Fabrikation — Unverbindlich« Vtrfüknms Auf Wunsch Zahlungserleichterungen MASCHINENTEPPICHE IN ALLEN FARBEN UND GROE3SEN. AUSLEGEN VON APPARTEMENTS MIT REIN WOLLENEM VELOUR. Verkauf an Private nur Samstag und Sonntag von *—19 Uhr im Ausstellungsbaua Calle ANDONAEGUI 2083 T«L: 5B-2MO 4 Qoeiter von Station Urgriu ' tanten der Lagerkommanj danten, Robert Mulka und Karl Höcker, behaupten, mit den Morden in Außchwitz nichts zu tun gehabt zu haben. Sie sind das, was man als „Schreibtischmörder“ bezeichnet. Dennoch glaubt die Staatsanwaltschaft, ge nügende Beweise liefern zu können, dass sich Mulka und Höcker peroculich schuldig gemacht haben. Von der politischen Abteilung des Auschwitz-Lagei’s werden sechs Angeklagte vor dem Frankfurter Ge rieht stehen. Führend unter ihnen ist Wilhelm Bogner, von dem bekannt ist, dass er eine Anzahl von Morden selbst aiwgeführt hat. Nach ihm wurde in Auschwitz das Mordwerkzeug, die „Boger-Schaukel“ benannt, auf der er Häftlinge zu Tode quälen liess. Die Liste der Verbrechen von Oswald Kaduk, ebenfalls von der politischen Abteilung ist nicht , minder lang und furchtbar.! Er pflegte seine Opfer ei genhändig zu erdrosseln. Kaduk war von den Rußsen, zunächst zum Tode verurteilt worden; dann wurde er begnadigt und schliesslich nach Ostdeutschland ausgeliefert. Dort sass er wiederum einige Jahre im Zuchthaus bis er nach West- Berlin entlassen wurde. I Doch sein Zivilberuf ist Fleischer. ’ Aus der medizinischen Abteilung werden sich ein Arzt, ein Apotheker, zwei Zahnärzte und vier Sanitäter zu verantworten haben. Alle hatten entweder mit den „Selektionen“ zu tun oder mit den sog. Abspritzungen. Franz Hofmann, der bereits ein lebenslängliche Zuchthausstrafe wegen seiner Verbrechen in Dachau verbüsst, steht ate Führer der Schutzhaft - Lagerwache in Frankfurt unter Anldaop Sein SfraffegfSfCr enthält Mord an einer Jüdin, die sich gegen die Vergasung wehrte, Mord an russischen Kriegsgefangenen, die er bis zu ihrem Tode in Eis und Schnee nackend stehen liesß und Mord an 40—50 jüdischen Kindern zwischen 6 LA SEMANA ISRAELITA BIS EM AN AJfUO INDEPENDIENTE 8«. Air«« — PUEYRREDOR 219«, I* i««j. - T. E. 83-261- 3. ElUl 5723 23. August 1963 Juden begingen Selbstmord Wien. — In Odessa begingen zwei angeklagte Juden Selbstmord. Ma-rt glaubt, dass dies die Folge der Untersuchungsmethoden ist. in einem Prozess wurden zwei Juden zum Tode verurteilt. Ihre Namen sind Falk Fuchs und Benjamin Gulko. Die ukrainischen Zeitungen berichteten. dass sie Finanzspekulationen getrieben hätten. Andere werden beschuldigt, sich bei der Sehechita bereichert zu haben. und 12 Jahren, die er selber für die Gaskammer auswählte. Die Staatsanwaltschaft hat nicht weniger als 1300 Zeugen aus allen Teilen der Welt vernommen. Einig« sandten ihre Aussage» ein, andere weigerten eich, sie auch in der Hauptverhandlung zu mache», Weil sie die damit verbundenen psychischen Qualen nicht ertragen konnten. 250 Zeugen sind für die Hauptverbandlung vorgesehen. Prozess gegen Edward Lucius Giessen. — Der 42 Jahre alte Autoschlosser Edward Lucius aus Frankfurt musste sich unlängst vor dem Giesßener Schwurgericht wegen der Ermordung von Juden verantworten. Dia Staatsanwaltschaft Wirft ihm vor, als Angehöriger der SS 1943 in Polen einen Juden, eine Jüdin und ein zweijähriges Kind erschossen oder erschlagen zu haben. (AWZ1 Beliebte Reiseziele * Barilo ehe, Mendoza « M. del Finta, Ignaz à « Uro Hondo, Córdoba * Pf or de« Argentiniens t if. Naefebarlaewder: íicresnantg Zusammenstellung. 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