Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 24 (1963)
- Issue
- 2022 (26.7.1963)
- Date
- 1963-07-26
- Page
- [Seite 7] (sequence 7)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
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«X KUNST Nationalschmerzes iW-Rokchnitt. aus dem Buche ammmdem Jahre 1723 ir folgenschlossen, und in diesem auf einen Sinne ist es gleichgültig, wie el: Der nie jüdische Einstellung des inntag, 2. einzelnen jüdischen Mente an diesehen gewesen ist. Und n ausgenichts unterstreicht deutlijüdische eher diese Auffassung unse- Entv/ickrer grossen Gelehrten als izen Kit ae Tatsache, dass sie auch die Märtyrer des Mittelalters, die Klagagesünge um sie, in die Liturgie der Morgenandacht am 9. Aw aufgenommen haben. Auch mit der Wiedererstehung des jüdischen Staates und seiner glücklichen Entwicklung sind die Zeiten des Leides schon deshalb nicht vergessen weil noch heute ein sehr grosser Teil des jüdischen Volkes in Unfreiheit lebt, und weil die Narben der letzten schlimmsten Katastrophe nicht verheilt sind. Gerade in den allerletzten Jahren ist uns bei verschiedenen Anlässen erst so ganz deutlich zum Bewusstsein gebracht worden, dass die Opfer, die wir Juden wäh rend der zwölf Jahre der Nazityrannei hatten erleiden müssen, immer noch weit furchtbarer gewesen sind, als unsere Phantasie sich dies hatte vorstellen können. Und feierte kürzlich Medinat Jisracl in Dankbarkeit und Freude'den 15. Jahrestag seiner Begründung, so hat man auch dort das jüdische Martyrium nicht einen einzigen Augenblick vergessen. Der 9. Aw, Jahr um Jahr Sinnbild des nationalen Schmerzes und der religiösen Trauer, bleibt eine etändige Mahnung für glücklichere Zeilen, denen das jüdische Volk nach menschlicher Voraussicht im Vertrauen auf die göttliche Gnade entgegensehen darf. Curt Wilk?n heim- 5er rund strecken lie des wusste ■ Freur Traum iinlohnen 'erus3allen im die die im lusendhtc als chHailigung is und ii Vollassen . Märten, in NEUE BUECHER Ernst Hoferrichter: München, erschienen bei Kindler. — Ausser dem von Helmut Kindler geschriebenen Bildbericht über Berlin sei auch die Ausgabe über München erwähnt, die diese Kunststadt zeigt, dis — wie wir alle erfahren haben — nicht nur eine Stadt der Künste und der Theater ist. Wunderschöne Aufnahmen mit instruktiven Texten zsigsn die Geschiente und Entwickimg einer Stadt, die auch im jüdischen Leben eine grosse Rolle gespielt hat. — über den Umweg des Kommunismus zu allgemeinen humanistischen Auffassungen zurückgekehrt sind. Aus diesem Erleben und Denken spricht ein Charakter, der es verdient, dass man seine Gedanken überprüft und mit dem erforderlichen Ernst betrachtet. Ein Leben, das für unsere Zeit beinahe typisch ist. wenigster!« für eine bestimmte^ Schicht und Gruppe (gerade auch von Judrn), wird für die breite Lesermasse spannend ausgearbeitet. — (a. b). in jeien naeings* fradau- >r mir nicht tagte ir Nai wirkonalaour seich ihm iss Roberzeuch das ch ei" an di® an! mein® uen und meiner mit und h g®e' ui einer an. die ¡ebt als i i** n trot*;n Tenkeinesfergani-erden. »■enigdenen nehmen ¡len fre> fte ®ai l3lte-^r , einet prechf”; •5 ist ah Alfred Kantorowicz: Deut sches Tagebuch, 2 Bände. Kindler - Verlag, München 1961. — Kantorowicz war Professor für Neue Deutsche Literatur an der Ostberliner Universität, Er wurde von seinem Kommunismus geheilt, floh nach dem Westen und .wählte die Freiheit*, ki zwei sehr gut geschriebenen Bänden erzählt er sein Leben, berichtet von seinen Ideen und schildert zugleich die geistesgeschichtliche Ent Wicklung weiter Kreise, die Yehoshua Freudenheim: Die Staatsordnung Israels, ihre Vorgeschichte und ihre rechtlichen Grundlagen, Verlag C. H. Beck, München und Berlin 1983. — Der Jerusalemer "Rechtsanwalt Yehoshua Freudenheim schrieb vor Jahren in hebräischer Sprache ein Buch über die Regierungsform Israels, das bereits mehrere Auflagen erlebt hat. Die vom Autor unter Mitwirkung des Rechtsanwaltes Aharon Zwergbaum (Jerusalem) vorgenommene deutsche Ueberretzung be- LUACH — (KALENDER) Freitag, den 26. Juli 5. Aw Sonnabend, den 27. Juli 6. Aw Schabbat Chason Parschat DEWARIM 5. B M. I 1 — III 22 Haftara Yeschayahu 11 — 27 Sonntag, den 28. Juli 7. Aw Montag, den 29. Juli 8. Aw Dienstag, den 30. Juli 9. Aw Fasten Tischa b’Aw Mittwoch, den 31. Juli 10. Aw Donnerstag, den 1. August 11. Aw Freitag, den 2. August 12. Aw Sonnabend, den 3. August 13. Aw Parschat VA’ETCHANAN 5. B. M III 23 — VII 11 Haftara Yeschayahu XL 1 — 26 Sonntag, den 4. August 14. Aw Montag, den 5. August 15. Aw Dienstag, den 6. August 16. Aw Mittwoch den 7. August 17. Aw Donnerstag, den 8. August 18. Aw Freitag, den 9. August 19. Aw Ein vergessener Maertyrer von KURT KAISER-BLUETH Erich Mühsam, der unerschrockene Mahner und Rufer im polnischen und künstlerischen Leben Deutschlands, im wilhelminischen Kaiserreich und in dem kurzen Leben der We.maver Republik, der vor 85 Jahren, 1878, in Berlin als Sohn eines jüdischen Apothekers geboren wurde, ist heute in Deutschland praktisch vergessen. Seine Bücher, seine kämpferischen und phliso phischen, oft menschlich so aufwühlenden Verse sind nie wieder gedruckt wurden, die Jugend kennt nicht einmal den Namen dieses deutschen Dichters, der eine der Leuchten der humanistischen deutschen Epoche zwischen den beiden Weltkriegen war und den Goeb bels von seinen Schergen im Konzentrationslager Oranienburg umbringen liess. Erich Mühsam war immer ein Rebell, ein Kämpfer gegen Unrecht und Unterdrükkung gewesen. Er war ein authentischer Antimilitarist, und sein Hass gegen die Uniform war nicht eine snobistische Grundhaltung, sondern ein integraler Teil seines Wesens. Dabei war dieser leidenschaftliche Kämpfer gegen den Krieg und die Greuel einer Gesellschaft ohne Gnade nicht etwa ein Pazifist aus Mangel an Courage. Mühsam war kühn und furchtlos bis zur Selfcstauf gäbe, und er hat es als eine Ehrenpflicht für einen engagierten Schriftsteller angesehen, sich stets im ersten Schützengraben der Front der Freiheit zu exponieren. Er begann schon früh, ein „Aussenseiter der Gesellschaft“ zu sein. Als 32-Jähriger stand ^r im Jahre 1910 vor einem Gericht Wilhelms des Zweiten. Man warf ihm sozialistische Agitation und aufrührerische ’ Umtriebe vor. Während des Eisten Weltkrieges liquidierte die kaiserlische Zensur seine antimilitaristische Zeitschrift ,,Karin“; aber Mühsam kapitulierte nicht, sein .Fanal* trug trotzig die Flamme seiner permanenten Empörung gegen Mord und Ausbeutung weiter. In dem politisch gewiss sehr zweifelhaften Experiment der Münchner Rätereeteht im wesentlichen aus zwei Teilen, einer historischen Uebersicht der politischen Ereignisse, die der Staatsgründung vorausgingen, sowie einer systemati sehen Darstellung der geltenden Staatsordnung auf dem Gebiet der Grundrech te, des Staatebiirgerschaftsrechtes sowie aller anderen Zweige des öffentlich-staatlichen und kommunalen Rechtes. Das Buch ist nicht nur für Fachleute und Juristen geschrieben, sondern von jedem zu lesen, der sich für die Struktur des Staates Israel interessiert. Die Sprache ist klar und verständlich. Besonders die einführenden Kapitel werden alle mit grosser Aufmerksamkeit und e nem wachsenden In teresse lesen, in denen die Grundlagen der Entstehung und das Wesen des Staates Israel geschildert wurden. Jedenfalls ist dieses Buch eine der unentbehrlichen Quellen zum Verstehen des modeinen Israel, wenn der Besucher, Betrachter, Bewunderer oder Bewohner dieses Landes sich nicht mit allgemeinen Redensarten oder einer oft schnell verfliegenden Begeisterung zufrieden geben will. — (r. p.) Berlin, Brennpunkt Deutsche- Geschichte, erschie neu bei Kindler, geschrieben und herausgegeben von Helmut Kindler. — Dieses bereits vor Jahren herausgegebene Bildbuch gehört zu den Werken, die den Titel „Buchdruckerpublik war er eirer von denen, die in die Bresche sprangen, obwohl er gewiss zu hellsichtig wai. um sich Illusionen zu machen. Wäh rend der gütige und idealistische Philosoph Kurt Eisner, zu seinen Lebzeiten bitter verkannt, ermordet wurde. kamen Erich Mühsam und Ernst Toller mit dem Leben davon In der Festungshaft schrieb und rientete Müh sam unermüdlich weiter. Seine starken, anklägeridel der Politik gerissen hatte, verlor dieser Idealist, der indessen kein Schwärmer. sondern ein Mensch ven höchstem sittlichen Verantwortungsgefühl war. der jeden Opportunismus und jede Zweid cutigkeit verabscheute, weil sein Radikalismus und seine Kompromisslosigkeit der Ausdruck seiner immensen menschlichen Ehrenhaftigkeit waren. oft den Faden. Er war kein Realist, er war kein Organisator, und es fehlte ihm der kritische Sinn für die Möglichkeiten der Stunde und die realen Gegebenheiten des Augenblicks. Aber das bedeutet nicht, dass dieser eifernde Prophet, der, voller Dynamismus und Tatbereitschaft, kein Mann der geordneten und auskalkelierten Aktion war, die Dinge in seinem Geiste weniger klar sah als die ..Professionellen“ der Politik. Im Gegenteil, er hat die Dinge, vor allem die Folgen einer Politik ohne Grösse und Ueberzeugung. oft weitaus klarer und folgerichtiger gesehen als gewisse Prominente des damaligen politischen Lebens in Deutschland Was an Mühl-ig und manchmal zu turbulent war, besonders schön und respektgebietend war, war seine Bereitschaft zu jeder Stunde bis zum Letzten für das einzustehen, was ihm richtig und notwendig erschien, selbst wenn es das letzte Risiko mit sich brachte. Mühsams politische Gedichte verdienten, aus der Vergessenheit gerissen zu wurden, es gibt ausgezeichnete Verse aus seiner Federö die von dem Atem einer grossen und reinen Leidenschaft getragen werden. Erich Mühsam ist aus der Blütezeit des deutschen Geisteslebens zwischen den beiden Kriegen nicht wegzudenken, seine poetische Satire hatte, trotz ihrer Aggressivität. niemals den gehässigen persönlichen Stachel, der die Produktion manches anderen entwertete — dieser Kämpfer hatte ein zu zärtliches Herz, um nicht selbst in seinem Zorn vor allem menschlich zu sein. Wer erinnert sich nicht an seinen ..Revoluzzer, der revoluzzt, aber trotzdem Lampen putzt“? Bei aller Ironie, wieviel einfühlendes Verstehen für die Inkonsequenz und die bemitleidenswerte. aber nicht zu hassende Kläglichkeit des Menschlichen, des Allzumenschlichen —! Dieser Mann, den die braunen Unmenschen in der Nacht des Reichstagsbrandes aus dem Bett holten und nach Oranienburg verschleppten. das er nicht mehr lebend verlassen sollte, schrieb nicht nur scharf gemeisselte und anklagende Satiren, sondern auch diese zutiefst menschlich-gütigen Verse, die die ethische Noblesse' der Persönlichkeit Mühsams aufzeigen und auch die Triebfeder seines Handels als „Engagierter“ sowohl in der Literatur wie in der Politik: „Ich weiss von allem Leid-, fühl alle'Scham Und möchte helfen aller Kretatur. Der Liebe such ich aus dem Hess die Spur, Dem Menschenglück den Weg aus Not und Gram...“ Dieser Märtyrer, den die Stiefel der Bestie zertraten, verdiente Erinn-srungs- und Gcdächtnisstur.den in allen Schulen Deutschlands. Atrr er ist vergessen. Und sein Tod, sein grausames Sterben ist ins Unterbewusstsein verdrängt wurden. Wie die Erinnerung an so vieles andere. Drei Trauerwochen ZUM NEUNTEN AW Des Sommers heisser Atem sengend schnaubt Um morschen Mauerwerkes dumpfe Enge — Aus diistern Winkeln dringen Bussgeriir.ge Verwaisten Volks, das seiner Pracht beraubt: „Ach, wie sitzt sie verlassen. Die Stadt, die eirst volkieich wrar: Tod füllt und Brand ihre Gassen Klageruf in den Gelassen Um der Erschlagenen Scharen...“ Auf nackte Erde gekauert Psaimodieret im Chor Der Rest, der Zicn betrauert. _ 1 Der Rest, der gedenkend erschauert. Weil er sein Zion verlor. Aus dem Brande der hohen Festgebauten Stadt Schlagen die ewigen Lohen. Die durch Jahrtausende drohen: Weiterzeugende Tat! Wie wäre es möglich, dass ich nicht gedächte Des dunklen Tags — sein Weinen nicht vernahm? „Verdorren sollst du, meine Rechte Vergäss ich dein — Jerusalem!“ Schalom Ben Chorin sehen Verse aus dieser Zeit, in denen das Polemische trotz allem nur eine sekundäre Rolle spielt und das Positiv - Menschliche einen breiten Raum einnimmt, gehören mit zu dem Besten, was Erich Mühsam geschrieben hat — die innere Ehrlichkeit dieser zutiefst erfühlten Verse ist erschütternd. Gewiss, Mühsam war kein Politiker, und wenn ihn die Unruhe der Zeit in den Strukunstwerk“ verd.enen. Die Auswahl der Bilder ist ausserordentlich geschickt. Ein Ueberblick über vieles, was die Stadt Berlin und die Berliner sahen, wird gegeben, der diejenigen, die selbst dort gelebt haben, stark anspricht. Erlebtes wird aufgewühlt, Vergan genheit steht auf, als Anklage. vielleicrJ sogar nur als Anklage. Was alles wurde gesündigt, schlecht gemacht, die Fehler wurden wiederholt, dort in Berlin, wie wahrscheinlich überall in der Welt, die auch jetzt noch nicht zur Ruhe kommt. Am Ende stehen Ruinen, Trümmerfelder. Gräber .... bis dann wieder aufgebaut wird. Wird sich diese Kette verlängern? Ober wird doch einmal dieser geheimnisvolle und doch garnicht geheimnisvolle Kreis zerbrechen, damit i n die Stelle des ewigen Auf und Ab. des ständigen Haders und Sireits der Frieden errichtet werden kann? Die Gegenwart, jedenfalls die Berliner Gegenwart ist wenig ermunternd und hoffnungsvoll. Das Kindlersche Buch sollte man sich ansehen, nicht nur weil es interessant ist und schöne Bilder enthält, sondern weil es Lehre und Mahnung sein könnte... (h. s.) Kindler-Alinanach, 1951 bis 1961. auf den hier kurz aufmerksam gemacht sei, da dieser Almanach neben einigen schönen Aufnahmen eine Reihe interessanter und lesenswerter Aufsätze ent hält. — sam, der persönlich schwie- JETZT AUCH Kindler-T aschenbücher Band 1 John Braine: DENN DIE EINEN SIND INC DUNKELN 2 Leonhard Frank: DIE RAEUBERBANDE 3/4-5 Leon Uris: EXODUS 6 Leo Perutz: DER MARQUES DE BOLIBAR 7 Vladislav Vancura: DER BAECKER JAN MARHOUL 8/9 Joyce Cary: AUF GNADE UND UNGNADE 10 Milovan Djilas: DIE NEUE KLASSE 11 Bertrand Rüssel1: HAT DER MENSCH NOCH EINE ZUKUNFT? 12 Peggy Guggenheim: VON KUNST BESESSEN 13/14 Berr.ard Baruch: GUTE 88 JAHRE Es kosten: Einfachband DM 2.50: Doppelband DM 3,SO, Dreifachband DM 4.80. Bestellungen durch alle Buchhandlungen. Kinder Verlag G.m.b.K., München