Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 24 (1963)
- Issue
- 2020 (12.7.1963)
- Date
- 1963-07-12
- Page
- [Seite 8] (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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8 — Viernes, 12 de Julio de 1963 LA SEMANA ISRAELITA Ado XXIV. — No. 2029 Zuschrift aus dem Leserkreis Touristen bringen Devisen von Dr. KURT 0TTENS00SER (Israel; Sehr geehrte Redaktion! Ich bin der Meinung, dass eine Zeitschrift wie die „Jüdische Wochenschau“, die so wichtige Aufgaben der Information zu erfüllen hat, welche in Argentinien von keinem anderen deutschsprachigen Blatt erledigt werden können, sich ein grosses Vedienst um ihre Leser erwerben würde, wenn sie trotz des notorischen Platzmangels der Diskussion un ter den Lesern ihre Spalten öffnen würde, umso mehr, als sie es früher bei mancher Gelegenheit getan hat. Gestatten Sie mir also, in den folgenden Zeilen den Beginn einer solchen Diskussion zu provozieren und zwar über die Barmizwah oder vielmehr die Form, wie diese in unseren Kreisen be gangen und gefeiert wird. Wenn ich auch in der Anonymität bleiben möchte und nur Ihnen meine Identität verrate, so darf ich vielleicht darauf hinweisen, dass ich nicht der Vater eines 12jährigen Sohnes bin und aL so in eigener Sache, lies: Verteidigung des Geldbeutels, spreche, sondern aus ganz allgemeinen Erwägungen heraus. Dass die Barmizwah eines Knaben eine schöne Feier ist und sein soll, die nicht nur den Jungen selbst und sein« Familie, sondern auch die Gemeinschaft als solche angeht, bleibt unbestritten. Wogegeq^plch mich wenden möchte, ist eine m. E. falsche Interpretation der Form, die zum Teil daher rührt, dass im Judentum irgendwelche zeitlich oder örtlich gebundenen .Minhagim“ (Gebräuche) schnell als unwandelbares Gesetz angesehen wei’den, was sie natürlich nicht sind. Meine jüdische Bibliothek und (leider) auch mein jüdisches Wissen sind zu klein, um genau angeben zu können, seit wann man die Feier der Barmiz wah so begeht, wie sie heute unter uns üblich ist. Aber es ist keine Frage, dass sie jüngeren Datums ist. Der gekürzte .Schalchan Aruch', den ich allerdings nur in der englischen Ausgabe (New York J927) nachgelesen habe, sagt kein Wort über die Barmizwah. Elbogen, Leo Hirsch u. a. sprechen stets von synagogalen Feiern jüngeren Ursprungs. Abraham Geiger berichtet aus dem Jahre 1823 .über seine Barmizwah (ohne indes auch nur das Wort zu nennen) folgendes: ,,Zu meinem dreizehnten Geburtstag wünschte meine Familie, die mich gern in den Himmel erhob, eine heDräische Dissertation, die aus lauter Spitzfindigkeiten besteht (Deraschah), und eine deutsche Rede zu hören; zu ersterer musste ich die Hilfe meines älteren Bruders in Anspruch nehmen; die letztere gelang mir nach Wunsch.' (Abraham Geiger, Nachgelassene Schriften, Band V. p. 7 f.. Berlin 1878). Gewiss, Geiger ist ein mehr als liberaler Jude geworden und deswegen für einen Or thodoxen sicherlich keine Autorität, aber zu jener Zeit war er noch völlig im Banne des traditionellen Glaubens und von einem überaus frommen Vater schon mit 5 Jahren in die Welt des Talmud eingeführt worden. Er spricht kein Wort davon, dass er aus der Thora gelesen habe noch von einer Feier, die sich angeschlossen hätte. Dass Abraham Berliner (Aus dem Leben der Juden Deutschlands im Mittelalter, Berlin 1937) die Barmizwah nicht erwähnt, ist fast selbstverständlich. Er spricht zwar von Hochzeit und Beschneidung (z B. Seite 38), von Festlichkeiten aus Anlass der Beendigung eines Talmud - Traktates, aber nicht von der Feier, die in unseren Kreisen heute fast die wesentlichste geworden ist. Das alles mag mehr zufällig sein, und es ist nicht meine Absicht, die Barmizwah von ihrem historischen Standpunkt aus zu kritisieren. Vielmehr liegt mir dar an, ein gewisses rationelles Kriterium anzulegen. In den sogenannten liberalen Kreisen (d. h. in mehr oder minder formell ver schiedener Form bei 90 Pro zent unserer hiesigen Juden) kann der Junge, der zum ersten Mal aufgerufen wird, nicht aus der Thora lesen. In vielen Fällen kann er überhaupt nicht hebräisch lesen, in anderen stottert er sich einen punktier. Die Touristensaison in Israel ist in vollem Schwung, und kein Hotelzimmer ist unbesetzt. Es sind auch alle Anzeichen dafür vorhanden, dass die Saison, die so gut eingesetzt hat, sich im glei. chen Umfange fortsetzen wird, denn die meisten Hotels haben reichliche Vorbestellungen für die kommen den Monate. Wie aus den jetzt vorliegenden Ziffern hervorgeht, ist die Touristen-Industrie Israels mit zu den besten Devisenquellen des Landes mit aufgerückt. Sie nimmt heute den fünften Platz ein. Die 184.000 Touristen, die Israel im Jahre 1962 besuch ten (gegen nur 160.000 im Jahre 1961) gaben hier 33 Millionen Dollar aus (im Vorjahr etwas über 28 Millionen), und die Tatsache, dass sich die durchschnittliche Aufenthaltsperiode des Gastes nicht unbeträchtlich erhöht hat, ist auch befriedigend. Nicht nur sind bei den Einnahmen aus der Touri stik in Höhe von 33 Millionen Dollar die Fahrtkosten mit Flugzeug oder Schiff nicht miteingerechnet, es zeigte sich auch bei einer genauen Untersuchung, die jetzt vorgenommen wurde, ten Text zusammen. Er wird in wenigen Monaten, oft in Wochen auf die Barmizwah vorbereitet. Dieser Unterricht muss sich im wesentlichen darauf beschränken, ihm eine Thora- oder Haftara-Stelle beizubringen, wobei es meist der Fall sein dürfte, dass der Junge eine Zeile über oder unter der eintrainierten Stelle nicht mehr richtig entziffern kann, geschweige denn, dass er wüsste, was sie bedeutet. Mit einem Wort: er lernt seine Stelle mehr oder weniger auswendig, als handele es sich um ein Examen in der Schule, und im Grunde wäre eß nichts anderes, wenn er eine Stelle aus dem griechischen Homer vortrü ge. Eltern und Grosseltern freuen sich nun mächtig, dass ihr Junge Mittelpunkt ist und so schön singt oder spricht. Dass im Grunde für Herz und Seele des Jungen damit wenig oder nichts getan wird, geht ihnen nicht auf. Für das gut bestandene Examen bekommt der Junge dann kostbare Geschenke, die sich in seiner Vorstellung fast zur Hauptsache bei der ganzen Angelegenheit gestalten. Vielleicht würde eine Statistik über die Frage, woviel Jungen duch nur acht Tage nach ihrer Barmizwah Tefillin legen, meine pessimistidass der selbstverdiente Anteil an diesen 33 Millionen Dollar mit etwa 72 % ein verhältnismässig hoher ist. Das heisst, von jedem Dollar. den der Gast hier ausgibt. sind 72 oder 73 Cents wirklich hier verdient. Dem. gegenüber beläuft sich dieser Verdienet beim Industrieexport auf nur etwa 50 Prozent im Durchschnitt, in der Verkehrs Wirtschaft (Flugzeug und Schiffahrt) auf nur 24 Prozent und in der Diamantenindustrie auf einen noch kleineren Prozentsatz. So befriedigend diese von der staatlichen Touristengesellschaft veröffentlichten Zahlen auch an sich sind, so blieb die Steigerung der Zahl der Touristen im Jahre 1962 doch um rund 15 % hinter dem Anwachsen der Touristik in den Vorjahren und besonders im Jahre 1961 prozentuell zurück. Gewiss auch eine Steigerung um 15 Prozent ist recht beträchtlich und kein anderes Touristenland kann mit gleich hohen Steigerung^ - Prozenten aufwarten, aber diese Verlangsamung gegenüber den Vorjahren hat doch Be denken ausgelöst. Sie ist sehen Ausführungen bestätigen. Ich kann Eltern nicht vor schreiben, wie sie die Barmizwah ihres Sohnes feiern sollen. Dazu fehlt jede Autorität oder Einflusßmöglichkeit. Aber wäre es nicht ehrlicher und schöner, eines von den zwei folgenden Dingen zu machen: 1. ) Den Jungen früh lernen zu lassen, damit er bei Vollendung des 13. Lebensjahres ein wirkliches Wissen besitzt, d. h. alßo mindestens perfekt hebräisch lesen und verstehen kann, die gebräuchlichsten Gebete und G’tterdienstordnmgen kennt, Tefillin legt usw. Ist es aber den Eltern unmöglich, dies zu bewerkßtelligen oder möchten sie es gar nicht, dann wäre es doch empfehlenswert, den Jungen 2. ) nur die Berachot sagen zu lassen, ihm, statt eine Stelle auswendig lernen zu lassen, die er einmal in seinem Leben liest, lieber einen allgemeinen Unterricht zu geben, der ihn eeelisch im Judentum verankert und statt einer lärmen den und oft protzigen Feier einen Kiddusch und ein Familienessen zu machen (wie es noch vor 50 Jahren in vielen Gemeinden Deutschlande üblien war). Hier ist es so weit gekommen, dass die Barmizwah eines Jungen für manche Eltern geradezu ein finanzielles Problem darstellt, weil sie nicht hinter anderen zurückstehen wollen... Welche Verkennung der Tatsachen! Welch ein Unsinn in einem Vorgang, der wie wenig andere den S.nn und die Exißtenz unseres Judentums verbürgen sollte! Mag sein, dass viele anderer Meinung sind als ich. Aber aus der Aussprache ergeben sich ja immer wieder reue und hoffentlich fruchtbare Geßichtspunkte. A.B.C. Erzeugung von Tafelsalz Jerusalem. — In Sdom wurde eine Fabrik für die Erzeugung von Tafelsalz eröffnet. Die Fabrik wurde mit einem Kostenaufwand von einer Million IL errichtet und soll 20.000 to Tafelsalz jährlich, hauptsächlich für den Export herstellenzum Teil auch eine Folge des Absinkens des Anteils der Touristik aus den USA und Kanada infolge der Ku. bakrise, denn der Anteil der mehr durch Gewährung gro. Gäßte aus diesen beiden Ländern ging von 37,4 auf 35,1 Prozent zurück. Israel hat in den letzten Jahren besonders seine erstklassigen Hotels stark ausge baut. Man glaubt aber jetzt, sich mehr und mehr auf eine Mittelstands - Tourißtik umstellen zu sollen, will man auf eine wirklich hohe Zahl von Besuchern des Landes kommen. An dieser Umstellung wird heute gearbeitet, und die Regierung gab bekannt, dass sie den Bau von Luxushotels nicht sser Kredite fördern will, sondern diese Hilfe der Erstellung von Hotels der mitt leren Kategorie und von Motels zukommen zu lassen gedenkt. Insbesondere gilt es auch, für gute und preiswerte Re' staurants zu sorgen, da die Verpflegung hier noch viel zu wünschen übrig lässt und soweit von Touristen noch Klagen laut werden, diese sich besonders auf die israelischen Küchen beziehen. Das Israeli Ballett von Karmon gab ein Gastspiel im Cine Opera und zeigte sehr erfreuliche Kunst, die stark von der anderer Tanzgruppen abwich. Keine Dekorationen ausser grosßen Vorhängen, keine Ausdrucks kunst im Sinne Mary Wigmans, keine „arte pro arte“ im Stile des alten klassischen Balletts mit seinen Spitzentänzen und Pirouetten und nichtß, absolut gar nichts Schlüpfriges oder sexuell Erregendes. Junge Künstler zeigten, vorwiegende in Reigen oder Bewegungsformen, Bilder aus dem Leben Israels. Von der Arbeit auf dem Lande oder der Fischerei, vom Militär. vom harten Leben im Sande des Negew, von den Zaddikim in Jerusalem (ein besonders gut gelungenes Solo Karmens mit seiner Gruppe), und vor allem den „Exodus“, eine künstlerisch überragende Studie, die durch riesige tanzende Schatten ein erschütterndes Gemälde in Schweiz Weiss boten. Immer wieder Reigen alß Ausdrucksform des Le- \\ fristige Anlagen <> Die Gesellschaft für Fremdenverkehr hat sich dieser Angelegenheit bereits angenommen und bildet nicht nur in der staatlichen Hotel fachschule „m Hotel Tadmor in Herzlia Köche aus, sie versuchte auch schon, durch Kochkonkurrenzen das Interesse für eine gepflegte und abweehslungsweiche Küche zu heben und zu fördern. Die Touristik ist letzten Endes aber nicht nur ein Devisenverdiener als einer der wichtigsten Industriezweige des Landes, sie ist auch von grösster Bedeutung auf dem Gebiet der Aufklärung. Wieder und wie. der konnten wir aus dem Munde von Touristen hören, „wir wussten ja gar nicht, was Israel ist und was hier im Aufbau des Landes geleitet wurde“. Wir konnten noch stets festsbellen, dass die Touristen das Land als Freunde Israels verliesseu und daßs sie die besten Propagandisten für Israel in ihren Heimatländern wurden. Es ist daher wohl verständlich, dass die Regierung mit vollem Verständnis sich die Förderung der Touristenindustrie angelegen sein läßst und in ihren Bemühungen, den Fremden, verkehr weiter zu fördern nicht nachlassen wird. bens der Kübbuzniks mit Sprüngen und Tänzen, dazwischen zwei Horras, von denen eine brillant stilisiert aufwies, was aus einer ein- > fachen Horra künstlerisch ' herauszuholen ist. Die Kunetdes Balletts ist rein und sauber wie ihr Va terland Israel. Viele Tänze wurden von den Künstlern auch gesungen, im Chor oder im Solo, gesungen von Chanita Zahabi, welche die reifste Leistung des Abends bot. Eine Sängerin mit angenehmer Stimme, eine graziöse Tänzerin und mit einer mimischen Ausdruckskraft begabt, wie man ßie nur selten findet. Karmon zeichnete sich als Solist aus. viel mehr aber als Choreograph und Schöpfer der Tanzstudien. Ein Scnderlob der Solotrommlerin. Sehr zahlreiches Publikum füllte das grosse Cine Opera. Es ging vom ersten Au genblick des pausenlos rasch abgerollten Programms begeistert mit und spendete reichen Beifall. Auskünfte jeder Art 18, George Elliot Str. HOTEL DAPHNE IHR HOTEL IN HAIFA - Israel VORHERIGE BESTELLUNGEN RATSAM I HAIFA. Hadar Hakarmel. Nordaustr. INCOBA INVESTMENT & TRUST. Co. Lid. INDUSTRIAL & COMMERCIAL BANK (ISRAEL . LATIN AMERICA) LTD. ASOCIADO CON BANK HAPOALIM TEL AVIV — ISRAEL INCOBA INVESTMENT & TRUST Cia. (GALERIA DEL OBELISCO) Av. CORRIENTES 1145 T. E. 35-8586 TEL AVIV, Israel BALLETT AUSDRUCK DES WESENS ISRAELS o. o. HOTEL ARMON ISRAELS SCH0ENES TOURISTENHOTEL Id i e beste Küche Angenehmer Aufenthalt Tel Aviv, Jarkonstr. 90 Tel. 23711 : (Vorherige Zimmerbestellung ist unbedingt erforderlich) Ü Dr. MAX FLESCH i| Berater für Investitionen und Finanzgeschaefte in Israel — Lang- und kurz-