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Jüdische Wochenschau · 1963-06-07 · 2015 (7.6.1963) · p. [Seite 9]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
24 (1963)
Issue
2015 (7.6.1963)
Date
1963-06-07
Page
[Seite 9] (sequence 9)
Language
German, Spanish
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Viernes, 7 de Junio de 1963 Theodor Año XXIV. — No. 2015 — 9 PUEYRREDON 2190 1 St. * * * T. E. 83-2613 Zum Tode von Kurt Blumenfeld Kurz vor Schawuoth ist Kurt Blumenfeld gestorben. Ein erfüllte« Leben wurde abgeschlossen. Im vergangenen Jahr wurde vom Leo Baeck Institut Blumenfelds Erinnerungs- und Bekenntnisbuch „Erlebte Judenfrage“ veröffentlicht, das zu seinem Vermächtnis gewor den ist. Blumenfeld ist tot, aber er lebt weiter nicht nur in der Erinnerung seiner vielen Freunde und Schüler, er lebte in allen weiter, die von der Sehnsucht und Liebe zu Zion getragen werden. Kurt Blumenfeld,-der eine juristische Ausbildung gehabt hat, war ein Mann ven grossem, man darf sagen, erstaunlichem Wissen. Er war keiner der Politiker, die aus der Situation eines Au genblicks das Richtige und das Beste für eine Partei oder für ein Volk zu gewinnen suchen. Für Blumenfeld war Politik Richtung und Haltung, Ziel und Weg, Wollen und Verwirklichen zugleich. Seine grossen geistigen, intellektuellen Fähigkeiten, sein scharfer Verstand, sein Wissen und Können machten ihn ebenso wie seine menschlichen Qualitäten, seine Bereitschaft und seine Integrität zum geborenen Führer — um diese« von unseren Feinden missbrauchte Wort hier anzuwenden. Blumenfeld war nicht des wegen Zionist, weil er die politische Lösung der Judenlage suche, sondern weil er nach einer geistigen Lösung der Judenfrage rang. Seine Gedanken waren kristallklar, seine Argumente logiech, seine Reden kostba fe Perlen menschlicher wie jüdischer Erkenntnisse. Als der führende zionistische Kopf in Deutschland fiel ihm die erste Rolle in der Auseinandersetzung mit den Gegnern des Zionismus in den jiidißchen Reihen zu. Er blieb immer vornehm, versuchte nicht den Andersdenkenden unmöglich zu ma chen, wenn er auch seine Ansichten zerpflückte, auf die Gefahren jüdischer Illusionspolitik hinwies und scharf polemisierte. Blumenfelds Stärke lag in seiner Wirkung auf kleine Kreise oder einzelne groroe Persönlichkeiten, die dem Zauber seiner Ideenwelt zugänglich waren und von Blumenfelds Gedanken überzeugt worden sind. In die Reihe der vielen Grossen gehört Einstein, aber auch andere 'bedeutende Juden wie Nichtjuden, denen Blumenfeld selbst in seinen Erinnerungen ein Denkmal gesetzt hat. Das« eine solche glänzen de Persönlichkeit, wie es Kurt Blumenfeld gewesen ist, die jüdische Jugend begeistern konnte, insbesondere die akademische Jugend, war selbstverständlich. Er war ihr eigentlicher Lehrmeister, aber ein Mann, der verlangte und nicht nur gab, der von jedem Arbeit an «ich forderte, Einsatz und Bereitschaft lehrte, nachzudenken und immer weiter und tiefer zu forschen ifwang um auf dem Wege jüdischer -und menschlicher Erkenntnisse nicht stehen zu bleiben. Mit Recht wies H;»is Tramer auf dieses — nicht geschriebene, aber immer wieder gesprochene, gelehrte, weitergegebene Programm Blumenfelds, man könnte sagen: seine Lehrmeinung im Vorwort zur „Erlebten Judenfrage“ hin: „Wir 'brauchen etwas, was es noch niemals gab, wir müssen die Kraft haben, eine Revolution mit langem Atem zu erzeugen und aufrechtzuerhalten. Jahre und Jahrzehnte müssen wrir Mensehen für ein Werk, an dem alle kommenden Geschlechter arbeiten werden, bereiten. Nicht für die Zeit solteilen Erfolges, sondern für die schweren Jahre häufiger Misserfolge brauchen wir unsere Organisation.“ — Diese Worte gelten auch heute noch. Für die Zeit häufiger Misserfolge brauchen wir die Zionistische Organisation, die sich heute wie immer bewähren wird, wenn jene Voraussetzungen erfüllt bleiben, für die Kurt Blumenfeld gelebt hat. Bis in seine letzten Lebensjahre hinein wartete man auf da« Wort dieses Mannes, dieses unermüdlichen Kämpfers für das zionistische, für das jüdische, für das menschliche Ideal.— (h. s.) NACHRICHTEN AUS ISRAEL ANSTIEG DER ZITRUSAUSFUHR In diesem Jahr werden fast 12 Millionen Kisten Zitrusfrüchte zum Versand ins Ausland gebraent wer. den, im Vergleich zu nur 8,5 Millionen im Vorjahr. ANSTIEG DER EINWANDERUNG Nach einer gewissen Verlangsamung des Tempcß der Einwanderung in den letzten Monaten des vergangenen Jahres war bereits im Januar ein Ansteigen der Einwanderung zu verspüren, und im Februar konnte eine bedeutende Zniahme der Einwandererzahl verzeichnet werden. Alle Anzeichen weisen darauf hin, dass die Alija-Kurve weiter im An steigen begriffen ist und die Einwanderungsziffern der kommenden Mcnate über den bisherigen liegen werden. AUS SUEDAM ERIKA UND SUEDAFRIKA Ende März trafen mehr a\s 700 Einwanderer aus Südamerika, besonders Argentinien ,in Haifa ein. Ihr Transport erfolgte auf dem von der Gesellschaft ZIM gecharterten Schiff ,.Flamima“, das auch gleichzeitig das Gepäck der Einwanderer mitbrachte. Kurze Zeit vorher kamen im Lande sieben Familien aus Südafrika an, um sich im Genossenschaftsdorf Timonm niederzulaesen. WOHNUNGEN FUER NEUEINWANDERER Im Jahre 1962 übergab die Absorptions - Abteilung der Jewish Agency insgesamt 14.830 Wohnungen an Neueii'.wanderer. Von ihnen gingen 53,2 Prozent in Entwicklungsgebiete, 34,7 Prozent in die Küstenebene, 2,9 Prozent in Kollektiv- und Genossenschafts-Siedlungen, 0,6 Prozent in Anstalten der Jugendalija und der Rest zu Verwandten oder an diverse Bestimmungsorte. Im gleichen Jahre lernten 7.307 Einwanderer in 72 Ulpanim (Kursen und Anstalten für intensiven Hebräisch Unterricht). KAMPF GEGEN WANDERDUENEN Die Abteilung des Landwirtschafts-Ministeriums für Bodenschutz hat seit der Gründung des Staates auf einer Fläche von 6.000 Dunam entlcng der Küste Ar beiten zur Befestigung der Sanddünen durchgeführt. Wanderdünen bedecken eine Fläche von ’4 Million Dunam in der Küstenebene .WWWVWWWWWW\WWVWWWWVVVVVWV\*\VV*W WV*VWWWVW\VWV% WV\ V* < AUSSPRACHE ABEND j UEBER ZEITFRAGEN AM MONTAG, DEN 10. JUNI, UM 21 UHR IN DEN RAEUMEN DER ACIBA. ARAOZ 2854 Alle Mitglieder der THG sind zu dieser wichtigen Veranstaltung eingeladen. Eingeführte Gaeste willkommen. (Kein Vortragsabend) f S Lichtheim zum Gedenken Das Wort der THG In Zeiten vermeintlicher I politischer Ruhe und wirt- I schaftlicher Hausee Worte der Mahnung und Warnung an unsere Menschen zu richten, ist ein fast unmögliches Vorhaben. Man spricht schon aus Gründen der eigenen Bequemlichkeit davon, dass solche Worte nichts andere« als Schwarzmalerei seien, und überlegt erst garnicht, ob sie vielleicht doch berechtigt sind. Nach der Gründung des Staates Israel und einer wirtschaftlichen Aufwärts entwicklung in den Ländern der Galut glaubten viele Juden, dass alle Probleme für uns und unsere Zeit gelcet seien. Sie sahen nicht oder wollten nicht sehen, was um sie herum vorging und begnügten sich mit ihrer eigenen Zufriedenheit. Sie zahlten — meist unzureichend — für die Einheitskampagne, füllten die Säle unserer Organisationen bei .heiteren Abenden“ und besuchten die i Gottesdienßte an den Hohen | Feiertagen. Mehr aber | nicht:... ’ ★ I Heute herrscht in unseren , Kreisen wieder eine spürba-! re Unruhe. Die wirtschaftli-! che Lage ist schwieriger ge-! worden, die politische Sii cherheit ist unsicherer, man I fühlt sich weder so zufrie. j den noch sicher wie vordem. I Viele eprechen von Auswanj derung. von persönlichen Einschränkungen und den j allgemeinen Schwierigkeiten des Lebens. — Die THG ist eine der ,.äl testen“ Organisationen .unseres Sprachkreises in Buenos Aires. Als vor 25 Jahren die erßten Ueberlebenden der Katastrophe des deutschen Judentums in diese Stadt kamen, wurde die THG geschaffen und zu einem Mittelpunkt einer klei- und V/i Millicn Dunam südlich von Beer Schewa. Sie fügen dem landwirtschaftlij chen Boden, den Verkehrs wegen und der. Wasserleitungen beträchtlichen Schaden zu. Dje erwähnte Abteilung hat im Laufe der letzten; Jahre neue und billigere Methoden entwickelt, um zu verhüten, dass die Dünen weiter wandern und neue | Flächen bedecken: e« wer- : den in den Dünen gewisse j Pflanzen gesetzt, deren Was serbedarf minimal ist und | die im Sandboden gut gedei- ' hen. Wenige Wochen nach Vollendung seines 78. Lebenejahres ist in Israel, '^vo er seit 1934 seinen ständigen Wohnsitz hatte, Richard Lichtheim dahingegangen, der zu den fähigsten und be deutendsten Persönlichkeiten gehörte, die der einstige deutsche Zionißmus hervor gebracht hat. Aus einer angesehenen Berliner Familie stammend, die weitestgehend assimiliert war, gelangte der Student unter dem Einfluss seines Freundes Felix A. Teilhaber als 20-Jähriger in die zionistißche Bewegung, der er die Treue bewahrte. Schon am 7. Kongress von 1905, dem ersten ohne Herzl, nahm er teil und gehörte fortan zu der kleinen Gruppe der Akademiker in Deutschland, die das Banner der nationalen Befreiung vorantrugen. 1910 verfasste Lichtheim eine Schrift, die er „Programm des Zionismus“ nannte, und die eine der ersten Broschüren wurde. welche die nichtjüdische Oeffentlichkeit mit <jem We een der jungen Bewegung bekanntmachen sollten. Ein Mann von hoher Allgemeinbildung, fand Lichtheim Beachtung. Maximilian Harden stellte ihm die „Zukunft““ für solche Aufsätze zur Verfügung. Dann, für etwa zweieinhalb Jahre, redigierte er die „Welt“. Während des 1. Weltkrieges finden wir Lichtheim als politischen Vertreter der zionistinen, sich ihrer Aufgabe be wussten Gruppe. Unmittelbar nach dem Kriege war der Zulauf zu den Veranstaltungen der THG sehr gross, als der Kampf um die Rechte des jüdischen Volkes und für die Errichtung des Staates Israel geführt worden ist. Dann kamen die vermeintlich ruhigeren Jahre, und die Tätigkeit der THG trat nach aussen nicht mehr so stark in Erscheinung. Jetzt steht die THG wieder allen zur Verfügung, die Rat suchen nachdenken und In. formationen brauchen. Wir betrachten die Entwicklungen als Zionisten. Wir ge ben jedem Gelegenheit, Fragen zu stellen und Meinungen zu äußsern. Deswegen laden wir alle Interessierten ein, wieder zu uns zu kom men und sich mit uns über die Probleme dieser Zeit auszusprechen. Das ist der Sinn unserer Aussprache Abende, die wir am Montag, den 10. Juni, um 21 Uhr in den Räumen der ACIBA (JKG), Araoz 2854 begnnen. (THG) j sehen Weltleitung in Kon- I stantinopel, wo es u. a. seii nen Bemühungen beim da- | maligen deutschen Botschafter bei der „Hohen Pforte“ gelang, dem kleinen Jischuw von Erez Israel jenes Unheil zu ersparen, das ihm von Seiten der Jungtürken drohte, und das vielleicht dem traurigen Schicksal der Ar menier ähnlich geworden wäre. Der 12. Zionistenkongress von 1921 wählte Lichtheim zum Mitglied der neuen Londoner Exekutive, der er zwei Jahre lang angehörte, und in welcher er das Organisations-Departement leite, te. Doch trat er vom Amt wegen Meinungßverschiedenheiten mit W'eizmann zurück. In seiner „Geschichte des deutschen Zionismus“, die im Jahre 1955 erschien, wird die wesentliche Rolle dargestellt, welche die deutschen Zionisten einmal in der Gesamtbewegung gespielt haben. Von den ersten Anfängen biß zur Naziepo che gibt dieses Buch einen lehrreichen Gesamtüberblick, indem es die verschiedensten Phasen der zionistischen Aktivität und der Kämpfe um die Durchset zung des Ideals behandelt. Die geistigen und politischen Percönlichkeiten, die grossen Wirtschaftssachverständigen. die aus dem „deutschjüdischen“ Kulturkreis hervorgegangen sind und sich dem Zionismus zuwandten, werden hier treffend gewürdigt. Der intereßsante Redner, vielseitig gebildete Journalist und Schriftsteller, der erfahrene Zionist Richard Lichtheim fand überall Gehör nachdem er in den Jah. i ren des Zweiten Weltkrieges als offizieller Vertreter der! „Jewish Agency“ in Genf auf sehr wichtigem Posten tiefe Einblicke gewinnen konnte. Er war auch einer der ersten, die von der beabsichtigten Massenvernichtung der Juden durch die Naziß erfuhren und die entsprechenden Mitteilungen weitergeben kennten. Nach seiner Trennung von Chaim Weizmann den er verehrt und bewundert hati te, war Lichtheim für eini- ¿.ge Janre ein Anhänger Ja- I botinskys geworden, zum 1 Revisicnismus übergegan- I gen, dessen völliges Äus. i scheiden aus der Bewegung | er aber nicht mitmachen | wollte. So lebt Lichtheims | Andenken fort alß das eines! der treuest n Kämpfer für . die Vei wirklichung der Idee, I eines Wegbereiters des j’idij sehen Staates aus dem Kreise der Zionisten Deutschlands.

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