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Jüdische Wochenschau · 1963-06-07 · 2015 (7.6.1963) · p. [Seite 3]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
24 (1963)
Issue
2015 (7.6.1963)
Date
1963-06-07
Page
[Seite 3] (sequence 3)
Language
German, Spanish
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L A SEMANA Viernes, 7 «le Jani« de IN7 Was alles versae amt ron GEORG KUENSTLINGER, Wien ' Durch die seinerzeitigen Eiivernahmen des in der Zwischenzeit hingerichteten Adolf Eichmann, eines der Hauptschuldigen an dem millionenfachen Mord an Juden. kam eine Lawine ins Rollen, die dutzende Mitschuldige an dem grauenhaften Geschehen der nationalsozialistischen Aera blosslegte. Man hat in der Zwischenzeit viele „kleine1' und „grosse“ Mörder verhaftet und abgeurteilt, denen nachgewiesen wurde— durch viele Zeugen- und Dckumentenaussagen —, dass sie entweder aktiv an den Morden beteilig* waren oder die Anordnungen vom Schreibtisch aus geben. Mehl als 18 Jahre sind seit Kriegsende verflossen, und noch immer reisst die Kette neuer Entdeckungen nicht ab. Zu wiederholten Malen haben wir der Meinung Ausdruck gegeben, es wäre vorteilhafter. eine neue, bessere Welt aufzubauen, als das absolut Schlechte der ,.vergangenen'‘ Welt zu beklagen. Seit dem Zusammenbruch des Mordregimes Hitlers traten wir dafür ein, dass die Schuldigen bestraft werden sollen, und Wachsamkeit gegenüber einem Wiederaufflackern des Nazismus geübt werden müsse. Wir. und mit uns hunderttausende Naziopfer, waren bereit, gegenüber der Masse einen Schlußstrich unter die Vergangenheit zu ziehen und ein neues Leben, das wir ja Nur noch in diesem Monat aussergewoehnlich niedrige Preise! 1 Posten Wintermäntel in allen Formen, darunter Velours und Kamelhaarmäntel ab . 2.800.— 1 Posten Anzüge für Sommer und Winter ab. 2.800— 1 Posten Regenmäntel hochwertige, wasserdichte PoDlins ab . 2.500.— 1 Posten Flanellhosen ab r. 650.— 1 Posten Sporlsaccos 44/46 ab . 900— auf alle andere Kleidung 30 % Rabatt. ausgenommen Mass - Kleidung, Gabardinmäntel und die Everchik-Flanellhose. ZUM VATERTAG in meinem Geschäft Maipü 982 Taschentücher (engl. Batist).48 — Kravatten (it. 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Wir wollen im Streben zur Ob jektivität konzedieren, dass drß Ausmass der von den Nationalsozialisten verübten : Untaten so gross, ja so unj fassbar war, dass es Millionen Menschen gar nicht verarbeiten konnten und demgemäss nicht glauben wollten» Wir aber, die diese Untaten überlebt haben, und die Millionei. unserer Mitbrüder, die nicht mehr sprechen können, mussten all das Furchtbare erleiden, für das es keine Ausdrucksweise gibt, und das als unwahr hingestellt wird, weil es nicht wahr sein „kann“. Es war aber wahr. Wir haben etets von einer „Kollektiv- oder Mitverantwortung“ gesprochen. Dies schien anfangs vielen, aber eben leider zu wenigen Men sehen eingeleuchtet zu haben. Die Jahre sind aber vergangen, und diese ursprünglich etwas offene Einstellung hat sich geändert. Das Gewissen von tausen den und abertaußenden Menschen scheint noch viel schlechter zu sein, als ursprünglich angenommen wurde. Es wäre sonst nicht zu erklräen, wieso man in letzter Zeit bei uns harmlos erschienenen Menschen auf Abwehr und auf feindlichen Widerstand stösst. wenn anlässlich einer neuen Aufdekkung furchtbarer Naziverbrechen ein Gespräch beginnt. Mit Erbitterung und Verbitterung und offener Wut wird verlangt, man solle doch „Vergangenes ruhen lassen“ und nicht immer „an den alten Wunden riih ren“. Es wird so dargestellt, als seien die begangenen Verbrechen ja längst gesühnt, die Schuldigen bestraft, ja man wisse doch, dass mehr als „gebührende“ Wieder- MOEBELHAUS WATERMANN Das Haus der 3 Geschät te mit der grössten Auswahl. SARMIENTO 1147 T. E. 35 1033 CABILDO 2614 PAMPA 4979 fast Ecke Triunvirato Eigene Werkstätten Zahlungserleichterungen Zuvorkommende fachmännische Bedienung. gutmachung geleistet wurde. Man will gar nicht zur Kenntnis nehmen, dass eben erst jetzt so viele Jahre nach dem Geschehen, die Löcher eich öf nen und die Ratten herauskommen. Neh men wir als eines der vielen aktuellen Beispiele, den I Koblenzer Prozess, bei dem Georg Heuser, der Untergebene des in der Zwischenzeit suspendierten stellvertretenden Grazer Polizeichefs Dr. Kunz, dem die Beteiligung an 30.356 (!) Morden zur Last gelegt wird, von jener „Winteraktion“ berichtete, bei der es „routinemässig geknallt“ habe und — beispielsweise — eine Gruppe von Partisanen lebendigen Leibes auf dem Scheiterhaufen verbrannt worden sei, „fürch terlich schreiend“! Solche Schilderungen „stören“ aber die Menschen, die daran sind, das Wirtschaftswunder zwischen Autos. Fern«;ehapparaten, Waschmaschinen und Flugreisen nach Mallorca zu geniessen. Kommt zwangsweise auf Grund neuer Verhaftungen, neuer Prozesse das blutige, tränenvolle Thema wieder auf, dann ist es eben so „unbequem“, dass man es a’ß unberechtigte Rachsucht der Opfer brandmarken will. Die Angst scheint immer grösser zu werden, es könnte in der eigenen oder in der Vergangenheit von Verwandten und Freunden ein ähnlicher schwarzer Fleck entdeckt werden. Nachträglich gesehen, war es ein Fehler, einige wenige prominente Schuldige ab- . zuurteilen und der grossen Masse gerade nur zu erzählen, was sich während der Nazizeit abgespielt hat. Diese Masse hätte man viel besser durchleuchten und ihr nicht bequeme Sitzplätze bei Prozessen gegen einige „Grosse“ geben sollen. Die Szene hätte Tribunal werden müssei). Ein Lichtstrahl in dieser Finsternis ist die Stellungnahme weniger aufrechter Menschen, die nicht vom Nazißmus verfolgt waren. Wir wollen hier den Redakteur der prominenten Tageszeitung „Neues Oesterreich“, Anton Feiner, hervorheben, der in einem ethisch hochstehenden Leitartikel Ende April davon schrieb, man müsse wieder von Judenmördern sprechen. Fellner fügte hinzu: ,,Ja, immer noch, und zwar nicht aus Rachsucht, die sich an dem vom geflügelten Wort sogenannten .alttestamentarischen Haes* des betroffenen Volkes nährt, auch nicht aus perverser Freude am Wühlen in .vergangenen* Dingen, sondern aus Verantwortungsbewusstsein, aus dem Gefühl einer moralischen Verpflichtung angesichts der unermesslichen Schuld, die jene Mörder in unser aller Namen auf sich — und damit auf uns — geladen haben. Einer Schuld, die lumpige 18 Jah- Teppichhaus - M. Hochberg UNERREICHTE AUSWAHL AN HANDGEKTUPFTEN TEPPICHEN IN ERSTKLASSIGEN QUALITÄTEN EUER JEDES GEMUETLICHE HEIM. Ernst Koppel Herrenbekleidung Moipú 484 L TE. 31-7845 Herrenausstattung Eigant Fabrikation — Unvarbindlicht Vorführung Auf Wunsch Zahlungserleichtenngen MASCHINENTEPPICHE IN ALLEN FARBEN UND GROESSEN. AUSLEGEN VON APPARTEMENTS MIT REIN WOLLENEM VELOUR. Verkauf an Private nur Samstag und Sonntag von 9—19 Uhr im Ausstellungshau« Calle ANDONAEGU1 2083 Moipú 982 TE. 31 0357 Tel.: 52-2993 4 Quader von Station Urqoica ISRAELITA Año XXIV. — No. 2915 — 3 LA SEMANA ISRAELITA BISICMANARIO INDEPENDIENTE 6a. Airaa - PUEYRREDON 219«. 1* - T E. *3-261 7. Juni 1963 15. Sivan 5723 wurde re nicht abwaschen können, die seit dem Fiasko der Nazihybris vergangen sind.“ Der hochaktuelle Anlass zu diesen Betrachtungen ist die Verhaftung des ehemali gen Wiener Rechtßanwaltes Dr. Rajakowitsch. der als Gehilfe Eichmanns der Mitschuld eh der Ermordung von 110.000 Juden, hauptsächlich aus Holland, beschuldigt wird. Das Material gegen ihn ist erst jetzt bekannt geworden. Soll man „Vergangenes ruhen lassen“? Sind wir, ist der anständige Teil der Welt nun ein „Störenfried“, wenn er die Beßtrafung dieses Man nes verlangt? Und Dr. Kunz, der Grazer stellvertretende Poiizeichef, der in Koblenz im sogenannten „Minsker Prozess“ gegen Heuser und Genossen aussagte? Der allseits trainierten Vergesslichkeit eollen noch andere Fälle entrissen werden. Vor zwei Monaten veröffentlichte das Zentralorgan der Sozialistischen Partei Oesterreichs, die „Arbeiterzeitung“, einen Leitartikel, in dem zatilreiehe Fälle angeführt werden, deren Ge meinsamkeit darin bestehe, „dass es sieh hier um bereits abgeurteile oder längst abzuurteilende Verbrechen handelt, die sich der Gerechtigkeit entzogen und den österreichischen Behörden ein Schnippchen geschlagen, aber dabei ganz frech ihre Tätigkeit in extremistischen Organisationen fortgesetzt haben — der österreichischen Demokratie zum Hohn und zum Schaden“. Es wird da z. B. der Fall des Sprengstoffaffentä ters Dozent Dr. Norbert Burger geßchildert. Es wird von dem Blatt angeprangert, dass es in Oesterreich noch immer keine Bestimmungen im Gesetz gegen antisemitsche Hetze und gegen Verunglimpfung der Repu blik gebe und erklärt, es finde sich im österreichischen Behördenapparat immer ein „Freund“, der den Bundes- Jescbiwa-Studentsn verhaftet Jerusalem. — Eine Geldstrafe von 150 IL muss ein jeder der 9 Jeschiwa-Studenten bezahlen, die an den Unruhen teilgeuommen ha ben, welche im vergangenen Januar gegen die finnische christliche Mission stattfanden. Ein zehnter Student, der a'ß Rädelsfüh rer angeklagt war, wurde verurteilt, eine Strafe von 300 IL zu erlegen. (ITA) bruder und Bombenwerferinstruktor Dr. Burger rechtzeitig warne. Als eklatanteßter Fall der j Verhöhnung des Rechtes und! der Justiz wird der des Naziverbrechers Theodor Soucek genannt. Er wurde bereits 1947 wegen Wiederbetätigung für den Nationalsozialismus von einem österreichischen Volkßgericht zum Tode verurteilt, sofort aber amnestiert und gleich ganz freigelassen. Soucek begann sofort wieder mit Naziagitation in Zeitschriften und in Büchern, ohne dass ihm ein Haar ge krümmt wurde. Den Massenmord durfte er ungestraft verniedlichen und verherrliche» — erst als er auch die Gläubiger seiner Eisenhandlung betrog und flüchtete, erst dann schick te man ihm einen Steckbrief nach. Der dritte, von der „Arbeiter - Zeitung“ erwähnte Fall ist der des ehemaligen belgischen SS-Generals Ro bert Verbelen, der bekanntlich — in seiner Heimat zum Tode verurteilt — in Oesterreich eingebürgert wurde. Er ist, wie man weiss, in Haft, kann aber nicht außgeliefert werd:n. Das sind also einige Fälle. die „man doch nicht auf rühren soll“. Ktnnsdy an Ban Gurion Jerusalem. — Wie ver lautete, erhiel* Ministerpräsident David Ben Gurion in der vergangenen Woche einen Brief deß Präsidenten John F. K nnedy. Ueber seinen In halt wurde Stillschweigen bewahrt, doch man weiss, dass das Schreiben von den Beratern des Ministei präsidenien und des Aüssennvnißteriums sorgfältig studiert wird. Es ist bekannt, dass dieser Brief ausser anderen Fra j gen auch die wisseni schaftiiehen Errungen-! schäften V,raels behanj delt. (ITA) I; FINANCIACION / PARA VIVIENDA" -; -EN ISRA%>:?; SIGNIFICA. SOLUCION -'¿-vi»; ESTUDIO JURIDICO INTERNACIONAL Dr, Hardi Swarsensky ASUNTOS EUROPEOS EXCLUSIVAMENTE ALLE ENTSCHAEDIGUNGSFRAGEN Wiedergutmachung Lastenausgleich Rückerstattung BUER0STUNDEN: DIENSTAG, MITTWOCH und FREITAG von 16—18 Uhr ★ Dr, Günter Frey ASUNTOS ARGENTINOS Y SUDAMERICANOS Erbschaftssachen - Vertraege - Ver waltun gen - Miets-, Zivil- und Handelssachen. ★ PUEYRRED0N 2190 «sq Av. LAS HEftAS — T. E. 83-2613

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