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Jüdische Wochenschau · 1963-05-24 · 2013 (24.5.1963) · p. [Seite 5]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
24 (1963)
Issue
2013 (24.5.1963)
Date
1963-05-24
Page
[Seite 5] (sequence 5)
Language
German, Spanish
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Viernes, 24 de Mayo de 1963 LA SEMANA ISRAELITA Año XXIV. — No. 2013 — S Mauern - Symbol einer Zeit BUC*.HL?£L (2. Fortsetzung) H. Sw.: — Fliegen dürfte das angenehmste Reißen sein. Die grossen Boeing-Ma schinen legen die Strecke Buenos Aires—Europa mit wenigen Zwischenlandungen in phantastisch kurzer Zeit zurück. Die alte Redensart „Die Zeit vergeht im Fluge“ ist wörtlich zu nehmen und zu einer neuen Wahrheit geworden. Schon wird an neuen Maschinen gearbeitet, die noch schneller eein werden. Das Flugzeug macht auf seinem Wege von Rio de Janeiro nach Zürich nur einmal in Dakar Station. Der Uebergang von über 30? Hitze in Buenos Aires zu minus 9° in der Schweiz ist reichlich krass. Bereits im Flughafen von Ezeiza begegnen wir Bekannten, bevor der Boeing aus Santiago hier mit dem israelischen Botschafter in Chile, Dr. Doron, eintrifft, mit dem wir erst vor wenigen Monaten bei der Tagung der CENTRA eine interessante Begegnung in Santiago gehabt haben. In Montevideo können wir auch den dortigen Botechafter Israels, Don Jizchak Arcabi, begrüssen, der seinen Kollegen aus Chile erwartete. Als weiterer Fluggast steigt Dr. Eric Simon. Arzt und bekannter Musik - Sachverständiger, ein, der ebenfalls von der deutschen Regierung zu einem Besuch eingeladen war. Wir sollten uns auf unserer Reise wiederholte Male treffen und gemeinsam angenehme Stunden der Unterhaltung und des Meinungsaustausches verbringen. Denn ,wir Südamerikaner' pflegen bekanntlich auch die Nacht zum Tage zu machen. Das europäische frühe Schlafengehen sind wir nicht — oder nicht mehr — gewöhnt. Es sei in Erinnerung gebracht. dass die Theater und Kince in Deutschland zu einer Stunde beginnen — um 19 Uhr oder 19 Uhr 30, ■— zu der hier allgemein noch gearbeitet wird. Wern Buenos Aires erst richtig aufwacht und lebendig wird, schlafen alle deutschen Grosstädte bereits. Nur Berlin macht hiervon in begrenztem Umfang eine Ausnahme. Es ist merkwürdig genug, dass die geteilte Millionenstadt trotz ihrer schwierigen politischen Lage md trotz der enormen Entwicklung anderer deutscher Grosstädte wie Hamburg, München. Düsseldorf, die einzige Weltstadt geblieben ist. Die alte Hauptstadt Berlin war im Reiche eelbst nicht sonderlich beliebt. Aus welchen Motiven diese Animosität gespeist worden ist, sei hier nicht untersucht. Wir wollen uns im Augenblick nur mit dieser Tatsache begnügen. Heute ist das anders geworden. Die Isolierung Berlins alß einer west liehen Oase inmitten der sogenannten Zone, worunter man die Deutsche Demokratische Republik, also Ostdeutschland, versteht, sowie die Mauer, die quer durch ERLEBNISSE UND ERKENNTNISSE EINER REISE Berlin läuft, verleihen der Stadt im eigenen Bewusst seäi wie im Bewusstsein des Westens einen besonderen Charakter. Berlin muss gehalten werden, das ist die allgemeine Parole. Berlin ist die Lanzenspitze des Western gegen die kommunistische Welt. Berlin hält Wacht. Berlin ist plötzlich zu einer herrischen Stadt geworden. Der Berliner selbst fühlt ne Einschränkung ihrer Freiheit lässt ihr Schicksal mit dem der Juden vergleichen, die in den Ghetti eingezwängt, ein elendes Sklavendacein führen mussten, der hemmungslosen Willkür ihrer Peiniger ausgesetzt. — Aber die Existenz der Berliner Mauer gemahnt an die Schrecken der jüngsten Vergangenheit. Mit diesem un heimlichen Gefühl betrachten wir die Mauer, die Ber- I TW : Ein Pressephotograph war erschienen, um d e ,,historische Begegnung“ mit der Mauer am Brandenburger Tor zu Berlin festzuhalten. sich in seiner Rolle nicht sehr glücklich. Wie sollte er das auch tun? Obwohl man in Berlin die stündliche Bedrohung durch den Osten nicht so stark empfindet, wie dies in dramatischen Zeitungsartikeln zum Ausdruck kommt, kann kein Zweifel daran bestehen, dass die Mauer quer durch Berlin ein Symbol unserer Zeit geworden ist. Mit Absicht wird hier nicht von ei, nem Symbol unserer Gegenwart gesprochen, denn die Mauer, die grosse Trennungßlinie zwischen den Völkern, zwischen den Menschen, zwischen Rassen und Weltanschauungen stammt nicht erst aus diesem politischen Augenblick. Diese Mauer, über die alle Berliner sowie die deutschen und westlichen Politiker mit Recht klagen und stöhnen, ist sie nicht die direkte Fortsetzung anderer Mauern, die von den Deutschen in Warschau und in vielen anderen Ortschaften Polens und mancher anderer Länder errichtet worden sind, um Juden, nur weil sie Juden waren, zunächst einzusperren und dann zu vernichten? Aber man darf den grossen Unterschied der Mauer ven Heute und denen von damals nicht übersehen. Ge, wiss ist es betrüblich, dass jetzt in Berlin Menschen von ihren Familien getrennt sind und sich innerhalb der gleichen Stadt nicht frei bewegen können. Aber so vollkommen eind die östlichen Vorsichtsmassnahmen nicht. Im übrigen können die Ostberliner innerhalb ihrer Mauergrenzen frei ihren Beschäftigungen nachgehen. Keine Häscher und Totschläger lauern an allen Ekken und Enden auf sie. Kei¬ Besuch aus Deutschland Jerusalem. — Der mögliche Besuch des früheren westdeutschen Verteidigungs-Ministers Franz Josef Strause war Gegenstand einer Diskussion bei der letzten Sitzung des Kabinetts. Strauss soll am kommenden Sonntag eintreffen und bis zum 7. Juni in Israel bleiben. Ben Gurion erklärte, Strauss folge ei ner Einladung, die au ihn erging, als er noch Mini ster war. Viele Israelis billigen diesen Besuch nicht, und die Cherut kündigte eine Protestkundgebung bei der Ankunft des Flugzeugs in Ludd an. Ein der Knesset unterbreiteter Antrag der Cherut, über die Einladung des ehemaligen bundesdeutschen Verteidigungsmini, sters eine Debatte abzuhalten, wurde mit 47 gegen 30 Stimmen bei 9 Stimmenthaltungen abgelehnt. lin zerstückelt. Auf beiden Seiten stehen die Wächter, die ängstlich darauf achten, dass kein Unbefugter aus ihrem Bereich in die benachbarten Häuser oder Strassen entflieht. Die Häscher des Ostens sind schussbereit, um auf .höheren Befehl* denjenigen zu erledigen, der den Versuch wagen sollte, aus dem kommunistischen Paradies in den Westen entkommen zu wollen. Mauer und Drahtverhaue, Panzerfallen und andere Hindernisse sind errichtet, um jedes Entweichen zu vereiteln. Die vielen Gräber längs der Mauer sind Zeugen für dieses Geschehen. Dennoch gibt es immer wieder Möglichkeiten, mit der in östlicher Hand befindlichen Stadtbahn, durch unterirdische Gänge, durch Schwimmen über die Spree, durch einen Eisenbahnzug, der die hindernden Schranken bei Staaken durchbrochen hat, oder einen Dampfer, dessen Mannschaft überwältigt wurde. Der grosse Flüchtlingsstrom aus dem Osten jedoch ist durch die Mauer unterbrochen. Dort in Berlin, an der Mauer, stossen nicht nur zwei Welten unerbittlich und mit einem abschreckenden Hass aufeinander; man hat vielmehr die Gewissheit, dass dieser Trenngürtel mitten in der Stadt die Entscheidung zwischen Freiheit und Versklavung bedeutet. Mit dem Ausweis des Bundespresse Amtes dürfen wir auch an jene Stellen fahren, dia sonst dem Touristen unzugänglich sind. Wir befinden uns in einem schmalen Streifen, der eine Art Niemandsland darstellt, was an Jerusalem erinnert, die andere zweigeteilte Stadt unserer Zeit. Auf der östlichen Seite kann man die offenen md versteckten Beobachtungsposten und Ma schinengewehrnester sehen, niedergerissene Häuser an der Stadtgrenze, damit die Sicht nicht behindert und das Schusßfeld offener ist. Was man jenseits der westlichen Zone — ausserhalb der Stadt — im Osten von diesen Stellen aus sieht, sind nur verfallene Gebäude und ruinierte Felder, Kriegsvorbereitungen inmitten eines Friedenß, der kein Frie den ist. — An verschiedenen Stellen im westlichen Berlin sind Beobachtungsstände für Zivilisten aufgebaut, Holztreppen mit einer kleinen Plattform, damit man in das östliche Berlin über die Mauer hinweg sehen kann. Am ehemaligen Leipziger und Potsdamer Platz, die noch immer ein Bild der Verwüstung bieten, kann man die Tankfallen und sonstigen Hindernisse besonders gut betrachten, die jeden Versuch eines Eindringens oder Ausfallens unmöglich machen sollen. An dieser Stelle hat sich eine besondere Art von Fremdenindustrie ausgebildet, die von den findigen Berlinern aus der Not der Zeit geschaffen wurde; Bierstuben, Würstchenbuden, Verkaufsstände mit Wimpeln, Fotos, anderen Erinnerungsstükken an die Mauer usw. sind zum Empfang der vielen Touristen bereit, die nach Berlin kommen, um die Sensation der Mauer kennen zu lernen. Um auf die breiteren als die üblichen Beobachtungsstände hinaufzusteigen, muss man sich anstellen, denn eine ganze Reihe mit Autobussen, auch von Schulen, sind bis zu dieser Stelle gefahren. Auf der östlichen Seite sind die militärischen Vorbereitungen für Verteidigung (?) oder für einen Angriff weithin sichtbar. In einem Umkreis von vielen hundert Metern steht dort kein Haus mehr, wo einst eines der Zentren der Reichshauptstadt war. Wir fahren weiter in die Bernauerstrasse, deren eine Häuserfront zum Osten ge- SCHWARCZ Der brasilianische Finanzminister, Francisco Santiago Dantas, erklärte, Brasilien werde finanzielle Hilfe von jeder Seite annehmen, wo sie ihm nur geboten werde, also auch von der Sowjetunion. Jedenfalls seien er und der Präsident Goulart entschlossen, die „chaotische Wirtschaft bV, 1965 zu normalisieren“. — In den Vereinigten Staaten von Nordamerika kam es wieder zu Auschreitungen gegen die Neger. Präsident Kennedy sah sieh zur Entsendung von Truppen genötigt. Der Präsident Aegyptens, Abdel Gamal Nasser, besuchte Jugoslawien, wo er Besprechungen mit Tito abhielt. — Neue Spannungen auf dem lateinamerikanischen Kontinent entßtanden aus der Kontroverse zwischen Haiti und der Dominikanischen Republik, die sich schon „zum Letzten“ entschlossen feindlich gegenüberstanden. Drohungen, Abbruch der Beziehungen, Erklärungen und sogenannte diplomatische Verhandlungen waren Begleiterscheinungen einer schweren Krise, deren Ausgang noch unklar ist. — In der Knesset kam es in der aussenpolitischen De-* batte zu heftigen Angriffen oppositioneller Abgeordneter gegen der. Premierminister David Ben Gurion. Tumulte sind im israelischen Parlament ausserordentlich selten. Der „Weltraumflug“ des Nordamerikaners Gordon Cooper hat in der westlichen Welt Jubel, im Osten Anerkennung ausgelöst. Wie en heisst, werden die durch diesen Flug gesammelten Erfahrungen eine Reise nach dem Mond möglich machen. — In New York verstarb Omar Lonfti, langjähriger ägyptischer Repräsentant vor den UN, der in zahlreichen Reden Israel heftig angegriffen hatte. Loufti war in den letzten Monaten interimistischer Subsekretär für politische Angelegenheiten und den Sicherheitsrat. — ( ner Folge gebracht. Es sprüht von Witz und Geist, von Ironie und Sarkasmus. Aber vom ersten b:e zum letzten Wort dreht sich alles buchstäblich um den Kommunismus, um die Mauer, um die Politik der Regierung in Bonn, die kritisiert wird, und um die Tatsache, dass das übrige Westdeutschland von dieser •*"X' \ genartigen Haarschnitten, offensichtlich Existentialisten, die Mädchen entsprechend mit aufgebauten Haar, turbinen oder ganz kurz geschnitten, als wenn ßie Män-, ner wären. Gespannt blikkeu sie auf die kleine Bühne mit ihren vier Schauspie-' lern, atemlos hören sie zu, * um dann wilden Beifall zu 1 klatschen. Die demonstrie- ] m.m R&ísws Hi ¥m Im Vordergrund die Mauer und ein Mietshaus mt vermauerten und zugenagelten Fenstern. Hin!er der Mauer Stacheluraht und weitere Verschlaege, um Fluchtversuche zu verhindern. hört, während der davorliegende Bürgersteig bereits ebenso wie die Stresse dem Westen zugesprochen wurden. An dieser Stelle ist es zu zahlreichen dramatischen Szenen gekommen. Viele Menschen sind aus den Häusern gesprungen und dabei ums Leben gekommen. Andere wurden glücklich von der Feuerwehr aufgefangen. Die Mauer hat damit Sehlusß gemacht. Die Häuser mussben geräumt wer den. Die Fenster siud heute zugemauert oder vernagelt. Das Ganze macht einen finsteren. traurigen Eindruck. Da steht eine Kirche, hinter der Mauer, der Eingang liegt nur etwa 5 Meter entfernt. Niemand kann vom Westen mehr dorthin gehen. Die Ostbehörden lassen langcam diese Häuser niederreissen. Man bereitet sich auf kommende Ereignisse vor. — Die Mauer spukt in allen berliner Gehirnen. In einem .westlichen* Kabarett werden vielleicht 20 oder mehr j Nummern in ununterbroebe- Mauer - nicht genügend Kenntnis nähme. Für den fremden Zuhörer ißt dies schon zu viel. Schliesslich gibt es auch noch andere Probleme in der Welt. Dennoch war dieser Kabarett-Besuch interessant. Zunächst einmal hat dies mit dem Kabarett von ehedem nichts mehr zu tun. Kein geistreicher Conferencier, keine Zwischennummern, nur gesprochene Szenen, mitunter ein Gedicht zu zweit; es ist eine ganz neue, eigenartige Form eines Kurz-Theaters, nicht aber .Kabarett*. Kein frohes Lied wird gesungen nicht nur an diesem Abend und in diesem Kabarett. Alles ist auf Politik abgestellt; es ist politisches Theater in kleinen Dosen. Die Zuschauer waren überwiegend nur junge Menschen. Selten war einer dabei, der älter als 30 oder 35 Jahre gewesen sein dürfte. Eine andere Jugend versammelte sich dort, als wir sie kannten. Die Jungen oder jungen Männer mit eiren auf diese Weise den Bruch einer Vergangenheit, die sie nicht als die ihre anerkennen. Das mag erfreulich sein. Aber etehen sie nicht auch in einem (geistigen) Niemandsland, das neue Gefahren in sieh birgt? ( Fortsetzung folgt) Antisemitische Flugblaetter Casablanca. — Die Istiqlal-Partei liess unlängst Flugbältter in arabischer Sprache verteilen, in denen «s hiess, es sei Verrat, für die jüdischen Kandidaten zu wählen. Dies geschah, nachdem zwei Juden, Bürgermeister Toledano und Meyer Obadia, auf die Wahllisten gesetzt worden v/u-en. Ihre Gegenkandidaten sind die Mohammedaner Ali Yata, ein Kommunist, und Ibraim Neki von der Istiqlal, aber man sagte die Wahl von Meyer Obadia als fast sicher voraus. (ITA)

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