Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 24 (1963)
- Issue
- 2013 (24.5.1963)
- Date
- 1963-05-24
- Page
- [Seite 3] (sequence 3)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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Viernes, 24 de Mayo de 1963 L A SEMANA ISRAELITA Año XXIV. — No. 2013 — 3 Das Würzburger Ratten-Nest PORTRAET EINES OBER- BUERGERMEISTERS Dr. Helmuth Zimmerer, Oberbürgermeister der scnönen Stadt Würzburg, die vor Jahren dem Dichter Leonhard Frank die Ehre verweigerte, dass eine Srasse seinen Namen tragen sollte, weil er angeblich die Stadt’ Würzburg in einem seiner in der Emigration geschriebenen Romane beschuldigt habe, an Judenverfol gungen beteiligt gewesen zu sein, ist, wie es sich versteht, ein akademisch vorgebildeter, honoriger Bürger. In seiner im Jahre 1936 geschriebenen Doktor - Dissertation „Rasse, Staatsangehörigkeit und Reichsbürgerschaft“ hatte er sich mit den Problemen der (braunen) Stunde grundlegend auseinandergesetzt. Man las da unter anderem: „...Wer durch Wort oder Tat der Ge- -meinschaft entgegenarbeitet, sei es im In- oder Ausland, wer sich lieber international verbunden fühlt, soll der Gemeinschaft und ihrem Staat auch nicht zugehören... Da es eine wortfreie Wissenschaft nicht gibt, muss auch jede Wissenschaft ihre weltanschaulichen Fundamente aufzeigen. Diese fussen für uns vor allem im Buch des Führers „Mein Kampf“ und im Programm des NSDAP... müssen wir hier doch eine Schilderung der marxistischen Staatsideologie geben; ist ja auch sie eine rassengebundene und zwar die einer uns völlig fremden Rasse die sich nur aus dem Abgrasungsbrauch des asiatischen Nomadentums erklären lässt... Eine Trennung der verschiedenen Richtungen des Marxismus vorzunehmen, ist unnötig... Wir sehen heute klar den Uebergang vom liberalistischen zum bolschewistischen Staat...“ Eine Zeitung griff diese ausserordentliche Dissertation des Dr. Zimmerer auf und zitierte einige und noch von KURT KAISER-BLUETH Rationalisierung Die kurz bevorstehende Zusammenlegung meiner beiden Geschäfte bedingt eine Lagerreduzierung in voller Saison. 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Er verklagte die Zeitung, die seine Schande ans Licht gebracht hat. Er fühlte sich — halten Sie sich fest, lieber Leser — beleidigt, weil man ihn an seine braune Vergangenheit erinnert hatte. Zimmerer ist noch heute durchaus mit seinem Gefasel einverstanden. Denn, so sagt er, „Die ohne weiteres auffindbaren abfälligen Wor te über die Demokratie galten ihrer Weimarer Form... Die Form der Demokratie, für die er plädierte, war offenbar die der Führerauslese, der Gasöfen und der Volksgerichtshöfe unter Roland Freisler. Und er sagt noch etwas unwahrscheinlich Stupides: „Man kann mir nicht vorwerfen, ich hätte als ausgebildeter Jurist etwa die Unrichtigkeit des Führerprinzips erkennen müssen...“ Nichts Antisemitiscnes, nichts irgendwie Anstössiges in seiner Dissertation, so sagt der brave Mann. Hat er denn nicht erklärt, dass die „Nürnberger Rassengesetze“ „keineswegs antijli disch, sondern allein prodeutsch seien“ ...?! DREISKANDALFAELLE Der seit sehr kurzem vom Dienst suspendierte Verwaltungsgerichtspräsident Rudolf Schiedermair, Würzburg, war SS-Richter beim „Einsatz - Kommando“ der Gestapo in Oslo. In dieser Eigenschaft hat er sich den Ruf eines berüchtigten, keine Gnade kennenden Justizterroristen erworben. Die Norweger haben ihn deshalb nafch Kriegsende vor ein Gericht gestellt. Schiedermair war auch schriftstellerisch tätig. Sein Standard-Werk ,Die Rassen- und Erbpflege“ durfte in keiner art- und zuchtreinen NS-Bibliothek fehlen. Vor dem Kriege war der MOEBELHAUS WATERMANN Das Haus der 3 Geschät te mit der grössten Auswahl. SARMIENTO II47 T. E. 35 - 1033 CABILDO 2614 PAMPA 4979 fast Ecke Triunvirato Eigene Werkstätten Zahlungserleichteruneen Zuvorkommende facb männische Bedienung. Herr Expräsident Leiter der Abteilung „Gesetzgebung“ im Rassenpolitischen Amt der Reichsleitung der NS¬ DAP gewesen. Daneben war er vielbeschäftigter Referent im Innenministerium seines ln Nürnberg gehängten Parteifreundes Frick. Das Ressort, in dem Schiedermair tätig war, war die Gruppe „Rassenpolitik“... Landgerichtsdirektor Eisert — Würzburg — war, wie man feststellen musste, in den 1000 Jahren in einer ganz aparten Position: er vertrat, und mit bestem Er folg, den juristischen Re kord-Massenmörder der Dik taturjahre, Oberreichsan walt Lautz beim Volksge richtshof, der in weit mehr als 100 Fällen Todesurteile gegen politische Gegner des Regimes durchsetzte und jetzt einen heroischen und keineswegs aussichtslosen Kampf um die integrale Auszahlung seiner Pension führt — etwa 2000 DM im Monat... Der Würzburger Generalstaatsanwalt Dr. Karl Kolb ist auch kürzlich von seinem Amt suspendiert worden. Der Grund —? Er ist dringend verdächtig, als Er ster Staatsanwalt eines Sondergerichts eine Polin, gegen die das Verfahren wegen erwiesener Unschuld eingestellt werden musste, der Gestapo zur Vergasung ausgeliefert zu haben. Der Herr Generalstaatsanwalt Dr. Kolb steht also unter Mordverdacht... HETZE GEGEN Dr. HERTERICH Die Aufrollung der drei Skandalfälle Kolb, Eisert und Schiedermaier verdankt man einem jungen Würzbur ger Nervenarzt, Dr. Elmar Herterich. Er hat die drei braunen Gentlemen schwer belastende Dokumente dsn Behörden übergeben. Mit dem Resultat, dass Dr. Herterich, wie er erklärt, ständig anonyme Beschimpfungen zug'ngen. „Sie sind.:.“, so hiese es in einem Brief an Dr. Her terich, „ein den Juden und Bolschewisten verkaufter erbärmlicher Sch ... kerl. Man sollte Ihnen den A .. bis zum Stehkragen aufreissen .. “ Und ein anderer sympathischer Zeitgenosse sagt: „Dich Aas haben sie leider vergessen, zu vergasen. Aber warte, Du roter Strolch, das wird nachgeholt werden ..!“ Ein unglücklicher Zahn, arzt, der mit dem „Aas“ weder verwandte, noch verschwägerte Df. Hetterich musste in einem Zeitungsinserat darauf hinweisen, dass er mit dem Nervenspezialisten Dr. Elmar Herterich nicht identisch sei. Man bedrohte und beschimpfte ihn am Telefon und gab ihm z<i verstehen, er solle seine Finger von den drei ehren haften Bürgern Eisert, Kolb und Schiedermaier lassen, da man ihm sonst die Hammelbeine lang ziehen werde. Kurzum, die Reinigungsarbeit des Dr. Herterich hat zu einem wahren Kesseltreiben gegen diesen furchtlosen Demokraten geführt. Die Scnuldigen, ihre Komplizen und die Helfershelfer der Komplizen schliessen sich zusammen, um den unbequemen Wahrheitssucher zu liquidieren. Seine Frau wurde, aus Schikanegründen, für fünf Stunden in den „Schuldturm“ gesteckt, und erst als die alarmierte Oeffentlichkeit Lärm schlägt, läest man die Gei sei frei. Dann klagte der Rechtsan wait des Herrn Schiedermair gegen den Nervenartz. Wegen Beleidigung. Urteil: vier Monate Gefängnis m;.t Bewährungsfrist nebst einer erheblichen Geldstrafe. Der Sinn der „Bewährung“ ist sonnenklar: Dr. Herterich soll in Zukunft gefälligst das Maul halten und die braune Sippschaft von Würzburg unbelichtet lassen. Inzwischen hat der Nervenarzt verloren und sich entschlossen, nach Schweden zu emigrieren. Dort sind Herterich, der vordem an der Würzburger Universitäts - Nervenklinik tätig war, mehrere bedeutsame Stellungen angeboten worden. „Ich kenn“ so hat Dr. Herterich erklärt „es meiner Familie und vor allejn meinen Kindern nicht zu- LA SEMANA ISRAELITA BIS EM AN ARIO INDEPENDIENTE Sa. Air «a - PUETRREDON 2190, 1* ia*. - T. E. M-2G14 24. Mai 1963 1. Siwan 5723 muten, weiter in der unerträglich gewordenen Atmosphäre von Würzburg zu leben. .. FAZIT All das, wab hier geschildert wurde, ist, dem Thema nach, nicht sehr neu. Tagtäglich werden ehemalige Naziverbrecher auf hohen Posten entdeckt, und Dr. Herterich war nicht der Erste und wird nicht der Letzte sein, der Spiessruten laufen muss, weil er der Wahrheit eine Gasse zu brechen versuchte. Aber wahrhaft alarmierend ist, daes sich der Bürgermeister von WUrzburg, ein gewisser Fasel, h'nter seinen Amtskollegen Zimmerer und die anderen Herren des Jahrgangs 1933 gestellt hat. Herr Fasel hat i*1 einem Würzburger Blatt erklärt, dass „gewisoe Anwälte des Unrechts das Zusammenleben in unserer Stadt, auf die Dauer gesehen, unerträglich machen...“ Herr Fasel meint mit dieser Anklage die Männer und die Zeitungen, die den Herren Zimmerer, Kolb,, Schiedermair und Eisert die Maske vom Gesicht reisen, die sie seit 18 Jahren mit sich herumtragen. Bürgermeister Fasel ist „gegen die Sucht, immer wieder aufs neue in der Vergangenheit unseres Volkes zu wühlen“. Er entrüstet sich über die „rückßicntslose Ausnutzung der Pressefreiheit“ und bekennt seinen „vollen Abscheu“ vor diesem Treiben. Vor welchem Treiben? Vor dem der braunen Ratten, die sich mit einem gefälschten Zeugnis der guten Sitten in die Demokratie heimtükkisch eingeschlichen haben? Aber nein! Fa^el steht, Hand in Hand, mit dem Judenfeind Zimmerer gegen die, die die unbewältigte Vergangenheit endlich und im vitalsten Interesse der Demokratie bewältigen wollen. Der Fall Fasel ist unvergleichlicn schwerwiegender als alle anderen Fälle im Würzburger Ratten - Nest. Denn < :eser Fasel ist, wenigst ns dem Parteibuch nach Sozialist. ein prominenteo Mitglied der Würzburger Sozialdemokratischen Partei. Und die Frage, die sich gebieterisch aufdrängt, ist: wann wird dieser Anwalt der blutigen Vergangenheit aus der deutschen Sozialdemokratie * ausgeschlossen?! Je schneller das geschieht, desto besser für die SPD und ihre Zukunft. ' V :!■; < * - V*“ ' '.4ÇT. <' ’ '->• J*. .. -.;-$t Viajes/: directos entre v :• y. *> . .j ARGENTINA e ISRAEL WP - , : y , - & : // * realizará la nave "THEODOR HERZI/- orgullo de la flota israelí- Teppichhaus - M. Hochberg UNERREICHTE AUSWAHL AN HANDGEKTüPFTEN TEPPICHEN IN ERSTKLASSIGEN QUALITÄTEN FUER JEDES GEMUETLICHE HEIM. Eigen« Fabrikation — Unverbindlich» Vorführung Auf Wunsch Zahlungserleichternngen MASCHINENTEPPICHE IN ALLEN FARBEN UND GROESSEN. AUSLEGEN VON APPARTEMENTS MIT REIN WOLLENEM VELOUR. 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