Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 24 (1963)
- Issue
- 2009 (26.4.1963)
- Date
- 1963-04-26
- Page
- [Seite 4] (sequence 4)
- Language
- German, Spanish
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4 — Viernes, 26 de Abril de 1963 LA SEMANA ISRAELITA Van Gogh-Ânsstellung in Tel Aviv yen Dr. CONRAD N. ROSENSTEIN Das Kunstereignis dieses Winters, vielleicht überhaupt die bedeutendste aller bisherigen Ausstellungen in Israel, war die Van Gogh-Ausstellung im Rubinstein-Pavillon. Die Holländer waren grcßszügig genug, eine Fülle des Oeuvres vörzuftihren, unter denen sich auch einige Meisterschopfungen ersten Ranges befanden, wie etwa des Postmannes Roulin, Selbstbildnisse, das der „Artésienne“ und den ..Zypresseweg“. Einige herrliche Landschaften waren darunter, bezaubernde Baumgruppen in Blüte, Stilleben. Vieles gehört noch in die sehr abhängige Epoche der Studienjahre des Künstlers, einiges bringt die reife Frucht seiner Vollendung.- Van Gogh ist möglicherweise der populärste Meister in Israel. Schon deshalb ist dieses Unternehmen zu preisen. So wie es eine Periode gab, da man die Reproduk. tionen von der Kollwitz oder von Radin in vielen Wohnun gen der dreisciger Jahre sah, als die mitteleuropäische Einwanderung einsetzte. so folgte dieser Geschmacksrichtung nach dem Weltkriege ein erhöhtes In. teresse für Van Gogh. Die Ursachen liegen auf der Hand. Einmal war der Men»3ch durch all das Vorhergegangene ..reizbar“ geworben, dann aber auch taten „bestseller“-Filme das ihre, gerade diesen Meister der Moderne einer Oeffentlic-hkeit vorzustellen, die bei aller intellektuellen Wach heit doch in einer künstlerischen Lehre lebte, denn „Palästina“ lag jenseits aller Zäune. Das Publikum war selten ästhetisch erzogen. In vielen Fällen sah es sogar, unter dem Erziehungs - Einfluss kleinstädtischer Orthodoxie, in jeder Art Malerei einen .Greuel“, 'Zum anderen verfügte der „Jischuw“ nicht über die Verbindungen, über die nötigen Geldmittel, um sich Ausstellungen zu sichern, durch die Kontakt gehalten werden konnte mit der Kunstwelt Westeuropas Infolgedessen war der Weg! eines israelischen Künstlers dornenvoll. Wer kaufte seine Produkte? Wer interessierte sich für sein Schaffen? Wie und wo sollte er sich ünerhaupt orientieren! Mehr oder minder ging jedermann , irgendwie in den „Fusstapfen“ irgendeines anderen, einec Grösseren, von „Israi elstil“, oder gar von einer Schule, konnte gar keine Re- ' de sein! Wenn man in der j Bezalelschule in Jerusalem nur Tüchtiges, im handwerklichen Sinne, lehren konnte, so durfte man mehr als zufrieden sein. Das hat sich nun völlig geändert. Israel verfügt I über einige vorzügliche Ausstellungshallen. Die beste ist Das Leo Baeck - Institut sucht DOKUMENTE-URKUNDEN CHRONIKEN BILDER über die Geschichte des ehemaligen deutschen Judentums sammelt das LEO BAECK-INSTITUT PUBLIKATIONEN DES WERDE AUCH DU MITGLIED des Leo Baeck-Instituts Anmeldungen bei Herrn CUHT WILK, Moreno 2256, und un Büro der JUEDISCHEN WOCHENSCHAU. Pueyrredon 2190, 1, iaq. (83/2613) LEO BAECK INSTITUTES SCHRIFTEN REIHE WISSENSCHAFTLICHER ABHANDLUNGEN DES LEO BAECK INSTITUTES J. C. E. MOHR (PAUL SIEBECKj TU EBINGEN YEAB BOOK VM I960 — VOM L.B.-INSTITUT HERAUSGEGEBEN: BY THE EAST AND WEST LIBRARY, LONDON mit einer Fülle hervorragender Beitrage m englischer und deutscher Sprache. ’ (416 Seiten) Año XXIV. — No. 2(419 DAS BEWEGTE SCHICKSAL An dieser Stelle wurde bereits des öfteren auf die Zeitschrift hingewiesen, die vom Leo Baeck-Inriitut unter dem anspruchslosen Titel „Bulletin“ herausgege ben wird. W'ie wertvoll diese Publikation und wie intpreßsar.t sie auch für der) „Nicht-Fachmann“ ist, beweist das jüngst erschienene Heft Nummer 18 des 5. Jahrganges, das einige Aufsätze enthält, die sämtlich nur als hervorragend bezeichnet werden können. Die Redaktion hat mit der Auswahl und Zusammen Stellung der hier veröffentlichten Artikel zugleich einen kleinen Einblick in die Mannigfaltigkeit der Themen gegeben, die in unser spezielles Interessengebiet zweifellos der „Rubinstein- Pavillon“, neben dem Habima-Gebäude, dem Nationaltheater. Der Vorteil dieses Aussteliungshauses ist, dacs es sowohl gedämpfte Fensterbeleuchtung (Milchglas), wie auch gut gefiltertes Fluoreszenslicht besitzt, so dass die Beleuchtung zu allen Tagesstunden klar ist, ohne zu blenden. Ferner drängt sich keine „Stilgewandung“ auf. Wie sähe wohl eine Van Gogh-Ausstellung in Rokokoräumen auß? Wie sehr drängt sich nicht in Europa der alte Schloss und Museumsstil auf! So kommt also van Gogh nur durch sich — und uneingeschränkt — zur Wirkung. Das Phänomen Van Goghs ist ein vielfältiges. Er malt nicht „Sonnenschein“, etwa im Sinne der Impressionisten, wo der Schein in hohen Baumkronen spielt, durchs Gebüsch blitzt, mit schweren Schlagschatten kontrastiert, abwechslungsreichen Guirlanden von Sonnen,Spielereien. Van Gogh malte die „Sonne“, — und das ist ganz etwas anderes. Das Auge wird geradezu geblendet. Ein reissendes Gelb herrscht vor. (Van Gogh selbst wurde die Bindehautentzündungen nicht los. Seine Augen waren oft rot.) Es ißt das Phänomen einer „Meskalin - Narkose“. Und wer sich über die optischen Reizerscheinungen unter der Wirkung dieses Rauschgiftes klar ist, der hat im Grunde schon einen Symptomkomplex für die tragische Pcychose Van Goghs selbst gefunden. in der er dahinsiechte bis zu seinem plötzlichen Selbstmord. Die Welt wird nicht „abfotografisrt“, sondern in einer inneren Erscheinung erfasst, sie ist eine optische Reizerscheinung. Da,s Bravouröse in der deftigen Farbauftragung findet man auch in den Kinderbildern: das hektisehe- Entzücken, das Aeusserste zu wagen, was die Palette hergibt, und sei es die eines Tuschkastens. — Indessen Van Gogh ist niemals „primitiv“, in keiner Weise in die Kindheitsßtufe „zurück fallend“. Meist ist die Pinselführung doch pointilistisch, so wie er sah und lernte in jenem Paris des grossen optischen Experiments. Paris wurde doch seine Wahlheimat, wenn er a?ßf Juden fällt, die ehemals in Deutschland gelebt haben. Bereits der zum Abdruck gelangte Vortrag von Prof. Jonas Fraenkel über „Gottfried Keller und die Juden“ schildert in einer beinahe ergreifenden Form das Verhältnis das grossen Dichters der Toleranz zu den Juden und bringt viele, jedenfalls dem Rezensenten bisher unbekannte Einzelheiten ürer die Juden und die Stellung zu den Juden in einer Zeit der beginnenden Dekadenz. Das Keller-Wort „Was ewig gleich bleiben muss, ist das Bestreben nach Humanität“ wurde von den Verantwortlichen zum Unglück der ganzen Menschheit vergessen. In einem sehr ausführlichen Bericht schildert Kurt Schwerin die — den meisten wohl nicht bekannte — sympathische Persönlichkeit des Kommerzienrats Max Pinkus, der eine der bedeutend sten Bibliotheken, die grösste Privat - Bibliothek über Schieden gesammelt hatte (Pinkus verstarb 1934). — Den Hauptartikel dieser — übrigens sehr spannend geschriebenen — Arbeit nimmt das Verhältnis von Max Pinkus zu Gerhart Hauptmann ein. dieser äußerst widersprüchlichen Persönlichkeit, die aber heute beinahe vollkommen rehabilitiert zu sein scheint. Wir erfahren von der engen Freundschaft der beiden so verschiedenen Männer. Hauptmann hat dem Kommerzienrat und Bibliophilen in verschiedenen seiner Werke ein Denk.nal gesetzt, so im ersten dramatischen Werk „Die schwarze Maske“ und im „Vor Sonnenuntergang“. Als Pinkus starb, erschienen Hauptmann und seine Frau alß einzige „Arier“ bei der Totenfeier im kleiner: schlesischen Neustadt, obwohl Pinkus Ehrenbürger dieser Stadt gewesen ist, die ihm wie seinem Vater ausserordentlich viel zu verdanken hatte. Dirße Umstände und die Beisetzungsfek-rlichkeiten machten auf den Dichter einen so starnen Eindruck, dass er im Jahre 1937 ein Requiem „Finsternisse“ auch die Gesellschaft floh, wenn er auch immer wieder zu e’en Typen und den Le bensbe-reichen seiner engeren Utimat zurückkehrie. Der ernste Besucher wird unendlich bereichert von dieser Schau. Denn daß Phänomen, dem er da gegenüberstand, ist im Grunde Israels Phänomen: Die unglaubliche Lichtquelle, vor der der Künstler zuweilen die Augen schliesst, gequält ermüdet, der unermessliche Panoramarundblick: die Phantasmagorie, die bei geschlossenen Augen echliesslich auftritt, und etwas von der Lebenslandschaft der Sänger, der Pathetiker, der Propheten atmet. Ein so Ueberwältigter war Van Gogh. Wer Israel begreift, der begreift auch dieses so naheliegende Phänomen. Er begreift es nicht nur. Er reisst es an eich. Er liebt es. — schrieb, in dem Hauptmann in einer beinahe mystischen Weise jüdisches Schicksal zur Darstellung bringt und als Weltenschicksal deutet. Fritz Schwarzsch.ld schildert mit herzlichen Worten der Erinnerung die Persönlichkeit von Eduard Strauss, der einer der grossen Erzieher der Generationen zwischen den beiden Weltkriegen war. Ein Essay von Strauss „Das Zeichen von- Bolßena“ gelangt anschliessend zum Aubdruck. — Auf ein ganz anderes Gebiet jüdischen Lebens, Leidens und Sterbens führt uns der Aufsatz von Fred Grube] „Der Judenfrkdhol von Johannistal“ mit seinem Untertitel „Anfang und Ende des bürgerlichen Zeiltalters der jüdischen Gemeinde in Leipzig“. Der Bencht gibt gleichzeitig eine kleine Geschichte der jüdischen Gemeinde in Leipzig, einer Stadt, die ihren Aulstieg als Messestadt zu einem guten Teil den Juden aus dem europäischen Osten zu verdanken hat. — In kleineren Aufsätzen . nimmt Fritz Homeyer Stellung zum Buch von Frau Dr. Rahel Strausß „Wir lebten in Deutschland- , das er aus eigenen Erlebnissen . kommentiert, und Toni Oelsner äussert sich „Zum Thema Antisemitismus“ wobei davor gewarnt wird, die Haltung der Kirchen durch allgemeine Urteile in ein falsches Licht zu setzen; die Stellung der Päpste z. B. sei zu verschiedenen Zeiten sehr unterschiedlich gewesen. — Literarische Hinweiße schliessen dieses Heft ab, das niemand ohne innere Bereicherung lesen wird. ■ Spiegelt es doch getreulich unser eigenes bewegtes Schicksal wider. — (h. s«) Ewtaschenko nahm Einladung an Paris. — Der sowjetische Dichter Ewgenij Ewtuschenko, der kürzlich in Paris auf einer Vortragsreise weilte, hat eine Einladung des israelischen Schriftstellerverbandes zu einem Besuch in Israel angenommen. Ein Datum für den Besuch wurde bisher nicht genannt. (AWZ) Ausstellungshalle Die neue Bermann-Ausßtellungshalle der National- und Universitäts-Bibliothek in Jerusalem wurde unlängst mit einer Ausstellung jiddischer Drucke eingeweiht. Die Ausstellung zeigt Drukke aus der Zeit von 1560 bis zur Gegenwart. Die Halle i«t eine Stiftung von Joseph Hermann und seiner Ga.tin zum Andenken an ihren Sohn und ihre beiden Enkelkinder, die bei einem tragischen Unfall in Kanada ums Leben kamen. Der Habima übergeben Jerusalem. — Der Saal im Jerusalemer Volkshaus, in dem Adolf Eichmann von einem israelischen Gericht zum Tode verurteilt wurde, ist der National-Bühne Habima übergeben worden. — VUELVE EL MAYOR EXITO TEATRAL DE 1962 \ EL DECIMO HOMBRE j de PADDY CHAYEFSKY * con la dirección de OSCAR FESSLER | en el TEATRO SAN TEIMO i * CHACABUCO 966 — ■ T. E. 33-2804 | y Todos los días a las 22 hs. (excepto Lunes). Sábados, Domingos y feria- ¡ dos a las 18 hs. y 22 hs. Localidad, en venta con 5 días de anticipación.. J