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Jüdische Wochenschau · 1963-04-19 · 2008 (19.4.1963) · p. [Seite 4]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
24 (1963)
Issue
2008 (19.4.1963)
Date
1963-04-19
Page
[Seite 4] (sequence 4)
Language
German, Spanish
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Die Helden von Warschau Jedermann in der Welt war mit sich selbst beschäftigt. Ueberall gab es unlösbare Probleme, und Warschau mit seinem Ghetto, in dem von den ursprünglich 500.000 Juden nur etwa 10 Prozent noch verblieben waren und einen aussichtslosen Widerstand gegen ihre Liquidierung leisteten, konnte niemand draussen in der grossen Welt zu einer Aktion gegen die mächtige deutsche Kriegsmaschine veranlassen. Aus Berichten, die im Buch „Das Dritte Reich und seine Vollstrecker. Die Liquidation von 500.000 Juden im Ghetto Warschau“ von Josef Wulf wieder gegeben sind, stammen die folgenden Zitate: Kommandant Mordeehai Aniliewicz von der JKO i Jüdische Kampforg-misation) schrieb an seinen Stellvertreter Izchak Cukermann in die „arische“ Stadtseite am 23. April u. a.: „Was wir erlebt haben, lässt sich mit Worten nicht beschreiben. Wir hätten es in unseren kühnsten Träumen nicht zu hoffen gewagt. Zweimal zwangen wir die Deutschen, das Ghetto fluchtartig zu verlassen. Eine unserer Gruppen . hielt die Stellung 40 Minuten, eine andere sogar 6 Stunden. Eine unserer Minen vor den Bürstenmacher - Werkstätten explodierte. Verschiedene Gruppen griffen die Deutschen an und schlugen sie auch in die Flucht. Schon unsere geringen Verluste sind ein Sieg. Am Maschinengewehr starb J den Heldentod. Ich finde, wir leisten Grosses. Es ist von Bedeutung ... von MEIR Von heute ab gehen wir zur Partisanentaktik über. Koch in dieser Nacht gecen drei Spähtruppen hinaus, um Waffen zu erobern... Wir brauchen mehr Gewehre, Maschinengewehre. . Handgranaten, Sprengstoff. Es ist nämlich dringend erforderlich, dass eine gewaltige Vergeltung seitens der Alliierten den ruchlosen Fernd jetzt sofort treffe und nicht erst irgendwann später, damit er begreife, wofür es die Vergeltung ist. Unsere Verbündeten sollen sich der Verantwortung endlich bewusst werden, welche sie tragen, wenn sie stillschweigend zuechauen, dass die Nazis ein bisher unvorstellbares Verbrechen begehen, indem sie ein ganzes Volk einfach ausrotten...“ APPELL AN DIE ALLIIERTEN Am 27. April richtete die jüdische Untergrund-Kampforganisation einen (vergeblichen) Appell an die Alliierten: „Heute ist der 9. Tag des Ghetto-Kampfes. Wir werden von SS- und Wehrmacht Formationen belagert. Artillerie und Flammenwerfer «ind eingesetzt, Flugzeuge werfen Brandbomben auf die 40.000 im Ghetto. Wenn Widerstand geleistet wird, sprengen oder verminen die Deutschen ganze Häuserblocks. Das Ghetto brennt, und Warschau ist voll Qu-jlm. Verbrennen Männer, Fra uen und Kinder nicht oei lebendigem Leib, mordet man sie in Massen. Deutliche Posten bewachen die Einstiege zur Kanalisation... Die polni- FAERBER sehe Bevölkerung staunt über den jüdischen Kampfgeist, aber die Deutschen sind wütend und beschämt. Die jüdischen Kämpfer richteten einen Aufruf an die polnische Bevölkerung Warschaus, und die polnischen Arbeiterparteien haben ihnen Hochachtung ausgesprochen. Nur die Alliierten aber könnten sofort ur.d aktiv helfen. Wir wenden uns deshalb jetzt an die ganze Wtlt, und zwar im Namen der Millionen schon verbrannter, ermordeter oder lebendig begrabener, aoer auch der noch kämpfenden Juden, die ebenfalls dem Untergang geweiht sind.“ E. RINGELBLUMS AKTION Eine andere verlässliche Quelle der Geschichte des Warschauer Ghetto ist das Untergrund-Archiv des Historikers Dr. Emanuel Umgelblum, zu dessen Ehren jetzt, anlässlich der Gedenkfeier zum 20. Jahrestag des Aufstandes in Warschau ein Denkmal enthüllt wird. Am 1. 9. 1946 wurden in den Ruinen des früheren Hauses Nowolipki 68 in Warschau die ersten zehn Metallkisten de« heimlich gesrmmelten Ghetto - Archivs ausgegraben; der zweite Teil des Märtyrer-Archivs wurde am 1. 12. 1950 aufgefunden. In seiner Organisation „Oneg Sabbath“, in der „ein ganzer Kreis von Wissenschaftlern, Intellektuellen und vor allem Idealisten“ mitarbeitete, wurde dag Archiv-Material unter Lebensgefahr gesammelt und verborgen. Noch sieben Tage vor seinem Tode redigierte Dr. Ringelblum am 1. März 1944 einen zusammenfassenden Bericht über die Kulturarbeit im Ghetto. Während des Ghettoaufstandes. im Mai 1943. traf ein Radiogramm der Kämpfer bei der polnischen Exik- Regierung in London ein, das um Hilfe bat. Einer der .drei Absender war Emanuel Ringelblum, der dann von den Deutschen gefangen und in ein Zwangsarbeitslager gebracht wurde, aus dem er jedoch von der jüdischer. Untergrundbewegung herausgeschmuggelt und auf der „arbischei^1 Seite von Warschau mit falschen Papieren untergebracht werden konnte. Am 7 . 3. 1944 fand Ringelblum, dem das Schicksal beschieden war, ein jüdischer Historiker besonderer Art zu sein, zusammen mit seiner Frau, seinem Sohne und 38 Kameraden den Tod. („The Journal of Emanuel Ringelblum, Notes from the Warsaw Ghetto”, ursprünglich erschienen in ,Bieter Far Gesziehte', Warschau. März 1948) STEPHEN WISE UND NAHUM GOLDMANN In der Sondersitzung des Zionistischen Akticns-Comites in Jerusalem am 24. 3. 1963 zum 20. Jahrestag de« Ghettoaufstandes legte der Präsident der Zionistischen Organisation Dr.- Nahum Goldmann das erschütternde Bekenntnis ab. dass er und Stephen W;Vse c-in Telegramm aus dem Ghetto Warschau bekommen haben, in dem sie aufgefordert wurden, zusammen mit anderen jüdischen Führern einen Sitzstreik auf den Stufen des Weissen Hauses durchzuführen, um den Präsidenten der USA zur Bombardierung der Vernichtungslager und der zu den Mordstätten führenden Bah nen zu veranlassen. „Wir haben dies nicht getan, da die meisten jüdischen Führer der Ansicht waren, dass sie den Kriegseinsatz der freien Welt gegen die Nazis nicht durch stürmische Proteste stören dürften.“ IN MEMORIAM — JISKOR In Israel wird am 21. April das Gedenken an den Warschauer Ghetto-Aufstand anlässlich seines 20. Jahrestages u. a. durch eine offizielle Jiskor-Versammlung im Saale von Jad Waschern und durch eine Sondersitzung der Knesset begangen werden. In Polen rüstet man für den 19. April zu offiziellen Feiern, zu denen Delegationen aus aller Welt eingeladen «ind. Auch eine grössere Gruppe aus Israel wird in Warschau erwartet, wo im Kulturpalast unter Mitwirkung des jiddischen Theaters vom Kulturverband der Juden Polens eine Feier veranstaltet wird. Die Teilnehmer ans dem Ausland sollen dann auch Treblinka, Maidanek und einige Provinzstädte besuchen. (Dass laut Londoner „Jewish Chronicle“ kürzlich 450 jüdische Beamte des Innen-, des Verteidigungs- und des Aussenministeriums in Polen entlassen wurden, sei hier nur in Klammern ver.- merkt). Wenn ich noch erwähne, dass der Geetapo-Xommandant in Warschau, der für die Vernichtung von 400.000 Juden und 100.000 Polen mitverantwortlich war, Dr. Ludwig Hahn, heute noch frei in Hamburg als Direk tor einer grossen Versicherungsgesellschaft lebt, so sei damit nur ein Eindruck unterstrichen, dass Deutschland und die Welt aus dem verbrecherischen Massenmord der dreissiger Jahre eigentlich kaum Konsequenzen gezogen haben. Dr. Hang Frank, der Generalgouverneur im besetzten Polen, beantwortete am 18. April 1946 eine ihm von Jüdisches Lehrhaus (2. Studienjahr) Eröffnungsveranstaltung DIENSTAG. DEN 23. APRIL UM 21 UHR IN DEN RAEUMEN DER ACIBA. ARAOZ 2854 ER0EFFNUNGSAN5PRACHE Referat über KULTUR und POLITIK Referent: Dr. Hardi Swarsensky ★ HEBRAEISCHE KURSE des Jüdischen Lehrhauses gemeinsam mit JJCAJ 1) Anfaengerkuis ohne Vorkenntnisse: Dienstag und Donnerstag 17 Uhr 2) Leichtfortgeschrittene I: Dienstag und Donnerstag 18 Uhr 30 3) Leichtfortgeschrittene ü: Dienstag und Donnerstag 15 Uhr 30 4) Fortgeschrittene (Unpunktierte Lektüre. Tenach und Sidurh Montaa 17 Uhr 30 und Mittwoch 18 Uhr 30 DER JUEDISCHE WH L'a ».ml ■> sesmm&n. *.t. io*.« Der Untergang der Ghd Noch mehr als sonst ha. ben wohl die Juden aller Länder, wenn sie ln diesem Jahre am Sedertisch sassen, der Tragödie von Warschau gedacht, deren Endphase in ihrer ganzen Grauenhaftigkeit am 1. Pessaebtage des Jahres 1943 begann, einem 18. April. Viele Berichte sind seither veröffentlicht worden, Bücher von bleibendem Wert wie „Die Mauer“, „Mila 18“ und andere mehr, aber keine noch so realistische und dabei bilder¬ und erlebnisreiche Sprache (ZUM 20. JAHRESTAC furchtbare Augenblick gekommen. An dieser Stelle seien nicht die Einzelheiten, die Schrecken, welche die Hingemordeten durchlebten und ihre verzweifelten Widerstandsversuche wiederge. geben; jene erwähnten Bücher vermochten es besser, als es kurz nacherzählt werden könnte. Genug, daran zu erinnern, dass den Nazimörderbanden die Abwehr völ. lig unerwartet kam, dass in Kellern und Bunkern jüdidie Juden zur forischleppen f° auflin Batten die so minimale W Versorgung stellt, was wied sehe Gegendemoi auslöste. Em?n *• nisierten Widerst; es bereits am 17 mm 1030 ÄlRfl Transport von Juden aus dem Warschauer Ghetto in ein Vemichtongsl tag reicht an die Wirklichkeit jener Wochen heran, die 35 Tage währte, bis zum heldenhaften Untergang des zusammengeschrumpften Re. etes, der Elendsgestalten, deren Aufopferung kaum eine Parallele in der Geschichte kennt. Wir wissen — und auch Shirer in „Aufstieg und Fall des Dritten Reiches“ bestätigt es —, dass der blutdürstige Reichsführer SS Hein rieh Himmler srinem „Führer“ das Warschauer Judenviertel, völlig liquidiert, zum 20. April als „Geburtstagsgeschenk“ präsentieren wollte. Doch war man im Ghetto vorbereitet; nahe den Mauern standen Boobachtungeposten. die sofort Alarmmeldungen durchzugeben hatten, sobald die Na zis zum tödlichen Schlage ausholen würden, ln der Pessachnacht war dieser seinem Verteidiger im Saal des Internationalen Militärgerichtshofes gestellt« Frage mit dem Bekenntnis: „Wenn Adolf Hitler persönlich diese furchtbare Verantwortung auf sein Volk gewälzt hat, denn trifft sie auch mich, denn wir haben den Kampf gegen das Judentum jahrelang geführt, und wir haben un« in Aeusserungen ergangen..., die furchtbar sind. Und ich habe daher nur die Pflicht, Ihre Frage in diesem Sinne und in diesem Zusammenhang mit „Ja“ zu beantworten. Tausend Jahre werden vorübergehen und diese Schuld von Deutschland nicht wegnehmen.“ Momentan arbeiten deutsche Wissenschaftler und Techniker in den Laboratorien in Kairo, um Abdel Nassers Vorbereitungen zum Vernichtungsangriff auf Israel um ferntragende, zielsichere Raketen, Atom und Bakterienwaffen und Giftgas zu bereichern... sehe Menschen einen eiligen „Festtagskiddusch“ machten, während auf Dächern die blauweisse Fahne mit dem Davidsstern erschien, dass Juden ihren einmarschierenden Todfeind mit Granaten und Bomben er warteten, in den ersten Minuten zwei feindliche Tanke zerstörten und eine Reihe ihrer Mannschaften töteten. Zunächst war es die SS, deren Ueberrasehung grenzenlos gewesen sein soll, ehe dann, einige Tage danach, die Wehrmacht eingriff und um jedes Haue, fast um jede« Zimmerloch, eine erbitterte Schlacht führen musste. Nur wenige jüdische Kämpfer überlebten das Gemetzel, doch dreitausend feindliche Soldaten sind in den Tod mitgeris«en worden, darunter ,Elitetruppen‘. Wenige Wochen zuvor war Stalingrad gefallen; die Lügenpropaganda von Goebbels log die katastrophale Niederlage der 6. deutschen Armee, den Verlust von fast einer Viertelmillion Offiziere und Soldaten, in ein Heldenepos um, obwohl dies, nach El Alamein. die zwei te entscheidende Wende des Kriegsglücks der Nazi« gewesen ist. Und nun sollte dem deutschen Volke das völlige Ende des polnischen Judentums vor Augen geführt werden; man brauchte diese „Volksablenkung“. Doch, was das deutsche Volk nicht erfuhr, ist, dass sich seine Soldaten jeden Fussforeit Boden mit Blut erkaufen mussten, dass es vereinzelte — leider sehr wenige — Angriffe polnischer Partisanen im Rükken der Deutschen gab; einige Verbände der polnischen Nationalgarde, Truppen der unterirdischen polnischen patriotischen Bewegungrhatten einige Zeit zuvor Kontakt mit jüdischer Jugend im Ghetto aufge- Bommen. zun E den zur wur mit Pole, n

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