Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 24 (1963)
- Issue
- 2006 (5.4.1963)
- Date
- 1963-04-05
- Page
- [Seite 3] (sequence 3)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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*T Viernes, 5 ¿e Abril de 1983 LA SEMANA ISRAELITA Año XXIV. — No. 200« — 3 r schwarze Samstag Es war der 4. März 1933, ein Samstag: ,,Meine M?ssnahmen werden nicht angekränkelt werden durch irgendwelche juristische Bedenken; ich habe keine Gerechtigkeit zu üben, sondern zu vernichten und auszurotten“, schrie Hermann Gö ring in der Frankfurter Festhalle, genau vier Wochen vor dem Schwarzen Samstag, dem 1. April, dem Tag des organisierten Boykotts der in jüdischem Besitz befindlichen Geschä fte in Deutschland. Das war fünfeinhalb Wochen vor dem Erlass des sog. Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentumij. mehr als fünfeinhalb Jahre vor der ,,Kristallnacht“, sieben, acht und mehr Jahre vor — Lodz. Kulmhof, Riga und Minsk, Auschwitz, Theresienstadt und Mauthausen. Kein Jude, der das Glück gehabt hat, die Herrschaft grausamer Gewalt zu überleben. wird die Erinnerung an die Periode, die mit Aeehtung und Ausplünderung begann und mit Vertreibung oder Vernichtung endete, jemals aus seiner von Dr. E. G. LÖWEN TH AL israel se adelanta a Ai partir de Buenos Aires rumbo a Israel cuente con EL AL. Sus nuevos horarios^* le ofrecen ahora' la posibilidad de que, al llegar a la mayoría de las ciudades importantes de Europa O á Nueva York, casi invariablemente esté esperándolo uno de los lujosos jets Boeing 707 ó 720 para continuar vuelo, sin pérdida de tiempo, hacia Tel Aviv.^ Así, EL AL se adelanta a recibirlo, augurándole el más venturoso de los viajes y atendiéndolo con la tradicional cortesía israeli. Li AL ISRAEL AIRLINES Erinnerung auslöschen kön nen. Und jedem ande-en, der all das nicht weiss oder nicht mehr weiss oder nicht mehr wissen will, 6ei nur Gerhard Schönberners Buch „Der Gelbe Stern“, das die Judenverfolgung in Europa in aussergewöhnlich erschütternden Bildern festhält, zur Lektüre empfohlen; er sollte sich auch den. neuen, qualvoll-wirklichen italienischen Film „Kapo“ i ansehen. I Begann das Unheil tat- I sächlich erst mit dem ersten i heftig fühlbaren Schlag vom I 1. April 1933? Man fragt I sich das immer wieder, j auch heute, 30 Jahre nach I jenem Boykottag, zumal j wir, wenn man gewisse Erscheinungen unserer Tage | betrachtet, uns des Einj drucks nicht erwehren kön- I nen, als ob wir gegenwärtig; wieder eine Epoche (oder, I hoffen wir, nur — Episolei; erleben, wo es schwer hält, i politisches Unrecht und polij tische Verbrechen offen zu-; zugeben und damit der I Wahrheit eine Gasse zu Lahnen. Die Antwort lautet „nein“; | es begann viel früher, als Judenhass vielerorts weitgehend zur Weltanschauung geworden war, zum guten Ton gehörte und als, von manchen Ausnahmen abgesehen, die berufenen Vertreter des deutschen öffentlichen Lebens und des wirtschaftlich gesicherten breiten Bürgertums, die offen und mutig hätten reden kön nen, schwiegen, gleichgültig zuschauten, auch Universitätsprofessoren, Rechtsanwälte, Lehrer, Kirchen. Wo waren sie in den Jahren seit dem Ende des Ersten Weltkrieges, a’ß die freiheitliche Ordnung bedroht war, die politische Vergiftung ständig zunahm, als, in Auswirkung dieser von rechtsradikaler Seite besonders betriebenen Störung des inneren Friedens, allein in der Dekade 1923—32 jüdische Friedhöfe in Deutschland zu Dutzenden geschändet wurden? Obwohl das Vorgänge waren, die nicht unbekannt blieben, schwieg man — weitgehend. Proteste wurden nicht ernst genug genommen, Warnungen nicht genügend beachtet. Man ging den Dingen nicht gründlich nach. TAG DER GROSSEN FEIGHEIT „Jeder Niedergang“, so sagte Dr. Leo Baeck in seiner Ansprache im Rahmen einer 1953 von dem Verband jüdischer Flüchtlinge in Grossbritannien in London veranstalteten repräsentati ven öffentlichen Kundgebung zur 20. Wiederkehr des Boykottages, „begann mit einer grossen Feigheit“, dem allgemeinen Schweigen Der 1. April 1933 solle in der Geschichte der Tag der grossen Feigheit genannt werden. „Ohne die Feigheit damals“, erklärte Leo Back, „wäre alles, was gekommen und über uns gekommen ist, nicht geschehen. Die jüdischen Geschäfte wurden boykottiert, in Wahrheit wurde das Recht boykottiert. Die jüdischen Geschäfte ha ben eine Zeitlang überstanden, das Recht hat diesen Tag nicht überstanden“. Und Baeck meinte weiter: „Jedes Recht konnte ja genommen werden, aber ein Recht blieb ur.e, das Recht, rechtschaffen zu sein, das Recht, jüdisch zu sein.“ So sei doch trotz allem ein starkes Selbstgefühl geblieben, das Bewusstsein, Hüter eines Rechts zu sein, das nicht entzogen werden konnte. Wenn Dr. Baeck sodann an denjenigen erinnerte, „der beauftragt war“, um den Boykott herum zu den „Vertretern der Juden aus allen Teilen Deutschlands“ zu sprechen, eo meinte er, ohne sich zu nennen, zweifellos sich selbst, der unmissverständlich und mit Würde ausrief: „Diese« Regime wird bleiben, weil es sich den Schein der Legalität gegeben hat und auf dem Gehorsam des immer zum Gehorsam bereiten deutschen Volkes ruhen kann.“ Darum sollte unsere Jugend auß dem Land herausgebraeht werden nach Ländern. die Freiheit haben, und die Aelteren sollten bleiben, damit die Jungen hinausgehen könnten. Die Idee, die dieser Planung zugrunde gelegen habe, sei all die Jahre bis zum Beginn des Jahres 1943, als die letzten Juden aus Deutschland fortgeschleppt wurden, bestimmend geblieben. Baeck beschloss seine eindrucksvolle Rede mit Hinweisen auf die Reichsvertretung, in der es „eine Auseinandersetzung der Meinungen“ gab, aber „immer ein grosses Verstehen, ein Gemeinsames der Gewissen“, und auf die Renaissance des jüdischen Geistes in Deutschland und nahm schliesslich den einleitenden geschichtlichen Gedanken wieder auf: in der Tragödie, die mit dem 1. April 1933 begann, sei von Juden Tapferkeit bewiesen worden. Voller Demut und Ehrfurcht dürften wir von diesem Tag sprechen und, dem Psalmwort gemäss, ihn aufscfcreiben für ein kommendes Geschlecht. SCHULDABWEHR HEUTE Da« Wort von der Feigheit oder, in abgewandelter Form, von dem Nichtzugestehenwollen, scheint in unseren Tagen zuweilen fast erhöhte Gültigkeit zu haben. Wenn man die gerade jetzt in der deutschen Oe ff ent lichkeit entstandene erhebliche Unruhe im Anschluss an aktuelle Vorgänge beobachtet wie, abgesehen von neueren Affären, di« fast endlose Reihe der Ghetto- und KZ-Mordprozesse gegen ehemalige SS- und SD-Männer, die beinahe unausgesetzten Anschuldigungen gegen hohe Justiz- und Verwaltungsbeamte mit „brauner“ Vergangenheit, ein Aufsehen und Widerspruch erregendes Interview über einen latenten Antisemitismus in der Bundesrepublik, die Reaktion auf ein neues, höchst kritisches Theaterstück über — Unterlassungen, eo stellt man eine Schuldabwehr fest, verbunden mit einer empfindlichen Haltung, die nicht wahrha ben will und zu verwischen wünscht, mit wie kaltblütiger Skrupellosigkeit in der Nazizeit Unrecht begangen worden ist. Was sagte doch der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Präses D. Kurt Scharf, unlängst und, ausgerechnet. in Würzburg? Die Notwendigkeit politischer Prozesse sei zu bejahen; sie seien Beweis für die Ehrlichkeit der Bemühungen. Verbrechen zu sühnen, auch um damit das Ansehen Deutschlands in der Welt wiederherzustellen. Sinngemäss meinte er, angesichts neuerlicher, höchst unliebsamer Erscheinungen, die Forderung „Initils obstal“, das „Wehret den Anfängen!“ Es darf nicht wieder zu spät sein. Ehrliche Einsicht und — Zivilcourage dürfen nicht wieder ihren Wert verlieren, ihre Bedeutung einbüssen. Dafür sind die Spuren jenes „grossen Tages der Feigheit“ noch nicht verwischt, noch zu frisch in unserem Bewusstsein. 30 Jahre umschliessen gemeinhin ein ganzes Menschenalter. Im Fall des Dreijahrzehnts 1933—63 sind sie, schon durch die unermesslich vielen unschuldigen Opfer, deren wir täglich gedenken, zu einem enger begrenzten Zeitraum zusammengeschrmpft. Aus den Erfahrungen dieser noch so jungen Vergangenheit sollte die mancherorts mit Rückfallserscheinungen behaftete Gegenwart lernen. Der Schwarze 1. April, offizieller und organisierter Beginn der, wie es Göring verstanden wissen wollte, Rechtlosigkeit und Vernichtung, wird wie ein warnendes Fanald noch lange in die Zukunft wirken. MOEBELHAUS WATERMANN Das Haus der 3 Gcschät te mit der grössten Auswahl. SARMIENTO H47 T. E. 35 - 7033 CABILDO 2614 PAMPA 4979 fast Ecke Triunvirato Eigene Werkstätten. Zahlungserleichterungen Zuvorkommende fachmännische Bedienung. eocw o tfiMh'.Mift OFICINA FAftA SODAMfeiCA; l. A. «OCA SSO, Ur. «SO m. .- 30-3157/631 •OfNOS AIRES LA SEMANA ISRAELITA BIS EM AN ARIO INDEPENDIENTE Sc. Air®« - PUEYRREDON 21S9, 1* hm. — T. E. 93-281 5. April 1963 11. Nissan 5723 1 i vuelos semanales eos «es nieles “non step" (sin escalas) desde Nueva York a Tel ftoiv y vi< Una amplia gama de conexiones desde Europa. Wegen Behilfe zur Ermordung Dortmund. — Anklage wegen Beihilfe zum Mord an 70.000 Geisteskranken innerhalb des sogenannten Eutha nasie-Programms während des nationalsozialistischen Regimes hat die Staatsanwaltschaft vor kurzem ge gen den 59 Jahre alten Friedrich Tillmann aus Castrop- Rauxel vor dem Dortmunder Schwurgericht erhoben. Tillmann war von 1940 biß 1941 Leiter der Büro-Abteilung der „Reichsarbeitsgemeinschaft für Heil- und Pflegeanstalten“ in Berlin. Nach der Auffassung der Staatsanwaltschaft war es die Aufgabe seiner Abtei lung, auf falschen Todeeurkunden und Trostbriefen an die Angehörigen die Ermordung der Geisteskranken zu verschleiern. (AWZ) Gegenübersttliungen Wiesbaden. — In einem seit über zwei Jahren laufenden Ermittlungs-Verfahren wegen Mordes an Juden gegen acht ehemalige An gehörige der Sicherheitspolizei, des Sicherheitsdienstes und der Schutzpolizei wurden den beiden Hauptbeschuldigten vor kurzem in Wiesbaden überlebende von Mas«enerschiessungen gegenübergestellt. Die meisten der Ueberlebenden kommen aus Israel. Die beiden Hauptbeschul digten, der ehemalige Kriminalkommissar Hermann Worthoff aus Mönehengladbach und der frühere Leiter der staatlichen Kriminalpolizei in Limburg, Georg Lothar Hoffmann, sollen, wie auch die übrigen Beschuldigten. während des Krieges an Vernichtungsak tionen gegen Juden und sowjetische Kriegsgefangene im polnischen Distrikt Lu- 'blin beteiligt gewesen sein. (AWZ) Wieder auf freiem Fuss Frankfurt a, M. — Auf freiem Fußs ist wieder der 57 Jahre alte ehemalige SS- Obersturmführer Johannes Preuss, der unter der Beechuldigusg der Beihilfe zum Mord in zwölf Fällen im Zusammenhang mit der „Sonderbehandlung“ von Kindern aus den tschechischen Ortschaften Lidice und Lecaky festgenommen worden war. Preuss wurde aufgrund einer Haftbesehwerde in Frankfurt aus der Untersuchungshaft ohne Kaution entlassen. Seit Kriegsende lebte Preuss unter dem Namen Hans Eggert. Er wurde auf Ersuchen der Frankfurter Staatsanwalt festgenommen. Bereits bei seiner Verhaftung hatte Preuss jede Schuld bestritten. (AWZ) Sehmierfinken London. — Das Reiterstandbild König Georgß III. in Windsor Castle wurde vor kurzem durch Hakenkreuze — und auch durch anti-monarchistische Schlagworte — verunziert. Europa-Reisen MIT EURAIL-PASS Wählen Sie selbst Ihre Reiseroute in Express- Zügen mit Aussichtswagen. NEUESTE KURS. 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