Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 24 (1963)
- Issue
- 2005 (29.3.1963)
- Date
- 1963-03-29
- Page
- [Seite 9] (sequence 9)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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Vlerne«, 28 de Meneo de 1963 LA SEMANA ISRAELITA Año XXIV. — No. 2005 — » Thcoftop Hètzi tösttiutäiftfir PÜEYRREDON 2190 1 St. T. E. 83-2613 Nach dem Weizmann-Monat NACHRICHTEN AUS ISRAEL Im Monat November, dem „Monat zum Andenken von Chaim Weizmann“, und auch im Dezember erschie nen in der jüdischen und nicht-jüdischen Presse zahlreiche Artikel über den vierten Präsidenten der Zionistischen Organisation und den ersten Präsidenten des Staates Israel. Anlässlich seines 10. Todestages fanden in der Diaspora und in Israel unzählige Versammlungen statt, um sein Andenken zu feiern. Sein Nachfolger, Nachum Goldmann, sah in ihm die „Personifikation des Zionismufj“ und sein Ministerpräsident, David Ben Gu rion, nannte ihn den „Mann des Schicksals“. Aber in der überwiegenden Mehrheit der Artikel bewegten sich die Verfasser in süssen Superlativen und parfümierten Adjektiven. Ein jeder drückte —- beinahe mit Gewalt — ein Schönheitspflästerchen aufs Gesicht von Weizmann und sogar sein Schnurrbärtchen wurde mit Kosmetik bedeckt. Was man darstellte, war alles, nur nicht Weizmann. Er hätte sich selber nicht erkannt. Die jüdische Geschichte wird «ich ausführlich mit Weizmann beschäftigen. Sie wird ihm den gebührenden Platz zuweisen und seine Erfolge aufzählen. Wird man die Grossen des jüdischen Volkes erwähnen, so wird man auch Chaim Weizmann nennen. Aber Weizmann war keia Engel. Auch besass er keine Wunderlampe. Er etand an der Spitz« der Zionistischen Organisation, führte harte Kämpfe, nicht immer siegreich. Er erlebte viele Enttäuschungen. Er unterschrieb Verträge, die ihn unsterblich machten. Er hielt sie ein. Aber die an deren, die ihre Unterschrift gaben, hielten sie später für „formlos“ und erfüllten nicht ihre Versprechungen. Er gab nie seinen Kampf auf und erlebte den Triumph dies politischen Zionismus — die Errichtung des Staates Israel. Weizmann gehört der Ge- Neues Siedlungsgebiet Im Rahmen des zweiten Stadiums der Besiedlung von Arad werden nunmehr 60 Familien aus dem Zentrum des Landes nach Arad übersiedeln. Nach ihrem Eintreffen wird die Bevölkerung 132 Familien zählen. Man trifft ferner Vorkehrungen für die Aufnahme einiger Dutzend Familienoberhäupter aus einer List« von ungefähr 800 Familien, die sich für die Ansiedlung in Arad registrieren liessen. Diese Familienväter werden ln Arad allein wohnen und arbeiten, solange nicht die Wohnungen für ihre Angehörigen fertiggestellt sind. Im Wohnviertel von Arad befinden sich jetzt weiter« 38 Wohneinheiten sowie eine Synagoge und ein Klublokal 4m Bau. von JOSEF FRAENKEL schichte an, aber er war kein Historiker. Seine Autobiagraphie „Trial and Error“ beendete er im Jahre 1948. Er war damals beinahe blind und sein Gedächtnis täuschte ihn über viele Ereignisse der Vergangenheit. Zweibiß dreihundert Irrtümer, Fehler, Verwechslungen und Widersprüche wurden bald im Buch „Fifty Years of Zionism“ von Oskar K. Rabinowicz festgestellt. Seit Jahren wird „Trial and Error“ als Hauptquelle für Artikel und Bücher benutzt, wodurch neue Irrtümer entstehen und alte verbreitet werden. Man kann nicht von allen, Juden und Nichtjuden, die gewöhnlich bei besonderen Anlässen j über Weizmann oder über den Zionismus schreiben,! nun erwarten, dass sie die zionistische Geschichte kennen. Es wäre deshalb angebracht dass bei neuen Ausgaben von „Trial and Error“ Korrekturen vorgenommen werden, um Weizmanns Darstellung als authentische Quelle empfehlen zu können. Es ist erstaunlich, wie wenig Forschungsarbeit über Weizmanns fünfzigjährige Tätigkeit von unabhängigen Historikern veröffentlicht wurde. Was vor allem in Artikeln gebracht wurde, sind persönliche Erinnerungen und Eindrücke von Weizmanms Zeitgenossen, welche natürlich auch interessantes Material beinhalten. Aber in den Archiven Israels sind Werbt und werdet Mitglieder der T. H. G. unzählige Dokumente, die studiert und bearbeitet werden müssen. Dokumente sind tot, wenn sie ungestört in der Mappe ruhen; sie erwachen und werden lebendig, wenn Historiker sie berühren. Es ist zu begrüssen, dass man die Briefe Weizmanns in Buchform herausgeben wird. Chaim Weizmann war ein Stimmungsmensch. Oft ruhig, des Erfolges sicher, und oft in Verzweiflung. Da trat er gegen den „Charterzionismus“ auf; doch wurde er unsterblich, weil er den Charter — die Balfour-Deklaration — gebracht hatte. Man soll von den Grossmächten nichts erwarten, meinte er im Jahre 1913, und dann, seit dem ersten Weltkrieg, setzte er sein Vertrauen und seine Hoffnung auf eine Grossmacht. Einst sagte er; „Palästina solle so jüdisch werden, wie England englisch“ und später: „Ich habe kein Verständnis und keine Sympathie für die Forderung nach einer jüdischen Majorität in Palästina.“ Von einer Erklärung bis zur zweiten — worin bestand Weizmanns Stärke? Andere waren ungeduldig, wollten das Endziel „noch in unserer Generation“ erleben und wurden vom inneren Feuer verbrannt. Chaim Weizmann dagegen hatte Zeit und konpte warten und — warten. Er war ein Mann der Widersprüche und hat te die Kraft für diese die Verantwortung zu übernehmen. ln den vorher und kürzlich veröffentlichten Artikeln vermeidet man es, Weizmanns Konflikte mit Nordau, Wolffsohn, Gaster, Brandeis, Jabotinsky oder Stricker zu erwähnen. Wenn der eine oder der andere doch diese Konflikte erwähnen muss, so begnügt er sich mit einem Satz, aus weichend, naiv und unrichtig, Eine Schilderung Weizmanns ohne seine ideologischen Differenzen mit den Führern der zionistischen Weltbewegung und nachher mit den zionistischen Oppositionsparteien hervorzuheben, gleicht einem Zimmer ohne Fenster und ohne Licht. Sein dramatischer Kampf innerhalb der Zionistischen Organisation gehört der Geschichte an. Auch vergisst man die Mitarbeiter Weizmanns, seine Ratgeber und die Mitglieder seiner Exekutive. Zionistenkongresse wählten Weizmann neunmal zum Präsidenten der Zionistischen Organisation und unter den Mitgliedern seiner Exekutive waren hervorragende Persönlichkeiten, die den Zionismus beeinflusst und das Aufbauwerk Palästinas bestimmt hatten. Es ist wahrlich nicht notwendig, Verdienste anderer Weizmanns zuzuschreiben und ihn mit fremden Feder zu schrnükken. Weizmanns Unterblichkeit beruht auf Weizmanns Taten und in der jüdischen Geßchichte ist Raum genug für alle Namen und ihre Verdienste. •t'gP'ta* i"V- EIN WANDERER AUS ENGLAND Jedes Jahr treffen in Israel etwa 4.000 Einwanderer aus England ein. Bis heute gibt es im Lande etwa 7.000 Personen, deren Herkunftsland Grossbritan nien ist. NEUE WOHNEINHEITEN Im Budgetjahr 1963/64 wird das Wohnbauministerium in Jerusalem 1.500 Wohnungen zur Unterbringung von Neueinwanderern und Räumung von Armenvierteln bauen. Seit Staatsgründung hat diese Behörde in Jerusalem 16.000 Wohneinheiten errichtet, in denen 60 Prozent der seit damals nach Jeruealem gekommenen Einwanderer wohnen. PRODUKTION DES LACHISCHG EBIETS Die Siedler im Lachisch- Gebiet sind wichtige landwirtschaftliche Produzenten geworden; im Jahre 5722 erzeugten sie 32.000 Tonnen Gemüse und der Wert ihrer gesamten landwirtschaftlichen Produktion erreichte 32 Millionen 1L. Die 52 Dörfer im Lachisch- Ge'biet — durchwegs vom Keren Bajessod gegründet Siedlungen — bearbeiten 86.000 unter Bewässerung ßtehende Dunam Boden, hiervon 20.000 Dunam Zitrus und der Rest Gemüse und Industriepflanzen wie Zukkerrübe, Baumwolle und Erdnüsse. BERGSIEDLUNGEN In der laufenden Saison ict der Ertrag der Obstpflanzungen der neuen Sied; lungen in den Gebirgsgegenj den durchschnittlich um 30 Prozent gestiegen. Jetzt wird die Sektion für Gebirgssiedlungen bei der Ko lonisations - Abteilung d?r Jewish Agency Ostbänme auf weiteren 3.400 Dunam pflanzen, wodurch die in i - I 'bergigen Gebieten mit Ost- | bäumen bepflanzte Fläche i 32.000 Dunam erreicht. ZITRUS, AVOCADO, BAUMWOLLE In den Keren Hajessod- Siedlungen im Norden des Landes wird jetzt auf- 1.140 Dunam Zitrus und auf 240 Dunam Avocado gepflanzt werden. Die Baumwollernte von einer Anbaufläche von 16.500 Dunam dürfte dieses Jahr 16.000 Tonnen betragen. Tagung des Aktions-Comités Jerusalem.—Dr. Nachum Goldmann, der Präsident der Zionistischen Weltorga nisation, setzte sich von neuem dafür ein, das System der Parteien in der zionistischen Bewegung abzuschaffen, denn dies, so betonte er, „behindert die Durchführung der zionistischen Aufgabe“. Er sprach auf der Sitzung des Aktionscorrutäs und forderte „ein neues System, das mit dem Monopol über die Bewegung aufräumt, denn sonst besteht keine Aussicht auf eine Erneuerung“. Der Präsident des Aktionscomitüs, Jaakow Tsur, warnte davor, dass das jüdische Volk in Israel und im Ausland „die Schuld daran tragen könnten, dass sie die Solidarität zwischen, den beiden Zweigen als zu fest gefügt betrachten würden.“ Er verlas eine Botschaft Ben Gurions, in der dieser der Hoffnung Ausdruck gibt, dass die Versammlung die Einheit des jüdischen Volkes stärken möge, und er fügt hinzu, er wünßche auch zu hoffen, möge sich dies nun erfüllen oder nicht, „dass die Delegierten allen jenen, die sich Zionisten Den nen, klar machen würden, dass Zionismus die Heimkehr nach Zion bedeutet.“ Als eines der krjtischßten Probleme der Bewegung bezeichnete Goldmann die steigende Einwanderung aus den freien Ländern, denn sollte Russland der jüdischen Auswanderung nicht die Tore öffnen, so würde es in wenigen Jahren keine Einwanderung mehr nach Israel geben. Im weiteren nannte er zwei weitere wichtige Aufgaben, die die zionistische Bewegung zu bewältigen habe, nämlich die jüdische und hebräische Erziehung und die Organisation des jüdischen Volkes zur Verteidigung seines Rechtes, seine Kultur zu gestalten und auf diese Weise die jüdische Zukunft zu sichern und das Volk als Teilhaber an den Aufbau des Staates an Israel zu binden. ZUSAMMENARBEIT MIT ISRAEL Dr. Goldmann erklärte, die zionistische Bewegung könne nur dann ein Band zwischen dem jüdischen Volk und Israel schmieden, wenn die israelische Regierung dieeen Bemühungen ihre uneingeschränkte Unterstützung leihe. Er bemängelte das Fehlen einer jüdischen Politik vonseiten der Regierung Israels, wodurch die Bestrebung, die Einheit des jüdischen Volkes zu erreichen, erschwert werde. Hierauf kam er auf die politischen Parteien innerhalb der zionistischen Bewegung zu ßprechen und betonte, er habe nichts dagegen einzuwenden, dass die Parteien ihre Arbeit fortsetzen. Doch die Bewegung gründe «ich auf diese Parteien, und es frage sich, ofo diese auch bereit wären, eine neue Auffassung des Zionlsmue mit einer neuen Ideologie, die sich an das Volk wendet, zu akzeptieren. „Jede Bewegung sucht Anhänger", fügte er hinzu, „aber häufig se hen die Parteien in der Werbung von Mitgliedern ihre hauptsächliche Funktion.“ Abschliessend gab Dr. Goldmann der Hoffnung Ausdruck, daes die Lage eine Aenderung erfahren und es auf dem nächsten Zionistenkongress möglich sein würde, ein neues Programm aufzustellen. MOSCHE SHARETT WARNT Jerusalem. — Eine Warnung vor „schädlichen Er kiärungen, die das Prestige der zionistischen Bewegung herabzusetzen geeignet sind“, sprach Mosche Sharett, Präsident der Exekutive der Jewish Agency, in seiner Rede vor dem A. C. aus. Er bezeichnete die Bewegung als „unersetzlich" und bemängelt« dass aauernd der Eindruck hervorgerufen werde, als bestünde Uneinigkeit zwischen ihr und dem Staat Israel. DIE EINWANDERUNG Der Leiter der Einwanderungs-Abteilung, Z. Shragai, berichtete über die Aussichten der Einwanderung in den nächsten fünf bis sechs Jahren. Er betonte, dass die in letzter Zeit stärkere Einwanderung den Bemühungen der Jewish. Agency zuzuschreiben sei, deren Emissäre einen Wunsch zur Alija wecken und den Einwanderern Hilfe Zusagen. Er versicherte, die Zahl der Immigranten aus freien Ländern hätte noch gesteigert werden können, wenn es seiner Abteilung möglich gewesen wäre, mehr Delegierte in die jüdischen Gemeinden im Ausland zu entsenden. Shragai setzte sich für grössere Aufklärung unter den Judenheiten in der Welt ein, um so die doppel te Tragödie zu verhüten, dass Israel ein kleines Land mit beschränkter Bevölkerung bleibe und das jüdische Volk ausserhalb der Grenzen Israels wohne. JUGENDVERBAENDE Eliahu Dobkin, der Leiter der Abteilung für Chaluziut und Jugend, hob hervor, dass heute über eeine halbe Million Jugendlicher den jüdischen Jugend-Organisatio nen in überseeischen Ländern als Mitglieder angehören. Dies bedeute, dass 25 Prozent der Jugend der betreffenden Altersgruppen erfasst worden seien. Er berichtete, dass die chaluzische Bewegung im Ausland 36.000 Mitglieder zählt und 48.000 Jugendliche anderen zionistischen Verbänden angeschlossen sind. Er verglich diese Ziffern mit denen anderer allgemeiner jüdischer Jugendverbände, die 36.000 Mitglieder aufweisen. 26. ZIONISTENKONGRESS Jerusalem. — Nach Beschluss der Einheitskommission für Fragen der Zionistischen Organisation wird der 26. Zionistenkoiigiess im August 1964 ein berufen weiden. . , „ . STRASSE NACH ARAD Die nach Arad führende Strasse ist Ende Januar tertiggestellt worden. Die Länge der Strasse — von der Kreuzung mit der Strasse nach Hebron gerechnet — beträgt 32 km. Nachdem die Strasse fertig und dem Verkehr übergeben worden ist, besteht jetzt eine gute Verbindung mit dem Zentrum des Landes. Hierdurch wird auch die Besiedlung des Gebietes beschleunigt weraen, die bisher, eben wegen des Fehlens einer guten Strasse, nur langsam vonstatten gegangen ist. ANSIEDLUNG VON LANDWIRTEN Die völlige Besiedlung des Gebieteis von Basor — das jetzt von der Kolonisations- Abteilung der Jewish Agency betreut wird — wird eine beträchtliche Zunahme der | Zahl der Landwirte in Israel und auch eine Verbesserung der Lage der Landwirtschaft zur Folge haben. Das Basor- Gebiet eignet sich sehr für Landwirtschaft mit Bewässerung und seine Produktion ist hauptsächlich für den Export bestimmt. Ein grosser Teil der Anbaufläche soll der Zitruskultur dienen; man plant auch viel Wintergemüse anzubauen. , Es wird notwendig sein, grosse Wassermengen von der Jarkon - Wasserleitung für dieses Gebiet abzuzweigen, damit die dortige Landwirtschaft ein hohes Niveau von Planung und Produktion erreichen kann. Viertausend Familien von Landwirten aus den Reihen der Neueinwandercr sowie Söhne alteingesessener Siedler sollen im Gebiet von Basor zur Ansiedlung gebracht werden. EXPORT-TOMATEN Das Universitäts-Institut für Landwirtschaft hat mit Erfolg im Gebiet von Basor eine neue Sorte von für den Export bestimmten Tomaten ausprobiert. Den Fachleuten ist es gelungen, diese Sorte in der Nähe von- Miwtachim zu züchten und einen Ertrag von 8 Tonnen per Dunam zu erzielen. Diese neue Sorte stammt von den Kanarischen Inseln wo sie sehr verbre-tet ist und einen erstrangigen Art;kel des landwirtschaftlichen Exportes nach Grossbritannien darstellt. Schon jetzt werden die ersten Sendungen dieser Tomatensorte nach England zum Versand gebracht wer. den.