Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 24 (1963)
- Issue
- 2001 (1.3.1963)
- Date
- 1963-03-01
- Page
- [Seite 2] (sequence 2)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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AS« XXIV. — No. 2001 ,2 — Vientes, 1* de Marco de 1963 /*■' 1 - JÜDISCHE WOCHENSCHAU jfc- [Der Reichstag brennt f V £ (Schluss von Seite 1) geschaffen ha- Zuschlagen ben. V. Der Vorgang war ungewöhnlich simpel. Am 27. Februar 1933 spät abends brennt plötzlich das Reichstagsgebäude. Der Brand wird erst bemerkt, als er schon nicht mehr gelöscht einmal „mit vom Bau“, ist dann aber bald von dieser Krankheit geheilt worden. Aber war er dabei, dann weiss er wohl noch besser über Einzelheiten als andere Bescheid. In diesen Wochen tobte ein Wahlkampf. Die Nazis wollten auch legal — immer mit dem Vorbehalt der nazistischen Interpretation der werden kann. Der Brandi?tifi Legalität — die absolute ter, ein holländischer Arbeitsloser, angeblich pyroman. wird sofort verhaftet. Ebenso Torgier, der Vorsitzende der kommunistischen Reichstagsfraktion, der noch im Gebäude war, als es brannte, und dem zur Last gelegt wird, er habe mit van der Lubbe zueammengearbeitet. Hier begannen bereits die Zweifel. So töricht war Torgier, im brennenden Reichstagsgebäude zu blei¬ Mehrheit im Parlament erringen, wae ihnen übrigens nicht gelungen ist. Hitler, Göring und Goebbels, damals die unzertrennlichen Paladine der braunen Bewegung, reisten oder jagten im ganzen Lande herum, sprachen täglich auf einer oder mehreren Wahlversammlungen. In der Brandnacht waren sie alle drei ganz zufällig in Berlin. Nach einiger Zeit wurden drei Bulgaren verhaftet, under sich in den Mittelpunkt des Prozeeses manövrierte. Der Vorsitzende des Senats, Senatspräsident Biinger, ein alter Mann und angesehener Jurist, fühlte sich offensichtlich in seiner Rolle nicht wohl. Der Prozese widerte ihn an. Er war dem immer ungestümer werdenden Dimitriff nicht gewachsen. Wurde Dimitroff zu temperamentvoll, so unterbrach Bünger einfach die Verhandlungen oder liess den Angeklagten abführen. Die Zuschauer warteten förmlich darauf, dass Dimitroff aufstehen solle, um die Eintönigkeit der Verhandlungen durch seinen Witz und seine Schlagfertigkeit zu unterbrechen. „Wae glauben Sie eigentlich, wozu Sie hier sind“, fragt ihn der Vorsitzende. Dimitroff antwortete: „Ich bin hier, um den Kommunismich zu verteidi- Neue Todesurteile in Russland Paris. — Der Oberste Gerichtshof der Sowjetunion verurteilte fünf Menschen zum Tode. Man glaubt, dass drei der Verurteilten Juden sind. Die Anklage lautete auf „ungesetzliche Bereicherung durch Verkauf von Bleistiften, Füllfederhaltern, Linealen und anderen Büroartikeln“, wie aus einer in der sowjetischen Zeitung „Sowjetskaja Rusia“ erschienenen Nachricht hervorgeht, die von der französischen Presse zitiert wurde. Darin heisst es, dass „mehrere Dutzende Angeklagte in den letzten fünf Jahren ungesetzliche Gewinne von zwei Millionen Dollar machten“. Wie man glaubt, sind die drei Verurteilten Zinger, Kazakewitch und Koruptkin Juden, so sagen die französischen Experten für russische Fragen. Es handelt sich um einen der grössten Prozesse in Russland seit 1961, als die sowjetischen Gerichte begannen, „Wirtschafteverbrechen“ mit dem Tode zu bestrafen. (ITA) de kam. Vor Gericht erschien er in einem merkwürdigen Aufzug, einer Art Fanj tasie-Uniform: greller, brau-! ner Jagdanzug, Kniehosen,; hohe braune Stiefel. Laut : schreiend, gestikulierend, i wütend, drohend wandte er | sich gegen das Braunbuch, I in welchem behauptet worben? Und dann ausgerech-1!f„rn die mit i gerf'^SehoiTvorher hätte "er ' den war> er habe auf Vornet Torgier dessen Meinun 1 van der Lubbe in einer Senacnon veiner natte er; ., - , sen mar zWar ^kämX.'! mcht näher bezeichnten S«sagt: „Ich bm ein Freund von dem aber jed^™Sj! Form zusammengearbeitet , der Sowjetunion und dass er ein anständiger j Mensch war. Die Geschieh-1 te den Reichstagsbrandes soll hier nicht erzählt werden. Es gibt ein« lebendige Schilderung aus der Feder eines Mannes, der sich sonst nicht besonderer Wertschätzung als Historiker oder auch nur als Zeuge erfreut, des Hans Bernd Gisevius, der in dem ersten Band seines Buches „Bis zum bitteren Ende“ mehr ols 100 Seiten für seinen Bericht gebraucht. Es ist eine Darstellung, die vom ersten bis zum letzten Satz spannend ißt. Gisevius war \yohl auch ♦ ' ■♦♦♦♦♦i Dr. FREY ABOGADO PUEYRREDON 2190 1* ÍZ4. nachm. 16—19 Uhr T. E. 83-2613 in einer nicht näher bezeichnten Form zusammengearbeitet haben sollen. Im September < darauf, der Partei Stanns 33 wurde dann der Prozess! anzugehören.“ Dimitroff hat vor dem Reichsgericht gegen Torgier, v. d. Lubbe, Dimitroff und ♦ ♦- REAL PEN Füllhalter REPARATUREN Spezialgeschäft CORRIENTES 569 T. E. 49-5850 1 Jaime Liebling: S. A. SPERRHOELZER HOELZERj DIAZ VELEZ 5224! Tel.: 89-9349. 33-9305 * ¡7, ♦.♦»»«♦♦»* ♦ * Landsleute eröffnet. Obwohl inzwischen Ereignisse von weittragender Bedeutung vor sieh gegangen waren, erregte dieser Prozess eine weltweite Aufmerksamkeit. Nicht nur das Gebäude des Deutschen Reichstags war in Flammen aufgegangen, die Nazis hatten nicht nur den deutschen Parlamentarismus und die Demokratie zerschlagen, sondern und vor allem bereits damals Verbrechen begangen, die das Gesicht der Menschheit schändeten. V. Der Prozess sollte der Welt die Brandstiftung der Kommunisten beweisen. Zu diesem Zweck wurde er mit grossem Pomp aufgezogen. Lange jedoch gab es nicht die erwarteten Sensationen. Van der Lubbe sprach nicht. Man sagte, er sei mit Mitteln präpariert worden die ihn einßchläferten. Bis heute sind nicht alle Fragen, die der Lubbe als Täter den Aerzten, Kriminalisten, Richtern und Politikern stellte, aufgeklärt worden. Als er einmal sein Schweigen unterbrach, bat er um schnelle Aburteilung. ’ Es war ein Augenblick der Verzweiflung, die ihn überkam, der im Prozess den Eindruck eines völlig gebrochenen Menschen machte. Torgier hat es nicht überwinden können, dass man ihn der Brandstiftung oder der Mittäterschaft oder der Anstiftung hierzu beschuldigt hatte. Er blieb verstört und äusserst zurückhaltend. Zwei Bulgaren, Taneff und Popoff, beherrschten die deutsche Sprache nicht; sie konnten den Verhandlungen kaum folgen. Uebrig blieb der unbekannte Dimitroff, niemals einen Zweifel an _ seiner Position aufkommen seine beiden I lassen. Man hält ihm vor, dasts er in Bulgarien zum Tode verurteilt worden sei. i schlag von Goebbels den stolz i Reichstag anzünden lassen. Es werde weiter behauptet, so sagte Göring, „dass ich diesem Brande zugesehen hätte, ich glaube in eine blauseidene Toga gehüllt. Es fehlt nur noch, dass man behauptet, ich hätte, wie Ne- PRQPIEDADES FRANKENBERG berät Sie kostenlos und unverbindlich beim Kauf oder Verkauf von GESCHAEFTEN WOHNUNGEN H A E US E R N Manuela Pedraza 2530 pl. b. Dp. B T. E. 70-7244 ro beim Brande Roms, Laute gespielt.“ „Daß Braunbuch ist, so schrie Göring vor den Richtern, eine Hetzschrift, die ich vernichten lasse, wo ich er sich scharf dagegen dass i dieser idiotiman seeen ihn Dielv. und I schen Untersuchung durften Dimitroff reagiert scharf, das interessiere ihn nicht, er habe es zwar auch gehört, aber kein« näheren Erkundigungen hierüber eingezogen. Dagegen verwahrt Weg Lübbes von Berlin na eh Henningsdorf, sein Aufenthalt im dortigen Asyl, seine Bekanntschaft mit zwei anderen Leuten dort festgestellt und so die Komplizen ausfindig gemacht werden konnten.“ — Göring: „Ich selbst bin nicht Kriminalbeamter, sondern verantwortliche: Minister. Für mich war es deswegen nicht, so wichtig, den einzelnen kleinen Strolch festzu stellen, sondern die Partei, die verbrecherische Weltanschauung, die dafür verantwortlich war.“ — Dimitroff: „Ist dem Herrn Minister - Präsidenten bekannt, dass diese verbrecherische Weltanschauung den sechsten Teil der Erde regiert, nämlich die Sowjetunion?“ — Die Spannung wächst im U SEMANA ISRAELITA Bisemaaario — aparece :Os Martes y Viernes. Editado por Estrellas Editorial Ltda. Virantwortlicü: Dr. Hardj Swarsensky Pueyrreddn 2190, I’ izq. T. E. 83-2613 80-6930 Abono-Preise; Argentinien: $ 100.— pro Quartal Ausland 5 600 — jährl Deutsche besuchen Israel Köln. — Ueber 7.000 Deutsche besuchten Israel im Jahre 1962. Dies bedeutet eine 25prozentige Zunahme deutscher Touristen, wie die hiesige Israel-Mission bekanntgab. Viele der Besucher reisten als Mitglieder von Studiengruppen, welche in Deutschland organisiert wurden und hauptsächlich Studenten, Gymnasiasten und Angehörige von Jugendbünden umfassten. (ITA) man gegen ihn Diebe und Verbrecher aufmarschieren lässt. Er habe zwar politische Vorstrafen erhalten, niemals aber Vorstrafen wegen Diebstahls. Dimitroff wird sehr deutlich: „Ich bin hier weder ein Kriegsgefangener, noch befinde ich mich auf dem Kasernenhof. Ich bin ein politischer Angeklagter und verteidige mich politisch .. Ich bin hier nicht nur Angeklagter, sondern auch Verteidiger für Dimitroff . (Zitiert nach Gisevius). — Diese Bemerkung benutzt das Gericht, den Angeklagten Dimitroff bis auf weiteres auszuschliessen. Der wirkliche Grund aber waren seine früheren Fragen und Bemerkungen, Er hatte den Mut, das außzusprechen, was alle raunten. Wollte er doch wissen, ob es nicht möglich sei, „dass die Brandstifter durch den unterirdischen Gang in den Reichstag gekommen sind?“, der die Wohnung des Reichstagspräsidenten Göring mit dem Reichstag verband. VI. Die Begegnung zwischen Göring und Dimitroff stellt wahrscheinlich den Höhepunkt des Prozesses dar. Sie spiegelt die Atmosphäre wider und sei deswegen hier in Erinnerung gebracht. Als damaliger preussischer Innenminister war Göring der erste, der ln der Brandnacht zum Reichstagsgebäu- Gerichtssaal. Die hasserfüllten Tiraden des preuesischen Ministerpräsidenten und Innenministers verfehlen ihre abstossende Wirkung auf die vielen Journalisten und Zuschauer nicht, die mit wachsendem Erstaunen und steigender Verachtung den Verhandlungen folgen. (wird fortgesetzt) wir uns überhaupt nicht be fassen, denn damit verkümmern wir unsere Rechtsbegriffe.“ Er habe die Polizei wieder schiessen gelehrt: „Ich übernehme die Verantwortung. Wenn dort einer erschossen liegt, so habe ich ihn erschossen“... Senatspräsident Bünger ist über die Form des Auftretens eines preussischen Innenministers und dessen Geschrei zu Tode erschrocken. Derartige Szenen hat nicht nur dieser Senatspräsident, sie hat auch kein Gericht bisher miterlebt. Dimitroff lägst nicht locker: „Ich frage: Was hat der Herr Innenminister am 28. Februar und in den nächsten Tagen getan, damit durch die polizeiliche Untersuchung der ZAHNARZT HUGO STRAUSS TUCUMAN 1625 LA — T. E. 49-8442 Sprechstunden ab 15. I. 63 nach vorheriger Anmeldung JUDITH j SCHENKOLEWSKi > KULTUSSTICKEREIEN i Schabbosdecken * Tallis* beutel - Käppchen - ftfazzot-Tascben Hand- und Maschinensticker« von Bett- und Tischwäsche Dr. P. L RIVERA 2585 (fr. Bebedero) T. E. 73-9155 Confitería NIZA Servicios de lunch de cotegonu SALON DE FIESTAS ECHEVERRIA 3296, esq. CONDE 73-1049 M0HEL N. PLAKSIH | Supori 2719 I. E. 76-6784 u. 76-2312 Dr. L BERNSTEIN-HAHN Í UROLOGE T! Ex-Spezialist der Colum- î bia University, N. York | T. LIBERTAD E.: 35-3180 — 456 76-4039 ÜS.I19SSIÏgSSS3SS38IS3S9SSSSSBS3fS3ga3ElSaseieSaSHaiaSSH3ElïlA M M M M I Dr. BERNARDO GOLDSTEIN I B MEDICO fi m m I Cardiología — Hospital Fernández g g Radie X — Durchleuchtung — Electroeardlogra mine | i VERREIST vom 9. 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