Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 24 (1963)
- Issue
- 2000 (22.2.1963)
- Date
- 1963-02-22
- Page
- [Seite 2] (sequence 2)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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AS« XXIV. — No. 20«« «HP <| — Viernes, 22 «te Febrero de 1063 JÜDISCHE WOCHENSCHAU Plaedoyer für die Feigheit i (Sehluss von Seite 1) von den Juden in Deutschland gebildet. Es war ein Widerstand zur Selbstverteidigung. Die Vernichtung konnte nicht aufgehalten werden. Was aber geschehen wäre, wenn dieser organisierte Widerstand nicht geleistet worden wäre, lässt sich heute schwer sagen. Sicherlich hätten nicht so viele Menschen dem Verderben entrissen werden können. Bisher fehlt eine Darstellung der Geschichte der deutschen Juden in ihrem Untergang, sodass die Einzelheiten des Kampfeß um Leben und Recht selbst den meisten von denen nicht bekannt sind, die dabei waren. L. I«. Der bekannte und ausgezeichnete deutsche Journalist Klaus Harpprecht, der für seine klare Sprache und gradlinigen Gedankengänge volle Anerkennung auch dort verdient, wo man anderer Meinung sein kann, sprach im Rahmen der Veranstaltungen dee Kölner Kreises. Er nannte sein Referat ,,Plädoyer für die Feigheit“ mit dem Untertitel ..Oder die Pflicht 2um Ueberleben.“ Die Zeitschrift „Der Monat“ hat die Ausführungen Harpprechts in ihrem Januarheft 1963 abgedruckt. Der Autor geht davon aus, dass Feigheit eines jener Lebenselemente ist, die sich vor. selbst und ohne lange Definitionen verstehen. Feigheit sei eine selbstverständliche und menschliche Eigenschaft. Meist kämpfen Dr. FREY ABOGADO PUEVRREDON 2190 1» izo, nachm. 16—19 Uhr T. E. 83-2613 ■fr.»» » l REAL PEN Füllhalter REPARATUREN Spezialgeschäft CORRIENTES 569 T. E. 49-5850 Jaime Liebling S. A. I SPERRHOELZER 1 H O E L Z E Ri DIAZ VELEZ 5224 ] Tel.: 89-9349, 33-9305) die Menschen nur dann, sind also nur dann nicht feige, wenn mit ihrer Tapferkeit; kein allzu grosses Rieiko verbunden sei. So käme es, dass sich für die Mehrheit der deutschen Bürger die Frage des Widerstandes gegen die Nazis überhaupt nicht geßtellt habe. Sie wollten einfach weiterleben. Sie wollten die Schrecken dieser Zeit und des Zweiten Weltkrieges überleben. Dieser Wille zum Ueberleben sei auch die Erklärung für die Tapferkeit der Soldaten, die in den schrecklichsten Situationen weiterkämpften, weil sie die Hoffnung nicht aufgaben, T vielleicht doch am Leben zu i bleiben. | Harpprecht sieht das Pro. | blem vom Standort des deut- | sehen Volkes aue. Er schreibt: „Gekämpft und gestorben wurde nicht einmal für die Familie, für den Schutz der Heimat. Gej kämpft wurde für den Hau- ■ fen, zu dem man gehörte, | für den eigenen Kopf .. Es i hat garnichts mit Widerj stand zu tun, sondern sehr | viel mehr mit einem zähen, ¡unüberwindlichen Egoismus, j der nichts anderes befahl , als: weiterleben.“ j Auf diese einfache Forj mel, die Masse habe die I Schrecken des Regimes und I des Krieges überleben wollen und sei deswegen feige gewesen, versucht Harpprecht das Phänomen des menßchlichen Versagens eines Volkes zu bringen. Aber er begnügt sieh nicht mit dieser Feststellung ,die lediglich den Ausgangspunkt, allerdings den entscheidenden, für seine weiteren Deduktionen bildet. Er fragt: „Sie alle wurden später gefragt: Warum habt ihr den Nazismuß zugelassen: Warum habt ihr nichts dagegen getan? Warum wart ihr dabei?“ Mutig gibt er auch gleich die Antwort: „Dabei war fast jeder, dafür fast keiner, wenigstens hinterher. Sie wurden es 1945 von alliierten Besatzungsoffizieren gefragt, schliesslich, zehn Jahre später, von ihren Kindern. Sie wußsten damals keine Antwort. Sie wissen auch heute keine. Sie stottern und sie stammeln verlegen herum: die Arbeitslosigkeit^ die Autobah- | Eisschrank- und | Waschmaschinen- | Reparaturen * nach bester euroipaeischer Ausführung]; A. Schuster l T. E. 73-7834 itf* « ♦ PROPIEDADES FRANKENBER8 berät Sie kostenlos und unverbindlich beim Kauf oder Verkauf von GESCHAEFTEN WOHNUNGEN HAEUSERN Manuela Pedraza 2530 pl. b. Dp. B T. E. 70-7244 nen, wir haben uns das anders vorgestellt. Wir wurden betrogen — Entschuldigungen, keine Erklärungen. Ich fürchte, — eo schreibt Harpprecht —, es gibt zuletzt nur eine Auskunft, warum denn all das hat geschehen können: weil die Mehrzahl der Deutschen feige ist. Das allerdings ist eine Eigenart, die sie mit der Mehrheit der Völker teilt.“ Widerstand ist immer nur die Sache einer Minderheit, sagt Harpprecht. „Die Mehrheit duckt eich, versucht anständig zu bleiben. Sie will überleben, fast um , jeden Preis ..“ Hier wer-j den seine Formulierungen j grosszügig, unscharf, be- : denküch. Sicherlich will die; Mehrheit überleben, sicher- ■ lieh duckt sie sich, und sie ] tat es in vergangenen Zei- ' ten. Aber kann man dabei gleichzeitig versuchen, .anständig zu bleiben*? Wir bezweifeln es. Menschliche Schwächen, Eigenschaften oder Veranlagungen zu verstehen, bedeutet noch nicht, sie gutzuheissen. Hier liegt eine Angriffsfläche gegen die einfachen Darlegungen Harpprechts. Die Tendenz zur Simplifizierung des Grundsachverhalts führt zu einer Bagatellißierung der Haltung des Individuums. Es wird eine moralische Entschuldigung gesucht — sicherlich nicht vom Autor — letztlich nur eine Erklärung des Versagens gegeben. Denn der Wille zum Ueberleben rechtfertigt nicht die Feigheit, und der Wille zum Ueberleben entschul digt nicht die aus Feigheit geborene Tat. IV. I*i Rahmen seiner Ausführungen weist Harpprecht darauf hin, dass auch heute noch das öffentliche deutsche Lehen mit Menechen durchsetzt sei, die aus Feig heit mitgemacht haben. Er berichtet, was allen bekannt ist, dass es z: B. auch heute noch Richter im Amt gibt, die „Henker in der Robe.des Richters“ waren. Aber wie viele seien schon mutig genug, ßich freimütig zu dieser Situation zu bekennen? Er erwähnt den berüchtigten Fall Frankel, der zum Generalanwalt des Bundes ernannt wurde, um dann als ein solcher „Henker in der Robe des Richters“ entlarvt zu werden. Harpprecht meint, hätte Fränkel nur den Mut ge habt, die Ernennung unter Bekenntnis des Sachverhaltes abzulehnen, dem Staat wäre ein Skandal und dem Fränkel eine Blamage erspart worden, die ihn Zeit seines Lehen verfolgen wird. Die eehr schönen Formulierungen eines bekannten Sachverhaltes allein genügen jedoch nicht, um die Si tuation zu meistern. Also auch Fränkel hat aus Feigheit seine Vergangenheit Arabische Infiltranten Tel Aviv. — Drei Araber, die in der Nähe der Gazagrenze auf israelischem Gebiet im Negew überrascht wurden, sind von einer Patrouille getötet worden. Man nimmt an, dass es sich nur um gewöhnliche Diebe handelte, die einen Raub in einem Kibbuz planten. — (ITA) .^WVVVWUW^WAV- JUDITH SCHENKOLEWSKI KULTUSSTICKEREIEN Schabbosdecken - Tallis- \ beute] - Käppchen - Maz-i zot-Taschen Hand- und ■ Maschinenstlckenri von | Bett- und Tischwäsche < Dr. P. L RTVERA 2585; (fr. Bebedero) < T. E. 73-9155 J ¡Confitería NIZA Servicios de lunch de categoría SALON DE FIESTAS ECHEVERRIA 3296, esq. CONDE 76-0286 76-1049 verschwiegen. Damit ist aber weder der Fall Fränkel erledigt noch die Frage beantwortet, ob und wie in Zukunft solche Vorgänge verhindert werden können. Es geht nämlich nicht allein um die Einzelpersonen, die aus Feigheit verbergen, was nicht verßehwiegen werden darf, es geht um das Prinzip, ob und wie weit solche Elemente ausgeschaltet werden sollen, die — aus welchen Motiven immer — das Ansehen eines demokratischen Staates belasten müßsen, weil sie mitgemacht haben und mitverantwortlich gewesen sind. V. Einige Zeit, bevor Harpprecht seine Ausführungen machte, hielt der Vorsitzende des Bundes politisch, rassisch und religiös Verfolgter eine Rede, die Beachtung verdient, in der er auf die vielen Fälle der Eingliederung hoher ehemaliger Nazis in das öffentliche Leben der Bundesrepublik aufmerksam machte. Für diese Erscheinung kann man wohl kaum Feigheit oder den WiL len zum Ueberleben als Erklärung angeben. Oder gehört bereite Mut dazu, auf diese vielen Fälle hinzuwei sen, die man nicht mit einer Handbewegung übergehen kann, weil es sich nicht mehr um Ausnahmen handelt. In diesem Zusammenhang wurde hierauf hingewiesen, weil offensichtlich die Gefahr besteht, dass die wichtigen Auseinanderßetzungen und die ehrlichen Bemühungen um einen Weg zur Ue. berwindung der Vergangenheit allmählich irreal werden; denn die Wirklichkeit sieht bereits wieder anders aus. VI. In der Rede Harpprechts gibt es eine Nebenbemerkung, die auch unsere Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen sollte. In dem Zusammenhang, in welchem Harpprecht von den „Henkern in der Robe des Richters“ spricht, unterstreicht er, es seien durchaus nicht nur die Richter gewesen, sondern letztenendes die Vertreter aller Berufe, vor allem auch die Journalisten. „Ich fürchte, dass in meinem Berufsstand die Lüge am üppigsten gewuchert hat. In nahezu jeder Redaktion gibt es einen, der den Zeigefinger am weitesten ausstreckt, um auf Nazis zu deuten — dabei war er selbst halt auch nur in der Partei. Es gibt hochmögende Herren, die Artikel geschrieben haben — sicher nicht gern —, die keineswegs chemisch rein von antisemitischen Emotionen waren, um ee zart auszudrükken — und die gleichen Herren bieten sich einer jüdischen Gemeinde als eine Art Festredner zum makabren Jubiläum der Reichskrißtallnacht an. Warum? Es scheint sich um einen neurotischen Zwang zu handeln.. Hier werden sarkastische | Worte gegen ehemalige Naziß gefunden, die sich heute durch eine betont demokratische Gesinnung auszuzeichnen bemühen. Es ist ein Hieb gegen die Unaufrichtigkeit, gegen diejenigen, die sprechen anstatt zu schweigen. Aber hierin liegt auch ein« zum Nachdenken anregende Kritik jüdischer Gemeinden, die bei der Auswahl ihrer Festredner offensichtlich „mehr als ein Auge zudrücken“. In dießer Hinsicht müssten Fehler i vermieden werden, auch | wenn es sich nur um Aus- : nahmefälle handelt. Hierbei kann es keine Konzessionen j geben, denn sie werden gej rade von den Gutwilligen si- I cherlich mit Recht bean- | standet. — vri. Mit dem Thema „Widerstand und Verrat“ werden wir unß noch lange beschäftigen müssen, denn hier stehen wir vor einer der U SEMAM ISRAELITA Bísemanario — aparece ios Martes y Viernes. Editado por Estrellas Editorial Ltda. Virantwortlich: Dr. Hardi Swarsensky Pueyrreddn 2190, 1* izq. T. E. 83-2613 80-6930 Abono-Preise; Argentinien: $ 100.— pro Quartal Ausland 8 600 — jährl Gründung einer Gemeinde Den Haag. — Die kleine aschkenasische Gemeinde der 200 Juden auf der Insel Aruba in Niederländisch Westindien hat ihre erste Synagoge einweihen können in Anwesenheit von drei Rabbinern, einem aschkenasischen und zwei sefardischen, die aus dem benachbarten Curagao gekommen waren. Die Juden von Aruba stammen aus Osteuropa und leben seit 35 Jahren auf der Insel. Sie führen kleine Läden, treiben Handel oder sind bei der Oelraffincrie angestellt. entscheidenden Fragen unserer Generation, wenn nicht noch einmal die Masse der Feigen durch ihre Haltung der Zerstörung der Menschlichkeit und der Vernichtung der sittlichen Ordnung Vorschub leisten sollen. — I M0HEL N. PLAKSIN Superi 2719 * ]; I. E. 76-6784 o. 76-23U f JACOB LAPIDUS dipi. Möbel NEUE ADRESSE VIAMONTE 2037, 4j. B 46-1716 und 48-2124 Dr. J. P. Krell Bieber INNERE MEDIZIN U. RHEUMATISMUS Arzt am H«cp. Plrovane Mo., Mitt. Frei. 15-20 Uhr 3 de Febrer® 2030 76-026« Privat 52-7734 ZAHNARZT HUGO STRAUSS TUCUMAN 1625 LA — T. E. 40-8442 Sprechstunden ab 15. 1. 63 nach vorheriger Anmeldung ¿Ci£3SS§ÍIS§ 2*23 illSSiilfiaHSHlilllillliiSSlIliinHiiii 1 Dr. BERNARDO GOLDSTEIN i g MEDICO § M M g Cardiología — Hespifal Fernández | m Radie X — Durchleuchtung — Electrocardlcgramme jjj m m 1 VERREIST vom 9. Februar bis 7. 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