Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 24 (1963)
- Issue
- 1999 (15.2.1963)
- Date
- 1963-02-15
- Page
- [Seite 2] (sequence 2)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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2 — Viernes, 15 de Febrero de 1963 JÜDISCHE WOCHENSCHAU Aflo XXIV. — No. 1999 f Disharmonie des Hasses; (Schluss von Seite 1) Hilfe der Deutschnationalen kam Hitler an die Macht. Die besondere Tragödie des deutschen Judentums liegt darin, dass e« in dem Augenblick entrechtet und vernichtet wurde, in welchem der Traum langer Jahrhun. derte in Erfülung gegangen war. Die Weimarer Verfassung hatte die letzten Schranken niedergerissen, die sich einer wirklichen Gleichberechtigung entgegengestellt hatten. Worum Generationen gerungen hatten, war endlich erfüllt worden. Die Juden bildeten keine Minderheit, der man volle Autonomie gegeben hätte, sondern die Juden waren als Deutsche unter Deutschen anerkannt. Diese rechtliche Situation, das Ergebnis einer langen, schweren und schmerzensreichen Entwicklung, wurde mit einem Federstrich vernichtet. Der Widerstand und selbst der Widerspruch der deutschen Juden gegen dieses Attentat auf ihre Rechte waren reichlich schwach. Dass die Regierung Papen (1932) den preussischen Innenminister Severing, den Chef der grössten Polizeitruppe in Deutschland, mit einem Offizier und einigen Untergebenen abzusetzen vermochte, dass weder die grossen Arbeiterparteien hoch die „Volksmassen“ gegen die ersten Unterdrükkungsgesetze Hitlers auch nur den leisesten, organisierten Widerstand geleistet haben, kann auch die Passivität der Juden nicht rechtfertigen, die sie ihrem ei- Dr. FREY ABOGADO PUEYRREDON 2196 1* izo. nachm. 16—19 Uhr T. E. 83-2613 I REAL PEN Füllhalter REPARATUREN Spezialgeschäft CORRIENTES 569 T. E. 49-5850 Jaime Liebling] S. A.!! SPERRHOELZER H O E L Z E Ri : DIAZ VELEZ 5224!! Teh: 89-9349. 33-9305! PROPIEDADES FRANKENBERG berät Sie kostenlos und anverbindlich beim Kauf oder Verkauf von GESCHAEFTEN WOHNUNGEN HAEUSERN Manuela Pedraza 2530 pl. b. Dp. B T. E. 70-7244 genen Schicksal gegenüber bewahrten, obwohl sie nur eine Minorität von knapp 0,9 Prozent der Bevölkerung dargestellt haben. Wie war es nur möglich, dass diene 0,9 Prozent eine so gewaltige Rolle im deutschen Volksleben — weniger in der Praxis den täglichen Lebens als in der Phantasie des Volkes oder im Parteiprogramm der Nazis gespielt haben? Mit diesen 0,9 Prozent, die den Bevölke rungsanteil der Juden ausmachten. haben die Nazis den hauptsächlichen Inhalt ihrer ßämtlichen Programme bestritten. Die einfachste Formel lautete: Die Juden sind unser Unglück. Sie wurden kurzerhand für alles, aber auch für alle verantwortlich gemacht. Der Jude war der Kommunist, er war gleichzeitig der Kapitalist; der Jude war der verabscheuungswerte Pazifist, aber auch der Kriegstreiber. Alles, alles, wogegen die Nazis je nach Notwendigkeit oder Opportunis. mus gewesen sind, wurde mit „jüdisch“ tituliert, in erster Linie der Staat selbst: die „Judenrepublik“, die noch nicht einmal die moralische und faktische Kraft hatte, sich selbst gegen die Verhöhnungen ihrer Gegner zu verteidigen. Gewiss hat es immer Antisemitismus gegeben. Judenhass wurde den Kindern im frühesten Alter bereits eingebläut. Die Legende, dass die Juden den christlichen Heiland ans Kreuz geschlagen hätten, belastete sie mit einer Kollektivschuld Jahrhundert um Jahrhundert, obwohl die Kirchen wussten, dass es sich bei dieser Behauptung um eine furchtbare Lüge handelt. Der Charakter der antisemitischen Tendenzen, Irrlehren und Polemiken war den Zeitströmungen unterworfen und änderte sich, ebenso wie die Motive nicht dieselben geblieben sind, die jeweils die antisemitische Führung zu ihrem Kampfgeschrei gegen die Juden veranlasste. Allmählich wird der Judenhass zum gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Antisemitismus, um schliesslich von den Nazis im Gewände des rassischen Antisemitismus zu einer totalen Lebens-, Glaubens- und „Weltanschauungs - Philosophie“ erhoben zu werden. Alle Elemente des antijüdischen Aktionsprogramms der Nazis stammen aus den rund 150 Jahren der Assimilations- und Emanzipationsepoche; sie haben die Hass- Literatur und -Parolen nur zusammengetragen, aktualisiert und zur Basis ihrer politischen Pläne gemacht, de ren Träger nicht mehr die einzelnen Hetzer und sozialpolitischen Aussenseiter. nicht mehr eine Gruppe oder Partei, sondern der durch JUDITH SCHENK0LEWSK! KULTUSSTICKEREIEN | Schabbosdecken - Tallisbeutel Käppchen - Mazzot-Taschen Hand- und Maschinenstickerei von i Bett- und Tischwäsche | Dr. P. I. RIVERA 2585 i (fr. Bebedero)! T. E. 73-9155 totalitäre Führung zum Moloch gewordene Staat mit allen seinen Machtattributen geworden war. Das Terrer-Regiment, das alle europäischen Völker erzittern liess. konzenrierte seine Furie auf die Juden, die nicht allein ihrer bürgerlichen Rechte beraubt werden sollten, sondern deren physische Vernichtung das iZei der nazistischen Politik wurde. Jahre um Jahre hämmerte die immer grösser werdende nazistische Propaganda-Maschine die antijüdische Parolen in die Volksmassen. Jeder konnte, jeder musste es hören; aber jeder konnte auch beobachten, auf welchen Boden diese gegen die Juden gerichteten Forderungen fielen. Längst vor der Machtübernahme waren die Nazis, die bei weitem stärkste Partei; sie blieben es auch, obwohl sie in den Wahlen vom November 1932 Stimmen verloren haben. Ein Hoffnungsschimmer tauchte auf. Warum klammerten sich die Juden an den Ausgang dieser Wahlen und folgerten hieraus, dass die Gefahr vorüber war, die — wie der weitere Ablauf des Geschehens beweisen sollte — noch niemals so unmittelbar und drohend auf ihnen lastete? Warum bereiteten sie sich nicht auf die Gefahr selbst vor, die sie doch erkannt haben mussten, wenn sie die Meinung vertraten, sie sei vorüber? Unzweifelhaft liegt hier ein ungeheures Versagen vor. Für diese Kurzsichtigkeit oder Fahrlässigkeit mag man Begründungen finden, die es sicherlich gibt, und die man nur aus der allmählich gewordenen, vielleicht einmaligen geschichtlichen Situation des deutschen Judentums zu erklären vermag. Es dürfte aueh'kein Zufall sein, dass es bisher keine geschlossene Darstellung dieser Ereignisse gibt, die von einem jüdischen Historiker geschrieben worden wäre. Dabei ist die Literatur über die Vorgänge, die zur Machtübernahme der Nazis führten, kaum noch zu übersehen. Gewiss haben wir einige Erinnerungsbücher jüdischer Autoren und Sammelwerke über den Untergang des europäischen Judentums, die man als erstklassige Quellen-Zusammenstellungen betrachten darf. Es gibt Bücher über die Schreckenslager, Tagebücher, die einen Einblick in Erlebtes und Erlittenes vermitteln, aber das grosse Buch über den Untergang deo deutschen Judentums fehlt. Dass die uns geschla genen Wunden noch zu frisch seien, kann man wohl nicht als ausreichende Begründung für dieses Phänomen ansehen. Immerhin sind dreiseig Jahre ein Zeit- England trauert um Lord Samuel London. — Ganz England wurde durch den Tod von Lord Herbert Samuel, Viscount of Mount Carmel unc! dem ersten nicht getauften Juden, der jemals dem englischen Kabinett angehörte, in tiefe Trauer versetzt. Die Bestattung des hochverehrten ersten Hochkommissärs für Palästina geschah nach einer privaten Trauerfeier, welche auf Wunsch des Verstorbenen, nach jüdischem Ritus stattfand. Für den 18. Februar iot in der Synagoge von West End eine Trauerfeicr ange kündig;. Zu den Rednern, die die Persönlichkeit Lord Samuels würdigten, gehörten Jo Grimmond, der Führer der Liberalen Partei, und der ehemalig;- Premierminister Lord Attlee. Beide wiesen darauf hin. dass Lord Samuel als Vermittler zwischen dem Liberalismus und dem Sozialismus betrachtet wurde. Ausführliche Nekrologe erschienen in allen englischen Zeitungen, m:d in vielen wurde der Verdienste des Toten als Hochkommissar von Palästina gedacht. Die „Times“ schrieb, dass Lord Samuel beim Verlassen Palästinas nach Erfüllung seiner Mission „viel mehr für die Ordnung und den Fortschritt des Landes vollbracht hatte, als man für möglich gehalten hätte.“ Im „Manchester Guardian“ hiess es, Lord Samuel sei „ein moderner Nehemias gewesen, der erste Jude, der in fast 2.000 Jahren das Heilige Land regiert habe“. Der „Telegraph“ bemerkte, Lord Samuel habe bei jeder Gelegenheit, wo ihn sein Gewissen hierzu antrieb, sein Judesein betont. Es wird daran erinnert, dass er im Jahre 1911 in einer Sondermission von der Regierung an den Zarenhof geschickt wurde, was zu Protesten der antisemitischen Ratgeber des Zaren Anlass gab. (ITA) raum, der zu innerer Sammlung ausreichen dürfte. Die Antwort, die dann in den Jahren nach 1933 bis zur physischen Vernichtung vom deutschen Judentum auf sein Schicksal gegeben wurde, war eine würdige, man darf beinahe sagen eine grossartige. In ihrem Unglück wuchs diese Gemeinschaft über sich hinaus. Sie hat die Mahnung und den Appell verstanden, den Robert Weltsch in der Jüdischen Rundschau, dem Zentralorgan der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, an sie gerichtet hat: „Tragt \ Confitería NIZA Servicios de lunch de cutegoría SALON DE FIESTAS •ECHEVERRIA 3296, esq. CONDE 76-0286 73-1049 M0HEL N. PLAKSIN Superí 2719 2. 76-6784 q. 76-2317 | 4 I *• Wmvuwmwww JACOB LAPIDUS Î dipl. Mohel £ NEUE ADRESSE í . VIAMONTE 2037. «->. B. ï í 46-1716 und 48-21T.4 S JW. -- Antisemiten In Marokko Casablanca. — Die antisemitische Wochenschrift „Akhar ed Douwma“ veröffentlichte kürzlich ein acht Spalten grosses Bild eines marokkanischen Juden, der beschuldigt wird, Offizier der israelischen Armee zu sein. Das Foto zeigt einen Mann, der Abraham genannt wird und eine Uniform mit einem jüdischen Abzeichen trägt. Dazu heisst es, dies sei die Uniform der Israel- Armee. In Wirklichkeit aber handelt es sich um die Tracht der jüdischen Totengräber in Marokko, die alle diese Uniform tragen. Zugleich mit dieser Behauptung verlangt die Zeitung vom Innenminister, man möge Massnahmen gegen die jüdische Einwanderung aus Israel ergreifen. — (ITA) Dr. J. P. Kroll Bieber INNERE MEDIZIN n. RHEUMATISMUS Arzt am Hosp. Pirovano Mo., Mitt. Frei. 15-20 Uhr 3 de Febrero 2030 76-0266 Privat 52-7734 Dr. B. Schwär» ZAHNARZT ESTOMBA 2283 52-8214 bis Ende Februar verreist BERNARDO STERN Ausfuehrung saemtlicher MALERARBEITEN HELGUERA 1915 T. E. 58-4052 ihn mit Stolz den gelben Fleck!“ Im Schlusskapitel seiner Geschichte vollbrachte das deutsche Judentum Leistungen, bewahrte Haltung und bewies seine geistige und moralische Kraft, getreu seiner Tradition und einer grossen jüdischen Vergangenheit, die sich über beinahe zweitausend Jahre erstreckt hat. U SEMANA ISRAELITA Bisemanarlo — aparece ios Martes y Viernes. Editado por Estrellas Editorial Ltda. Verantwortlich; Dr. Hardl Swarsensky Pueyrredén 2190, 1’ izq. T. E. 83-2613 80-6930 Abono-Preise: Argentinien: $ 100.— pro Quartal Ausland $ 600 — jährl. Eindrücke in Bolivien La Paz. — Vor einigen Tagen besuchte der Repräsentant der südamerikanischen Exekutive des Jüdischen Weltkongresses Marc Turkow La Paz und Cochabamba, wo er bei verschiedenen Veranstaltungen über die Lage der jüdischen Gemeinden in Lateinamerika :prach. Wie Turkow erklärte, war er in Cochabamba recht unangenehm überrascht, zahlreiche Häuserwände mit Aufschriften wie „Heil Hitler“, „Wir werden Eichmann rächen“ und Hakenkreuzen beschmiert zu finden. (ITA) Altersheim Bonston. — Im Bezirk West Roxbury wurde das grösste Altersheim in den Vereinigten Staaten errichtet. Fünf Millionen Dollar wurden aufgewendet. ZAHNARZT HUGO STRAUSS TUCUMAN 1625 LA — T. E. 40-8442 Sprechstunden ab 15. I. 63 nach vorheriger Anmeldung ¿gai«SÍHl**BSÍSBafS3*iBS*i»IBSiSSSSSa«E33B*SBÍ«SSHSM»aB3íe5¡| i Dr. BERNARDO GOLDSTEIN ¡ H MEDICO | 5 M i Cardiología — Hospital Fernández ¡ S Radio X — Durchleuchtung — Electrocardiogramme 3 «6 M i VERREIST vom 9. Februar bis 7. Maerz g M ¡2 I Vertreter: Dr. SANGUINETTI 76-2406 3 S M 8 Dr. HERSZKOWICZ 70-4484 y 701-3223 j ¡ü « "¿5aSg8Si3igigia8HB«S8aaS3»BW«»15H3ggBS»»gges581KÍ8t8,lli5S>: VARICES-ULCERAS DE LA PIERNA — ARTERIOSCLEROSIS Dr. SAUL UMANSKY Sarmiento 3116 T. E. 87-1362 Zur Zeit im Ausland auf Studienreise. AM 16. MAERZ WIEDER ZURUECK ,5U TTTiTBrlit ✓ ------ . niiiiHiinmininnuiiuniiiHiiiNuiuininuninisM Idi*. BENJAMIN LIPNIZKY3 g ZAHNARZT S S ROENTGEHSTBAHLEN — ZAHNZIEHEN — BE- 5 8 HANDLUNG MIT GASBETAEUBUNG — REGUg S LHEBUNG DEB ZAHNSTELLUNG B S Sprechstunden: Dienst«« — Donnerstag — Sonnabend g 8 nach vorheriger Vereinbarung. S B JOSE HERN ANDEZ 2518 T. E. 76-8673 und 73-asoc B Dr. L. KLEIN - Medico Magen, und Darmkrankheiten Röntgen-Untersuchungen SPRECHSTUNDEN: Montag, Dienstag, Mittwoch u. Freitag von 15—W Uhi Ea wird geboten, «sch vorher telefonisch anawmelden. SANTA FE 1391 T. E, 44-9493 u. 44-1542 *.-*■*■*. * A.A A A