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Jüdische Wochenschau · 1963-02-15 · 1999 (15.2.1963) · p. [Seite 1]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
24 (1963)
Issue
1999 (15.2.1963)
Date
1963-02-15
Page
[Seite 1] (sequence 1)
Language
German, Spanish
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PUEYRREDON 2180 — 1? izq. Lx JèétuutâJshcÆiUa 1 E. 832613 AiSfO XXIV BUENOS AIRES, VIERNES 15 DE FEBRERO DE 1963 No. 1999 Zwischenfall in Washington Washington. — Der Ausschluss eines Berichterstatters der Jewish Telegraphie Agency (ITA) von einer Pressekonferenz des State Department über die Frage der palästinensißchen Araber war Gegenstand einer Senats - Debatte. Der Zwischenfall ereignete sich am 28. Januar, als Milton Friedipan (unseren Lesern auch als Mitarbeiter der J. W. bekannt) der Zutritt zu einer Konferenz verweigert wurde, zu der Robert G. Strong, der Direktor für Nahoslfragen im State Department, die Journalisten eingeladen hatte. Ate Friedman den Saal betreten wollte, wurde ihm bedeutet, dass die Teilnahme nur mit einer persönlichen Einladung möglich sei. Wie man ihm sagte, habe Mr. Strong persönlich die Liste der Korrespondenten aufgesetzt und der Ver- WIE ICH ES SEHE1 treter der ITA wäre nicht erwünscht, da die Informationen nur für die nordamerikanische Presse bestimmt seien. Die ITA und Friedman sind zwar vor dem State Department voll akkreditiert, aber die Presseabteilung behauptete, sie könne sich über die Anweisungen Strongs nicht hinwegsetzen. In einer Unterredung mit Strong, um die Friedman ensuchte. erklärte dieser rund heraus, er sei mit den Berichten Friedmans über den Mittelosten nicht einverstanden, und beklagte sich, dass israelische Diplomaten sich der von der ITA mitgeteilten Nachrichten ate Ba sis für eine Diskussion mit seinem Ministerium bedient hätten. Der republikanische Senator für Pennsylvanien, Hugh j Scott, äuseerte, der Aus-1 Schluss Friedmans aus der Konferenz sei damit zu erklären, dass „das State Department anscheinend über kiirzliche ITA Nachrichten aus Washington verärgert fet“. Er unterstrich, dass es sich hier nicht allein um die Beleidigung eines amerikanischen Journalisten handele, sondern die gesamte Presse, die sich der Dienste der ITA bedient, sei an gegriffen worden“. Scott fügte hinzu, man habe ihm im State Department versichert. dasß „hier kein Antisemitismus im Spiel gewe sen sei“. Er teilte des weiteren mit, dass der Dekan der Korrenspondenten im Weissen Haus, Merriam Smith von der United Press. Friedman als einen „stolzen Amerikaner durch sein Geburtsrecht“ bezeichnet habe. Die ITA kündigte an, sie werde vor Staatssekr«. Disharmonie des Hasses ron JEHUDA CQTTHEIMER Wenn wir in einigen charakteristischen Zügen das Geschehen wachriefen, das vor nunmehr dreißsig Jahren auf uns wirkte, so müssen wir auch eine Antwort auf die Frage suchen, in welchem geistigen, seelischen, staatsrechtlichen und wirtschaftlichen Zußtand sich die Juden in Deutschland damals befanden. Die nationalsozialistische Bewegung ist allmähich entstanden, sie ist nach einer sich über viele Jahre erstreckenden Propaganda gewachsen, sie hat ihre Parolen und ihr Kampfgeschrei laut verkündet und niemals ein Hehl daraus gemacht, was eintreten werde, wenn die Reichsregierung von den Nazis übernommen werden sollte. Niemand kann von einer geheimen Organisation sprechen, die ihr Visier gelüftet hätte, als sie an der Macht gewesen ist. Schon vor dem 30. Januar 1933 wurden Generalproben veranstaltet, eindeutige Vorboten kommender Ereignisse, die ihre düsteren Schatten vorauswarfen. Niemand konnte sich dar auf berufen, von der braunen Sturmflut überrascht worden zu sein. Alle Bevölkerungsschichten, politischen Parteien, kulturellen, geistigen oder wirtschaftlichen Gruppen haben die Möglichkeit des „nationalsozialistischen Umbruchs“ in ihre Planungen und Vorstellungen einbauen können, wenn sie eich nicht auf Kombinationen eingelassen hätten. Die meisten aber wollten nicht daran denxen und nicht damit rechnen, dass Wirklichkeit werden könne, was sie nicht wahrhabeu wollten. Man darf sogar rückblickend feststellen, dass die grosse Mehrheit die Konsequenzen der nazistischen Terrorherrschaft nicht gutgeheissen hat, solange sie hierüber noch bestimmen konnte. Sie hat nur später geduldet, was zu verhüten mit erheblichen persönlichen Gefahren verbunden gewesen wäre. All dies gilt auch — und vielleicht sogar in einem verstärktem Umfang für uns Juden. Auch wir sind durchaus nicht überrascht worden. Wir waren ebenso gewarnt wie alle anderen, wenn nicht noch deutlicher, noch eindringlicher, noch ernster. Heute ist es mitunter schwer, sieh selbst auf die Frage eine zufriedenstellende Antwort zu erteilen, wie es nur möglich war, dass eine grosse Gemeinschaft mit einem sehr be achtlichen kulturellen und gesellschaftlichen Niveau so ahnungslos in ihr eigenes Unglück hineinsteuerte, ohne rechtzeitig auch nur die Spanien liefert Nazi aus .„ ®on" — Spanien benachrichtigte die Regierung Westdeutschlands, daes dem Begehren auf Ausliefe rung des Reinhold Karl Vorberg stattgegeben werde Vorberg war em Komplize von Dr. Werner Hevde bei der Durchführung des Euthanasie-Programms Hitlers 1 k.- u fu.l\dle Ausrottung von Hunderttausenden an- „¡.hhch geisteskranker Menschen, in ihrer Mehrzahl Juden, zur Verantwortung gezogen werden. Heyde selbst wird, wie man annimmt im Mai in Hessen prozessiert werden. .... y0r,KMl floh I960 von Bonn nach Spanien. Er SÜInk”1 *?eZ<".mber ln Barcel<>na auf Ersuchen der „“U.ch.e" Bundesregierung verhaftet, welche auf- M-und des Vertrages vom Jahre 1878 seine Atwlieferung forderte. Der hessische Staatsanwalt Fritz Bauer et klarte, er sei den spanischen Behörden „sehr aet.ro,,d'CIY JUrt di« Schnelligkeit, mit der sie das Begehr. n erledigten Trotzdem wird bezweifelt, dass Vorberg zur Zeit ausgeliefert wird, um mit Heyde zu,> mimen abgeurteilt zu werden. (ITA) geringsten Anstalten eines Selbstschutzes oder einer wirksamen politischen Ab wehr zu schaffen. Es ist bekannt, dasß wenige Wochen vor dem tragischen 30. Januar 1933 der nordamerikanisch-jüdische Politiker Rab bi Stephen Wise einen Sonder - Beauftragten nach Deutschland schickte, damit er mit etwa dreissig führenden deutschen Juden über eine möglicherweise notwendig werdende Hilfeaktion für das aufs schwerste gefährdete deutsche Judentum spreche. Aber nur ein einziger wollte verstehen, was die Stunde geschlagen hat, der bekannte Journalist und Volkwirtschaftler, Professor Georg Bernhard. Alle anderen wießen die ihnen gebotene, brüderliche Hand mehr oder weniger brüsk zurück; sie meinten, das deutsche Judentum sei nicht gefährdet, Hitler werde niemals zur Macht kommen, im übrigen können die deutschen Juden allein mit ihren Problemen und Sorgen fertig werden, sie brauchen keine „ausländische“ Intervention. Wenn man diese Antworten heute vernimmt, fragt man sich wohl vergeblich wie Juden so blind oder so taub sein konnten. Berücksichtigt man die ungewöhnlich grosse Anzahl von überdurchschnittlich gebildeten Männern und Frauen, von bedeutenden Gelehrten, Anwälten, Richtern Aerzten, Künstlern, Politikern und Journalisten, auf die das ehemalige deutsche Juden tum stolz sein konnte, so wird die quälende Frage, wie war das alles möglich, nur noch schwerer zu beantworten sein. Aber man wird diese Frage nicht überhören dürfen, die unser Gewissen oder unser Verstand uns stellt, diese Frage, die wir — ausgesprochen oder nicht — in den Augen unserer Kinder lesen können, oder die überall auftönt, wo die Erinnerung 'an das Gewese ne an unsere eigene, unmit telbare Vergangenheit lebendig wird. — Die nazistische Terrorherrschaft setzte einem lan gen historischen Prozess ein tär Dean Rusk formelle Beschwerde wegen Diskrminie rung erheben. Angestellte dieser Nachrichtenagentur betonten, eS sei das erste Mal gewesen, dass ihr von irgendeiner Regierungsstelle Schwierigkeiten bereitet wurden. Strong war von 1954 bis 1958 Erster Sekretär des amerikanischen Konsulats in Damaskus.' ATTENTAT AUF PRESSEFREIHEIT Der demokratische Abgeordnete für New York Wil liam F. Ryan erklärte im Kongress, der Aussschluss des ITA - Korrespondenten von einer Pressekonferenz im State Department in Washington bedeute „nichts weniger als der offene Versuch, einen Journalisten da zu zu zwingen, seine Berichte nach dem Geschmack des Aussenministeriums zu verfassen“. Ryan setzte hinzu, er werde bei Staatssekretär Dean Rusk schriftlich gegen diesen „unerhörten Zwischenfall“ protestieren. Er nannte Friedman „einen hervorragenden Kenner jü discher Fragen“ und gab seiner Befürchtung Ausdruck, dass die gegen Friedman ergriffene Massnahme sich gegen „irgendeinen anderen verantwortungßbe wussten Reporter“ wiederholen könne, dessen Berichterstattung dem Aussenministerium nicht passe. Ryasr beschrieb seinen Kollegen von der Rednertribüne aus den genauen Verlauf der Vork-ommnißse. Er sagte, „die Behauptung Strongs ist lächerlich, dass die Anführung von ITA-Kabeln durch israelische Diplomaten in Unterhaltungen mit hohen USA Beamten oder anderen offiziellen Persönlichkeiten den Beweis dafür erbringen, dass die ITA im Dienste einer fremden Macht steht; daß gleiche könne man auch von der „New York Times“ ouer jedweder anderen Nachrichtenquelle behaupten, deren Informationen bei diplomatischen Gesprächen zitiert werden.“ (ITA) SIE BLIEBEN UNBERÜCKSICHTIGT Dr. W\: — Auch die deutschen Regierungskreise waren sich bei Erlass der Wiedergutmachungsgeßetzgebung darüber im klaren, dass mit dieser Regelung nur ein Teil — und zwar ein kleiner Teil — des wiedergutzumachenden Unrechtes gedeckt werden würde. Dass die sechs Millionen ermordeter Juden nicht wieder zum Leben gebracht werden können, dsßs also niemals wiedergutgemacht werden kann, was an unmenschlichen Verbrechen begangen wurde, ist nicht zu diskutieren. Deswegen ist auch stets nur von dem materiellen Unrecht die Rede, wenn über diese Fragen gesprochen wird. Demgegenüber weisen die deutschen Regierungs- und sonstigen Amfsstellen darauf hin, dass sehr namhafte Beträge bereits zur Auszahlung gelangt seien. Dieser deutsche Einwand ist nicht nur völlig unberechtigt, er ist auch verfehlt, denn hierdurch kann nur der wirkliche Umfang des nationalsozialistschen Verbrechens bewiesen werden. Und biß her ist auch nicht die Hälfte der Schäden von der Wiedergutmachungsgesetzgeoung erfasst worden, die von den Nazis angerichtet worden sind. Man soll sich nicht dadurch täuschen lassen, dass die deutschen Juden verhältnismässig günßtig gefahren sind, jedenfalls wenn man andere jüdische Gruppen mit ihnen vergleicht. Man kann sehr streiten, ob diese Regelung richtig war. die deutschen Juden oder die in Deutschland einmal ansässigen Juden in dieser Weise benser als die anderen zu behandeln. Denn die deutschen Juden waren schliesslich deutsche Staatsbürger und viele von ihnen haben ihren privaten . Frieden mit Deutschland geschlossen und sind wieder Deutsche geworden. Die anderep niehtdeutschen Juden sind aber nur verfolgt und ate Juden geschädigt worden. Sie wurden in den entscheidenden Berechtigungen von der Wiedergutmachung ausgeschlossen. Man zahlt ihnen zwar Haftentschädigung, und zwar 5 DM pro Tag KZ. Eigentlich ist diese „Entschädigung“ eine Verhöhnung. Nur schade, dass es jüdische Stellen waren, die sich hiermit abgefunden haben. Und dann bekommen die ehemaliger KZ-ler unter Umstiipden Gesundheitsschaden, was auf ein Gebiet hinweist. über das nicht ein Artikel, sondern ein Buch geschrieben werden müsste. Die Hauptsache erhalten sie nicht ersetzt: die Vernichtung ihrer Existenz, obwohl der Raub im Osten sich in Stunden oder Minuten vollzog, während die in Deutschland ansässigen Juden immerhin eine Reihe von Jahren Zeit hatten, ihre Auswanderung vorzubereiten. Für die Berufs- und echten Vermögenßschäden ausserhalb Deutschland wird nicht gezahlt. Niemand wird verstehen, aus welchen Gründen gerade diese Schäden ausgeschlossen wurden. Die Wiedergutmachung der Opfer der Naziverfolgung wurde doch auch deswegen vorgenommen, um den Verfolgten die erforderlichen materiellen Mittel zu geben, damit sie sich eine neue Existenz aufbauen können. Mit dem Maximalbetrag von ca. 9.650.— DM für KZ Schaden, — der bereits einer Haft vom Anfang bis Schluss des Krieges entspricht — kann sich aber niemand eine Existenz aufbauen. Mit den an deutsche Juden gezahlten Beträgen für Berufsschäden sieht es aber schon anders aus. Hierin kann mitunter eine nicht unbeträchtliche Beisteuerung für den Aufbau einer neuen Existenz gesehen werden. Es besteht zwar keine Aussicht, dass jetzt durch das Schlussgesetz eine Regelung für Berufe- und Vermögensschäden ausserhalb Deutschlands erfolgen wird Aber wir sollen uns dessen bewusßt bleiben, dass niemals von einer wirklich ernsten Entschädigung gesprochen werden kann, wenn so grosse Gruppen von Geschädigten einfach unberücksichtigt bleiben. Man darf auch nicht vergessen, welch’ grosse jüdische Vermögen in Frankreich oder in Polen gewesen sind. Man hat die Juden dort innerhalb weniger Minuten von Haus und Hof gejagt. Man hat sie einfach zum Tode abkommandiert. Man hat ihnen alles genommen, einschliesslich der Sachen, die sie am Leibe trugen, und der Goldzähne in ihrem Munde. Wer hat angesichts dieser Fakten noch den Mut. von einer echten Wiedergutmachung zu sprechen? (In einem weiteren Artikel wird über Geßundheitssehäden geschrieben werden). — jähes Ende, der sich Uper mehrere Jahrhunderte hinzog. Um zu verstehen, was der Begriff „deutsches Judentum“ beinhaltet, müsste man den Versuch unternehmen, die lange Geschichte der Juden auf deutschem Boden zu schildern. Tiefe Wurzeln hatten Juden in Deutschland geschlagen. Mit Zähigkeit und Treue hielten sie zu dem Lande, von wel ehern sie schliesslich phy. sisch vernichtet werden sollten. Jahrhundert um Jahrhundert waren sie die Opfer wilder Verfolgungen gewor den. Immer wieder wurde ihre Zahl dezimiert. Immer wieder wurden sie verjagt, und immer kehrten sie oder ihre Kinder zurück. Auch schon vor der Emanzipation der Juden durch die Französische Revolution hatten Juden einen lebendigen Anteil am deutschen Kulturleben genommen, wofür als Beispiel nur der jüdische Min nesänger Süsskind von Trimberg erwähnt sei. Als dann die Mauern des Ghetto niedergerissen wurden, strömten die deutschen wie alle anderen Juden in die Welt der neuen Freiheiten hinauß, sogen fremde Kulturen in sich auf. suchten und fanden eine neuar tige Synthese zwischen ihrer Tradition und dem erwachenden Europa. Ueberall übernahmen Juden die Füh- \ rung bei der Erschliessung | neuer Wege in einer Welt, in j der ganz andere Faktoren | als bisher eine Rolle zu spielen begonnen hatten; das Zeitalter der Maschine war angebrochen, ein neuer Stand, eine neue Klasße, die Arbeiterschaft, war auf die internationale Tribüne ge treten und verlangte mächtig ihre Rechte auf Leben, auf Arbeit, auf soziale Sicherheit und auf Wohlstand. Was lag näher, dass unter den Führern der bisher Ent rechteten viele Juden waren, die besser als andere verstanden, was Verßklavung. was Deklassierung und Unterdrückung bedeu ten. Es anzunehmen, dass die Juden nun die Wortführer der werdenden SPD oder der späteren KPD gewesen wären. Ihr Anteil war nicht sehr erheblich, vor allem wenn man' berücksichtigt, dasß viele andere Parteien ihnen die Mitgliedschaft verwehrten. Es ist "eines der vielen Paradoxe der Geschichte. eine der vielen Merkwürdigkeiten, denen wir im Laufe unserer eige. nen wie der Weltgeschichte begegnen, dass auch der Gründer der Konservativen Partei, Prof. Friedrich Julius Stahl, ein Jude gewesen ißt, dessen ursprünglicher Namen Schlesinger lautete. Stahl hatte sich taufen lassen. Seine Partei (die spä. teren Deutschnationalen) nahm keine Juden auf. Mit war« aber unrichtig (Schluss auf Seite 2) Kennedy und Israel ZWizu New York. — Es besteht kein „Unterschien“ ■, sehen der öffentlich bekundeten Haltung Kennedy-' Israd und seinen „ehrlichen und überfegteS Taten“ fssrs.'i.ÄÄ ssrK t » * %

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