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Jüdische Wochenschau · 1963-02-08 · 1998 (8.2.1963) · p. [Seite 2]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
24 (1963)
Issue
1998 (8.2.1963)
Date
1963-02-08
Page
[Seite 2] (sequence 2)
Language
German, Spanish
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/ f 2 — Viernes, 8 d* Febrero de 1963 JÜDISCHE WOCHENSCHAU Afio XXIV. — No. 1998 DIE UKBESCHRAEKKTE MACHT (Schluss von Seite 1) steig hernieder, und regiere Du uns wieder, lass den Adolf oben reiten, dann kommen wieder bessere Zeiten.“ Die Nazis entfernten diese Aufschrift, verstanden sie nicht und gingen ihrem si cheren Tode entgegen... Im übrigen hatten aber alle vergessen, dass die Herrschaft des alten Fritzen eine Zeit schwerer Kriege und beschämender Niederla gen gewesen ist. Auch damals waren die Russen in Berlin einmarschiert. Aber diese Episole aus der preussischen Geschichte sei hier nur nebenbei erwähnt. — Am 21. März 1871 hatte Bismarck, der eiserne Kanzler, den ersten Reichstag des deutschen Kaiserreiches in der Potsdamer Gamisonskirche eröffnet. Nun war es an Adolf Hitler, den ersten Reichstag seines Dritten Reiches an derselben historischen Stelle zu eröffnen. Eine Ehrenkompagnie der Armee auf der einen Seite, eine Ehrenkompagnie der SA auf der anderen vertraten symbolisch das alte und das neue Deutschland, so wie es Hindenburg und Hitler taten, der Reichspräsident und der neue Kanzler. Eine kurze Schilderung der Zeremonie mag den neuen Geist von Potsdam in Erinnerung rufen. Die alte Garnisonsstadt war abwechselnd mit riesigen Hakenkreuz- und schwarzweissroten Fahnen geschmückt. Die schwarzrotgoldene Fahne, das Symbol der deutschen Freiheit, das Banner von Weimar, war verschwunden. Dr. FREY ABOGADO PCEYRREDON 2190 1* ÍZQ. nachm. 16—19 Uhr T. E. 83 2613 REAL PENj Füllhalter ♦ REPARATUREN X Spezialgeschäft J CORRIENTES 569; T. E. 49-5850 1 w » » » » » w i Jaime Liebling S. A. SPERRHOELZER HOELZEB DIAZ VELEZ 5224 Tel.: 89-9349, 33-9305 j PROPIEDADES FRANKENBERG berät Sie kostenlos und unverbindlich beim Kauf oder Verkauf von GESCHAEFTEN WOHNUNGEN OAEUSERN Manuela Pedraza 2530 pl. b. Dp. B T. E. 70-7244 In der Kirche selbst war eine ganze Galerie von Generalfeldmarschällen, Generälen und Admirälen der Kaiserzeit besetzt, die es alle in der Republik sehr gut gehabt haben, und die oftensichtlich deswegen die Republik umso mehr hassten. Der Stuhl des Kaisers war leer geblieben. Aber dahinter sass der Kronprinz in Galauniform. Im Schiff der Kirche sassen die Abgeordneten der NSDAP, der Deutschnationalen und des Zentrums. Die Sozialdemokraten waren nicht erschienen. Als die Türen sich öffneten, und Hindenburg und Hitler durch das Portal traten, erhoben sich alle. Als Hindenburg die Kirchenmitte erreicht hatte, wandte er sich um und grösste mit seinem Marsehallstab den leeren Thron seines Kaisers. Später sagte er: „Möge der Geist’ dieser alten ehrwür digen Stätte auf die heutige Generation übergehen . . .“ Nachdem Hitler gesprochen hatte, schritt er auf Hindenburg zu und ergriff dessen Hand. „Die apostolische Nachfolge war angetreten“, heisst es in einem Bericht. „Ganz allein stieg der alte Mann mit steifen Schritten zur Gruft Friedrichs des Grossen hinunter. Draussen, in der Märzsonne, während aus den Kanonen Salutschüsse donnerten und Trompeten und Trommeln schmetterten und dröhnten, hielt die Reichswehr, gefolgt von SA und Stahlhelm, eine Parade zu Ehren des Reichspräsidenten, des Reichskanzlers und des Kronprinzen ab. Nach Einbruch der Dunkelheit marschierte ein Fakkelzug der SS unter dem Jubel einer riesigen Menschenmenge durchs Brandenburger Tor, während Furtwängler in der Staatsoper eine Galaaufführung von Wagners Meistersingern dirigierte“. — In diesem Bericht sind alle Elemente enthalten: Paraden, SA, SS, Fackelzüge und der Taumel, der beina he alle ergriffen hat, auch die Vertreter des Geistes wie Furtwängler, die sich nachher vergeblich darum ‘bemühten, ihr Alibi beizubringen. Sie machten Musik, als die unschuldigen Opfer der nazistischen Verfolgungen schon damals in die KZ geworfen worden sind, wo sie zu Tole geprügelt oder einfach zerstampft worden sind. Niemand konnte — schon damals nicht — behaupten, nichts gewusst zu haben, denn es war doch Hitler, der die Mörder von Potempa, die einen Arbeiter überfallen und ermordet hatten, als nationale Helden gefeiert hatte. Aber das war vergessen, obwohl es nur wenige Monate zuvor geschehen war... Nach dieser theatralischen Eröffnung trat der Reichstag in der berliner Krolloper zusammen, um das Ermächtigungsgesetz anzunehmen, das Hitler die Macht in die Hand gab, alles zu tun, was er wollte. Es war ein umfassendes Machtgesetz. Der Reichstag brauchte Jahre hindurch nicht befragt zu werden. Die Regierung durfte, wenn sie es wollte, von der Verfassung abweichen. Recht und Gesetz wurden hiermit praktisch aufgehoben. An die Stelle einer demokratischen Ordnung trat die diktatoriale Willkür. Schon als die Abgeordneten die Oper betraten, konnten sie keinen Zweifel mehr hegen, was eigentlich gespielt wird. Eine riesige Hakenkreuzfahne „schmückte“ die Rückwand der Oper, vor der die Regierung Platz genommen hatte. Draussen bildeten die SS-Mannen dichte Absperrungsketten. Im Innern des Raumes hatte die SA Aufstellung genommen. um ganz offensichtlich ihre alte Mission des „Saalschutzes“ zu erfüllen, falls nicht alles plangemäss abrollte. Nach der Rede Hitlers, in der er die Vollmachten verlangte, ergriff der Sozialdemokrat« Otto Wels das Wort. Ueber die folgende Szene lassen wir wieder einen Tatsachenbericht folgen: „Als er (Wels) zum Rednerpult schritt, herrschte tiefes Schweigen, sodasG man von draussen die Spreehchöre der SA und der SS hören konnte: „Wir wollen das Gesetz — sonst Mord und Totschlag“. Es gehörte Mut dazu, sich vor diese Versammlung hinzustellen — die meisten kommunistischen und etwa ein Dutzend sozialdemokratischer Abgeordneter sassen bereits im Gefängnis — und Hitler und den Nazis offen herauszusagen, dass die Sozialdemokratische Partei gegen das Gesetz stimmen werde. Wels sprach mit Mässigung. Wehrlos zu sein, bedeute nicht, auch ehrlos zu sein. J. P. LANDSBERG VERSICHERUNGEN JEDER ART Bme. MITRE 430 V. Of. 5i50 T.E.: 30-1474 * JUDITH i SCHENKOLEWSKI > KULTUSSTICKEREIEN £ Schabbosdecken - Tailis-1 . beutel - Käppchen - Mazf J zot-Taschen Hand- und i 5 Maschinenstickerei von J 5 Bett- und Tischwäsche «J i Dr. P. I. RIVERA 2585 i i (fr. Bebedero) i J T. E. 73-9155 J UMWWWWWWm M0HEL N. PLAKSIN Superi 2719 I. E. 76-6784 n. 76-2312 Confitería NIZA Servicios de lunch de categoría SALON DE FIESTAS ECHEVERRIA 3296, esq. CONDE % 76-0286 78-1046 JACOB LAPIDUS dipl. Mohel NEUE ADRESSE VIAMONTE 2037, 4j. B. 46-1716 and 48-2134 Deutsche Soldaten Jerusalem. —Eine Eingabe einer Gruppe deutscher Soldaten, die an dem jährlichen Viertagemarsch in Israel teilzunehmen wünschen, ist an das Verteidigungs-Ministerium zum Entscheid weitergeleitet worden, wie jetzt bekannt wurde. Verschiedene militarie che Einheiten aus mehreren Ländern haben ihre Teilnahme an dem Marsch angekündigt, der unter den Auspizien der Israel-Armee stattfindet, (ITA) Aber schon die leiseste Andeutung von Widerstand hatte genügt, Hitler in Wut zu setzen... Indem er Pa pen, der ihn zurückzuhalten versuchte, beiseite stiess, bestieg er zum zweiten Mal das Rednerpult, um dem Reichstag, dem Kabinett und dem diplomatischen Korps einen Vorgeschmack seines wahren, wilden, sarkastischen und brutalen Wesens zu geben.“ — Das Zentrum stimmte für das Ermächtigungsgesetz. Göring konnte triumphierend das Ergebnis verkünden: 441 Stimmen für die Diktatur und nur 94 dagegen. Die nationalsozialistischen Abgeordneten erhoben ihre Arme zum Gruss und sangen im Reichstag das Horst Wessel-Lied. Die Strasse hatte damit die Herrschaft über die Machtmittel eines grossen, modernen Staates angetreten. Aber Hitler war noch nicht dort, wohin er kommen wollte. Jetzt konnte er den Weg der „Gleichschaltung“ beschreiten, um auf diese Weise die Gewalt über alle Gebiete des öffentlichen Lebens in die Hand zu bekommen. Zunächst wurden die Länder unter nazistische Kontrolle gebracht. Nur ein Beispiel soll erwähnt werden, auf welchem kalten Wege dies vor sich ging. In Bayern waren Tendenzen auf getreten, die Monarchie wiederherzustellen und das Land aus dem Reichsverband zu lösen. Dem wollte Hitler entgegenwirken. Kurz entschlossen liess er durch von Epp die bayerische Regierung unter Dr. Held absetzen und berief auf alle wichtigen Stellen seine Nazis. Als der Ministerpräsident Held vom WOhrkreiskommandanten General von Leeb Hilfe gegen die Nazis verlangte, rief von Leeb in Berlin an. Vom Reichswehrministerium (Oberst von Reichenau) erhielt er sofort den Befehl, sich aus der Innenpolitik herauszuhalten. Di« Reichswehr dürfe nicht auf die Strasse gehen... Der Auflösungsprozess der Dr. J. P. Kroll Bieber INNERE MEDIZIN u. RHEUMATISMUS Arzt am Hosp. Pirovano Mo., Mitt. Frei. 15-20 Uhr 3 de Febrero 2030 76-0266 Privat 52-7734 Dr. B.Sdiwanz ZAHNARZT ESTOMBA 2283 52-8214 bis Ende Februar verreist Parteien ging ausserordentlich schnell, einfach und brutal vor sich. Einige Parteien wurden verboten, wie die Sozialdemokratie. Eini ge SPD-Führer flüchteten ins Ausland, wo sie ein Widerstandszentrum organisierten, das aber keinen Ein fluss auf das Geschehen im Reich nehmen konnte. Die Kommunisten waren schon schon vorher verhaftet, ihre Parteilokale geschlossen, ihre Werte beschlagnahmt worden. Dies geschah alles auf „gesetzlichem“ Wege mit Hilfe des Ermächtigungsgesetzes, für das auch Zentrum und Deutschnationale gestimmt hatten. Drei Monate nach diesem schweren Fehler der Zentrumspolitiker lösten sich die beiden katholischen Parteien — Zentrum und Bayerische Volkspartei — selbst auf. Die Parteien des Mittelstandes waren längst nicht mehr existent, die Demokratische Partei und die Volkspartei, die einmal die Partei Stre semanns gewesen ist. Und dann kamen die Deutschnationalen an die Reihe, die wahren Totengräber der Republik, die Partei Hugenbergs und der Grossindustrie: die Partei, die schon in den Zeiten der Republik einen „Arier-Paragraphen“ gehabt hatte und ihn dank der Grosszügigkeit der re publikanis chen Politiker haben durfte, obwohl dieser Paragraph gegen di« Verfassung verstossen hat. Hugenberg tobte; es half ihm nichts. Hugenberg ap- LA SEMANA ISRAELITA JBisemanario — aparece tOs Martes y Viernes, Editado por Estrellas Editorial Ltda. Verantwortlich: Dr. Hardl Swarsensky Paeyrredftn 2190, 1? izq. T. E. 83-2613 80-6930 Abono-Preise: Argentinien: $ 100.— pro Quartal Ausland B 600 — jährl. pellierte an den Reichspräsidenten; er hörte ihn nicht. Hugenberg leistete Widerstand im Kabinett; es war vergeblich. Er erhielt von Hitler, dem er zur Macht geholfen hatte, den gebührenden Lohn. All« Parteilokale der Deutschnationalen wurden geschlossen und besetzt. Kaum drei Monate nach der Beschlussfassung über das Ermächtigungsgesetz gab es nur noch eine Partei. Am 14. Juli 1933 erschien im Reichsgesetzblatt ein Gesetz, dessen Paragraph 1 lautete: „In Deutschland besteht als einzige politische Partei die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei.“ Ein zweiter Paragraph regelte die Strafbestimmungen für alle, die es wagen sollten, alte Parteien aufrechtzuer. halten oder neue zu gründen. Die Machtübernahme war abgeschlossen... ZAHNARZT HUGO STRAUSS TUCUMAN 1625 LA — T. E. 40-8442 Sprechstunden ab 15. I. 63 nach vorheriger Anmeldung ¿MaSä85!i5«iäeiM5SSSiZiä3SIIBaäSäBS3iSSSSäiEIS3SSM3ä§338ZaSMjjj! Dr. BERNARDO GOLDSTEIN I g MEDICO 1 i Cardiología — Hospital Fernández ¡ 3 Radio X — Durchleuchtung — Electrocardiogramme g W SB I CUBA 2141 — T. 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