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Jüdische Wochenschau · 1963-02-01 · 1997 (1.2.1963) · p. [Seite 6]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
24 (1963)
Issue
1997 (1.2.1963)
Date
1963-02-01
Page
[Seite 6] (sequence 6)
Language
German, Spanish
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Zu seinem WO, Geburtstage % ' yen Dr. YOMTOV LUDWIG DATO Jn einem kleinen russisch polnischen Städtchen kam Morris (damals noch: Mosihe Jaakowt Rosenfcld zur Welt, der später einer der bedeutendsten jiddischen Dichter werden solle. Im Alter von 20 Jahren wandert^ er nach Amerika aus, wo er Schneidergesell wurde, was damals einen Sklaven der Werkstatt bedeutete. In den newyorker Werkstätten wurde damals die Arbeitskraft nach dem berüchtigten „Schwitz-System“ für einen Hunger lohn bis zum äussersten ausgebeutet. Inmitten seiner schweren Leiden offenbarte sich seine dichterische Begabung, und er begann zu schreiben. Tagsüber arbeitete er und nachts schrieb er Gedichte. Hach vielen Fehlgriffen und Enttäuschungen des unbekannten Dichters kam endlich sein jiddischer Gediohlsband ..Lieder fun Ghetto“ 1897 heraus, der einen ungeheuerlichen Erfolg hatte. Der schmucke Band war vorn begabten Künstler Efraim Mosche Lilien, dem Liebling Theodor Herzls, einem begeisterten Zionisten entzückend illustriert. Prof. Leo Wiener von der Harvard-Universität übersetzte die Gedichte ins Englische. Berthoid Feiwel ins Deutsche und der nichtjüdische Dichter Jaroslaw Wrchiikky ins Tschechische. Ferner entstand noch eine ungarische und eine polnische Uebertragung. Was war der Inhalt dieser Lieder? Der Dichter schrieb über das schwere Los des jüdischen Arbeiters, über die Leiden des jüdischen Volkes in der Gola und über die neue Hoffnung, die den Weg nach Zion wies. Es gab auch andere jiddische Dichter, die das Elend des ausgesaugten jüdischen Arbeiters schilderten, es war aber keiner unter ihnen, der gleichzeitig das traurige Geschick und die Hoffnung des jüdischen Volkes fce-ungen hätte. Wenn wir sorgfältig die Dichtung des Morris Rnsenfeld prüfen — schrieb vor einem halben Jahrhundert ein Esayist — so finden wir, überall wo er das Eiend schildert, so stellt er es bloss dar, wobei die düsteren Bilder den Lpser verstimmen und verbittern. Hingegen wenn er von seinem Volke spricht, das ihm sc sehr ans Herz gewachsen ist, mag er auch sein Elend besingen, seinen Schmerz zutiefst empfinden. Bitternis schildern, wobei seine Seele in Tränen ausbricht, so ist seine Rede stets ermunternd und unterlässt es niemals, die Zukunft des Volkes in einer leuchtenden Apothese darzustellen. Wie ergreifend ist nur sein Lied von der jüdischen Tragödie in der Gola: „Der Sturm“. Zwei Juden iahren auf einem Schiff, das vom tobenden Meer hin- und b-c-rgewcifen wird, während aber alle an Bord vor Angst zittern und beben, sitzen die Juden ruhig da. „Wer seid ihr, sagt? Wer seid ihr, ihr Armen, Die schweigen können in qualvollster Not, Die keine Träne, kein Angst wort finden, Indes seine Tore öffnet der Tod? Und wir sind Juden, armselige Juden, Ohne Freund, ohne FrfeutT, ohne Hotfnung auf Glück, Fragt uns nicht mehr! — Doch wollt ihr es wissen: Amerika treibt uns nach Russland zurück. Es treibt uns dahin, woher wir geflohen — Wir sind ja nur Juden und haben keine Geld! — Doch nun. was sollen wir noch erhoffen? Was soll uns das Leben, was soll uns die Welt? Mag’s brausen und brüllen und sieden und kochen, Mag’s stürmen und stürzen um uns her, Wir sind verlorne, verlassene Juden — Unsere brennende Wunde löscht nur das Meer.“ ln hohen Tönen singt dann der Dichter von der jüdischen Hoffnung'im Liede „Der jüdische Mai“: Wieder ist der Mai gekommen, Kam mit seiner Zaubermacht — Alle Gräser, alle Blumen Sind nun wieder aufgewaeht. Wieder blüht es auf den Feldern, Wieder grünt es in den Wäldern, Wieder glänzt es überall, Wieder singt die Nachtigall. Plötzlich erblickt der Dichter einen Einsamen: Aber seht, dort wandelt einer, Mitten durch die Maienlust Geht er still gesenkten Hauptes Und ex seufzt aus tiefster Brust. Wer das ist, ihr wisst es gut: Unser Aller, unser Jud‘... Ihn -umschwebt Kein Lenzeszatiber, Es erbebt Sein Herz von Qual, Und es glänzt kein Hoffnungsstrahl Aus dem Blick. Dann gedenkt er der Leiden des jüdischen Volkes, gleichzeitig aber tauchen die Bilder einstiger Grösse vor ihm auf: „Fragt vom Libanon di« Zedern, Sarons Myrten fragt im Tal, Ob sie ihn nicht noch erkennen, Der ihr Herrscher war einmal. Fragt den schönen heil'gen Oelberg, Fragt den Karmel, jeden Baum, Fraget all die tote Schönheit Nach dem allen schönen Traum... Und einer von den zweien spricht: Wir hatten ein Haus — das Haus ist zerbrochen- Und unser Heiligstes hat man verbrannt, das Liebste und Beste — verwandelt in Knochen, die Letzten grausam gejagt aus dem Land. fr OLAMEHU rr TEL AVIV POB 3002 ISRAEL NEUERSCHEINUNGEN DES VERLAGES Prof. Dr. H. Sternberg: Zur Geschichte der Juden in Czernewitz Reich illustriert Kart. 3.— Prof. Kamilo Loti tim arm : Israel und die Juden der Welt Kart. 2 — SUBSKRIPTIONS-EINLADUNG: GESCHICHTE DER JUDEN IN WIEN Herausgegeben von HUGO GOLD Gewidmet dem Andenken Yen Prof. Dr. Zwi Perez Chajes Unter Mitarbeit der hervorragendsten Kenner der Geschichte der Wiener /uden. ERMAESSIGTER SUBSKRIPTIONSPREIS: VOR Erscheinen.5 15. Nach Erscheinen. $ 20. Alle Zuschriften u. Anfragen sind ausschliesslich an den Verlag, Tel Aviv, P.O.B. 3002 (Israel) zu richten. Die Preise sind ln USA-Dollar angegeben. t Würzige Paradiesgelüft-e Wehlen einst durchs heilige Land, Und in seinem stolzen Tempel Hat sein Gott sich ihm bekannt. Und so singt der Dichter weiter, bis er schliesslich seufzend hinzufiigt: Längst vorbei! — Doch sieh, welch Wunder! Neue Träume ziehn herbei: Hörst du, Jude? „Glück und Frieden!“ Ruft dir zu ein neuer Mai. Wieder wird dein Esrog grünen, Deine Myrthen werden blühn, Wieder wird dein Land erwachen, Und dein Gott, er bringt dich hin. Wieder klingen Hirtenlieder, Und dein Weinberg dehnt sich weit, Leben wirst du, leben wieder, Fort in alle Ewigkeit. Nach den bösen Wandertagen Wird das Leben dir zur Lust. Unterm stillen Berg Moria Atmet frei die Heldenbrust .. Und beschlossen ist das Elend Und beendet Leid und Qual, Wirst in deinem Heim verbleiben, Frei und friedlich wie einmal. Auf, betritt nur kühn die Pfade In dein altes Heimatland! Manch ein Feuerfunke glüht noch ln der eingefall'nen Wand. Man kann sieh heute, im 14. Jahre des Staates Israel, keinen Begriff davon machen, wie begeisternd vor einem halben Jahrhundert die Worte des Dichters auf die jüdischen feeser und Zuhörer gewirkt hat. Es gab keine zionistische Festlichkeit, bei der seine Gedichte nicht zu Gehör gebracht worden wären. Seine Tournée durch Europa im Jahre 1908 glich einem Triumphzug. Ein halbes Jahrhundert ist seither vergangen und unser Dichter, der 1917 aus dem irdischen Leben schied, ist heute so vergessen, wie wenn er nie gelebt hätte. Es kommt vor, dass ein Buch einen in der Jugend begeistert und wenn man im reifen Alter es wieder zu lesen versucht gar nicht versteht, warum man seinerzeit daran Gefallen gefunden hat. Hingegen wenn ich heute das Buch unseres Dichters zur Hand nehme, so kann ich gar nicht genug die erquickende Frische seiner Lieder und den pulsierenden, wahrhaftig dichterischen Genius bewundern, der aus seinen Gedichten zu uns spricht. Der Poet hat es wahrhaftig nicht verdient, dass er der Vergessenheit anheimfalle. Schenkt Euren Kindern * BUECHER IN SPANISCHER SPRACHE AUS DEM VERLAG EDITORIAL CANDELABRO — Pasteur 351 LITERATUR i saac ... Die deutsche Reehtsgeschic-hie zählt Wcllisoo zu den Vätern des bürgerlichen Gesetzbuches. Die Hamburger Bürgerschaft besass in ihm einen ihrer grössten Abgeordneten (1859 bis 1889) und von 1861 bis 1803 einen glanzvollen Präsidenten. Wenn ich mich des Attributes „glanzvoll“ bediene, so möchte ich nicht missverstanden werden. Woiff son war kein Mann der äusseren Effekte. Aber sein Geist , besass die Kraft der Durchdringung. Was er an Gegenständen des öffentlichen Lebens aufgriff, prüfte und darstellte, wurde jedem seiner Mitbürger klar. Er sprach, auch wenn er politische Fragen behandelte, im Grunde immer Recht. Seine Logik war bestechend und sein Vortrag überzeugend. Der Glanz, der von ihm ausging. kam also von innen und nicht von aussen. Sein älterer Weggenosse Riesser mochte hinreissender wir ken. Wolffson war nüchtern und verhalten, er war ganz unpathetisch. In ihrem Gewicht hielten die Worte beider jüdischer Mitbürger einander durchaus die Waage. Wolffson war zwölf Jahre jünger als Riesser, er hat den älteren um 32 Jahre überlebt. Lieber dem Leben Riessers lag ein Abglanz der Melancholie ’ des Frühvollendeten, vielleicht war es auch die Tragik des zu früh Gealterten. Wolffsons Weg vollendete sich langsamer — in der Gnabe eines fast achtzigjährigen langen Lebens... Der Vater Isaac Wolffsons war ein in bescheidenen Verhältnissen lebender Hamburger Kaufmann. Es wurde ihm keineswegs leicht, das Studium seines Sohnes zu finanzieren, der die Universitäten Heidelberg. Göttingen und Berlin besuchte, um dann 1838 in Göttingen zu promovieren. Schon war Riessers Name damals unter seinen jüdischen Mitbürgern in aller Munde. Da wiederholte sich auch für den zwanzigjährigen Wolffson die gleiche bittere Erfahrung, durch die schon Riesser tief verwundet worden war: Seine Vaterstadt Hamburg verweigerte ihm aus konfessionellen Gründen die Aufnahme in die Matrikel der Advoka- 1en. Riesser war als Privatdozent und als Notar abgelehnt worden. Nur beim Handelsgericht durfte der junge Wolffson plädieren. Seine für das Niedergericht und die höheren Instanzen ausgearbeiteten Schriftsätze mussten das Signum eines christlichen Anwalts tragen. Dennoch gewannen diese von fremder Hand Unterzeichneten Schriftsätze des jungen jüdischen Advokaten in kurzer Frist einen so gu ten Ruf. dass er eine bedeutende Praxis ausbauen konnte. Am 23. Februar 1849 kam durch Rats und Bürgerbeschluss eine provisorische Verordnung zustande, die es jüdischen Einwohnern ermöglichte, das Bürgerrecht zu erwerben. Nun endlich konnte Isaac Wolffson in die Matrikel der Rechtsanwälte aufgenommen werden. Riesser hatte bereits 1848 in der Frankfurter Paulskirche für dieses Grundrecht ge fochten. Etwa zur gleichen Zeit war Wolffson mit 31 Jahren Mitglied der „Constituante“ in Hamburg geworden, jener ersten konstituierenden Versammlung, die in endlosen Beratungen eine neue Verfassung der Stadtreputolik vorbereiten sollte. An die Stelle „erbgeven ERICH LlJTÄ PRESSECHEF DES HAMBURGS S sessener Bürger“ sollte eine gewählte Bürgervertretung rücken, ein Parlament mit wechselnden Mehrheiten. Doch noch hatte es gute Weile mit der Ablösung der „Erbgesessenen“ und ihres privilegierten Rates, der nicht gewählt; wurde, sondern sich durch Zuwahl aus eigener Machtvollkommenheit ergänzte. Wolffsons Arffas den Repu Demokraten «jg schien, sal imalisten bj ¡iOHaiLM-“ -- Uíbermass o an. So galt es, an. oo s«" schaffen, ohne ten Zukunfts Yl ersticken. V Wolffson ver wohl, diese wool, ureov anhaltenden heitsiähigkeit muss unbegrenzt gewesen sein. Seine Rechtsanwaltspraxis wuchs nach der offiziellen Legalisierung erheblich. BEWEGLICHKEIT DES GEISTES Ueberall schätzte man die Klugheit seines Rates und den ungewöhnlichen Reichtum seiner Kenntnisse. Gleichzeitig war er mit grossem Eifer politisch tätig und trat auch als Fachschriftsteiler in Rechtsangelegenheiten hervor... Aus jeder seiner Tätigkeiten schöpfte er Anregungen für seine sonstigen Arbeitsgebiete. Eine ungewöhnliche Beweglichkeit des Geistes, eine zuverlässig« Gesundheit und eine straffe Arbeitsmethode setzten ihn instand, viele Verpflichtungen miteinander zu vereinigen und doch niemals die Uebersiehp zu verlieren. 1859 wurde Wolffson auch als Abgeordneter der Hamburger Bürgerschaft gewählt. Einer der Vizepräsidenten;s ersten gewählten Präsi- >nten Johannes Versmanr. urde der nun schon von uhm bedeckte Gabriel Rieer. Als Versmann nach •eijähriger Amtsführung den Senat eintrat und dait eine grosse Karriere als aatsmann, nachmaliger .irgermeister undVerhandngspartner Bismarcks, anat. wurde der bereits 1859 ‘wählte Isaac Wolffson in Nachfolger als Bürgerhaftspräsident. Auch wenn dieses Amt nur drei Jah ausübte, so waren diese •ei Jahre der zweiten Leislaturperiode doch von un-;wöhnlicher Bedeutung, ersmann und Wolffson legn die Fundamente der?uen Institution. Noch warn viele Wünsche des V«- Gl Ge, Für bas 'mam h» J & üi ä,! * Sich bes % .ibsbi »lei Judis, bud

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