Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 24 (1963)
- Issue
- 1996 (25.1.1963)
- Date
- 1963-01-25
- Page
- [Seite 9] (sequence 9)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
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YiPTr.es, 25 «»e linere de I»«3 JÜDISCHE WOCHENSCHAU jWU» XXm. — No. 1»»« — 9 T. E. 83-2613 PUEYRREDON 21901. St. Neue Assimilations - Stroemungen Die grosse Mehrheit derer, die sieh der jetzt schon drei Jahrzehnle zurückliegenden Zeit der Machtübernahme“ erinnern, verbinden jenen Zeitpunkt, den 3«. Januar 1933, mi-t dem endgültigen Abschluss einer Epeehe, die man weitge bend. nicht durchweg zutreffend. als „Assimilaticnszeit“ betrachtet. Bestimmt traf diese Benennung zu, was die Führungen. Leitungen, Vorstände der meisten .deutsch-jüdischen" Organi Nationen angeht. Doch dann vollzog sich auf Grund bitterer Erkenntnisse ein Umschwung; man löste sich von falschen Begriffen, sah ein, dass man der nichtjii- «Bachen Umwelt allzu leichtfertig vertraut habe, und man fand doch im grossen und ganzen wiederum einen neuen Zugang zum Judentum, manche von der religiös - traditionellen, eirige von der allgemein jüdischkulturellen. andere von der nw - n a tion a 1 j Ii di schen Seite. Viele Juden waren in den felgenden Jahren in der Lage. durch die eigene Alija nach Erez Israel dem Lehen eine entscheidende Wendung zu geben. Vorbei waren die Gedanken früherer Zeiten von deT Möglichkett eines völligen Aufge hens in der nicht-jüdischen Umgebung. Doch zuweilen erleben wir in unseren neuen Dia spora Zentren ein Wiederaufleben von Theorien, döe wir für immer begraben glaubten. Und deshalb muss von Zeit zu Zeit dieses Thema, unter den jeweiligen Gesichtspunkten, erneut be bandelt werden. GIBT ES EIN ZURUECK? Weder ist es berechtigt, dem ..Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens“, der vor sieben Jahrzehnten geschaf- 30 JAHRE NACH DE fen werden ist, ein besonderes Loblied zu singen, noch, ihn und seine Tätigkeit in Bausch und Bogen zu ver dämmen. Ursprünglich nur zum Zweek des Kampfes für die Erhaltung und Bewahrung der bürgerlichen Rechte der Juden gedacht, als Verteid-igungs-Organisa tion zur Abwehr judenfeind lieber Angriffe und falscher Beschuldigungen, war die Tätigkeit dieses Vereins in den ersten Jahren seines Bestehens absolut anerkennenswert. Auch seine umfangreiche kulturelle Aktivität, die im Lauf« von Jahr zehnten vor allem den vielen Kleingemeinden zugute kam, die mit Vorträgen und Kullurabenden bedacht wurden. soll keineswegs gering geschätzt werden. Wer zu den rund 50.000 Mitgliedern gehörte, die der „C. V." in 500 Ortsgruppen zusammenfasste, war jüdisch organi siert. und das jüdische Bekenntnis war ein eindeutiges. niemals liess der ..Centralverein" ein Verstecken des Judeseins zu; seine orthodoxen und religiös-liberalen Mitglieder besassen die gleichen Rechte zu ihrer Entwieklungsfreiheit. Auch die Zionisten konnten in dieser Vereinigung bleiben, solange diese sich auf die genannten Aufgaben beschränkte. Aber dies änderte sich schon vor dem 1. Weltkriege, doch ganz entscheidend in den ersten Jahren der „Weimarer Republik". Zwischen 1919 und 193-3 entwickelte der „Centralverein“ eine jüdisch-politische Aktivität, die den Rahmen seines ■ eigentlichen Aufgabengebietes sprengte. Die Neugestaltung des Gemein- M 30 JANUAR IS3-3 delebens erforderte, in Ver bindung mit dem allgemeinen im Staats- und Komunalleben eingeführten Pro portionalwahlrec-ht. die Anteilnahme aller jüdischen Gruppierurgen an Angelegenheiten von Gemeinde- und Landesverband. So konnten die Zionisten in eine Reihe von Vorständen und Repräsentanten - Versammlungen der Gemeinden nach Wahlkämpfen einziehen. bei denen der „Centralverein" nicht neutral blieb, sondern im antizionistischen Sinne, zugunsten der ortho doxen ..Agudas Jisroel" und der ..Vereinigung für Liberales Judentum" bzw. deren Vertreter Stellung nahm. Allmählich wurde diese jüdische Organisation, anstatt für alle jüdischen Bürger des Landes in gleicher Weise bemüht zu sein, eine Kampforganisation, die in aller Oeffentlichkeit .-jüdisches Volkstum“ leugnete, als für den ..westlichen Juden“ zumindest als „nicht existent“ bezeichne!«. Doch, über diese Ablehnung des Zionismus, seine Herabset zung, noch weit hinausgehend, versuchte man. die deutschen Bürger zionisti scher Gesinnung als „nicht vollwertige Bürger“ anzuprangern. Zwischen 1925 und 1932 etwa gab es zahlreiche offizielle Erklärungen der C.V.-Fübrungi in denen die Oeffentlichkeit darauf aufmerksam gemacht war de, dass nur auf dem Boden dieser Organisation wahrhaft deutscher Patriotismus in Verbindung mit jüdischem Glauben denkbar sei, dass die ..international dankenden Zionisten“ keine ..gleich guten Deutschen“ sein könnten. Es kam so weit, dass hohe jüdische Staatsbeamte von Juden be schuldigt wurden, keine guten und objektiven Beamten sein zu können, da sie ja Zionisten seien. Niemals, von nichtjüdischer demokratisch-republikanischer Seite aus. ist solch ein Vorwurf erhoben w'orden. und es war der unverzeihliche, furcht; bare Irrtum der C.V.-Führung. jüdische Bürger wegen ihres Bekenntnisses zum nationalen Judentum vor der nichtjiidischen Welt de nunziert zu haben. Natürlich waren zu jener Zeit fast alle deutschen Zionisten aus einer Organisation ausgeschieden, die zwar den „jüdischen Glaubensstamm“ bejahte, aber die Beziehungen zur Weltjuden heit nur auf religiöser Basis anerkannte. So wurde der ..Centralverein“ falsch gelenkt in ein Fahrwasser, in dem er nichts zu suchen hatte, denn die Juden bedurften keines Vereins zur Pflege „deutscher Gesinnung“. Das Jahr 1933 dürfte den Mitgliedern dieser Organisation, die noch vier Jahre zuvor den Eintritt in den nichtzionistischen Teil der „Jewish Agency" abgelehnt hatte, die Abstimmung aber den Mitgliedern des Hauptvorstandes freigab, (weil sonst die Leitung aufgeflogen wäre), die Augen geöffnet haben. Niemals kann es ein ..Zurück“ zu jener Haltung geben, die von unfassbarer Sturbeit, geringer Gesrhiehtskenntnis und mangelndem Vertrauen in die eigen», jüdische, Kraft gekennzeichnet wiar. »IE NATIONAL, RELIGIOESE BASIS Eine interessante öffentli che Diskussion innerhalb einer unserer bedeutendsten Organisationen liess die Fra¬ Funde aus der Vergangenheit yon HANNAH PETOR Die letzten Monate brachten wiederum eine reiche Anzahl archäologischer Entdeckungen, die aufgrund systematischer Forschungen oder durch Zufall bei Bauarbeiten zutage kamen. Sie erstrecken sich über das ganze Land, von Galiläa bis hinab in den Negew. An Hand «fieser neuen Zeugnisse aus Israels Geschichte auf diesem Boden ist zu hoffen, dass viele Rätsel ihre Lösung finden werden, wie zum Beispiel: Welches war der wahre Zweck des ausge dehnten Palastbaus von Ra. mat Rabel? Wo lag die biblische Stadt Arad? Welches ist die genaue Lage der Sladt Ein Gedi, von der die Rar Kochba-Briefe sprechen? Wer war die mit einem Diadem gekrönte Persönlichkeit, deren Ueberreste im Sarkophag von Kfar Gitedi gefunden wurden? Ein schöner Mosaikboden, angeblich der einer Synago ge aus dem 5. oder 6. Jahrhundert, kam in Bet Scha'an im Jordantal ans Tageslicht. Er zeigt die Zeichnung eines riesigen siebenarmigen Leuchters von 1,60 m Länge, dessen sieben Lampen angezündet sind. Das Mosaik hat ausserdem ein feines, geometrisches und mit Bildern von Früchten und Pflanzen durchsetztes Muster. Der teppicharlige Effekt von ausgezeichneter technischer Ausführung erinnert an das Mosaik der nahe gelegenen, 1929 entdeckten Synagoge von Bet Alpha. Ausnahmsweise ist hier der Leuchter gegen We sten gerichtet, während frühere Funde ihn gewöhnlich in südwestlicher Richtung, gen Jerusalem, zeigen. Es war wahrscheinlich der Synagogenbau einer reichen Gemeinde, wie sie in Galiläa in der Zeit nach der Zerstörung des zweiten Tempels existierten. Vielleicht war dies die berühmte Knischta D'weit Sche'an, einer im jerusalemer Talmud erwähnten Synagoge. Auf einer Bergspitze in Galiläa wurde ein Sarkophag mit dem eingeritzten Namen „Hizkiyahu“ gefunden. Grabungen an dieser Stätte brachten noch tiefer einen anderen, von sieben weiteren Begräbnisstätten umgebenen Sharkophag zutage. In diesem zweiten Blei-Sarkophag fand man die Uetoerreste eines Mannes mit einem goldenen mit Halbedelsteinen verzierten Diadem. Unweit dieser Stätte1 stand ein weiterer Sarkophag aus feinem Marmor auf dem kahlen Felsen, auf dem der Name „Heraclides“ eingeritzt war. Man nimmt an, dass diese Begräbnisstätte aus dem 1. oder 2. Jahrhundert unserer Zeitrechnung stammt und bis ins 3. oder 4. Jahr hundert benutzt wurde. In dieser Gegend kamen noch weitere, bei Erdarbeiten <Jes Kibbuz Hagoschrim entdeckte Begräbnisstätten zum Vorschein. Diese stammen aus der mittleren Bronzezeit, die etwa der Zeit der Patriarchen entspricht. Doch wurde dieser Friedhof anscheinend wieder viel später bis ins 3. und 4. Jahrhundert v.d.g.Z. benutzt, wahrscheinlich von den in dieser Gegend nach dem Tode Alexanders des Grossen stationierten mazedonischen Truppen, als die Ptolemäer und Seleuaiden sich um den Besitz dieser Erde bekriegten. In Tel Gat, das man ursprünglich für die alte Phi listerstadt Gat hielt, gehen seit einer Reihe von Jahren Grabungen vor sich, die interessante Funde zeitigten. Wie man fand, steht die aus kalkolithischer Zeit stammende Mauer auf viel früheren Ueberresten, sodass die Existenz der Stadt möglicherweise bis in prähisto rische Zeiten zurückreicht. Ein hier gefundener Henkel eines Tonkruges trägt das Siegel ..Dem König, Ziph". In der Umgebung fand man zufällig eine Begraäbnis. stätte. waahrscheinlich aus dem 5. Jahrhundert unserer Zeitrechnung, deren Inhalt aus fein geschwungenen Glasphiolen, zwei gilt erhaltenen Tonplaketten, einer Tonlampe und einem winzigen Bronzekreuz besteht. Eine ander«, im nördlichen Negew gemachte Entdeckung ist eine aus den Zeiten der Ifvksos <1750 — 1550 v. d. g. Z.) stammende Stadt, die wohlerhaltene Strassen aus Stein und gej trockneten Ziegeln gebaute j Häuser aufweist. Viele der Gebäude enthielten Oefen; an drei Stellen fand man unter dem Boden in Tonkriigen begrabene Kinderskelette. Die Funde umfassen ebenfalls eine Reihe von Tongefässen, aehf schöne ägyptische Skarabaen. ein rundes babylonisches Siegel, Ritualgegenständ«, au« Knochen geschnitzte Einlagen für Möbel und eine grosse Anzahl von Tierknochen. Diese Stadt wurde möglicherweise durch die ägyptischen Eroberer des Landes zerstört nnd in späteren Zei ten wieder aufgeb« ut. die ersten Die erste Lehrerin und der erst« Schüler in der neuen Stadt Arad. Beide sind in Israel geboren. Il mm: mm t - ge nach dem Sinn der jüdischen Kulturarbeit laut, werden und gleichzeitig erkennen. dass hierüber weitgehend Unklarheit herrscht. Manche meinen, wenn indische Künstler irgendein ernstes oder heiteres künstlerisches, literarisches Pro gramm durchführen, sei eine jüdische Kultuarbeit vollbracht worden. Demgegen über muss gesagt werden, dass alle wahre jüdische Kultur auf die geistigen Fundamente der jüdischen Existenz zut'üekgeht. auf Bibel und Talmud. Diese Tiefsten Quellen menschlicher Weisheit bildeten für alle jüdischen Generationen eine ständige Inspiration des Gottesgeistes. Und wie immer der Jude hierzu stehen möge, ob er die wörtliche Uebertragung des göttlichen Gebotes an den Menschen anerkennt, oder ob er das religiöse Erlebnis des einzelnen als den höchsten Ausdruck der göttlichen Offenbarung ansieht, niemand kommt vorbei an der Tatsache der Unabtrennbarkeit des Begriffes jüdischer Kultur von demjenigen jüdischen nationalreligiösen Geistes. Zwischen den einen, die im „Jüdischen Club“ das höchste erreichbare Ziel sehen. und den anderen, die jüdische Kulturarbeit aus- 'bauen und vertiefen wollen, um ihren letzten Sinn der Verwirklichung nahezubrin gen. dürfte schwer ein Ausgleich zu schaffen sein. Doch falsch wird es in jedem Falle sein, wenn man der jüdischen Jugend ein ungenaues Bild von dem gibt, was jüdische Kultur sein soll. Führt man sie aber zu einem ganzen Judentum hin in all seinen Lebenserseheinungen. so wird sie wahrscheinlich selbst den jüdischen Weg finden, den sie sucht. Doch vielen unserer älteren Generation klarzumachen. was unter „jüdischer Kultur“ zu verstehen ist, dürfte nach den jung sten Erfahrungen ein schwieriges Unternehmen sein. GEBT WH.K Die Landwirtschaft' liehen Siedlung«« Jerusalem. — Im jüdischen Jahr 5722 wurden von der Koloniaationsabteilung der Jewish Agency 490 nach der Staatsgrürdung vom Keren Hayessod errichtete landwirtschaftliche Siedlungen mit 130.000 Bewohnern betreut. Die von diesen Siedlungen bebaute Fläch« beträgt 1.38 Millionen Dunam. Davon werden 330.000 Dunam künstlich bewässert. Auf diese neuen Siedlungen entiallen 40 Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Produktion des Staates, die ihrerseits um neun Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen ist. Ueber den Viehbestand der neuen Siedlungen geben folgende Zahlen Aufschluss: 58.200 Milchkühe. 23.500 Stück Schlachtvieh. 58.200 Schafe und Zie. gen und drei Millionen Legehennen. Der in Israel für landwirtschaftliche Zwecke bebaute Boden belief rieh auf insgesamt 4.235.000 dDunam. Davon standen 1.4 Millionen unter Bewässerung. Die Fläche ¿er Zitruspflanzungen betrug 355.000 Dunam. gegenüber 327.000 im Vorjahr. Der landwirtschaftliche Export erreichte eine Höhe von 77 Millionen Dollar. Vereinigung geferdert Jerusalem. — Die Partei der Liberalen in Israel und die Weltunion der Ailgemei nen Zionisten, die unter der Leitung von Dr. Emanuel Neumann steht, erklärten in einer gemeinsamen Resolution die Notwendigkeit der Vereinigung aller Allgemeinen Zionisten in Israel und in den Ländern der Galut. — (ITA) Neue Einwanderer New York. — Wie die Jewish Ageney mitteilt, sind im Laufe des Jahres 1962 insgesamt 1617 Juden aus Nordamerika nach Israel eingewandert, unter ihnen fünfzig hochqualifizierte Arbeiter,