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Jüdische Wochenschau · 1963-01-25 · 1996 (25.1.1963) · p. [Seite 6]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
24 (1963)
Issue
1996 (25.1.1963)
Date
1963-01-25
Page
[Seite 6] (sequence 6)
Language
German, Spanish
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Lim i£ew§ es *ßwaten inwn In letzter Zeit mehren sich die literarischen Seböpfungen, die die Geschichte des italienischen Judentums zum Gegenstand habe». Sc erschien im Mossad Bialik (Jerusalem 3962) das hebräisch geschriebene Buch von Professor Cecil Roth „Die Juden in der italienischen Renaissancekullur“, das einen Zeitraum von etwa 400 Jahren, beginnend vom 33. Jahrhundert, umspannt. ud einen Glanzpunkt im jüdisch-kulturellen Leben in Verbindung mit der zeitgenössischen italienischen Renaissancebewegung zur Darstellung bringt. Ina letzten Jahrhundert bewegte sich das italieni sehe Judentum in absleigender Linie. Assimilation. Abwanderung zu den grossen Städten und Emigration nach Uebersee verringerten die Zahl der kleinen Gemeinden. Der Einfluss der durch die Nationalsozialisten bedingten Rassengesetze sowie ihr späteres Eindringen in das italienische Hoheitsgebiet riefen eine Stagnation im jüdisch italienischen Leben hervor, das erst nach Beendigung des Krieges von Dr. S. G CO MANN neue Ansätze zu einem geistigen Aufschwung zeigte. Einige Verölfentlichungen der letzten Jahre werfen ein grelles Schlaglicht auf den Ablauf dieser Geschichte. Da hegt zunächst vor uns das „Gedenkbuch an Sally Mayer", ein Sammelbandherausgegeben von dessen Freunden und Verehrern anlässlich dessen dritten Todestages im „Institut Sally Mayer, Stätte für die Wissenschaft des Judentums" (MiJanc — Jerusalem 57161 der eine Anzahl von Beiträgen und Forschungen zur Geschichte der Juden Ita iiens sowohl in hebräischer wie in italienischer Sprache enthält. In einem der darin enthaltenen Aufsätze erwähnt der Verfasser, Alionso Paciliei, Philosoph und Schriftsteller, der einen bedeutenden Anteil an der neueren Renaissancebewegung der italienischen Ju den hat, die Bedeutung der Gemeinde Mailand, die durch das Verdienst ihrer Führer — insbesondere des Die jüdische Gemeinde Mailand ist — gegenüber anderen seit Jahrhunderten bestehenden, wie Rom, Tu rin, Florenz, Venedig und Livorno, jüngeren Datums. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wanderten jüdische Einwohner des Kirchenstaates, aus dem Piemont und Mantua ein, aber erst 1855 konstituierte sich die erste Gemeinde. Zu den sefardischen Juden gesellten sich später asehkenasisehe, neuerdings auch ägyptische. 1892 wurde die erste Synagoge in der Via Guastalla, die im letz ten Krieg Bomben zum Opfer fiel, errichtet. Ein im gleichen Jahr eröffneter Kindergarten wurde die Keimzelle der jüdischen Schule, dem 1910 die ersten drei Das Leo Baeck - Institut sucht DOKUMENTE-URKUNDEN CHRONIKEN über die Geschichte des ehemaligen deutschen Judentums sammelt das LEO BAECK-INSTITUT -★ PUBLIKATIONEN DES IEO BAECK INSTITUTES SCHRIFTENREIHE WISSENSCHAFTLICHER ABHANDLUNGEN DES LEO BAECK INSTITUTES J. C. B. MOHR (PAUL SIEBECK) TUEBINGEN YEAR ROOK VI i960 — VOM L.B.-INSTITUT HERAÜSGEGEBEN: BY THE EAST AND WEST LIBRARY, LONDON mit einer Fülle hervorragender Beitrage in englischer und deutscher Sprache. (416 Seiten) WERDE AUCH DU MITGLIED des Leo Baeck-Instituts Anmeldungen bej Herrn CURT WILR, Moreno 2256« und un Büro der fUEDISCHEN WOCHENSCHAU. Pueynredon 2190. 1. izq. (8372613) Klassen der Grundschule angeschlossen wurden. verstorbenen Sally Mayer — eine hervorragende Zusammenarbeit zwischen den italienischen und asc-hkenasisc-hen Juden zustandebrachte, wodurch die Gemeinde einriebtungen zur Befriedigung aller Schichten — auch der orthodoxen — aufrechterhalten blieben. Die in den dreissiger Jah ren ausgebaute Grunoschu- Je, an der Via Opoli gelegen, wurde nach dem langjährigen Mailänder Rabbiner Institute Israelite Alessandro Da Fano genannt und ging 1939 in den Besitz der Gemeinde über. Als das italienische F-vzie hungsministerium 1923 die Erziehung in den allgemeinen Schulen auf einer rein katholischen Basi? organisierte, wurde unter der Leitung des Oberrabbiners Angelo Sacerdoti der Versuch unternommen, ein jüdisch religiöses Ei ziehungsnetz aufzurichten, was jedoch an der Gleichgültigkeit der Eltern scheiterte. Durch das 1931 erlassene „Gesetz der jüdischen Gemeinden“ erhielten diese lediglich die Möglichkeit eines jüdischen Religionsunterrichts an den allgemeinen Schulen. Der erste, der einen stächen Unterricht an den Regierungsmittelschulen übernahm, war der jetzige Professor Raw Dr. Schaumann, der aus dem osteuropäischen Städtchen Kotov, wo er die ra'bbinische Autorisation er hielt, kam und dann in Wien an der Universität studierte. Die nationalsozialistische Bewegung brachte ihn nach Italien. Hier studierte er in Turin und Genua, wo er später das Ami eines Oberrabbiners versah. Die 1938 in Italien einsetzende antisemitische Bewegung führte zur Schliessung der Religionsschulen. was wiederum die Initiative zur Gründung von jüdischen Mittelschulen gab. Zwar be standen höhere Thpralehrstätten wie das Ccllegio Rabbinico di Livorno sowie das rabbinische Institut Collegio Rabbinico Italiano in Padua, das über Rom und Florenz dauernd nach Rom übersiedelte. Beide erfüllten eine wichtige Aufgabe, indem sie für die Gemeinden geistige Führer ausbildeten, es gelang ihnen aber nicht, der sich ausbreilenden Gleichgültigkeit, der Verrin gerung der Seelenzahl durch Abwanderung jm Zusammenhang mit dem Streben nach wirtschaftlicher Verbesserung, Einhalt zu gebieten. Lediglich in Mailand erfolgte die Gründung einer jiidi sehen Mittelschule im Jahre 1938, zu deren Leitung Dr. Schaumann berufen wurde. Mit Einbruch der Nationalsozialisten stellte diese wie alles jüdische Leben ihre Tätigkeit ein. Die Juden suchten sich ein Versteck oder flüchteten ins Ausland. Diese Zeit liefert den Hintergrund zu zwei literarischen italienischen Schöp fungen, die im Einodi-Ver lag, Turin, erschienen sind. Die eine behandelt die Geschichte der Juden Italiens zur Zeit des Faschismus von Renzo de Felice <19611, die bald zum Tagesgespräch in den römischen Salons wurde. Der Verfasser geht den Wurzeln des Antisemitismus in Italien vom Be. ginn des Jahrhunderts bis 1945. als das Ende der Invasion mit dem der Republik Mussolinis zusammentraf, nach. Das Buch ist auf Grund nicht veröffentlichter Regierungsarchive, Rechnungsberichten der geheimen faschistischen Polizei über abgehörte Telefon gespräche. geheimen Sitzungsberichten der Regierung und Dokumenten des Archivs des Aussenministeriums, in die man ihm Einblick gewährte, im Laufe von zweieinhalb Jahren verfasst. Eine interessante Entdeckung war die Episode des Führers des intellektuellen Faschismus, Marienti. der grossen Widerstand zu den antisemitischen Gesetzen von 1938 zeigte. Die Zei fung mit dem diesbezüglichen Aufsatz wurde beschlagnahmt. Interessant ist auch die Stellungnahme des Vatikans, der kein« klare Haltung ge- LITERATUR POETISCHE Unsere Jugend nennen wir bekanntlich „Sabra“ nach jenem Stachel-Kaktus, der aussen so widerborstig und innen zart und süss ist. Das gilt als Symbol der jungen Israelis, die hier im Lande geboren sind. Ueber die stachlige Aussenseite gibt es keine Diskussion. Wer von uns Aelferen würde diese herbe Schale zu bezweifeln Anlass haben? Aber die Innenseite? Brav und gerade, zuver lässig und hilfsbereit, sachlich und lapter, ausdauernd und fröhlich, das sind so die Qualifikationen, die man bei Diskussionen über unsere Jugend zu hören bekommt. Sie irren, meine Damen und Herren. Sie inen sich gewaltig. Ich will Ihnen Is raels best gehütetes Geheimnis verraten: unsere Jugend — wenigstens die akademische — ist romantisch. Sie meinen sich verhört zu haben? Ich buchstabiere: r o m a.n.t i.s.c h.! Jawohl. gefühlsvoll, beschwingt, „auf Flügeln des Gesanges“. Nicht des Horra- und Horror Gesanges, der uns den Schlaf der Nacht raubt, wenn wir das zweifelhafte Vergnügen haben, neben einem Jugend- Club zu wohnen, sondern des lyrisch poetischen Gesanges der Dichtung. Mein Gewährsmann für diese erstaunliche These ist H. J. Mayer. Juniorchef im Hause Ludwig Mayer, der ältesten Jerusalemer Buchhandlung, die 1908 gegründet wurde. Seit 1958 unterhält das Haus Ludwig Mayer zusammen mit der Buchhandlung „Healid“ in Jerusalem den „University Campus Bookehop“, eine akademische Buchhandlung auf dem Areal der Hebräischen Universität in Jerusalem. Acht Monate im Jahre herrscht hier reger Betrieb, nämlich im Sommer- und Wintersemester, wenn Professoren. Dozenten und Studenten hier ihren geistigen Bedarf decken. Selbstver ständlich dominieren die Lehrbücher aller Fakultäten, aber die sind für unsere psychologische Betrach¬ /on SCHALOM BEN-CH» gen die Verfolgungen ein nahm. In Deutschland waren viele Katholiken Nationalsozialisten. Als die Juden Roms an einem Tage 50 Kilogramm Gold abzuliefern hatten, wollte der Papst sich daran beteiligen, die Forderung war aber bereits erfüllt, Der deutsche Gesand te beim Vatikan fürchtete die Opposition des Vatikans gegen die Vertreibung der Juden — sie erfolgte nicht, aber viele Klöster öffneten ihre Tore den verfolgten Juden. Unter den faschistischen Führern finden sich nicht nur Gegner gegen die Judengesetze. sondern auch wahre Freunde der Juden, so der Marschall Balbo, der beim Abschuss seines Flugzeuges in Nordafrika seinen Tod fand. Es gab Italiener, die mit W'issen Cianos, Aussenminister und Schwiegersohn Mussolinis, zur Errettung von Juden wirksam waren. Das Buch, dessen Verfasser Nichtjude ist, zeigt grosse Objektivität. Ein weiteres Buch als Spiegel dieser Zeit ist die letzte Schöpfung, der erste Roman des bekannten jüdisch italienischen Schriftstellers Giorgio Bassani „I! Giardino del Finzi-Contini“ (1962), das gefragteste Buch der letzten Saison und eines der grössten Bucherfolge der italienischen Literatur. Bassani, gleichzeitig Professor für Theater geschichte tung uninteressant: nicht um die Pflichtlektiire ging es mir bei der Befragung meines Gewährsmannes, sondern umdie literarischen Neigungen unserer studentischen Jugend. Und hier erlebte ich die grosse Ueberraschung: Lyrik steht obenan! Israels Jugend liest, ja verschlingt Gedichte. Die schlanken Bändchen junger Genies werden gekauft, verschenkt, gelesen, diskutiert. Es muss also eine seelische Resonanz für poetische Ergüsse aller Alt vorhanden sein. Ich erinnere mich (nicht ohne Bitterkeit) meiner eigenen- Jugend. in welcher ich beschwingt Sonette und Terzinen — unter dem Einfluss Georges, Hofmannsthals und Rilkes — schrieb. Sie fanden sogar Verleger, aber... Leser? Ach, sie waren sehr dünn gesät und meistens auch junge Dichter, wäh rend es heute und hier tatsächlich ein aufnehmendes Publikum unter der Jugend gibt. Wer sind die Dichter, die gelesen werden? Die ältere Generation wird zunächst an Bialik und Tschernichowsky denken, aber diese sind längst einerseits — dadurch — zur Pflichtlektiire herabgesunken. Selbst eine neuere Dichterin wie Lea Goldberg, die ja selbst an der Hebräischen Universität literar-historische Vorlesungen hält, gehört bereits zu jenen Unumstrittenen, die nicht mehr in endloser. Nac-htgesprächen debattiert werden. Neue Namen, neue Formen beherrschen den hebräischen Olymp: der Jeru salenrer Lehrer Jehuda Amiehai wäre hier zu nennen, der Tel Aviver Journalist David Avidam, der Schauspieler vom Kammertheater Avraham Chalfi. Eine wahre Sensation unter jungen Menschen war „Die Liebe der Orange“ (Ahavath Thapuaeh-sahav) der Dichterin Daliya Ravikovitz. Lyrische ,bestseller' schrieben Nathan Sach, Joseph Sarid. Aviar natürlich ... bekannteste | Kreise der J< | älteren Gene?vor einigen > bene Avraba (Sonne), der - iiner Zeit au europäischen kannt war. se nicht nur b®1 erhöbt: seine immer mehr lesen, in der gäbe, die se Spitzer ihn« Tarschisch-V1 Man liest die eigene m sehe Lyrik, s im hederscb die „Stimme Schottische 1 tragen von ster des Ta than Altem gelragt, ehe: und japanisc die ein neue: ked“ pflegt. Und »er dass der su des vorigen ¡er Däne! gaard. unsere mittelbar ai seine Briefe nun seine ,, Verführers“ gelesenen Büi rusalemer S hört? Die z; von der ihr „Auf heimli Wange , Leu zens Glühn.. Br geworden ein« 'Palm; vor zwanzig undenklich Freilich ahn User der se len Liebesges hannes und ihr Dichter der bedeutend der abendlä stenheit war. bewusstes 1 »»ver ist hie Seit Jishar strösem Fre: »tan „Tage '1959) hat e hebräischer an der Akademie für dramatische Kunst in Rom, schildert in dem Buch „Der Garten des Hauses Finzi Contini“ eine jüdiseh-sefardische Familie seiner Heimatstadt Ferrara, die in einem von einem grossen Park umgebenen Schloss wohnt, ohne zu wissen, was jenseits der Mauern des Parks vor sich geht. Mit der Einführung der faschistischen Rassengesetze verflüchtigt sich die Distanzierung der aristokratischen Familie Finzi-Contini. Sie kehrt zur Synagoge des Städtchens zurück, betet gemeinsam mit ihren Brüdern und öffnet Park und Schloss der jüdischen Jugend, Das alles bewahrt sie nicht vor dem Los so Unzähliger, Vertreibung und Tod hi den Gaskammern. Der Schriftsteller richtet die Frage nach der Zukunft an alle, insbesondere die Juden, die er gerne in einer vereinten Menschheit als Teilhaber in einer gemeinsamen progressiven Bestimmung sehen möchte. „Israel ist der Platz der Zukunft für da« junge Geschlecht, aber es ist notwendig, dass die Sabres in Israel des europäischen Judentums eingedenk sind. Daher muss man ihnen erklären, dass die Gola nicht nur Erniedrigung und Mühsal sondern auch Kultur. Schönheit. Tradition und ewige Mensche*- werte kennt.“ '»mkiU.LaäÄ.ide Wi y® Industrie 3?»: 5ü5 SÄ «Ticbrin der Lwrf Aü: riÎ^ts, * *4 * «er,

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