Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 24 (1963)
- Issue
- 1995 (18.1.1963)
- Date
- 1963-01-18
- Page
- [Seite 9] (sequence 9)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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Año XXIV. — Ns. 1995 — 9 Vierr.«-* 19 <U Enei« fl> 1SC3 JÜDISCHE WOCHENSCHAU Zu Martin Bubers fünfzigsten Geburtstag am 8. Februar — also vor 35 Jahren — erschien im Verlag Lambert Schneider, Berlin, eine von Franz Rosenzweig und Ludwig Strauss herausgegebene ..Festausgabe für Martin Buber“. Das Buch führte den Titel ..Aus unbekannten Schriften". In ihm hatten sich Freunde und Verehrer Bubers zusammengetan. um unbekannte oder schwer identifizierbare Texte zusammeln und zu kom mentieren. Für diese Festschrift hatte Alfred Mornbert die Uebersetzung von einigen Versen zur Verfügung gestellt, „die dem verlorenen Diwan eines unbekannten persischen Dichters entstammen“, und die angeblich in einem „der gehaltvollen, leider sehr seltenen Bände der .Notices et Exfraits des Manuscripts de Ja Bibliotheque du Roi“ <Pa ris, Imprimerie royale)" von dem berühmten Orientalisten Silvestre de Saey <1758—1838) ziitert worden waren. Die Verse lauten: folgenden humoristischen Wortlaut: „Motto: Difficile est, satiram non .. Juvenalis Lieber Buber! Ihren Brief erhielt ich, von einer Reise zurückgekehrt. Sie selber -werden nun auch wieder an unserer Bergstrasse gelandet sein. Es ist also lhre Voraussage eingetroffen: Der „Iranist" ist auf dem Plan erschienen. Ich selber kann gelehrte Korrespondenz nicht führen: dazu fehlt mir die Schreibmaschine und auch die Räume, um Maschinen aufzustellen. Die Sache legt aber, wie jetzt durchgesickert ist. folgender massen: Der grosse Meister Baron Sylvestre de Sac-.v war keineswegs ein so zuverlässiger Orientalist, wie es von einem seriösen modernen LTniversitätsgelehrten ver langt werden muss, ln seinem Lehen gab es Geheimnisse, Mysterien (auch Amouren'). Es ist jetzt sicher. dass Sacv von dem „verlorenen Diwan“ persönlier weltberühmte Religionsphilosoph, der in diesen Tagen seinen 85. Geburtstag feiert. Ehrende Erinnerung \ . Prof. C-haim Perelman. Professor an der Freien Universität von Brüssel, erhielt kürzlich von der Internationalen Jury den „Prix Francqui" von 1962 zuerteilt. Dieser Preis ist den wissenschaftlichen Leistungen auf dem Gebiet der historischen, philologischen, moralischen und politischen Wissenschaften gewidmet. Prof. Perelman. der auf Warschau stammt und schon in sehr jungen Jahren nach Belgien kam, spielt im kulturellen und politischen Le ben der belgischen Haupt- «ta<*j eine sehr wesentliche Rolle. Aber er. der als einer der eminentesten Lehrer an der freien Universität gilt und dessen Vorlesungen zu den beachtetsten der Universität zählen, ist auch einer der aktivsten Förderer desjüdischen Lebens in Brüssel. Präsident der Me nora, die ihm alles verdankt, steht Perelman in allen Zweigen des jüdischen Wirkens in der ersten Reihe. Die „Freunde der Jerusalemer Universität" zählen ihn zu ihren Förderern und auf sozialem Gebiet ist dieser Gelehrte, der mitten im praktischen Leben steht, ein „Aktivist" im besten Sinne dies Wertes. Chaim Perelman hat in Weiknachtsdienst in KospHaelern; London. — Rund 1.000 Juden haben am Weihnachts-; lag die Pflichten einer; gleich grossen Zahl von : Uhiisten in den Hospitälern; übernommen, damit diese ' an den Feiertagen bei ih; rem Familien bleiben könneri. i Einer der eisten Juden, die sich freiwillig meldeten. : •war' F. A. Lincoln, ein Rechtsanwalt. der diese Idee vor drei Jahren ian- 1 eiert hat. Er iiusserte in einer Versammlung des Verbandes jüdischer Kriegsteil-; nehmer: „Stellt mich auf ir- ' gendeinen Platz in einem FlOspital, und ich werde den ganzen Tag über jede Ar- : beit tun, ich werde Kartof-; fein schälen. Geschirr wai schon. Fussböden scheuern.; oder was e^ sonst zu ma-; eben gibt.“ UTA) _ j der jüdischen Widerstandsbewegung der Kriegsjahre eine rühmliche Rolle gespielt. Zahlreichen Illegalen, die über keinerlei Lebensmittelkarten verfügten und dem nackten Hunger ausgesetzf waren, hat er, in engstem Kontakt zu den nicht jüdischen Instanzen der Resistance, geholfen. Seine Akt lion war so umfangreich, dass die „falschen" Lebensmittelkarten. die er den Untergetauchten vermittelte, den Ehrennamen „Perei man-Karten“ bekamen. Dabei war Perelman selbst in akuter Gefahr und riskierte jeden Augenblick, in die Hände der braunen Menschenjäger zu fallen. Die internationale Ehrung des grossen Gelehrten hat in der Welt einen sehr starken Widerhall gefunden. Aus vielen Ländern, in denen Perelmans wissenschaftliche Arbeiten Aufsehen erregten, t r a fe n Gl ii ck w u n s c h a d re s - sen ein Erwähnenswert in diesem Zusammenhang ist ebenfalls, dass die Gattin des Gelehrten sich in Belgien als Schriftstellerin einen Namen gemach! hat und auch als Malerin hervorgetroten ist. K. K. B. Neues Projekt der K. ü. Jerusalem. — Die Hebräische Universität wird ver suchen, einen Austausch von Vorlesungen mit nordamerikanischen Universitäten, hauptsächlich auf dem Gebiet der Studien über den Mittleren Orient, einzurichten. Dieser Plan wurde gefasst. um die w achsende an tiisraelische Propaganda einzudämmen, welche arabische Studenten und Professoren entfalten, so erklärte Eliahu Elat. der Präsident der H. U.. bei seiner Rückkehr von einem sechswöchigen Besuch in den USA. England und Kanada. Elat wies auf die Gefahr hin. dass viele Studenten und Experten ihre Kenntnisse über den Mittelosten nur aus arabischen Quellen schöpfen könnten, wenn die israelische Regierung nicht dazu schreiten würde, dies? Propaganda unwirksam zu machen, (ITA) ..Tn jenen Nächten ragten Eisgebirge hoch hinter blaustem Meer. Eine seltene Sonne schwebte empor, Glänzend auf den Fluten. Und auf dem Strande ruhten Frauenleiber von Marmor, stehend, liegend: Alle schlafend: Prachtvoll gedankenvoll wie Erinnerug des Lehens, wie Glanz der noch an meinen Sohlen haftete vom Meer herrührend, das ich früh beging. Jetzt stand und wanderte ich zwischen Marmor, ich senkte jedem einen grünen Lorbeerkranz aufs stille Schläferhaupt. Sic schienen sich zu rühren unter meinen Händen, die Seele war erfüllt von fernem meereetrunkenen Licht." Sekretärs Indiskretion hinter seinem Rücken eine Abschrift seiner Uebersetzung gemach) worden. Und das Grell-Sensationelle ist nun: Von seiner Uebersetzung, die heute nicht mehr aufzufinden isf. besitzen wir seit 28 Jahren in dem sieh als Originaklichtung ausgeben den Gedichtwerk „Der Denker“ (das den ..hypermodernen Lyriker" A. M. seligen Angedenkens zum Verfasser hat: zuerst erschie nen 1901 hei J.C.C. Bruns in Minden) — eine getreue Uebersetzung! — <Dor1 steht Ihr Fragment unter V. 3). Niemanci unter den Iranisten weiss es bis heute! — Obwohl eine solche Handlungsweise nicht anders als ein schamloses Plagiat genannt werden kann, verdanken wir ihm doch immer hin die Erhaltung eines grossen persischen Diwans. Nun wäre es aber Sach? der Linguisten, das Werk in das Persische des 14. Jahrhunderts zuriickzuübersetzen und dadurch ein wichtiges : Werk der Weltliteratur: den I „Ur-Denker“ wiederherzu- | stellen. (Einschub: Dies ist i sicher der Original Titel. '■ Ein deutscher Verso-Ma- \ eher kann einen solchen i literatur begreifen, so man bedenkt, dass der von ihm aulgeiuridene Diwan des „Unbekanten Persers" geeignet war, seine während eines langen Lebens mühevoll erworbene Anschauung vom historischen Entwicklungsgang der persischen Dichtung vollkommen zum Einsturz zu bringen. In einem solchen Anfall von G-rlehi ten-Schwermut wird er wohl den Diwan sam) seiner Uebersetzung — die Arbeit vieler Jahre — den Flammen ii’oergeben haben. 2).Das in Ihrer „Fes'gabe 1928“ so spät abgelegle partielle Geständnis weist | auf jahrelange grauenvolle Gewissensbisse in der Seck des deutschen Frevlers hin. O Dunkelheit menschlichen Herzens!! O Eitelkeit aller Wis senschait!" Der Sängerin Gertrud Full gegenüber hatte Mombert die Mystifikation schon am 18. Januar 1929 gelüftet. Ihr schrieb er: „Es galt, für das Buber- Buch irgendein interessantes unbekanntes Stück Weltzu kommentiei en. Das Original war „unbe. kannt". Für die Forschung j hatte Mombert eben die j Strophen „eines unbekannten persischen Dichters nach der wortgetreuen Prosaüberj Setzung des berühmten französischen Orientalisten Baron Sylvestere de Sacy... rhythmisch und „in einem lieh eine ganz vollständige (illuminierte) Handschrift besass: auch dass er selber eine französische Prosaübersetzung des ganzen "Werkes angefertigt hat. Ge. - wisse Umstände Hessen es ihm aber geboten erscheinen. aus dem umfangreichen Werk zunächst nur die monumentalen Titel nicht erfunden haben!) — Hic Rhodos, hic salta — Ihr Iranisten! — Dann ers) wird man sich endlich mit diesem Meisterwerk wissenschaftlich auseinan riersetzen, es nach allen Richtungen hin durchforschen und kommentieren können. Der deutsche Plagiator — ein durchaus nicht völlig talentloser, aber moralisch offenbar tief gesunkener Literat — möge dann. Ich habe mir nun erlaubt, das Gedicht aus dem „Denker“ als so ein unbekanntes Stüc-k vorzuführen und mit einem Kommentar zu versehen (was ist unbekannter als ein Gedicht von A. M.! (!) Die ganze Einleitung 1 und 11 isf völlig erfunden. Der berühmte Baron d? Sacv existiert natürlich. aber sonst gar nichts... Grosser Erfolg! Meinen hiesigen gelehrten Freunden (auch Buber) kam das nachdem er seinen, Dienst! -.übersetzte“ Gedicht ziemerträglichen Deutsch“ wiej eine kleine Probe zu publidergegeben". Ja. damit hat- | zieren. Offenbar isf nun te Mombert sogar, wie man durch eines Freundes oder noch in dem 1956 erschienei nen Werk „Expressionimus.! ‘ Gestalten einer literari- I sehen Bewegung“ lesen kann, obwohl er sonst „nicht einmal von einer „Grund“ Intention seiner Dichtung reden wollte, an einem fremden, aber so geistverw’andten Gedicht, dass er es sogar ohne weiteres als eigenes in sein eigenes Werk („Der Denker") übernahm, eine solche Deutung und Interpretation vollzogen, die nun wiederum auf sein eigenes Dichten ein erhellendes Licht wirft.“ Von Alfred Mombert, der am 6. Februar 1962 neunzig Jahre alt geworden wäre und der vor fast zwanzig Jahren, am 8. April 1942, ir Winterthur verstarb, ist nun kürzlich als 26. Veröffcntli chung der „Deutschen Aka demie für Sprache und Dichtung. Darmstadt“ ein seht wertvoller Band „Briefe 1893 — 1942“, ausgewählt und herausgegeben von B J. Morse (Verlag Lambert ■ Schneider. Heidelberg, 1961) erschienen. Der Darmstädter Akademie für Sprache | und Dichtung haben wir ■ auch als ihre 14. Veröffent-! lichung die Herausgabe des , grossen Spätwerkes von AI- 1 fred Mombert „Sfaira der! Alte“ i Verlag Lambert j Schneider, 1958) mit einem Nachwort von Richard Banz! zu danken. In diesem Band „Briefe" befindet sich ein.! wie der ganze Band sehr sorgfältig kommentiertes Antwortschreiben Alfred Momberts an Martin Buber, das sich auf ein-e Anfrage getan hat. in der tiefsten Vergessenheit verschwinden. Spässe mit dem Allerheiligsten: mit der Wissen Schaft! Es ist empörend! — Uni dies noch anzufügen: 1) Meister Sacy soll zeitweise an schwerer melanco lia nigra gelitten haben; lieh ..mombertiscli“ vor. sie ahnten aber nicht, dass sie es seit einem Vierteljahrhundert im ...Denker“ zu Hause stehen haben. Abs. 11 enthält natürlich auch eine Satire auf unsere kühnen Kunst- und Literatur Forscher!“ Prof. MARTIN BI BER BEI EINER ANSPRACHE Israelische Experten gesucht Jerusalem. — D?r Vizedirektor des Aussenministeriums Ehud Avriel, teilte mit dass Israel Anträge aut technische Hilfe aus mehr als 6(1 Ländern erhalten ha verlangt. Um diesen Antra gen stattgeben zu können, müssten weitere 500 lsrae lis als Sachverständige fiir derartige Aufgaben ins Ausland gehen. Heute sind bebe. Es werden Experten für i reits 1000 Israelis mi( sol- Erziehung. Sanitätswesen, i chen Aufgaben betraut wordes Orientalisten Hans Heinj Landwirtschaft, Verwaltung. 1 den. Beinahe alle afrikani rieh Schäders bezieht, der j Bewässerung und der Erj sehen Länder mit Ausnah sich bei Buber über die Her- I «ehHessmip rtp, v’iic** kunft der persischen Dich i . 1teSS“nE ,"S'€ s°- i von Somaha. Mauretalung erkundigt hatte. Der 1 *llr ^1C Entwicklung der nia und Südafrika sind in Brief Momberts ist vom 12. j Wirtschaft, das Transportdieses Programm Juni 1928 datiert und hat > wesen une für Kooperativen i schlossen. emge- Hitzewelie in Israel Tel A\,v. — Mitten im Winter wurde Israel von einer Hitzewelle erfasst, die zu dieser Jahreszeit absolut unüblich ist. Man befürchtet, dass die dadurch hervorgerufene Trockenheit sich ungünstig auf die Ern. te verschiedener Produkte auswirken wird. Auch die israelische Armee wurde insofern von der Hitzewelle getroffen, als die üblichen Wintermanöver bei Temperaturen von ungefähr 30 Grad stattianden.