Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 24 (1963)
- Issue
- 1995 (18.1.1963)
- Date
- 1963-01-18
- Page
- [Seite 6] (sequence 6)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/9616703-9613667-9613694--2578-9613700- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
van MEIR FÂERRER Tn Israel herrscht seit der ZerStorung des eigenen Staates eine ablehnende Haltung zum Uebertritt von Nichtjuden zum Juden! jm. Dass diese Abneigung nicht immer bestanden hat. i.nd ■weder dem Wesensinnali noch dem Charakter des Judentums entspricht, davon zeugen ebenso die Grundauffassung wie viele Stellen der Bibel und der jüdischen Liturgie. Als Beispiel sei hier nur auf das „Alejnu' -Gebet hinge wiesen, wo es bebst: „Durch das Reich des Allmächtigen wird die Welt vervollkommnet werden, und alle Kinder des Fieise'bes werden Deinen Namen-anrufen. Alle Frevier «er Erde weiden sich Dir zuwenden und alle Bewohner des Erdballs werden «s erkennen und eins-eben, «lass Dir allein alle Kme sich beugen und jede Zunge schweren müsse. Vor Dir, Ewiger, unser Gott, werden sie hinknien, niederfalien- <iie Majestät Deines Na mens verherrlichen und sich ins Joch Deines Reiches freudig aufnehmen lassen... Der Ewige wird als König der ganzen Erde anerkannt werden.. " Deutlich und eindeutig widerspricht dieses Gebet der Auflassung, dass die jüdische Relig,or, ihiem Charakter nach auf das jüdische Volk allein beschränkt sei. Selbst noch in der Esther- Rolle die wir zu Prrtim lesen, heisst es (VIII, 17): .. . und viele von der Be volkerung des Landes wurden zu Juden .. “ Ebenso wie die Uniied Israel World Union in New York »unter Vorsitz von David Horcwitz) und das von Rabbi Moshe M. Msggai in Los Angeles geleitete Jewish Information Service ior the Propagation of Juda.sm und das Jewish Information Centre, Chicago (Vor-itz Ben Maccabi), sc berasst sich in Israel auch die Agu dah lemaan Gerej Zeuch, Jerusalem (Vorsitzender Dr. Israel Ben-Seew) neben der Aufklärung über bas Judentum mH den Problemen des Uebertritts zum Judentum und mit Hilfeleistung für Proselyten. In Israel gibt es ausser der Zentrale in Jerusalem auch Zweigstellen der Aguda lemaan Gerej Zedek in Tel Aviv, Haifa, Tivon, Askalon, Rechowot und anderer ts. Die Ideologen dieser Organisationen und Verbände im Ausland wie in Israel sind der Auffassung, dass die Judenhert ihre moralische Depression nur überwinden könne, wenn das Judentum bewusst geprecigt wird wenn auch innen und aussen für das Judentum und seine Ewigkeitswerte geworben wird Würden nie Juden sehen, dass das Judentum für die wahiheitssuchenden Menschen anderer Völker anziehend ist, so würden auch sie selbst ein aktiveres Interesse an ihrer eigenen Religion gewinnen. Ein Beispiel dafür ist der Bericht des Konvertiten Prof. Abraham Kotsusi, der, als er Israel kürzlich wieder besuchte erzählt hat, dass eines der ersten Ergebnisse seiner Aufklärungsaklion über das Judentum in Japan in einer Intensivierung des Interesses der Juden Japans für das Judentum und des jüdischen <!emeindelebens in Japan bestand. Vom universalen Gesichtspunkt aus haben bisher alle Bekenntnisse versagt die Menschheit vor dem Untergang durch einen Atumkrieg zu retten. Die Bet tungsbemühung . durch das Judentum wurde noch nicht versucht. Kleingläubige Menschen werden diesem Argument. das ein Funktionär der Aguda lemaan Gerej Zedek mir gegenüber vorbrachte, keine Bedeu'ung zuschreiben oder gar dar über spotten, aber man darf nicht kleingläubig rein, wenn man versuchen will, universalen Begriffen zu folgen. Allerdings fehlt es an Persönlichkeiten, die sowohl das Judentum wie auch die anderen Religionen ken.ien und bereit und befähigt wären, Prediger des Wahr heitsbekenntnisses des Judentums in der Welt zu sein oder zu werden. So so Ite voriges Jahr in Japan ein grosser Pan-Schinfuistischer Kongress stattf.nd-sn, zu dem drei Vertreter des Judentums aus Israel eing-ela den wurden, da sich das japanische Volk auf dem Scheideweg befindet; aber die Aguda lemaan Gerej Zedek war nicht einmal :msfsnde. auch nur die 0.000 1L für einen Delegierten aufzubringen. ganz abgese hen von der Frage, ob sie den geeigneten Mann für diese historische Sendung gefunden hätte. ln Japan besteht eine japanisch-israelische Freimdsehaftsliga. jjeren Sekretär Scbigura Schlomc Miscbij-ama, nachdem er zum Judentum übergetreten war, im Jahre 1959 in Isiael einige Monate lang in einem Intensiv-Studio Hebräisch und Judaica gelernt Hat. Im japanischen Volk mit seine« 91 Millionen Seelen gibt es ein bemerkenswertes Interesse am Judentum. U-.-ber das japanisch-jüdische Problem Dessen sich umfangreiche Bücher schreiben. Obwohl es seit 1891 einen Erzbischof in Nagasaki gibt, zählen heute alle christlichen Religionsgemeinschaf len zusammen in Japan nur e1wa 600.000 Seelen. Das lässt den Schluss zu. dass die christliche Mission in Japan versagt hat. In weiten Kreisen der gebildeten Japaner wird — wie der Historiker Prof. Masavuki Koba.vasehi von der Waseda- Universität erklärt — die jüdisch? Religion als bestes Beispiel für einen logischen, überzeugenden und mera lisch vollkommenen G auben betrachtet. Aehnlieh ist die Lage in Afrika. Die Völker dieses riesigen Erdteils empfinden gegen das Christentum eine Aversion, weil .es die P.eligion der Kolonialmächte ist deren sie sich nun nach langem Ringen entledigen: und gegen den Islam, '.veil er die Religion der arabischen und ägyptischen Sklavenjäger und Sklavenhändler ist. ganz anbgesehen davon. dass das Judentum überzeugender wirkt und nicht den Glauben an der Logik widersprechende Dogmen vorschreibt. Viele afrikanische B-.Sucher, die in Israel Kurse über Kooperativ Wirtschaft, Landwirtschaft oder andere rein profane Materien rbscivieren, sind von der jüdischen Religion fjrszhvert und zeigen ungewöhnliches Interesse an der jüdischen Religionsausübung und nen jüdischen Glaubenssätzen. Das Oberhaupt der Kimbangisten-Sekte z. B , Sohn des Begründers dieser (christli chen) Sekte im Kongo. Dianjanda. der von seinem Gläubigen wie ein Prophet Das Leo Baeck - Institut sucht DOKUMENTE-URKUNDEN CHRONIKEN BILDER über die Geschichte des ehemaligen deutschen Judentums sammelt das LEO BAECK-INSTITUT PUBLIKATIONEN DES IFO BAECK INSTITUTES SCHRIFTEN REIHE W1SSEN SCH A ETLICHER ABHANDLUNGEN DES DEO BAECK INSTITUTES J. C. B. MOHR (PAUL SIEBECK) TUEBING-—. YEAR? 960 — VOM L.B.-INSTITUT KERÄ&iS&EßEEEJi: BY THE EAST ANB WEST LIBRARY, LBIBDBK 0 mit einer Fülle hervorragender Beitrage in (416 Seilen) -★- ERDE AUCH DU des Leo Baeck-1ns ti tu ts Anmeldungen bei Rerrc CURT WILK, Moreno 2256, und im Büro der JUEDISCHEN WOCHENSCHAU. Pueyrredon 2190. 1, izq. (83/2613) LITERATUR » Der Baron und der I Ein soeben in London erschienenes Buch kann zur JSrgänzung unserer Kenntnisse über die Rothschilds dienen, das die Briefe eines — freilich anscheinend nicht massgeblichen — Mitgliedes der Familie aus Amerika in den kritischen Jahren 1859/61 enthält: ,.A Casual View of America. The Home Leiters of Salomon de Rothschild, 1859—1861.“ Edited by ^Sigmund Diamond (The Cresset Press, London 1962). Diese Publikation stxitzt sich auf eine in der Bibliotbeque Nationale in Paris deponierte Abschrift der Originalbriefe, in der anscheinend allzu intime Stellen — im persönlichen wie im geschäftlichen Sinn — ausgelassen wurden. Salomon (1835—1864), der nur 29 Jahre alt wurde, war das vierte Kind des Barons James. des ersten Oberhauptes des Pariser Hauses, und ein Enkel des Frankfurter Begründers Meyer Amsehel. Er war zehn Jahre älter als seine jüngerer Bruder Ed mond James (1845—1934), der später als der grosse Förderer der Palaästina-Kolonisation in die Geschichte einging. Bei Salomon scheinen keine derartigen Neigungen vorhanden gewesen zu sein. Er wird als ein Le bemann und Spieler dargestellt. und bei seinem Tode schrieben die Brüder Goncourt. er sei infolge Aufregung bei Börsenspekulationen gestorben. Ob er nach Amerika, als Wahrer vor, Bothschilöschen Interessen oder aber als so eine Art Exil geschickt worden war, geht aus den Quellen nicht klar hervor. Im Zusammenhang mit den Ausführungen von Eugen Mayer erscheint es aber bemerkenswert, dass Salomon de Rothschild sich in seinen Briefen mit allem Nachdruck auf die Seite der Confederation. d. h. also der sklavenhaltenden Südstaaten stellt. Er kam in Amerika zu der Ueberzeugung. tmhi ROBERT WELTiCH (Lonö Antwort auf - Angriffe i» Zeitungen, <w die Rothschild ganzen Bürge sacht, um oa verdienen. SC sind langlebig ren Tagen noc wegen seiner für den Fascht ge verurteilte sehen wieder amerikanische Ezra Pound ten Staaten w dk Rothschil Im Jahr 1959 tikel von Fs gedruckt, de Anwürfe enti lieh haben al Bankhauses ii auf Salomon1 at{ ihren Y< Bdmont. der eikennung i lim in jeder Die Briefe tes viel inte auch amüsan sie zeigen uns hundert Jahn und welche 1 teuer selbst i erlebte, ganz manchem Kl wiedergibt. D tischen Schi] sehr aufschl das Wesen krieges und der amerikar sehaft. Wir manchen Pr noch heute oder Anspiel graphische B bis heute & Bussen. So Salomon an „Cie Yankee dische Augei Insel Cuba zi glücklich sei konischer f wäre ein I Menschheit, < niern zu befr fa« 40 Jahi dor Rooseve dass eine Sklavenbefreiung eine gewaltige soziale Revolution zur Folge hätte, die auch die Interessen des französischen Kaiserreiches und damit die Rothschildschen Interessen schwer ge fährden würde. Darum schreibt er an seine Angehörigen, sie sollten ihren ganzen Einfluss aufbieten, um Napoleon III. zu veranlassen, die Confederation anzuerkennen. Zweifellos wäre es für Frankreich ein Vorteil, wenn ein Puf ferstaat zwischen der Nordamerikanischen Union und dem Caribischen Raum geschaffen würde, in dem Napoleon weitreichend« Pläne hatte. Bekanntlich begann 1861 die französische Intervention in Mexiko, die den armen Kaiser Maximilian das Leben kostete. Sajomon de Rothschild glaubte sogar, dass die abtrünnigen Süd Staaten einen französischen Prinzen als König über sich setzen würden. Der Herausgeber Professor Diamond bezweifelt, dass Salomons Drängen bei seiner Familie in Europa Erfolg hatte. Wie Eugen Mayer feststellte, wurden die Bonds der Südstaaten nicht von den Rothschilds, sondern vom Bankhaus Erlanger gehandelt. Der von Eugen Mayer erwähnte Konsul Murphy hat, nach Dia monds Darstellung, an Harper s Weekly, die Rothschilds beschuldigt hatten, geschrieben, der getaufte Jude Erlanger habe die Anleihe der Rebellen durchge führt, „aber Baron Rothschild informierte mich, dass ganz Deutschland diesen Akt, einer Regierung von Sklavenhaltern Geld zu borgen, verurteilt, und dass die öffentliche Meinung so sehr dagegen war, dass Erlanger nicht wagte, die Bonds an der Frankfurter Börse anzubieten.“ Murphys Brief war die verehrt wird, trug in Israel ein Käppchen und bat das Oberrabbinat in Jerusalem während seiner Wallfahrt nach Zion, einen jüdischorthodoxen Lehrer in den Kongo zu schicken, da er und seine Anhänger die Lehre Moses lernen w'ollten. Das Problem der Falasehas in Abessinien, die sich als Juden betrachten und deren Zahl zwischen 30.000 und 60.000 geschätzt wird, ist wohl allgemein bekannt und braucht hier nicht in seinen Einzelheiten cargestellt zu w'erden. Die Falasclias könnten einen Ausgangspunkt für die Aufroliung der Judentumsfrage in Afrika bilden, einem Kontinent, wo sieh zweihundert Millionen Menschen ähnlich wie die Japaner auf dem Scheideweg befinden. Aus Kenya und Katanga gelang ten bereits Hilferufe an dis Aguda lemaan Gerej Zedek. sie solle behilflich sein jüdische Religionslehrer für die Stämme zu mobilisieren. die des Heidentums überdrüssig sind und sich um die Erkenntnis des Judentums bemühen. Da die .Aguda“ abef zu schwach ist, grosse Probleme zu meistern, beschränkt sie sich auf das bescheidenere Tätigkeitsgebiet, den Menschen, die nach Israel kommen und zum Judentum übertreten wollen, dabei zu helfen, „die unglaubliche bürokratische Aenystlichkeit der verschiedenen Behörden zu überwinden, mit denen sie hier in Berührung kommen“, wie ein Funktionär der „Aguda lemaan Gtuej Zedek“ dies mir gegenüber formulierte. So wollte z. B. ein blinder Druse Jude werden. Nachdem alle Schwierigkeiten beseitigt waren und man ihn von Askalon nach Petach Tikwa und von dort zum Rabbinat nach Haifa geschickt hatte, verlangte das dortige Bet Din-für die Benützung des rituellen Taufbades von ihm eine Gebühr von 75 IL und liess sich diese schliesslich auf 25 IL abhandeln. Eigentlich müsste das Rabbinat einem Konvertiten nicht nur keine Gebühr berechnen, 'Sondern ihm ein Gebetbuch. Tallit und Tlillin zum Geschenk machen. Marranen, die aus Spanien herkommen. um hier Juden zu werden, schickt man nach Barcelona zurück, damit sie das dort tun sollen. Ueborhaupt fragt das Rabbinat generell stets, wenn ein Bekehrungskandidat aus dem Ausland herkommt, das Rabbinat seiner Tjorkunftsgemeinde an ob es nichts dagegen hat, den Kandidaten ins Judentum aufzunehmen. Diese Prozedur besteht, seit einmal eine Christin aus England hier zum Judentum überirat und dann nach England zurückkehrte, um dort einen Juden zu heiraten. Das wurde vom englischen Raobir,af als ungehörig empfanden, und das hiesige Rabbi nat bekam einen Beschwerd-ebri-f aus England: Ucrt herrschte die Einstellung, keine Christin ins Judentum aufzunehmen, die einen Juden heiraten will, weil €S genug iüi gebe. Einen na! des jerusai der zum JUi ten wollte fe'ne Aufna Isng warten d'e Besehn damit der j von erfahre um 'hm die sparen,