Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 24 (1963)
- Issue
- 1995 (18.1.1963)
- Date
- 1963-01-18
- Page
- [Seite 3] (sequence 3)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
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Vift-nrs, î» dp F,ñero de 1963 SEMANA ISRAELITA Año XXIV. — No. 1995 — :t Aus einem Maerchenbuch Martin Fellenz war Rats- Herr in Schleswig. Die Freien Demokraten hatten ihn aufgestellt und seine Wahl durchgesetzt. Martin Fellenz war ein angesehener Ratsherr. Aber. das wusste ,man‘ natürlich nicht, er ist schon manches andere auch gewesen. Er war z. B. ein SS Brigadeführer. dem man heute vorwirft, die persönliche Verantwortung an mindestens 39.300 Mordtaten zu tragen. Ein Schwurgericht bemüht sich darum, die Schuld des Angeklagten für die Massenmorde nachzuweisen. die er im Jahre 1942 im Distrikt Krakau an fünf verschiedenen Orten begangen haben soll. Wie ein Gerichtsreporter schrieb, hätten sich die dicken Deckenbalken des Gerichlssaales biegen müssen, so viel sei offensichtlich in den ersten Prozesstagen zusammengelogen worden. In erster Linie konnten sich die meisten der deut sehen Zeugen, die im sogenannten Generalgouvernement in SS- und Poiizeipo- JE WAERMER DIE TAGE, DESTO LEICH¬ TER DIE KLEIDUNG Carlton bietet Ihnen die ganze Linie federleichter Kleidung in bester Konfektion st abiloform verarbeitet. Und wenn Sie Masskleidung wünschen, erst recht zu uns! Für ,,Ihn“, und die Herren Sohne praktische Geschenke zu den Feiertagen. Hemden, Strümpfe. Kravat ten. Taschentücher, Schlafanzüge, Morgenröcke etc. PRAKTISCH DENKEN, VON CARLTON SCHENKEN! von JAKOS KAT2-R0GASEN Ernst Koppel Herrenbekleidung MaJpú 484 I. TE. 31-7845 Herrenausstattung Maipú 982 TE. 31 0357 sitionen. in der Verwaltung oder bei der Generaldirektion der Deutschen Ostbahn (GEDOB) tätig gewesen waren. heute an keine der an den polnischen und ukraini sehen Juden verübten Greueltaten erinnern, weder an Massenerschiessungen noch an die sogenannten Aussiedlungen in die Vernichtungslager Maidar.ek, Belzec oder Treblinka. Staatsan walt Plath spricht von einem partiellen Gedächtnisschwund und der Schwurgerichtsvorsitzende bekennt resigniert: ,,Ich vermeine nicht aus Gerichtsak'.en, sondern aus einem Märchenbuch vorzulesen Nach den Darlegungen der meisten Zeugen hat das Gericht offenbar völlig falsche Vor Stellungen von dem. was sich seinerzeit in Polen abgespielt hat.“ Noch bei den Voruntersuchungen 1960 und 1961 hat ten die deutschen Zeugen recht präzise Aussagen über die Verhältniss-3 in Polen unter der Herrschaft der SS gemacht. Doch in der Gerichtsverhandlung führten diese Vorhalte zumeist zu keiner ,,Stärkung des Gewissens“. Der Verwaltungshauptsekretär Wilhelm Pik ker aus Bremen zum Beispiel, der demselben SS und Polizeistab wie Feilen? angehörte und sich in der Voruntersuchung über die Vorgänge in Krakau sehr genau geäussert hatte, wusste jetzt davon — angeblich — so gut wie nichts mehr. Martin Zabel, heute Bun desbahn - Vizepräsident in Kassel und von 1939—1943 leitender Beamter der Deutschen Ostbahn, antwortete auf die Frage, ob ihm Judentransporte bekannt ge wesen seien: ,,Gehört habe ich schon davon, nicht je- Layer-Urteil rech tskra affig Bonn. — Das Urteil des Schwurgerichts Hannover im KZ-Prozess Layer ist rechtskräftig geworden. Der Bundesgerichtshof hat die Revision des Angeklagten als ,.offensichtlich unbegründet“ verworfen. Der 57 Jahre alte ehemalige KZ Aufseher Albert Layer aus Hannover war im Mai dieses Jahres vom Schwurgericht wegen vollendeten Totschlages zu sieben Jahren Zuchthaus und drei Jahren Ehrverlust verurteilt worden. doch, dass eine Umsiedlung die Vernichtung bedeutete.“ Dagegen hat der Ge neraldirektor der Ostbahn, Albrecht Zahn, heute Bundesbahnob?rrat in Stuttgart, gewusst, dass sich in Treblinka und Belzec Vernichtungslager befanden. Er ha be sich auch Gedanken gemacht, als die Transportzüge leer zuriiekgekommen seien. Doch aus Furcht, in ein Konzentrationslager eingeliefert zu werden, habe er sich gegen die Anordnung i des Staatssekretärs im Reichsverk?hrs Ministerium und Kommissars für die ■ Festigung des deutschen Volkstums, Ganzenmiilier, [ Sonderzüge für die „Aus- , Siedlung“ der Juden freizu-! stellen, „nicht aufgelehnt“.,; In den Gerichtsakten ist eischer in München, der in Polen der Spionageabwehr angehört hat. wurde mit aller Deutlichkeit erklärt, dass der SS- und Polizeiftihrer für die „Aussiedlung“ der Juden verantwortlich gewesen sei. Regierungsoberinspektor Fritz Lideka, Bochum, früher bei der Sicherheitspolizei in Krakau, war einer der wenigen drutschen Zeugen, dem es nach seiner Aussage von Anfang an klar geworden ist. dass die „Aussiedlung“ der Juden die „gezielte Vernichtung“ bedeutet hat. Er und seine Kameraden hätten sich jedoch „bewusst sicht darum gekümmert“; doch keiner habe „diese Sache für in Ordnung angesehen“. Welcher Scheusslichkeiten sich die SS und Polizeieinheiten Himmlers im einzelnen in Südpolen schuldig ge¬ LA SEMANA ISRAELITA BÍSEMANARIO independiente 8*. Aires — PUEYRREDOS 2198. 1* >*q. - IE. 93-261- IS. Januar 1963 22. Jewel 5723 Ableitung von Flusswassern . London. — Die Times gibt bekannt, sie habe aus Beirut Nachrichten erhalten, dass die syrischen Streitkräfte mit der Umleitung der Wasser der Flusses Haspani beschäftigt seien. Sie wollen verhindern, dass dieser Fluss, der bisher ein Nebenfluss des Jordan war, sein Wasser in den Jordan ergiesst. Auf diese Weise wollen sie die israelischen Pläne über die Bewässerung der Wüste vereiteln. Mitglieder des syrischen GeneraLstabs teilten dem Korrespondenten der Times mit, dass die Umbettung des Flusses noch in diesem Jahre beendet werden würde. Dann würde man das gleiche mit anderen Nebenflüssen des Jordan tun. Die Wasser des Haspani sollen für ein syrisches Elektrizitätswerk benutzt werden. i ne Vereinbarung zwischen | dem Befehlshaber der Si 1 cherheitspolizei in Polen und I der Reichsbahn niederge- I legt., wonach die „Judentransporte im Sondereinsatz“ im Bedarfsfall Vor rang vor den notwendigen Truppentransporten haben sollten. Von der „Bevöike- I rungsbewegung nach Treblinka“ mit Hilfe der! Reichsbahn seien wöchent- | lieh fünftausend Menschen „erfasst“ worden. Ein Hauptargument der Verteidigung, die Dienststel le des SS- und Poiizeifiihrers in Krakau, der Fellenz als Adjutant angehört habe, sei „zur Lösung der Judenfrage nicht befugt“ gewesen, scheint weitgehend entkräftet zu sein. Von mehreren Zeugen, so etwa von dem Kriminalrat Eduard Fi- Teppichhaus - M. Hochberg UNERREICHTE AUSWAHL AN HANDGEKt'UPFTEN TEPPICHEN IN ERSTKLASSIGEN QUALITÄTEN FUER JEDES GEMUETLICHE HEIM. 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Frau Dr. Helene Oster I well, Psychologin in Rischon I Lezion (Israel), hatte bis i zum September 1943 in Tar- | now gelebt. Dann gelang es ihr, mit falschen polnischen | Papieren in Ungarn ..unter- ‘ zutauchen“. Von ihrem Bodenfenster in Tarnow aus habe sie gesehen, so sagte sie aus. wie SS-Truppen mit dem Gewehrkolben auf die jüdischen Männer, Frauen und Kinder eingeschlagen und auf den Ringplanz ge trieben hätten, wo sie zusammengeschossen worden seien. Später habe man die Leichen, auf Pferdewagen gepackt, abgefahren. Von den für die „Aussiedlung“ bestimmten Kindern seien viele in den überfülLen Güterwaggons erstickt. Der Name „Fellenz“ sei unter den Juden stadtbekannt gewesen. Aszer Osterweil, ein Schwager der Zeugin und Schneidermeister in Tel Aviv, schilderte, wie die Juden von Tarnow bei den Ausleseappellen auf dem Ringplatz hätten nie'derknien müssen; wer dabei den Kopf erhoben habe, sei erschossen worden. Der SS Befehlshaber sei ein Sturmbannführer mit einer Reitpeitsche gewesen, an deren Ende eine Metallkuppsl angebracht gewesen sei. Wer auf seiner Meldekarte den Stern pel „arbeitsfähig“ gehabt habe, sei von dem Sturmbannführer fortgeschickt worden. Di« übrigen habe man niemals wieder gesei hen. Ob Fellenz dieser Sturmbannführer gewesen ist, konnte Osterwell nicht mit Bestimmtheit sagen-. Allgemein sei jedoch bekannt gewesen, wie dieser Zeuge versicherte, dass Fellenz der Leiter der Umsied lungslies Verniehtungsaktion gewesen sei. Dieser frühere SS-Brigadefiihrer und spätere schteswigische Ratsherr besitzt nicht den Anstand, wie konnte man auch Anstand von solchen Leuten erwarten, aber noch nicht einmal die Zivilcourage hat er. zu seinen Verbrechen zu stehen. Ein elender Feigling — wie alle die=e Nazi-,Heiden“ — beschränkt er sich aufs Leugnen. Seine Kumpanen, heutige Ra^sherren, Bundesbahn - Vizepräsidenten und andere hcchstbezahlte Honoratioren. sie alle wissen von nichts. IPehaben wir es nicht mit einem pari’eiten GedächMissschwund zu tun, wie der Staatsanwalt meinte, sondern mit abgrundtiefer Verworfenheit. Und d?r Gericiitsvcrsifzende irrt, wenn er glaubte, nicht aus den Gerichtsakten, sondern aus einem Märchenbuch v»rzules?n. Es ist kom M;:rchenhuch. Es ist die Chronik der deutschen Schande. Gegen jüdische Kollaborateure Tel Aviv. — Ia Tel Aviv wurde ein Prozess g:geu Zwi Ben Zeev (früher Hermann) unter dem Gesetz zur Bestrafung von N tzis und Kolabcrateuren angestrengt. Er war von ein-“r Frau erkannt werden, die berichtet, dass er -Tilden den Nazis überantwortet und auch ihre Schwester ins Todesiager geschickt hat. Der Angeklagte sei als „der Grausame““ bekannt gewesen, als er im Ghetto von Dombrowa-Gornitra als Polizist tätig war. ¡ESTUDIO JURIDICO INTERNACIONAL I ► ♦♦ ♦♦♦ + « »I Br. Hardi Swarsensky ASUNTOS EUROPEOS EXCLUSIVAMENTE ★ RÜCKERSTATTUNG jetzt auch für Juden aus Polen, ANMELDUNGSMOEGLICHKEITEN für alle, die nach dem L 10. 1953 aus Laendern hinter dem eisernen Vorhang auswandern konnten. ★ SPRECHSTUNDEN: Dienstag, Mittwoch und Freitag von 15 bis 18 USar ■st?s st o» u •V» sr. >* « 'St tt ♦> 2t »-> H ti st Dr. Günter Frey I VERREIST VOM I. BIS 20. JANUAR f i -★- g » *♦ PUEYRRE00N 2190 esq Av. LAS HEftAS — T. E. 83-2613 1 »>