Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 24 (1963)
- Issue
- 1994 (11.1.1963)
- Date
- 1963-01-11
- Page
- [Seite 5] (sequence 5)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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Viernes. 11 Tfrr m SEMANA ISRAELITA Año XXIV. — No. 1994 leich zwei neue Faelle Erklaerung eines USA-Senators von JAKOB KATZ-ROGASEN Die Aufsehen erregenden Affären, in deren Mittelpunkt frühere Nazis stehen, die heute in der Bundesrepublik holie Bosten bekleiden, sind gleich durch zwei neue Fälle .bereichert' worden. Die Presse berichtet hierüber mit Einzelheiten. Der Bamberger Generalstaatsanwaltschaft liegt jetzt detailliertes Belastungsmaterial gegen den vom Dienst suspen-' dierten Leiter der Würzburger Staatsanwaltschaft vor. Die aus sowjetischen Quellen stammenden Dokumente scheinen zu besagen, dass Oberstaatsanwalt Dr. Karl Kolb ein Helfer der Gestapo in Kalisch in Polen war. als er dort 1941 als Erster Staatsanwalt am Sondergericht arbeitete. In zahlreichen Fällen setzte sich Kolb für eine ,,staatspolizeiliche Behandlung“ derjenigen Personen ein, gegen die er wegen Mangels an Beweisen das Verfahren hatte einstellen müssen. ,.Staatspolizeiliche Behandlung“ bedeutete damals Einweisung ins Konzen trationslager, Vergasung und den fast sicheren Tod. Der Generalstaatsanwalt von Bamberg hat Fotokopien von Originaldokumenten zu den Fällen der polnischen Patriotin Maria Mrozek, des Pfarrers Kasimir Swiezewski, des Pfarrers Michael Gorejecki, des Organisten Bruno Wrublewski und der Polin Josepha Slezinska sowie anderer Personen aus dem Gebiet von Dobschiitz (Polen) in Händen die alle von Kolb zur ..staatspolizeilichen Behandlung“ der Gestapo ausgeliefert wurden. obwohl er vorher gegen sie das Ver. fahren eingestellt hatte. Wie man sieht, handelte es sich um Polen und nicht um Juden, die das Opfer dieses ehemaligen Nazi-Staatsanwaltes gewesen sind. Für diesen Fall sollten sich die kirchlichen Kreise ein wenig interessieren, die heute noch nazistische Elemente dulden. Man wollte in Wiirzburg diese Angelegenheit, die reichlich peinlich ist. vertuschen. Wie man erfährt, hat eilte Margot Herberich, die sich ip San Francisco aufhält, die erste Anzeige gegen den Oberstaatsanwalt Dr. Kolb erstattet. Sie ist die Schwester des Würzburger Arztes Dr. Herterich; sie teilte mit. ihr Bruder hätte ihr das belastende Material eingeschickt; sie sollte es von San Francisco aus bekannt geben, weil ihr Bruder — wie es heisst — in Würzburg aufgefordert worden sei, das Belastungsmaterial nicht zu veröffentlichen. Diese Mitteilung ist reichlich peinlich. Denn sollte' diese Meldung zutrelfen — bisher wurde sie nicht dementiert —, dann wäre in diesem LTnterdrückungs- oder Verschleierungsversueh nur ein weiteres Delikt zu erblicken. Wer hat e>n teresse daran, ehemalige Nazis zu schützen? Eine Antwort auf diese einfache Frage dürfte eine breite Osffentlichkeit interessieren. Die Würzburger Staatsanwaltschaft ist aber selbst mit dem zweiten Fall eines ehemaligen Nazis, der sich heute in einer besonders hohen Stellung befindet, beschäftigt. Sie hat sich jetzt endlich ent. schlossen, gegen den vorn Dienst suspendierten Präsidenten des Würzburger Ver w'altungsgerichtes, des Universitätsprofessors Dr. Rudolf Schiedermayer, Ermittlungen aufzunehmen. Von der Behörde sind bei dem Generalstaatsanwalt der Sowjetzone, Josef Streit in Ost-Berlin, Originaldokumente über Schiedermaj'er angefordert worden. Einige Wochen vor her hatte zw'ar der bayerische Innenminister Goppel ein Dokumentenangebot des sow'jetzonalen Generalstaatsanwalts aus driicklich mit dem Hinweis zurückgewiesen. dass er so lange keine Amtshilfe in Anspruch nehmen werde, solange das Unrecht in der Sowjetzone regiere. Zur Erläuterung des jetzigen Ersu chens um Akteneinsich! wurde von der Würzburger Staatsanwaltschaft erklärt, dass sich neue Gesichtspunkte im Falle Schiedermayer ergeben hätten. Es sei der Verdacht aufgetaucht, dass Schiedermayer mit dem „Eichmann-Komplex“ zu tun habe. Die Bitte um Dokumenten-Uebersendung an den sowjetzonalen General Staatsanwalt beschränke sich ausschliesslich auf diesen neuen Gesichtspunkt. Die Würzburger Staatsanwaltschaft verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass der Würzburger Arzt Dr. Herterich bereits in Ost-Berlin beim sowjetzonalen Generalstaatsanwalt war und nach seiner Rückkehr nach Wiirzburg behauptet habe, er habe Dokumente gesehen, aus denen sich ergebe, dass Schiedermayer an der Eiehmannschen „Endlösung der Ju denfrage“ in der Tschechoslowakei beteiligt gewesen sei. So soll sich ein Aktenvermerk der Gestapo von Prag vom 16. Juni 1939 bei den Akten in Ost-Berlin befinden, aus dem ersichtlich ist. dass Schiedermayer sich damals gegen eine Auswanderung der Juden aus dem Pro tekforat ausgesprochen habe. Bisher lief gegen Schiedermayer lediglich ein Dienststrafverfahren. Dort ging es nur um die Feststellung, ob Schiedermayer einer. Anstellungsbetrug begangen hat. als er in den Dienst des bayerischen Staates trat, und welche Rolle er als SS-Offizier bei einem Sondergerieht in Norwegen gespielt hatte. Aus diesen kurzen Angaben kann man bereits entnehmen, auf welches Sündenregister dieser Herr Präsident eines Verwaltungsgerichts und Universitätsprofessor zurückblickt. Umso erstaunlicher und rätselhafter ist es. dass er auf diese Posten berufen werden konnte. — Es gab nur wenig Gerechte New York. — Im ganzen Lande wurde durch die NBC ein dramatisches Spiel im Bildfunk übertragen, das zeigte, wie „zu wenige Christen“, mancherorts „bedauerlich wenige“ zur Zeit oer Naziverfolgungen in Europa den Juden halfen. Chet Huntley, der erst kürzlich für die Huntley-Brinkiey- Programme einen Journalistenpreis empfing, fungierte als Sprecher »ei der Sendung. die unter dem Titel „Die Gerechten“ lief. Er führte aus: „Die Zahl der Gerechten war gering. Sie waren in Europa ungleich verteilt. Es gab ihrer fast keine in Deutschland, Oesterreich, Polen, in der Ukraine, den Baltischen Staaten und Osteuropa. Doch in Frankreich. Belgien, Holland, Dänemark, Italien und Norwegen fanden die Juden Sympathie und — in einigen Fällen — Hilfe. Heute sind weder Zahlen noch Nationalität aus schlaggebend. Für uns ist +*»«**+**+*«**+*»»S*»**»««**S«**«**«««*«**««+*«***«*«»«*««*+»*44.._ ♦ ************ ♦♦♦♦♦♦♦*♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦*♦*♦♦♦ <«**«« HOTEL LAGO AUF WUNSCH DIAET RÍO CEBALLOS Casilla Correo 34 \\ SIERRAS DE CORDOBA »Pension Familiar M. FLAMM ¡ unter Aufsicht s. Ehrw., Rabb. Dr, J. Oppenheim?r CHASCOMUS — T. E. 2910 — Cordoba 36 | ALLE ZIMMER MIT PRIVATBAD < Telef. Auskünfte In B«. Aires; 76-2312 u. 70.5805 ftwvwvwwmvwwwwvtwwwwwwv es wichtig, diejenigen zu finden,, die geholfen hauen, nicht ihretwegen sondern unseretwegen. Von ihnen können wir Aufschluss über die Beweggründe der Gerechten erhalten, denn daraus können wir lernen, Gerechte zu sein.“ Huntley und seine Mitarbeiter befragten vor dem Bildschirm verschiedene Christen, die sich an dem Hilfswerk für die Juden, oft unter Gefahr für ihr eige nes Leben, beteiligten. Darunter waren ein franzbsii scher Kapuziner-Mönch, R. 1 P. Benoit, die belgische che- | malige Lehrerin Frau Jean , Demone Scaglione, die heu j tc in Kalifornien lebt, e.ne jetzt in Paris wohnende frühere Bibliothekarin aus Wilna, Anna Simiate, einer der wenigen Deutschen, die i:en Juden beistanden. Hermann Grabe, welcher in San Francisco ansässig ist, der Holländer Leo Hordyk, auch in Kalifornien wohnhaft, und die Witwe eines Italieners, Eduardo Focherini, der in einem nazistischen Strada ger umkam. nachdem er verhaftet worden war. weil er Juden geholfen hatte „Die von den Nazis begangenen Verbrechen“, so führte Huntley aus, „haben unseren Glauben an das Gute im Menschen untergraben, und doch ist dieser Glauben wesentlich für ein demokratisches Gemeinwesen. Die Taten dieser Ge rechten bilden die Substanz dieses Glaubens.“ UTA) Jerusalem. — Der republikanische USA-Senator für New York, Jakob Javits, er klärte hier, es ssi unbedingt notwendig, dass die Vereinigten Staaten ihre Israel gegenüber befolgte Politik in der Frage künftiger Waffenhilfe revidieren. Dies müsse deshalb geschehen, weil sich der Rüstungswettlauf im Mittelosten zu Ungunsten Israels gestaltet. Javits sprach auf einer Veranstaltung des Presse verbandes von Jerusalem. Er wies darauf hin, dass das kiirzliche Abkommen über den Verkauf von Luftabwehrgeschossen nordamerikanischer Fabrikation an Israel nur einen Beginn darstelle und „ähnliche Abmachungen“ im Jahre 1963 fol gen dürften. Bei diesem eim zigen Erscheinen des Senators in der Oeffentlichkeit während seines Besuches in Israel äusserte er ferner, dass die Sicherheit Israels von „grösster Bedeutung“ für die freie Welt sei und die Unterstützung des jüdischen Staates seit je und heute noch den Eckstein der Aussenpolitik der USA bilde. Senator Javits, der mit seiner Familie nach Israel kam. um die Barmitzwa seines Sohnes zu feiern, hat te eine dreistündige Unterhaltung mit David Ben Gurion in Sde Boker. Die Journalisten ermahnte Javits auch, die Verantwortlichkeit der USA als Weltmacht nicht zu verkennen und die Hebung des Lebensstandards der Araber nicht zu kritisieren, der auch für Israel von Interesse sei. Hier verteidigte er das politische Prinzip der USA, beide Seiten zu fördern, und erklärte, er unterstütze den Entschluss des Präsidenten Kennedy, die neue Regierung Jemens anzuerkennen, der sich auf breitere Ueberlegungen basiere. Auf die Frage eines Journalisten. ob er es für mög lieh halte, zu einer Verständigung mit der Sowjetunion über den Rüstungswettlauf im Mittelosten zu gelangen, entgegnet« Javits, Nordamerika würde eine solche Regelung natürlich begriissen, doch er halte es für zweifelhaft, ob sie zustande kommen könne. Vielleicht, so setzte er hinzu, wäre eine solche Lösung nicht ausgeschlossen, wenn der Westen sich zu Konzessionen verstehen würde, wobei er die Entwicklung der Kuba- Krise zum Vergleich h.-rauzog. IN DER JERUSALEMER ALTSTADT London. — Der tra ns jordanische Aussenminister dürfie in Washington gegen das Vorgehen der nordame rikanischen diplomatischen Vertretung in Israel energischen Protest erheben, weil der republikanische USA- Senator Jakob Javits den arabischen Teil Jerusalems besuchte. Transjordanien ist darüber ungehalten, dass Javits, der von den Arabern als .zionistischer Senator“ und als kein „authentischer Nordamerikaner“ bezeich net wird, während seines Aufenthaltes in Israel die Altstadt von Jerusalem besichtigte. Die arabische Presse forderte das Parlament in Amman auf, eine Erklärung abzugeben, warum man Javits die Erlaubnis erteilt habe, die Grenze am Mandelbaum - Tor zu überschreiten. Javits blieb am Freitag ungefähr sechs Stunden in Transjordanien und kehrte am frühen Nachmittag nach Israel zurück, um dort den Schabbat zu halten. (ITA) Auslieferung verlangt Bonn. — Die Regierung der Bundesrepublik Deutschland hat einen offiziellen Auslieferungsantrag an Chile gestellt mit.der Forderung, den früheren SS-Fiihrer Rauff auszliefern, der vor einigen Wochen von den chilenischen Behörden in Punta Arenas verhaftet worden ist. Allerdings besteht kein Auslieferungsvertrag zwischen den beiden lindern. MARAVILLOSAS EXCURSIONES A ISRAEL ANTICIPO Y-10 CUOTAS OE PESA) HAATZMAUT v.Ajps BITTERMANN CORRIENTES 2063 - T. E. 45-4957/7607/ 49-0433 / 1229 / 349? BUENOS AIRES INDUSTRIAS YUVENA S. A Fábrica de calzado y zapatillas ÖESCAWSsn » f, AN DON AEG UI 1270 T. E.: 51 Buenos Aires 4810 FONDS ZUR HILFELEISTUNG AN POLITISCH VERFOLGTE, DIE IHREN WOHNSITZ UND STAENDIGEN AUFENTHALT IM AUSLAND HABEN (HILFSFONDS). WIEN II, TAB0RSTR. 4/6 VERFOLGTE (5. 3. 1933 — 8. 5. 1945) welche am 13. März 1938 österreichische Staatsbürger waren oder vor diesem Tage 10 Jahre ununterbrochen im Gebiet der Republik Oesterreich ihren Wohnsitz und ständigen Aufenthalt hatten oder am 13. März 1938 deutsche Staatsbürger waren und aus Oesterreich auswandertan, können ZUWENDUNGEN FÜR BERUFSSCHAEDEN ODER SCHAEDEN DURCH UNTERBRECHUNG DER BERUFSAUSBILDUNG ODER DER VORBERUFLI¬ CHEN AUSBILDUNG erhalten, wenn sie die übrigen gesetzlichen und statutarischen Bedingungen erfüllen und ihre Anmeldung bis* längstens zum 31. OKTOBER 1963 beim Hilfsfonds in Wien II, Taborstrasse 4—6 eintreffend überreichen. Antragsformulare, die auch die massgeblichen Vorschriften der Statuten enthalten, sind in Buenos Aires oder der zuständigen österreichischen Auslandsvertretung erhältlich.