Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 24 (1963)
- Issue
- 1994 (11.1.1963)
- Date
- 1963-01-11
- Page
- [Seite 2] (sequence 2)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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Viernes IT de Enero de 1903 JÜDISCHE WOCHENSCHAU Año XXIV. — No. 1994 ] Sie haben [ (Schluss von Seite 1) man kein völlig klares Bild gewinnen. Immerhin dürften besonders die rechtsgerichteten. aber die Republik noch bejahenden Kreise vor lässliche Quellen darstellen und brauchbare Anhaltspunkte liefern. Unter diesen Politikern gibf der frühere Reichsminister G. R. Treviranus, der Brüning nahestand, eine lebendige Schilderung des Verrates, der an Brüning — nicht von links, sondern von rechts — begangen worden ist. Treviranus bezeichnet die ostpreussischen Junker und Hinden bürg für die Verantwortlichen. Man erinnert sieh, dass die Osthilfe damals eine grosse Rolle spielte, also die Unterstützung derjenigen durch die Republik, aus deren Reihen die meisten und die grössten Gegner des .Regimes* kamen. Eine Episode beleuchtet die Situation. Am 5. Mai 1932 gab die Leitung des Stahlhelmbundes die Parole aus: ,.Los von der Tagespo litik, von jeder Partei, auch von der NSDAP. Wir sind bereit, im Ernstfall auch dem .System“ zu dienen.“ — Dem System, das sollte die Republik bedeuten, also der Staat, in dem sie alle lebten. Treviranus berichtet anschliessend hieran über einen Besuch, den ihm der Oberstleutnant Theodor Djisterberg kurz darauf abgestattet habe. Man sprach über die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. Düsterberg sollte Kommissar für den Arbeitseinsatz der Arbeitslo- FREY GADO Verreist bis 20. Januar PUEÎRREDON 1* iztg 2190 nachm. 16—19 Uhr T. E. 83 2613 REAL PEN: Füllhalter ♦ REPARATUREN Î Spezialgeschäft . CORRIENTES 589 I T. E. 49-5850 * ♦ ♦ ♦ ♦ ♦ ♦♦♦♦♦♦♦♦' jJaime Liebling! S. A. i! SPERRHOELZER : H O E L Z E R; DIAZ VELEZ 5224 i Tel.: 89-9349. 33-9305; PROPIEDADES FRANKENBERG berät Sie kostenlos und anverbindlich beim Kauf oder Verkauf von GESCHAEFTEN WOHNUNGEN HAEUSERN Manuela Pedraza 1530 pl. b. Dp. B T. E. 70-7244 sen beim Bau der geplanten Autobahnen werden. Düsterberg nahm an. Treviranus berichtet übrigens auch davon, dass ihn der bekannte Siahlheimfiih rer Seldte. der von den Nazis oftmals verspottete Selterswasserfabrikant. besucht und ihn gefragt habe: ..Habf Ihr nicht auch für mich ei nen Platz auf der Sonnenseite?“ Treviranus lehnte da mals ab und bemerkte später: ..Er konnte sich sieben Monate später bei mir bedanken, dass ich ihm cen Eintritt in das Hitlerkabinett nicht verbaut hatte.“ So sahen die Verteidiger der Republik aus. Derselbe Seldte, der unter Brüning zu arbeiten bereit war, wenn er einen entsprechenden Po sten .auf der Sonnenseite“ erhielt, wurde dann einer der Minister in Hitlers erster Regierung. Düsterberg war vorher Kandidat bei den Wahlen zur Reichspräsidentschaft gewesen. Er war im ersten Wahlgang unterlegen und trat dann für die Wiederwahl Hindenburgs ein. Als Hitler an die Macht kam. musste er verschwinden. denn dieser rechtsradikale Stellvertretende Stahlhelmführer war... jüdischer Abstammung. Am 30. Mai 1932 war es so weit. Brüning erklärte seinen Rücktritt. Das war das Ende der Weimarer Republik. Ein Historiker schreibt von dbm ,.Dolchstoss“, den Hindenburg an diesem Tage mit einer Treulosigkeit ohnegleichen versetzte, und durch den nicht nur die deutsche Republik, sondern auch der Frieden Europas getötet worden ist. Nach genau acht Monaten war es dann so weit, dass die Nazis die Macht übernehmen konnten. Die Kabinette des Herrenreiters von Papen und des Generals von Schleicher haben den Prozess des Verfalls nicht aulhalten wollen und können; sie haben ihn nur beschleunigt. Dass am Ende dieser Junkerherrschaft das Dritte Reich andämmern würde, konnte kaum noch zweifelhaft sein. Es gab keine wesentlichen Kräfte mehr, die imstande gewesen wären, diese Entwicklung aufzuhalten, weil niemand bereit war, die Republik wirklich zu verteidigen. An eine schrecklich 3 Episode sei erinnert, die einen Vorgeschmack für kom mende Ereignisse geben sollte. Unter der Regierung von Papens ermordeten fünf uniformierte SA-Männer in dem kleinen oberschlesischen Ort Potempa einen Arbeiter in seiner Wohnung, in die sie eingedrungen waren. indem sie ihn vor den I Augen seiner Mutter zu Toj de prügelten und trampel! t?n. Die Mörder wurden von I einem Sondergeritht zu Tode verurteilt. Der Geriehtssaal war mit uniformierter , , SA bis zum letzten Platz an- 1 1 gelülit, die unter dem Kommando des in voller .Kriegs- : 1 bemalung“ erschienenen Fe- | memörders Heines stand.! Nach dem Urteil begann die ] SA zu randalieren uno zu drohen. Das Gericht unterj! nahm gegen diese Rowdys! | nichts. (Heines wurde erst l von Hitler am 30. Juni 1934; I liquidiert). — i Die Empörung über die- [ sen brutal;n Mord war; gross. Trotzdem sandte Hit i , ler folgendes Telegramm an , die Mörder: ..Meine Karne-! 1 raden, angesichts dieses un-! | g-eheuerlichsten Bluturteils i! fühle ich mich mit euch in!! unbegrenzter Treue verbun-; i den. Eure Freiheit ist von i 1 diesem Tage an eine Frage | , unserer Ehre. Der Kampf : gegen eine Regierung, unter | ' der dies möglich war. unse- I ■ re Pflicht.“ — Das war im ,! August 1932. | | Obwohl Hitler auch den ■ neuen Reichskanzler vor I Papen in der schärfsten! I Form angriff. standen bei-; de in ständigem Kontakt. ■ Denn von Papens Regierung |! war von der Duldung der , i NSDAP abhängig. Die Welt-! 1 Öffentlichkeit aber konnte 1 1 keinen Zweifel mehr hegen, i was geschehen werde, wenn | Hitler einmal an die Macht i; kommt. Potempa war nur I eines von vielen grausamen I j Vorspielen. Niemand ver- ' stand aber diese Alahnungen. Oder wollte man nicht | verstehen? , Nach den deprimierenden i Schaustellungen im Reichs- 1 tag, in den die Nazis mit ei-; ner grossen Zahl von Abgeordneten als die stärkste Fraktion Hebung des Nalionalprodukts Jerusalem. — Israels Brutto-Nationalprodukt stieg um mehr als 11 Prozent während des Jahres 1962, ■wie die vom staatlichen Zentralbüro für Statistik veröffentlichten Ziffern enthüllen. In Anbetracht der 4V¿- prozentigen Bevölkerungszunahme beträgt die Steigerung des Nationalprodukts pro Kopf allerdings nur rund 7 Prozent, ln der gleichen Proportion erhöhte sich auch der persönliche Konsum. Die Ziffern zeigen, dass der Kauf haltbarer Gü ter wie Autos und Eisschränke sieh um 26 Prozent erhöhte, während der allgemeine Nahrungsmittel- Verbrauch um 8 Prozent stieg. Die Produktion der Industrie weist eine Steigerung von 15 Prozent, die Bautätigkeit 18 Prozent und der Ackerbau 11 Prozent auf. Die Investitionen waren um 11 Prozent höher. Während des Jahres 1962 bewilligte das Investitions-Zentrum der Regierung die Statuten von 350 Unternehmen mit einem Gesamtkapital von 173 Millionen Dollar und 85 Millionen IL. während die Zahl der zugelassenen Unternehmen im Jahre 1961 sich auf 453 belief, die insgesamt über ein Kapital von 158 Millionen Dollar und 156 Millionen IL verfügen. (ITA) (A SEMANA ISRAELITA Bisemanario — aparece .os Martes y Viernes. Editado por Estrellas Editorial Ltda. V -rantwortlich: Dr. Hardi Swarsensky PaeyrredAn 2190, 1? izq T, E. 83-2613 80 6930 Abono- Preise: Argentinien: $ 100.— pro Quartal Ausland $ 600 — jähr) berechtigten Hitler die Stimme gegeben hatte, der dann auch weniger als drei Monate später Reichskanzler wurde. Zwar hoffte man noch im November 32, von Hindenburg werde den ..Gefreiten des Ersten Weltkrie ges“ niemals als Reichskanzler anerkennen. Eine Begegnung der beiden Mitte des Jahres 1932 war unfreundlich verlaufen. Aber schliesslich hatte man lange Erfahrungen mit der politischen Unbeständigkeit des greisen von Hindenburg. Der Verrat an Brüning sollte nicht vergessen sein. Ein Grund, sich in Sicherheit wegen einer von den Nazis verlorenen Wahl zu wiegen, war nicht vorhanden, j Inzwischen ging das un- | fruchtbare Intrigenspiel wei- | ter. Junker, Schlotbarone,! Generäle schalteten sich in re. Die Weimarer Verfassung, deren Entwurf von einem Juden, nämlich von Professor Hugo Preuss, stammt, lässt das hohe Lied der Freiheit und Gleichheit aufklingen. Leider Maren die Gegenkräfte stärker und rücksichtsloser; sie haben die Freiheit, das Recht und die Gleichheit geschändet; sie haben die Vernichtung einer ganzen Welt herbeigeführt. Dass sie selbst dabei in den Abgrund stürzten, kann den Schmerz nicht lindern, den ihre Verbrechen ausgelöst haben. Dass sie über die Weimarer Republik triumphierten, vermag aber durchaus nichts daran zu ändern, dass in Wahrheit die Staatsmänner dieser Republik Grosses geleistet haben. Opfer verlangt .Jerusalem. — Ben Gurion hielt eine Ansprache an die Bevölkerung Israels und sagte, die Bevölkerung müsse sich auf weitere wirtschaftliche Opfer vorbereiten, um die Sicherheit des Landes zu garantieren. Er sprach auf einer Versammlung der Mapai. Seine Rede wurde durch Radio Jerusalem übertragen. Unter anderem sagte Ben . Gurion: ..Für die Zwecke der Verteidigung müssen die Israelis ihre Gürtel enger schnallen“. Dies sei im Angesicht der dauernden Drohungen Nassers erlor. derlieh. Den Gefahren, die durch Nasser drohen, könne man auf andere Weise nicht begegnen. Der Sieg Nassers im Yemen hätte ihn übermütiger gemacht. Man M-artet auf die Besprechung, die der Botschafter Washingtons mit dem Aussenminister. Frau Golda Meir, über die Probleme führen wird, die Präsident Kennedy für die Vereinigten Staaten entM’orfen habe. __ , die Politik ein. Die ver- und röT-in,*1 g€ZOf'e11 w'aren I schiedenen Strömungen in und Gering zum Reichstags- 1 n^,-haih UrAit au Präsidenten gemacht harten, kam es zu Neuwahlen durch eine Kette von Verfassungsbrüchen, die sowohl von dem Reichskanzler, assistiert vom Reichspräsidenten, oder umgekehrt, und von der nationalsozialistischen Mehrheit begangen worden sind. Das Staatsschiff schaukelte immer stärker im Chaos. Am 6. November 1932 erlitten die Nazis ihre erste empfindliche Wahlniederlage. Sie verloren mehr als zwei Millionen Stimmen. Ein knappes halbes Jahr zuvor hatten die nerhalb dieser Kreise, die kaum eine Verbindung mit dem Volk hatten, sondern I die typischen Repräsentanj ten einer untergegange- I nen Epoche gewesen sind, | kämpften miteinander. Sie alle wurden Opfer ihrer Intrigen. ihres Machtrausches, ihrer Geltungssucht. Sie begruben mit sich nicht nur ein Volk, sondern ganz Europa. Der Weimarer Republik aber ist bis heute kaum Gerechtigkeit M’iderfahren. Die einen sehen verächtlich auf das .System“, die anderen 10-7 .riv „ Nazis mit 1 mitleidig auf den geschei- 13,7 Millionen Stimmen 230 Abgeordnete von insgesamt 608 Volksvertretern in den i JUDITH I; J SCHENKGLEWSK! J ¡I KULTUSSTICKEREIEN 1; 2¡ Schahbosdecken Tallis-!j Í beutel Käppchen - Maz- V zot-Tasehen Hand- und ¡« Masihinenstickerri von =, Bett und Tischwäsche *, Í Dr. P. I. RIVERA 2585 I; £ (fr. Bebedero) ¡1 £ T. E. 73-9155 £ Confitería NIZA Reichstag geschickt. Jetzt erhielten sie .nur“ 11.7 Millionen Stimmen und bekamen 196 Abgeordnete; sie waren allerdings immer noch die stärkste Fraktion geblieben. Man versuchte, den auffallenden Stimmenverlust der NSDAP zu analysieren, und kam zu der Ueberzeugung, dass hier eine allgemeine, nicht lokale rückläufige Be wegung vor liege. Die Optimisten sahen die nazistische Gefahr gebannt, obwohl beinahe ein Drittel der Wahl- ‘ WOHEL N. PLAKSIlT Superi 2719 T. E. 76-6784 u. 76-2312 iVVVVWVW\*»-WVVVV*WwS I : JACOB LAPÍDUS;! * dipl. Mohel;! i NEUE ADRESSE J!* VIAMONTE 2037, Aj. B. < 46 1716 und 48-2U.4;■ I terten Versuch, eine Demo- 1 kratie aufzurichten. Man übersieht, dass es ohne die Erfahrungen, die alle Welt mit der ersten deutschen Republik gemacht , und die eine hervorragende Verfassung in der klassischen Stadt des deutschen Genius, in Weimar, angenommen hat, nicht zu einem zweiten, wahrscheinlich besseren Versuch gekommen wä- Dr. J. P. Kroll Bieber INNERE MEDIZIN u. RHEUMATISMUS Arzt am Hosp. Pirovano Mo., Mitt. Frei. 15-20 Uhr 3 de Febrero 2030 76 0266 Privat 52-7734 Dr. B. Schwär« ZAHNARZT HUGO STRAUSS TUCUMAN 1625 LA — T. E. 40-8442 Sprechstunden ab 15. I. 63 nach vorheriger Anmeldung Dr. BERNARDO GOLDSTEIN MEDICO Cardiología — Hospital Fernández Radio X — Durchleuchtung — Electrocardiogramme CUBA 2141 — T. 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