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Jüdische Wochenschau · 1962-12-28 · 1992 (28.12.1962) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
23 (1962)
Issue
1992 (28.12.1962)
Date
1962-12-28
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German, Spanish
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SEMANA ISRAELITA A8» XXIII. — No. I:tí»2 8 — Viernes, 28 de Diciembre de 1962 Die grosse jüdische Gemeinde Frankreichs Eine fast auf den neuesten Stand gebrachte, durch ziele statistische Angat/en lebendig gemachte Landkarte von Frankreich liegt vor uns. Zu etwa 60 Städten, ausser Zentralpunkten wie Paris und Marseille, sind jeweils zwei Ziffern, eine in Schwarz- und eine in Blaudruck eingezeichnet. Sie zeigen an. wieviele jüdische Einwohner die Orte vor fünf Jahren halten und in welchem Ausmass die Zahl seitdem angestie- . gen ist. Endergebnis: 1957 waren es etwa 350.000, und heute sind es weit mehr als 500.000. (Interessenten seien in diesem Zusammenh ing auf den soeben erschienenen kleinen, informativen ,,1963 Guide to Overseas Operations of the American Joint Distribution Committee“ aufmerksam gemacht, der beim AJDC, 64. Rue du Stand, Genf, erhältlich ist.) Damit ist Frankreich, sozusagen über Nacht, zur grössten jüdischen Gemeinschaft in Europa geworden. Bisher stand Grossbritannien mit 450.000 Juden an der Spitze der Skala. Die Ur sache des rapiden, mit | schweren Sorgen und manj nigfachen Problemen bela- denen Wachstums in Frackj reich liegt, wie seit M:.na I ten bekannt und öffentlich j erörtert, insbesondere in dem Flüchtlingsstrom aus Algerien, der den aus ande-1 ren nordafrikanischen Läni cern W'ie Marokko und Tu-! nis erheblich übersteigt. Zu sammengenomrnen, kann , man mit nahezu 180.000 j Flüchtlingen, mögen sie als ,,Repatriierte“ oder als ' ..Neuankömmlinge“ angese-, hen werden, rechnen. vVas j ihre auch nur allmähliche Integration nach der snzia- I len und kulturellen Seite hin . bedeutet, mag am besten eri messen, wer aus eigener | Kenntnis Vergleiche mit ' dem Abscrbierungsprocess , anderer jüdischer Flüeht- | lingsgruppen im letz,er. \ Vierteljahrhunderf ziehen kann. AUF DEM WEG j ZUR KONSOLIDIERUNG kündeten damit sichtbar das Gefühl ihrer geistigen Verbundenheit der Ständigen Konferenz, deren europäischer Rahmen sich so zuse hends weitet und festigt. Die Genfer Tagung, vom Vorsitzenden der Konferenz Dr. Astorre Mayer (Mailand), fachlich und wie es sich in der Stadt der internationalen Begegnungen ge- ■ hört, auch sprachlich souve- | rän geleitet, bildete auch in sofern einen Schritt vor.! wärts, als es die erste von j der Patenschaft des J .int losgelöste war. Eswar J mehr als eine symbolis-he j Geste, als Charles II. Jordan (Genf), der AJDC-Gene- [ raldirektor, Dr. Mayer den das Präsidentenamt kenn i zeichnenden Hammer feier- ' lieh übergab. Mayer ging in | seiner Willkommens - Botschaft an die Tagungstril- | nehmer sogar soweit, die Hoffnung anzudeuten, dass die Ständige Konferenz der- „Siaendige Konferenz" in Genf ron Dr. E. G. LOW ENTHAL Warren Fineger (Genf), von f den. stellte Theodore Lawrence ,für den amerikanischen Botschafter bei den UN), von Rabbi Horodetzki (Paris) und Otto H. Heim (Zürich) im Auftrag des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes berichtete zunächst H. Oscar Joseph (London) in doppelter Präsidenten - Eigenschaft: einmal über die sich konsolidierende Tätigkeit des noch jungen ..International Council on Jewish Social and Welfare Service“, der sich vor allem beratende Mitwirkung in gewissen Gremien der UN zum Ziel setzt, und zum anderen über die Arbeit des (seit bald 30 Jahren bestehenden) „Ceneinst einmal dem Joint bei Wal British Fund for Jewish der Bewältigung seiner jüdischen - sozialen Tätigkeit in anderen Teilen der Welt zur Seite stehen könne; damit solle auch Dank für seitens des Joint geleistete Anfangshiife abgestattet werden. Inzwischen ist auch der Uebergang von der ursprünglichen qua-persona Relief and Rehabilitation“ in den abgelaufenen 12 Mo' naten. Jordan war mit einem ,.Global Report“ angekündigt, und in der Tat erstattete er — weniger als Joint- Direktor als als Mitarbeiter der Ständigen Konferenz und anderer Körperschaf en einen weitfassenden, auf fest, dass die Notstandsphase noch kei-' neswegs als überwunden an- I gesehen werden dürfe, und! lobte die Opferbereitschaft I vor allem der französischen! Juden. Er schilderte die I Fürsorge für die alten -nd I behinderten Menschen in Is-, rael, denen der grösste Poj sten im Joint Budget zugu- , tekomme. sowie für die in I Persien und die noen in ' nordafrikanischen Ländern j lebenden Juden. Schliesslich, ging er -auf die AJDC-Arbeit j in anderen Teilen der Welt 1 ein. Seine Ausführungen, . um die zuströmenden ,,Neu die HIAS- und ORT-Arbeit ankömmlinge“ aufzunehnur kurz streifen konnten, , men. Er nannte die Note wurden durch Max A. Brau-', beim Namen: Unterbrin de (Genf), den Direktor uer gung. Schulen, Betstätten, -ur u /-vT.-r. Union, und Ja j Rabbiner, Jugendleiter, zenden von Oran (Algerien), fand die Ständige Konferenz kenntnisreiche und urteilsfähige Sachverständige für die sich aus der Notlage er gebenden Fragen. Kelmans bemerkenswerte Analyse, mehr vom Geistigen. Religiösen, und Jugenderzieherischen her. gipfelte in der Feststellung, dass die traurigen Vorgänge in Nordalrika wahrscheinlich zu einer Bereicherung des jüdischen Lebens in Frankreich führen. Kelman war angetan von der Haltung der Juden in anderen europäischen Ländern, die gute Solidarität bewiesen hätten. Samuel bezeichnete die jüdisenen Gemeinden in Frankreich nicht als ..unterentwickelt“; sie seien vielmehr unzureichend ausgerüstet gewesen. dische Ansprüche gegen Deutschland, den Spezialbericht über seine Kot perschaft beendete, brachte er zum Ausdruck, dass sich in nicht allzu ferner Zukunft aus einer ,,Ständigen Konferenz für eine „Ständige Konferenz von jiidi sehen Gemeinden in Europa entwickeln möge. Im übrigen behandelte er Entstehung. Entwicklung und praktische Auswirkung der auf den Luxemurg-Verträgen lastenden deutschen Entschädigungsgesetze, wies auf die angestrebte Entschädigungs - Schlussgesetzgebung hin und gab einen kurzen Ueberblick namentlich über die Leistungen aufgrund des Kulturprogramms der Claims Conference. BLICK IN WEITERE ZUKUNFT Mitgliedschaft zur Zugenö | kein bestimmtes Gebiet beschränkten Bericht über aktuelle jüdische Sozialarbeit, der. obwohl er auch von Geld handelte und handeln musste, eine betont menschliche Note trug. Ohne die Existenz der Konferenz hätte es, so hob Jordan hervor, keine ausreichende Hilfe für die jüdischen Flüchtlinge aus Nordafrika (Algerien, Tunesien. Marokko) geben können. Der Joint habe im laufenden Jahr 3 Millionen Dollar allein für Hilfe zugunsten dieser Flüchtlingsgruppe ausgegeben. Jordan sprach auch den Regierungen und nicht zuletzt dem Flüchtlings - Hochkommisrigkeit von Organisationen bezw. Gemeinden zur Ständigen Konferenz erfolgt. In dieser Verselbständigung, die eine neue Phase in der Nachkriegs-Zusammenarbeit zwischen dem Joint und den jüdischen Gemeinden in Westeuropa rinleilet, spiegelt sich die wachsende Initiative der Gemeinden auf dem Gebiet des Wohlfahrts-, Gesundh? ts und Erziehungswesens wider. In solchen Aufgaben liegt zugleich eine betrachtj liehe Stärkung des jüdischen | Lebens überhaupt. Edw ird I M. M. Warburg (New; Yarkl, der Präsident Jesj World ORT mes P. Rice (New York).! hauptverantwortlich für den : United HIAS Service, nach I der Seite der Fachausbil' , dung (insbesondere in I Frankreich) und bezüglich : gewisser Wanderungsbewe-! gungen (aus Kuba. Nord-! afrika, Frankreich) wesentlich ergänzt. Der Direktor der in vielen Ländern täti gen Jewish Colonization Association ( 1CA). V*ctor Girmounsky (London), konnte u, a. berichten, dass nach wie vor 2.000 jüdische Familien auf ICA-Böden in Argentinien existieren. In einer Botschaft führte der am persönlichen Erdankte allen, die bisher mit I ^ch eJ e i? d i Ü Rat und Tat eingesprungen seien, allen voran Dr. Nelson, dem Joint-Direktor lür Frankreich, umriss den Umfang der noch aufzubringenden Mittel. Ganz oder, besser, vorwiegend im Zeichen dieser neuesten tragischen jüdischen Wanderungsbewegung stand die mehrtägige Jah reskonvention ¿er .Standing Conference on Jewish Community Services“, der ,.S‘än digen Konferenz für europäische Gemeindediens’e“, ciie dritte Tagung dieser Art. die vor kurzem in Genf zu Ende ging. Diese nicht allein mit der väterlichfreundschaftlichen Hille -’es American Joint Distribution Committee (AJDC) ins Le ben gerufene (west-)europäisc-he Organisation war von Vertretern von Gemeinden, Gemeindeverbänden und Wohlfahrts - Spitzenkörperschaften aus 14 Ländern beschickt. Federfiinrend für Westdeutschland war die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland e. V (Frankfurt a. M.). Insgesamt werden es, Ehrengäste. sonstige Gäst? und ..Offizielle“ vom Vorstand vnd dem Ländei-direktorenkveis des Joint und verwandter jüdisch-sozialer Organisationen), 150 Personen gewesen sein, von Oslo bis Athen und London und Amsterdam bis Rom und Belgrad Verständlicherweise war die Delegation aus Frank reich bei weitem die stärkste und in Berichterstattung und Diskussion aktivstehinzu kamen mehrere französisch. sprechende Beobachter aus Marokko, Tunis und Algerien. Zum ersten Mal waren, besonders herz lieh begrüsst, Vertreter der .(1500—2000 Seelen zählenden) jüdischen Gemeinde Madrid und der Gemeinde der finnischen Hauptstadt Helsinski anwesend; sie be- Joint, kennzeiehnete in ei-d sar be> ^en Vereinten Naner kurzen Begriissungranj üonen dankerfüllte Anerkensprache die sich so immer | nunS und. wie es vor ihm stärker abzeichnende Ver- | schon Oscar Joseph getan selbständigung mit den Wor- I hatte, zugleich die Hoffnung ten: War der Joint einst die! ausdass, entgegen gewislebenswichtige Verbindung i sen , Bestrebungen an der zwischen Amerika und Eui dieses wichtige ropa, so ist er nunmehr zum! s0 wie möglich Bindeglied zwischen den beiden jüdischen Gemeinschaften geworden. Und er fügte hinzu, wie beachtlich es sei, dass die leistungsfähigeren jüdischen Gruppen in Westeuropa den schwer bedrängten in Frankreich zu Hilfe kommen. Dje weitgehend aus jüdischen Flüchtlingen aus Europa entstandene ame rikanische Judenheit würde ihre Anstrengungen zugunsten der französischen jüdischen Gemeinschaft forisetzen. ORG A NIS ATIONE X BERICHTEN Es hiess. aufmerksam zuzuhören (auch hinzusehen), wollte man die Fülle ues zur Darstellung gebrachten, Entwicklungen, Fakten und Probleme aufzeigenden Materials in sich aufzunehmen. Das Wort „Report“ stand nicht weniger als ein Nutzend Mal auf der sorgfältig vorbereiteten und pünktlich durchgeführten Tagesord nung. Dennoch blieb Raum für mitunter anregende, aufschlussreiche konstruKtiv. kritische Diskussion. Ein lehrreicher und zugleich an die Emotion rührender Film über neuartige Formen der Ausbildung jüdischer Sozialarbeiter an der Paul-Baerwald-Schuie in Jerusalem war eingeschaltet. Der zweite Abend war einem geselligen Empfang, den Jorden und seine Kollegen veran stalteten. Vorbehalten. Nach Begrüssungsansorachen des israelischen Botschafters in Bern. S, Bentsur. des Vertreters des UN- Flüchtlings - Kommissars, i erhalten bleiben möge; denn j es wirke für Hunderte- und | Tausende von Flüchtlingen in der Welt als unentbehrlij eher Ratgeber und Helfer, j Im weiteren Verlauf sei- I nes Berichtes behandelte : Jordan Einzelheiten des Exodus der algerischen Ju- „Antisemit Krutschew“ I New York. — Die „New! York Herald Tribüne“ be : schuldigte den sowjetischen I Ministerpräsidenten kürzlich des Antisemitismus., Das Blatt schreibt: „Wie; Stalin will er offensichtlich; das religiöse und rassische i Bewusstsein von Judeu li- | quidieren, weil dieses Bei wusstsein ihnen die Urner- | werfung unter den Komrau- ' nismus erschwert, sie zum I Blick über die Grenzen der , Sowjetunion vor allem nach j Israel und den USA ertnu-! ligt und «ine Einstellung , hervorruft, die von den;• Kommunisten mit Rebeilion j und Verrat gleichgesetzt | wird.“ i Krutschewkönne, so meint! das Blatt, die Juden auf sehr einfache Art loswer. i den: „Er braucht nur den Eisernen Vorhang zu lüften j und ihnen zu erlauben, die Sowjetunion zu verlassen. , Die Alternative wäre, die Juden in Frieden zu lassen und zu hoffen, dass sie sich ' im Laufe der Zeit assimilieren .. Beide Möglichxei'! ten schlossen Risiken ein. und deshalb hat es Kru ‘ tschew vorgezogen, die leichtere, traditionelle Po- litik des Antisemitismus zu I wählen.“ (AWZ) BEDARF AN HILFE Der ganze Nachmittag Pes 5. November war der Lage der Juden in Frankreich und in den nordafrikanischsn Ländern, mit anderen Worten der, wie es einer der Sprecher zu diesem Thema formulierte, „neuen jüdischen Geographie“ gewidmet. In Claude Kelman (Paris), dem Vizepräsidenten des FSJU (Fonds Social Juif Unifie), Julien Samuel (Paris), dem Exekutivdirektor dieser zen*ralen frar.zö sischon jüdischen Hilfsorganisation. und Maitre I. Chouraki. dem Gemeindevorsit- Während die aktuelle Gej gebenheit. Juden in Frankreich. den Grcssteil der Jah-! restagung in Anspruch! nahm, war die Berichter-; stattung über die laufende; Arbeit der Ständigen Konfej j renz zunächst in die Aus- | Schüsse verlegt worden, i aber auch da spielten die! Folgen der Vorgänge in : Nordafrika naturgemäss ei- : ne Rolle. Die Ausschüsse! waren von Beginn der ei- , gentlichen Konferenz zu :än- ' gerer Aussprach zusamn.en- , getreten, um zu dem ple.; num zusammenfassend vor- Botschafter bei den Vereinten Nationen, Moshe Bartur (Genf), u. a. aus, wir erlebten eine Art europäischer Renaissance in der Wirtschaft, in den Naturwissenschaften, im Kulturleberi. Die so hart getroffene, aber s.ch langsam und sicher von dem Schlag erholende europäi, sehe Judenheit könne nicht übersehen werden; sie mache 15 Prozent aller Juden j aus, während 60 Prozent in . der amerikanischen Hemisphäre und 25 Prozent in Israel lebten. Die europäische! Judenheit zeichne sich i durch kleine Gemeinden, I aber auch durch ihre geo- ' graphische Nähe zu Israel j aus. Diese Nähe sei wichtig! fiir eine zukünftige enge : Zusammenarbeit. Der Vorsitzende Dr. Mayzulegenden Ergebnissen zu i . . , , , gelangen. Wie im Paria-; fkonnte noch bekann|ement lag hier das Schwer-: nbendiesjährige „Wilham J. Shroder - Geoenkpreis“, den der (1932 gegründete) amerikanische „Council of Jewish Federation and Welfare Funds“ vergibt, sei der Ständigen CLAIMS CONFERENCE | Konferenz in Ansshung ihrer j „hervorragenden Leistung Indem Mark Uvealsr (New j auf dem Gebiet der inter- York>, der Sekretär uer ' nationalen Sozialarbeit“ zu- Konferenz für materielle jii- | erkannt worden. gewicht in den Kommissio- . nen, deren Erörterungen erst am letzten Tag in ge- ' drängter Form zu Geltung j kamen. KEREM-KAYEHETH DIE BRUECKE ZWISCHEN UNS UND ISRAEL IST DIE BLAUE BUECHSE DES KKL

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