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Jüdische Wochenschau · 1962-12-28 · 1992 (28.12.1962) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
23 (1962)
Issue
1992 (28.12.1962)
Date
1962-12-28
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German, Spanish
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Lichterbaum - hier und dort von SCHALOM BEN-CHORIN Die in London erscheinen *ie Zeitschrift ..The Li'ocrai Jewish Monthly“ bracnte im vergangenen Jahr in ihrer Dezember-Ausgabe als Leitartikel einen Aufsatz von Michael Abraham unter «lern eigenartigen Titel ..The Chanukka Bush“ — sozusagen der Chanukka-Baum, in Abwandlung das Weihnachtsbaumes. Als Motto sland darüber der fast un übersetzbare, überaus rhyth mische Vers aus einem Gedicht. das die Sitte parodiert. Chanukka zu einem judaisierten Ersatz - Weihnachten zu machen: So \ve toss for ¡he dross. And cross Santa Claus With menora and tree , in the window. Sc werfen wir alles auf einen Haufen. Um mit dem Nikolaus zu lauten Mit Menora und Baum im Fenstern . Wir erfahren erstaunliche Dinge, so z. B. dass es ei nen .Onkel Juda“ Iden Makkabäer) gibt, der den Kindern Geschenke bringt. Wer hätte das gedacht? Feiner werden wir hier mit einem neuen „Minhag“, eben dem Chanukka - Busch bekannt gemacht, dem Ersatz Weih nachtsbaum. Unnötig zu sagen, dass ..The Libei ai Jewish Monthly'‘ diesen Unsinn radikal ablehnt und von einer ..hoffnungslosen Konkurrenz“ spricht, wenn man sich schon auf diese kü .ist liehe Verfälschung des Chanukka-Festes einlässt, um es zur Weihnachtszeit in einer christlichen Umwelt ,at traktiver“ zu machen. Die Feste der Majoritä* sind immer für das Kinder herz irgendwie attraktiver. Das habe ich in umgekehr ter Richtung erlebt, als ich einmal ein kleines blondes Mädchen. Tochter eines pro testantisrhen Pastors in Je rusalem. fragte, ob es schöne Geschenke zu Christmas bekommen habe0 Nein“ entgegnete das Kind treuherzig: ,,Wir haben un.-er* Geschenke zu Chanukka he kommen!" (Der Grund ist leicht verständlich: das Kind geht in eine hebräische Schule und will nicht andere Feste feiern als sei ne Klassenkameraden. Das hat natürlich mit der eigentlich religiösen Erziehung im elterlichen Pfarrhaus nichts zu tun: aber die Macht der Umwelt ist unbestritten). Es ist überaus lehrre'ch, einmal diesen Fragenkomplex sozusagen in entgegengesetzter Perspektive zu sehen. Andererseits wird es ge lade bei voller Beriicksich* ligung der psychologischen Gegebenheiten verständlich, dass jüdische Eltern in Jen USA. wo die Trennung von Religion und Staat strikt durchgeführt wird, gegen Weihnachtsfeiern in den öffentlichen Schulen ankämpfen. obwohl es nicht selten ist. dass in diesen Schulen auch Chanukka-Feiern statt finden. Man verzichtet dann gerne auch auf diese und möchte so das Feiern der Feste auf die Familie und das Gotteshaus den Klub und den Jugendbund beschränken. aber die Oeftentlichkeit gewissermassen ausschalten. Aussichtsloses Behnühen: die Kommerzialisierung des Weihnachtsfestes hat in den USA und in vielen Ländern Europas so ungeheure Aus masse angenommen, dass sieh kaum ein Mensch, ge" .wiss aber kein Kind der Suggestion einer penetranten Reklame entziehen kann. Es beginnt beim Kalender. den man gratis vom Kaufmann erhält, und in welchem man schon Monate vorher immer wieder mit suggestiven Slogans wie ,.Nur noch 1992 Einkauf.sta ge für Weihnachten“ an die Geschenk-,.Pflicht“ erinnert wird. Bunte Bildinserate mit Tanntnbaum und rotberotr tem Santa Claus der alle Jahre wieder z. B. „4711 offeriert, gehen in die Substanz. ins kollektive Unbewusste ein. Es ist nichts da gegen zu machen. Allerdings hat dieser ganze Rummel mit der Botschaft des Weihnarhtsfeaes überhaupt nichts zu tun, und so ist man in angelsäcnsischen Ländern schon häufig zu der sozusagen neutraler. Bezeichnung ,X-mas‘ über gegangen. Aber in den Schulen sieht die Sache doch wieder anders aus, da man hier gern Krippenspiele zeigt, die nur, dem Kern des Festes voll entsprechen. Und hier ergibt sich für jüdische Kin der und Erzieher die Frage der Beteiligung. Umgekehrt ist die Sache viel leichter, . denn das Verhältnis der Christen zu den Makkabäern ist ja völlig unproblematisch. Die katholische Kirche gedenkt sogar am 10. Juli besonders der sieben Söhne der Hanna aus der Glaubens - Geschichte der Makkabäer. Es entzieht sich naturge. mäss der Statistik, wie gross die Zahl der Juden noch heute ist. die in ihren Häusern •— in Amerika und Europa — das Weihnachts fest feiern. Zionistische Führer tun das wohl nicht mehr und wir wundern uns heute über Theodor Herzls naive Eintragung in sein Tagebuch: ,,24. Dezember 1896 Eben zündete ich meinen Kindern den Weihnaclitsbaum an. als (Oberrabbiner t Güdemann kam: Er schien durch den „christli chen“ Brauch verstimmt. Na. drücken lasse ich mich nicht! Aber meinetwegen solTs der Chanukkabaum heissen — oder die Sonnenwende des Winters?“ Der Visionär des Judenstaates also auch der Visionär des Chanukka-Busches, von dem das londoner ..Liberal Jewish Monthly“ heu te zu melden weiss. Unvergessen ist auch noch Sammy Gronemanns hübsche (erfundene oder wahre?) Anekdote von dem berliner jüdischen Kind, da« im Fenster der christlicnen Nachbarn den Weihnachts bäum entdeckt und erstaunt ausruft: „Sieh mal Mutti, die Gojim haben auch einen Weihnachtsbaum! “ Wie aber liegen die Din ge nun in Israel? Das Weihnachtsfest (in seiner rein weltlichen, geselligen Form) hat offenbar auch mer grösste Anziehungskraft, so gar auf Kreise, die es ei g^ntlich nicht aus ihrer Jugend kennen. Man konnte z B. den englischen Brauch, zum Christmas-Dinner einen Truthahn zu essen als Gegenstand eifriger Reklame in der hebräischen Presse bemerken, wo Truthahn fm ..das Fest“ angeboten winde. ohne nähere Angaben um welches Fest es sicn handelt, aber der Scharfsinr des Lesers war auf kein' allzuharle Probe sestellt Der jerusalemer StU'ler, ienverband sieht sich nur Jahr um Jahr genötigt, be sondere Verbahungsmassre eeln für Studenten auszugeben die Weibnacldsgores dienste besuchen, um St<> - ungen zu vermeiden. Der Das Leo Baeck - Institut sucht DOKUMENTE-URKUNDEN CHRONIKEN BILDER über die Geschichte des ehemaligen deutschen Judentums sammelt das LEO BAECK-INSTITUT PUBLIKATIONEN DES IE0 BAECK INSTITUTES SCHRIFTENREIHE W1SSENSCHAFTLJCHER ABHANDLUNGEN DES LEO BAECK INSTITUTES J. C B. MOHR (PAUL SIEBECK) TUEBINGEN / YEAR BOOK VI I960 — VOM L.B.-INSTITUT HERAUSGEGEBEN: BY THE EAST AND WEST LIBRARY, LONDON mit einer Fülle hervorragender Beitrage in englischer und deutscher Sprache. (416 Seiten) WERDE AUCH DU MMTGEIED des Leo Baeck-Instituts Anmeldungen bei Herrn CURT WILK, Moreno 2256, und im Büro der JUEDISCHEN WOCHENSCHAU. Pueytredon 2190. 1, izq. (83/2613) UTERATUK Ein Brief aus ¿w New York, Ende Dezember 1962 Das Jahr 1962 neigt sich seinem Ende zu. es ist, für hiesige Verhältnisse, schaurig kalt und hat zum ersten Mal geschneit. Die Newyorker verbringen darum ihre Wochenenden meist zuhause und lassen sich von den Redakteuren. Kritikern und sonstigen Mitarbeitern der „New York Times“ und anderer Zeitungen am Fcrnseh-Bildschirm die Zeitung, vor allem die Sonntags-Ausgabe vorlesen. Denn New York hat einen Zeituogsstreik. und um zu w-iscen. was in der Welt vorgeht, muss man zu ungewohnten Zeitungen aus Philadelphia Boston oder Washington greifen. Da hat denn die bedeutendste New Yorker Zeitung, die „New» York Times“, obwohl sie über eine eigene Radio-Station verfügt. als erste den Wreg gewiesen, hat mehrere Stunden Zeit an einem der grossen Fernseh-Sender gemietet. und die Autoren der diversen Artikel, Berichte und Kritiken lesen ihre WTerke vor. Das hat verschiedene Vorteile; die Männer, die uns Tag fiir Tag ihre Meinungen und Einstellungen vorselzen, und deren Namen uns vertraut sind werden auf einmal lebendige Menschen. die wir uns von nun an vorstellen können, wenn wir (zuweilen) mit ihren Meinungen einverstanden sind, und mehr noch, wenn wir (zumeist) anderer Meinung sind — und angesichts der begrenzten, am Fernsehen zur Verfügung stehen den Zeit -sind die Fabrikanten der öffentlichen Meinung gezwungen, sich kurz zu fassen und nicht uferlose Weisheiten von sich zu geben, wie es normalerweise in der Sonntags-Ausgabe der „New York Times“ geschieht, »lie den Umfang und das Ge wicht des Adressbuches einer mittleren Stadt hat. und die wirklich durchzulesen man einen ganzen Tag braucht. Die Fernseh-Sendung vorüber, genügt ein Blick aus dem Fenster auf das Schneetreiben. und wir greifen dumpf entschlossen zu dem. soeben in englischer Spra grosse Saal des YMCA in Jerusalem ist denn auch beim Choralsingen am Tlejlig-Abend mit jüdischen Gästen gefüllt, ebenso wie es beim Empfang der Schotti. sehen Kirche zu sein pflegt. Es gibt viele Mitbürger in Israel, die diese Ersehei nung mit einem unverholenen Aerger sehen. Ich glaube, dass dies aber nicht angebracht ist. Bedenkt man. wis viele christliche Besu eher hier zu den Hohen Feiertagen in den Synagogen erscheinen, wie viele Niehljuden zu Pessach an den den Seder-Feiern teilneh men. so wird man milder gestimmt. Es ist verstand lieh, dass gerade die israelische Jugend, die oft noch nie im Ausland war. auch etwas von der „W’elt der anderen“ kennen lernen möchte, und diese Gelegenheit bietet sich ihnen nun gerade zu Weihnachten in Nazaret und Jerusalem, in Haifa und Jaffa. Es ist hiei keine Gefahr der Assirr.ila iion gegeben; aber es isi gut und nützlich, sich gegenseilig kennen zu lernen, mul die Feste des jüdischen und christlichen Jahres sind ein solcher Anlass Im nge nen Land und Volk sind wir nicht mehr der Gefahr aus gesetzt, den Boden unter unseren Fiissen zu verlieren. von Dr. FRED£R)MR-l*CHMA che erschienenen Buch tim Verlage Little, Brown and Company, Bosten/Toronto) von Dr. Joachim Prinz, einstmals Rabbiner und, man staune, zionistischem Führer in Berlin, jetzt im mer noch Rabbiner (am andern Ufer des Hudson, visa-vis von New York, in Newark im Staate Jersey) und Präsident des American Jewish Congress, aber heftiger Gegner der Ziomstischen Organisation Wir öffnen das Buch mit Spannung. Die Anschauungen des heutigen Dr. Prinz, die er 1961 erstmalig verkündet hatte, waren damals die Ursache leidenschaftlicher Debatten in den Vereinigten Staaten und in Israel geworden, vor allem seine Einstellung zur derzeitigen zionistischen Bewegung. Sein Buch, das dem ..Dilemma des modernen Juden“ gewidmet ist, wird, so wissen wir, uns wettere Aufschlüsse geben. Dr Prinz setzt mit Recht die Geburt des modernen Juden in die Zeit der französischen Revolution und der daraus resultierenden Emanzipation. Er stellt fest, dass die Emanzipation in ihren Auswirkungen grosse Fortschritte gebracht, aDer r.iemals zur vollen Gleich berechtigung des Juden geführt hat, und er gibt eine kurze Geschichte der Entwicklung des Zionismus und der Entstehung Israels. In seinen Schlussfo.gerungen, die auf der Einstellung beruhen, dass der Staat Israel, einmal geschaffen, eine weitere zionistische Bewegung sinnlos mache, verlangt er für die in der Ga lut lebende Judenheit ..eine jüdisch-politische Unabhängigkeitserklärung vom Staate Israel. Die Zionistische Bewegung“, erklärt er, ..die einem von Parteien kontrollierten Zionistischen Kongress verantwortlich ist, kann eine solche Unabhängigkeit für sich nicht in Anspruch nehmen.“ Die wahre Gefahr der Galut-Judenheit besteht nach Dr. Prinz nicht im Antisemitismus. sondern im allmählichen Verschwinden des Antisemitismus und damit einer zunehmenden Indifferenz. der Juden dem Judentum gegenüber Die Problemstellung ist alleren igs derzeit bestenfalls für die Judenheit in den Vereinigten Staaten, nicht für die in anderen Ländern lebend? zutreffend — und in der *at beziehen sich die Forderungen. die Dr. Prinz Hinsicht lieh einer Intensivierung des jüdischen Eigenlebens stellt, auf das nordamerikanucne Judentum. Es ist interessant, hass zur selben Zeit, da das B -ch von Dr. Prinz erscheint er selbst von einem Besuch in Deutschland zuruekkshrt mit dem Eindruck. Demo kratie sitze in der BumFsreoublik um einen englischen Ausdruck in ungefährer Uebersetzune wiederzugeben bestenfalls ..gerade unter der Haut“, d. h. es sei mn die iiussore Form ter kratie vorhanden. Ene kiirzliche Massen-Befragung habe ergeben, dass 8 - r<^- zent der IV ostdeutschen noch an Hitler glauben, und dass 39 Prozent in Bt-zng auf Nazismus ..unentschieden' sei- -ui Was den Antisemitismus anianit. so sagt rnnzi .A«- Mcemitismits m DeuLcm-tno war in der Vergär,genant, und ist in der G'-genwmL ein Antisemitismus ohne Juden Da Juden niemals mehr als 1 Prozent der den*- sehen Bevölkerung «*usmachten. bat 1 ^isemitisnf: mvsüscher Q“‘ ber kann untei ^ntiseiuitisnius ben. sogar h< Deutschland Individuen un,1 nen Deutscher pr Grünewal dm' Rabbiner bürg. hat. «,|e * sammenhaflg ö den soll, stiebt Teilnehmer ein orthodoxer & Washington in setzt, indem er „In 20 bis 30 Je keinen Joden land mehr gebt sache der ajigt sungslosigkeit ■ ter als die garr rasehende Fest sache ist. dass eben Kreisen h be immer mel eine der Folg päisehen Wirts schaft werde e der Zahl der sehen Bundes Jssigen Juder Eine weit er Mitteilung, die newald macht darauf, dass t Tausende <ke ier: Tausende Deutscher gab dentum über sehen — mam nutzung einer oder einer I wegen, oft mi ben. nach Isr emem Lande. Wu ^"abend, d Zantac ^na&nd aen d, P^oofstag d >'ag. den kn ï£t* tr*. ttenstr en a»«*. a«. den den •'io«!** . St den Lxeh oer, oen

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